Annette & Beat

Annette Lehmann Tännler             Annette

Jahrgang 1966

Ich bin im Freiamt aufgewachsen, das ist für alle, die die Welt vom Kanton Zürich aus betrachten, schlicht „jenseits der Reuss“. Die Schulzeit verlief im gewohnten Rahmen, abgesehen von einem anderthalbjährigen Aufenthalt in Gujarat (Indien) zusammen mit den Eltern und den zwei jüngeren Geschwistern. Noch heute bewundere ich meine Eltern dafür, dass sie sich auf dieses Abenteuer mit drei halbwüchsigen Kindern eingelassen haben, Hut ab! Vielleicht legte diese Erfahrung im Alter von 14, 15 Jahren den Grundstein für meine spätere Freude am Reisen? Zu erleben, dass es Menschen gibt, die anders aussehen, sprechen, denken, essen, glauben, sich kleiden und doch in Vielem ganz ähnlich sind wie wir, das hat mich tief beeindruckt.
Nach der Matura lebte ich ein paar Monate in Santiago de Chile. Anschliessend studierte ich einige Semester Psychologie, Psychopathologie im Erwachsenenalter sowie Sonderpädagogik an der Universität Zürich. Die Praktika in diversen Psychiatrischen Kliniken waren eindrückliche Erfahrungen! Und aus einem Praktikum von sieben Wochen im Fach Sonderpädagogik in einem Schulheim für „verhaltensauffällige Kinder“ wurde schlussendlich eine Anstellung von sieben Jahren. Damals machte ich auch meinen Pilotenschein im Deltasegeln und verbrachte viel Zeit in der Luft.
Nach sieben Jahren war ein Wechsel angesagt und ich kehrte mit den besten Absichten das Studium nun zu beenden an die Uni zurück. Doch ich merkte sehr schnell: das Leben ist weitergegangen. Nachdem ich lange Zeit mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet hatte, die sich unter schwierigsten Bedingungen durchschlagen mussten, konnte ich die „Probleme“, um die wir uns an der Uni hätten kümmern sollen, nicht mehr so ganz ernstnehmen. Ich landete im reifen Alter von 31 Jahren zum ersten Mal bei einer Berufsberatung.
Kleines Intermezzo: an der Uni Zürich hat es bekanntlich Tausende von Studenten. An einem Mittwochnachmittag stieg ich in einem Strom von Menschen an einem Institut der Uni rechts die Treppe hoch, links bewegten sich eine ähnliche Menschenmenge treppab. Für wenige Sekunden erblickte ich dort jemanden: „Den kenn´ ich doch! Woher bloss? Deltasegeln!! Ist das nicht vielleicht, wie hiess er noch?!?“. Da war er schon wieder verschwunden. Schade! Zwei Tage später auf derselben Treppe, dieselbe Situation. Aber dieses Mal war ich vorbereitet und konnte einige Worte richten an den bekannten Unbekannten. Es war sicher etwas Hochoriginelles wie: „Kennen wir uns nicht von irgendwoher? Bist Du nicht der Beat?“
So habe ich zwar keinen Universitätsabschluss erreicht, aber dafür den Mann fürs Leben gefunden! Und das ist kein Intermezzo!

Seit 1998 bereisten wir immer wieder die Azoren. Aus der Redewendung „Komm, wir gehen auf die Azoren“ wurde irgendwann eine vage Idee, welche sich über die Jahre zu einem konkreten Projekt entwickelte. Wir bereiteten unsere Auswanderung gut vor: wir besuchten Sprachkurse, kauften ein Grundstück, besorgten uns die notwendigen Bewilligungen, ich stellte Kontakte her zu Ergotherapeuten, die dort arbeiteten, suchte und fand eine Arbeitsstelle im grössten Spital der Insel São Miguel, und doch brachen wir nach anderthalb Jahren unsere Zelte dort wieder ab und kehrten 2007 in die Schweiz zurück.
Um viele Erfahrungen reicher, einige Illusionen ärmer, aber insgesamt mit dem Fazit: „Gut, dass wir es probiert haben!“

Viel Freude bereiten mir fremde Sprachen. Portugiesich, Italienisch und Englisch beherrsche ich gut. Auf Spanisch und Französisch kann ich mich so gut ausdrücken, um auch mal mehr als nur die Bestellung im Restaurant aufzugeben. Im Val Müstair kamen noch ein paar Brocken Rätoromanisch (Vallader, Jauer) dazu. Für unsere Reise, die ja auch nach Osteuropa führen soll, versuchte ich mir ein wenig Russisch anzueignen. Und für den Winter 2015/16, den wir als „Doghandler“ in Schwedisch-Lappland verbringen werden, schenkte mir Beat – na was wohl?!?- einen Schwedisch-Sprachkurs!
Die Ausbildung zur Ergotherapeutin und die Arbeit in verschiedenen Neurologischen Rehabilitationskliniken erfüllte mich mit grosser Befriedigung. Die Patienten dort sind zumeist ältere Menschen, die sich nach einem Schlaganfall neu in ihrem Leben orientieren oder die mit den Auswirkungen von Krankheiten wie M.Parkinson, MS oder Hirntumoren zurechtkommen müssen. Sie in diesem Prozess unterstützen zu können, das war meine Berufung.

Falls wir wieder mal sesshaft werden, werde ich mir wohl erneut eine Stelle suchen in diesem Bereich.

