Herbstliches Portugal

 

Sacaparte

24. Oktober 2016

Kurz nach der Grenze machen wir Pause in Sacaparte.

Das ehemalige Klostergelände wird jetzt für Veranstaltungen genutzt.
Der Ort ist schön, der grosse Parkplatz liegt ruhig und abseits der Durchgangsstrasse, genug Gründe gleich die Nacht über hier zu bleiben.

 

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Origineller Schornsteinhut in Sacaparte

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Einkaufen am Strassenrand

25. Oktober 2016

Bevor wir losfahren, bestaunen wir nochmals die bunte Ahornallee bei Sacaparte.

 

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Herbstliche Farbtupfer in Sacaparte

 

In Vila Boa steht am Strassenrand eine kleine Holzbude mit Gemüse und Früchten in der Auslage. An solchen Ständen kaufen wir gerne ein und unterstützen damit innovative Menschen.
Wir stoppen und sogleich eilt eine Frau aus dem Haus auf der anderen Strassenseite.
Als sie sieht, dass die Paprikas, die wir kaufen wollen, nicht mehr ganz taufrisch sind, bittet sie uns zu warten und holt im Haus tadellose Exemplare.
Die häufigen Niederschläge der letzten Tage hätten den Früchten geschadet, klagt sie. Wir wollen trotzdem Weintrauben kaufen, doch da auch dort einzelne Beeren faul sind, schenkt sie uns kurzerhand die letzten rund zwei Kilo, die da aufliegen.

Später pflücken wir die verdorbenen Beeren aus den Trauben. Die verbleibenden sehr süssen und aromatischen Früchte halten problemlos die nächsten drei Tage.

In Vale de Amoreira finden wir etwas oberhalb des geschlossenen Campingplatzes einen ruhigen Parkplatz, wo wir über Nacht bleiben.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Unser Tag der Marone

26. Oktober 2016

Heute scheint endlich wieder einmal die Sonne.
In der Nacht hat der Wind vom nahen Kastanienbaum einige Maronen herunter geschlagen.
Annette füllt vor dem Frühstück ihre Jackentaschen mit den Früchten.

Noch während wir am Tisch sitzen, fährt ein Reisecar auf den Platz. Eine Gruppe Schüler steigt aus und macht sich auf den Weg zur nahen Sommerskipiste. Einige stehen offensichtlich zum ersten Mal auf Snowboards und rutschen den letzten, flachen Teil der Piste hinunter.

 

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Snowboarden ohne Schnee in Portugal

 

Der Chauffeur, mit schicker Lederjacke, Hemd und glänzenden Schuhen, bleibt zurück.
Schon bald taucht er mit einem Putzeimer und einem Wischmob auf. Der Ärmste muss wohl während der Wartezeit die Fensterscheiben seines Busses putzen, vermuten wir. Er marschiert mit seinen Utensilien freundlich grüssend an uns vorbei und geht schnurstracks zum Kastanienbaum. Dort schlägt er mit dem langen Stiel die Maronen herunter und sammelt sie im Eimer.

Aha! So hätten wir auch mehr als eine knappe Mahlzeit zusammengebracht, kommentieren wir sein Tun neidisch.

Kurz nach Manteiga lockt uns ein Wegweiser zum „Poço do Inferno“ (Brunnen der Hölle). Wir biegen deshalb von der Hauptroute auf eine kleine Nebenstrasse ab.

 

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Manteiga

 

Nach einigen Kilometern fahren wir an wunderschönen grossen Kastanienbäumen vorbei …

Stopp, das ist nicht ganz richtig.
Nochmals, aber diesmal ehrlich!

Nach einigen Kilometern halten wir bei ein paar wunderschönen grossen Kastanienbäumen an, steigen aus … und kurze Zeit später wieder ein, um fünf Kilogramm Maronen reicher.

 

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Esskastanien noch in „Igelstellung“

 

 

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Nicht nur schön, auch sehr lecker

 

Beim Parkplatz vom Poço do Inferno treffen wir ein jüngeres deutsches Pärchen, das von einer kleinen Rundwanderung zurückkehrt. Sie empfehlen uns diese Route und schenken uns auch gleich den Prospekt dazu.
Der Weg sei nicht immer einfach zu finden und zum Teil sehr steil und rutschig, warnen sie uns.

Wir ziehen los und wirklich, der nasse Pfad der Marke: „Schau selber wo’s langgeht, aber fall nicht hin!“ fordert uns einiges ab. Mit der Zeit wird der Weg aber flacher und ist besser markiert.

 

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Hier ist der Weg wieder gut markiert.

 

 

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Blick ins Vale do Río Zêzere

 

Plötzlich bleibt Annette staunend stehen.

 

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Sie hat einen Kastanienbaum entdeckt, an dem die braunen Früchte in den noch grünen, aufgesprungenen Schalen in der Sonne glänzen.

 

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Schmuckstück Marone

 

 

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Eine scheint die Zunge herauszustrecken

 

Leider sind die Früchte für uns im steilen Hang unerreichbar.

Doch das letzte Wegstück führt auf einer Strasse unter „Du-ahnst-schon-welchen-Bäumen“ zurück und wir steigern unseren heutigen Ernteerfolg auf über 7 Kilogramm.

