Baumstarker Abschluss unserer Zeit auf Kreta

 

Niedliche Welpen und ein selbstbewusster Kater

4. Februar 2018

In Nea Roumata spielen ein paar Welpen hinter einem Zaun am Strassenrand.
Wir stoppen, um sie zu beobachten. Sofort tapsen sie herbei und lassen sich streicheln. Wir tun das, so gut das durch den Maschendraht geht.

 

Niedlicher Welpe

 

Plötzlich ruft uns ein Mann auf Englisch etwas zu.
Wir drehen uns um.
Von seiner Terrasse herab bietet er uns einen Welpen an. Als wir zögern, meint er, wir könnten auch mehrere mitnehmen. Auf unser Argument, dass wir im Wohnmobil keinen Platz hätten, entgegnet er, dass es keine grossen Hunde seien, sie würden auch klein bleiben.

Obwohl uns einer besonders treuherzig anschaut, reissen wir uns los und fahren wir ohne Vierbeiner weiter.

Wenig später erfreut sich unser Auge an den ausgelegten Netzen unter den Olivenbäumen. Die sind hier nicht grün oder schwarz, sondern orange; ein schöner Kontrast zu den olivgrünen Bäumen.

 

 

 

 

 

 

Am unteren Ende der Irini-Schlucht wollen wir auf dem Parkplatz für Wanderer und Besucher der Taverne, die leider im Winter geschlossen ist, übernachten.
Kaum steigen wir aus dem Fahrzeug, kommt ein Kater selbstbewusst auf uns zu und macht uns klar, dass das sein Platz ist und beileibe nicht kostenfrei. Laut miauend fordert er Streicheleinheiten und Futter ein. Wir entrichten den Obolus gerne.
Der Eintreiber scheint mit unserer Gabe zufrieden und schläft diese Nacht unter unserem NOBIS. Vielleicht gibt es ja morgen mehr?

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wanderung durch die Agia Irini-Schlucht

5. Februar 2018

Heute wandern wir die Agia Irini-Schlucht hinauf und wieder zurück.
In diesem einsamen Tal gibt es keinen Handy-Empfang und auch sonst kaum Verbindungen zur Aussenwelt.
So hat ein Baum nicht mitbekommen, dass bereits Winter ist und steht noch immer in seinem Herbstkleid da.

 

Baum im Herbstkleid

 

Andere haben ihre Blätter bereits abgeworfen und gar mit einem Stück verwittertem Holz zugedeckt.

 

 

Der Weg ist wunderschön angelegt und gut gekennzeichnet. An einer Stelle hilft sogar eine improvisierte Leiter, den kleinen Felsen zu überwinden.

 

Klettern oder steigen

Der Weg ist eng, aber nicht zu verfehlen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir lernen:
Ein Stein ist ein Stein.
Zwei Steine aufeinander gelegt sind ein Steinmännchen!
Zwei Steine aufeinander gelegt auf einem abgestorbenen Ast sind ein Kunstwerk!

Merke: nicht nur Reisen, auch Wandern bildet!

 

 

 

 

An einigen Orten, wo sich die Schlucht weitet, liegen lauschige Picknickplätze unter grossen, alten Platanen.

 

 

Oft ist der Pfad durch Holzgeländer gesichert.

 

 

 

Wanderweg-Serpentinen

 

 

Sensationelle Entdeckung: Platane frisst Felsen!

Was wir in dieser Schlucht entdecken, lässt uns das Blut in den Adern gefrieren.
Ein Stein wird von einer Platane umgebracht, indem sie seinen Kopf zerquetscht. Danach frisst der brutale Baum den bedauernswerten Felsbrocken genüsslich auf.

Du glaubst das nicht?

Wir liefern fotografische Beweise!!!

Platane zerquetscht Steinkopf!

Baum frisst Stein!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschockt wenden wir uns ab und sehen, wohin dieses Steinfressen führen kann. Die Wurzeln einer Platane, die einmal auf einem Felsen wuchs, stehen in der Luft. Der darunterliegende Fels wurde vom Baum vertilgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der unersättliche Baum hat sich bereits einen weiteren Felsbrocken in den Mund gesteckt!

 

 

Jetzt wo wir die Ernährungsgewohnheiten der Platanen entlarvt haben, fallen uns überall die offenen Münder auf. Eine können wir gar beim Kauen beobachten.

 

Platane kaut mit offenem Mund.

 

Nun verstehen wir auch die dekorativen Eidechsenwurzen auf einer Platane zu deuten. Das ist ein Grabgesteck!

 

Eidechsenwurz (Typhonium venustum)

 

Mit Gänsehaut verlassen wir diese schaurig-schöne Schlucht wieder. Scheinheilig winkt uns eine Platane mit einem bunten Blatt zum Abschied nach.