 

 

Beat Tännler

Jahrgang 1957  P1000790 - Kopie (2)

Stationen in der Vergangenheit:

–  Lehre als Maurer
–  Kabinenführer einer Luftseilbahn
–  Chauffeur
–  Maurer-Vorarbeiter
–  Maurerpolier
–  Ausbildung zum dipl. Bauführer
–  Trainer von Kunstturnern
–  freischaffender Journalist
–  Turnlehrer an der öffentlichen Schule (Unterstufe)
–  Kellner
–  Ableser von Stromzählern
–  Verträger von Werbesendungen
–  Fabrikant von Kartonrollen
–  Versicherungsagent
–  Mitarbeiter im Umlad der Post
–  Messgehilfe in der Landvermessung
–  Operateur in der Vermessung
–  Maturitätsschule für Erwachsene
–  Schaf- und Rinderhirt auf Schweizer Alpen
–  einige Semester Studium der Germanistik an der Universität Zürich
–  Briefträger
–  Ausbildner von Lehrlingen bei der Post
–  Ausbildung zum Personalfachmann mit eidgenössischem Fachausweis
–  selbständiger Landwirt auf der Insel São Miguel, Azoren
–  Raumpfleger im kleinsten Spital der Schweiz
–  selbständiger Wirt in einem Alprestaurant im Val Müstair

Aktuell:

–  EUROPA – Reisender

 

 

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12 Gedanken zu “Annette & Beat

  1. Liebe Annette, zu deinem Jubeltag wünschen wir dir nur das ALLERBESTE sowie gute GESUNDHEIT. Von den AZOREN aus senden wir ganz herzliche Grüsse. Marianne und René P.S. Liebe Grüsse auch an Beat

    • Liebe Marianne, lieber René,
      was für eine schöne Überraschung von euch zu hören! Beat hat mich in ein wunderschönes Wellness-Hotel in Kärnten eingeladen und wir haben es genossen uns rundum verwöhnen zu lassen.
      Morgen fahren wir weiter in Richtung Neusiedler-See.
      Wir hoffen, es geht euch gut und ihr geniesst das Leben auf den Azoren.
      Liebe Grüsse

      Annette und Beat

  2. Hey Ihr beiden,

    ich habe Euch heute Vormittag auf der B76 bei Kiel entdeckt und konnte nicht anders, als auf Eurer Seite mal vorbeizuschauen.

    Ich bewundere immer die Menschen, die genügend Abenteuerlust aufbringen, um wie ihr durch Europa zu touren und zu leben.

    Ich wünsche Euch weiterhin ganz viel Spaß und Freude dabei.

    Wenn ihr nächste Woche noch hier oben seid, kommt doch auf nen Kaffee vorbei. (Über Pfingsten ziehts uns nach Bayern).

    Viele Grüße von der Ostsee

    Florian

    • Hallo Florian
      Auch dir sorry, dass wir erst jetzt antworten. Ohne PC ist man aufgeschmissen. Doch jetzt haben wir unseren Rechner wieder zurückerhalten und er scheint zu funktionieren.
      Es freut uns sehr, dass du unsere Seite aufgefufen hast. Wir sind nun für kurze Zeit wieder in der Schweiz. Schade, dass wir deinen Kommentar nicht früher lesen konnten. Wir hätten dich gerne getroffen.

      Viele Grüsse
      Beat und Annette

  3. Toll, wie ihr eure Lebensläufe dargestellt habt. Wie wäre es mit dem Schreiben einer Autobiographie? 😉
    Euch wird nie langweilig, da bin ich sicher. Und Annette hat mal wieder tiefgestapelt mit ihren Sprachkenntnissen!

    Bis bald, Ilona

    • Wir sammeln zur Zeit noch ganz intensiv Material für unsere Autobiographien. Wenn wir dann mal alt und gebrechlich sind, würden wir dich gerne als Ghostwriterin engagieren, hast du Interesse? 😉
      Anmerkung von Beat: Du kennst ja Annette, wenn ihr von tausend Wörtern in einer Fremdsprache eines nicht einfällt, dann meint sie, sie spreche die Sprache lediglich halbwegs gut.

  4. Tja, so habt ihr beide eine ideale Voraussetzung zum Weltenbummlertum. Was man doch so alles erlebt hat, wenn man zurückblickt? Meine Jobliste ist ungefähr so lang wie die von Beat.
    Schön, dass ich hier nun ein bisschen mehr von euch erfahren darf!

    • Ja, wenn man einmal gemerkt hat, dass man an verschiedenen Orten leben und arbeiten kann, erleichtert das den Sprung in neue Abenteuer.
      Zitat aus Herrmann Hesses Gedicht Stufen: „… Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
      Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. …“

  5. Liebe Annette und Beat
    Ganz herzlichen Dank für die tolle Postkarte die wir schon längst verdanken sollten. Das ist ja schon unglaublich was Ihr schon alles erlebt habt. Danke für die wunderbaren Bilder und Kommentare. Wir werden uns laufend informieren. Es liest sich so spannend. Wir selber werden im August wieder ein Haus auf dem Egghubel/Belpberg hüten und freuen uns schon. Wir wünschen euch beiden weitere tolle Erlebnisse, gute Fahrt, blibid xund und zwäg. Mit liebe Grüess us de Burgmatt – Heidi u Leo Vonlanthen

    • Liebe Heidi, lieber Leo
      Vielen Dank für euren Kommentar. Wir haben hier im hohen Norden nur noch selten Internetanschluss, da wir oft mitten in der Wildnis stehen.
      Es freut uns, dass euch unser Blog gefällt. Wenn man viel Zeit hat entdeckt man unzählige Fotomotive, und wir sind glücklich, wenn unsere Aufnahmen anderen eine Freude bereiten.
      Wir wünschen euch eine gute Zeit auf dem Belpberg.

      Liebe Grüsse aus Schwedisch Lappland.
      Beat und Annette

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