 

Herbstblatt einer Platane

 

Ab heute machen wir um Platanen einen grossen Bogen. Sicher ist sicher!

Wir haben nicht lange Zeit uns über die grausige Entdeckung Gedanken zu machen, denn vor unserem NOBIS steht der Parkplatzkater und fordert lauthals die Gebühr ein. Keine Frage, ohne Bezahlung kommen wir hier nicht mehr weg.

Übrigens: für die wunderschöne, aber anstrengende Wanderung über Stock und Stein haben wir 4 ¾ Stunden gebraucht.

Auf Kreta werden die Weiden oft mit Zäunen aus Armierungsnetzen abgegrenzt. Damit die Schafe und Ziegen nicht über die Strassen in Nachbars Grundstück eindringen, stehen an vielen Nebenstrassen Hunde, die an improvisierte Hütten angekettet sind. Sobald sich Weidetiere nähern, werden diese von den Wächtern mit lautem Bellen zurückgetrieben. Viele dieser Wachhunde sind aber verängstigt und versuchen sich zu verstecken, wenn wir uns zu Fuss nähern.

 

Vierbeiniger Strassenwächter

 

In Paleochora übernachten wir einmal mehr am Strand mit Sicht auf die Stadt mit ihrer markanten Festungsruine.

Link zur Wanderung durch durch die Agia Irini-Schlucht: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

3000 Jahre alter Olivenbaum

6. Februar 2018

Nach dem Frühstück besichtigen wir Paleochora.

 

Paleochora

 

Die Burgruine gibt nicht viel her, doch an der Strandpromenade entdecken wir einen originellen Wasserfisch. Was das ist? Ein Wasserhahn, der kein Hahn, sondern eben ein Fisch ist. Ist doch logfisch, oder?

 

„Wasserfisch“

 

Beim Fischhändler decken wir uns mit frischem Fisch ein. Er selber scheint Schnaps lieber zu mögen, wie seine Fahne und die beinahe leere Flasche neben der Kasse nahelegen. Obwohl er sich extrem langsam bewegt und schon undeutlich spricht, schafft er es jetzt am späteren Vormittag noch, die Fische sauber auszunehmen. Wie wird das in zwei Stunden sein?

In Floria sehen wir eine Katze, die Wasser aus einem Brunnen trinkt. Die sonnengewärmte Nische oberhalb der Wasserschale ist ideal, um bequem den Durst zu löschen.

 

„Katzentränke“

 

In Kakopetros biegen wir spontan ab zu einem „Monumental olive tree“.
Kurz vor Palea Roumata werden wir fündig. Direkt an der Strasse liegt ein kleiner, wunderschön angelegter Park mit einigen uralten Olivenbäumen.

 

Pärkchen in Palea Roumata

 

Hier mangelt es an nichts. Nebst dem Picknicktisch und einer Wasserstelle steht für die spirituelle Nahrung eine kleine Kapelle da.

Atemberaubend ist der Methusalem unter den Olivenbäumen. Annette erforscht mutig das Innere. Olivenbäume scheinen friedfertiger zu sein als Platanen. Als sie lebendig und unversehrt wieder heraustritt, wagt sich auch Beat in die Nähe dieses Ungetüms.

 

Annette im Olivenbaum

 

An der Basis weist der Stamm den gewaltigen Durchmesser von 4,7m bis 5,3m (Umfang: 21,6m), auf einer Höhe von 80 cm noch 3,7m bis 4,3m (Umfang 10,5m) auf.

 

Zusammen sind wir drei über 3100 Jahre alt!

 

Im Park stehen auch zwei Orangenbäume. Niemand scheint die süssen, reifen Früchte zu ernten und so retten wir einige der Heruntergefallenen vor dem Verfaulen. Danke für die 3 ½ kg feinen Saftorangen!

Im Dorf steht eine öffentliche Toilette und auch ein freies WiFi-Netz ist vorhanden. Was wünscht man sich mehr?

Am Eingang einiger Dörfer in dieser Gegend stehen Tafeln mit „Welcome to the martyred village of XY“.
Auch Palea Roumata hatte unter Vergeltungsaktionen der Nazis gelitten. Der Hafen von Paleochora sollte eingenommen und gesichert werden, um eine mögliche Landung von alliierten Truppen von Nordafrika her abzuwehren. Im Mai 1941 verhinderte die Lokalbevölkerung spontan die Durchfahrt einer Gruppe von Soldaten mit Wehrmachtsgespannen. Obwohl die Zivilisten kaum bewaffnet und nicht ausgebildet waren, konnten sie sich drei Tage lang halten.
Die Vergeltungsmassnahmen („Holocaust von Kandanos“) waren barbarisch: In Kandanos, Floria und Katopetro wurden an die 200 Einwohner exekutiert, die Überlebenden vertrieben. Die Soldaten zündeten alle Häuser an und schlachteten die Nutztiere ab. Die Dörfer wurden zu „Todeszonen“ erklärt.

Eine Erinnerungstafel an die Opfer und zwei eindrückliche Plaketten erinnern an den Widerstand der Zivilbevölkerung.

Auch Frauen haben zu den Waffen gegriffen …

 

 

… und ein Bauer versucht einen Soldaten mit einem Stein zu erschlagen.

 

 

Da wir morgen mit der Fähre Kreta wieder verlassen wollen, bleiben wir nicht hier, sondern fahren nach Kissamos, wo wir uns am Hafen für die Nacht installieren.

Link zur heutigen Strecke:

 

Fähre ab Kissamos … oder doch nicht?

7. Februar 2018

Heute um 9:00 Uhr soll die Fähre, wie jeden Mittwoch, von Kissamos nach Gythio fahren.
Annette wollte schon am 29. Januar per E-Mail die Fahrkarten in der Agentur in Gythio reservieren. Eine direkte Buchung über das Internet ist nicht möglich. Doch ihr wurde mitgeteilt, dass der Fahrplan für den Februar noch nicht verfügbar sei. Sie solle sich Anfang Februar nochmals melden, aber nicht unter dieser Adresse, sondern über eine der drei Telefonnummern, die in der Mail aufgeführt waren.
Annette rief am 2. Februar an. Eine der Nummern war nicht mehr in Betrieb. Auf den anderen zwei ertönte jeweils dieselbe griechische Ansage ab Band. Ein Kellner, der sich diese anhörte, erklärte ihr, dass sie mit dem Hospital in Chania verbunden sei.

Dass die Reederei krank sein könnte, kam uns da (noch) nicht in den Sinn.

Im Internet entdeckte Annette nach viel Suchen die Agentur in Chania, die diese Tickets ausstellen soll. Auf eine Mail von uns rief kurz darauf ein Mann an und informierte uns, was die Überfahrt kosten würde und dass die Fähre um 9:00 Uhr ablegen würde, wenn es das Wetter zuliesse.
Wir könnten am Mittwoch, also heute, am Morgen ab 8:00 Uhr die Tickets am Schalter im Hafen abholen.

Es ist 8:15 Uhr und Annette steht am Schalter. Der Himmel ist bedeckt und der Wind moderat. Also, Fahrkarten lösen und auf das Schiff fahren, das bereit steht und die Landebrücke heruntergelassen hat.

Denken wir!

Aber die nette Frau meint, sie wisse nicht, ob der Kapitän heute nach Gythio fahre. Sie ruft ihn an und der meint, nein, das Wetter sei schlecht.
Die Frau erklärt nun Annette ausführlich, mit welchen Fähren wir von wo und über welche Stationen doch noch irgendwie von der Insel weg kämen.
Annette: „Vielleicht legt die Fähre einfach später ab, bei unserer Anreise war sie ja auch wegen des schlechten Wetters verspätet“
Angestellte: „Da fragen Sie am besten den Kapitän selber, er steht dort drüben beim Schiff auf dem Pier.“

Als Annette Beat die skurrile Geschichte erzählt, lachen wir erst mal eine Runde. Wie soll eine Fähre so jemals rentieren?
In diesem Moment sehen wir einen LKW heranfahren und im Bauch der Fähre verschwinden.
Und schon eilt die Frau aus ihrem Büro: „Der Kapitän hat eben angerufen, er fährt nun doch!“
Und wirklich, wir dürfen bezahlen und ebenfalls verladen.
Aber auch das ist nicht ganz einfach, denn die vielen Offiziellen sind sich nicht einig, ob wir nun rechts oder links, weiter vorne oder weiter hinten parken sollen. Schlussendlich klappt es dann doch noch und wir fahren pünktlich um 9:00 Uhr aus dem Hafen.

Übrigens: unterwegs werden auf den Inseln Antikythira und Kythira noch weitere Fahrzeuge und Personen aufgeladen, auf Kythira gar drei grosse LKW’s.

Vermutlich ist die Fährgesellschaft doch krank und die Telefonnummer des Krankenhauses war gar nicht so falsch, wie wir anfangs meinten. 🙂

 

Keiner scheint hier den Durchblick zu haben.

 

Gibt es für das Schiff IONIS der Anen Lines doch noch einen Lichtblick, wie für dieses Fischerboot?

 

Lichtblick auf der Überfahrt nach Gythio

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

2 Gedanken zu “Baumstarker Abschluss unserer Zeit auf Kreta

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