Kurz vor dem Ende der Wanderung: „Poço do Inferno“ finden wir den gesuchten „Poço“. Eine Treppe führt zum kleinen Wasserfall hoch, der sich in einen versteckten Tümpel ergiesst.

 

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Poço do Inferno

 

Das Wasserspiel ist nett anzusehen. Aber wir sind diesbezüglich halt schon etwas verwöhnt. 🙂

Viel spannender finden wir die Schlange, auf die uns das Kreischen von drei jungen Frauen aufmerksam macht.
Das Reptil liegt gleich neben der Treppe und versucht zuerst wegzukriechen. Das Gelände ist jedoch zu steil, der Weg über die Treppe von uns Gaffern versperrt und so bleibt sie halt liegen und beobachtet uns Beobachter.

 

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Schlingnatter (Coronella austriaca)

 

 

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Schau mir in die Augen!

 

Heute haben wir lediglich 16 Kilometer zurückgelegt. Nicht gerade viel auf unserem Weg nach Lissabon. Doch der Platz ist so schön und ruhig, wir bleiben einfach hier.

Link zur Wanderung: Poço do Inferno: (Da auf „google maps“ ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.)

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auf den höchsten Berg von Portugals Festland

27. Oktober 2016

Wir fahren dem Vale do Río Zêzere entlang hoch zum Pass. Das Tal wurde einst von einem Gletscher geformt. Einzelne verstreute Häuser und bewirtschaftete Wiesen deuten auf Bauernhöfe hin. Einige könnten aber auch Ferienhäuser sein.

 

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Vale do Río Zêzere

 

 

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Bauernhaus mit Tränke oder Ferienhaus mit Swimmingpool?

 

Wir folgen immer der Strasse, die bergaufwärts führt, wollen eine Übersicht über den Naturpark Serra da Estrela gewinnen.

 

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Ausblick im Naturpark Serra da Estrela

 

Kurz vor der Passhöhe entdecken wir einige sehr schöne, runde Gesteinsformationen.
Wir halten an, um uns diese vom Gletscher geschliffenen Felsen genauer anzusehen.

 

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Eigenartige, rundgeschliffene Felsen

 

Schon vom Fahrzeug aus sehen wir eine beeindruckende Marienstatue, die direkt in einen Felsen gehauen wurde.
Die Senhora da boa estrela (Senhora vom guten Stern) ist über sieben Meter hoch und wurde von António Duarte erschaffen.

 

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Senhora da boa estrela

 

Doch auch die unbehauenen Felsen sind beeindruckend und lassen Raum für die Fantasie.

 

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Seehund und Mensch?

 

 

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Wächter des Durchgangs?

 

 

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Versteinerter Emmentaler?

 

Auf einem Wanderwegweiser wird die Distanz zum Torre, dem höchsten Berg von Kontinentalportugal, mit 1,5 km angegeben.

Wir sind ja bereits auf die höchsten Berge der Niederlande, von Belgien und Grossbritannien gewandert, jetzt wollen wir unserer Gipfelstürmer-Statistik einen weiteren Meilenstein hinzufügen.
Wir finden den Einstieg in den Wanderweg jedoch nicht. Die Tafel scheint der Strasse entlang zu zeigen. Wir geben deshalb auf und beschliessen im Frühjahr hierher zurückzukehren und den Gipfel zu bezwingen.

Aber wir finden den Torre doch noch … und sind enttäuscht.

Auf den Gipfel des höchsten Berges muss man nicht wandern, nicht mal spazieren, man kann bequem mit dem Auto hinfahren und ihn umrunden. Die Strasse führt direkt auf den „Gipfel“, den ein riesiger Verkehrskreisel verunstaltet.

 

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Torre, höchster Punkt von Portugals Festland (1993 m ü. M.)

 

Hier liegt auch das einzige Skigebiet Portugals mit einem Sessel- und zwei Skiliften. Gesamte Pistenlänge: 5.9 Kilometer. Da braucht es natürlich eine Erschliessungsstrasse und viele Parkplätze.

Nach einer kurzen Rast fahren wir auf der anderen Seite des Berges hinunter. Auch hier gibt es viele „knubbelige“ Felsen.

 

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Wächter des Tales?

 

 

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Strasse vom Torre Richtung Atlantik

 

Nach längerem Suchen finden wir bei Cimo de Alvém in der Nähe von Góis in einem duftenden Eukalyptuswald einen Schlafplatz.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von riesigen Kreiseln und kleinem Auto

28. Oktober 2016

Wir lassen die Berge hinter uns und fahren durch bewaldete Hügel.

 

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Blick in die Region Pinhal Interior Norte

 

In Sertã steht mitten im riesigen Kreisverkehr ein altes Sägewerk. Das passt ausgezeichnet in diese Region, in der viele Menschen von der Holzwirtschaft leben.

 

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Altes Sägewerk in Sertã

 

Beim Einkaufen sehen wir, was ein wirklicher Kleinwagen ist. Da der Besitzer einen vollen Benzinkanister einlädt, gehen wir davon aus, dass es sich hier nicht um ein Tretauto handelt. Und wirklich, kurze Zeit später tuckert er mit seinem Gefährt von dannen.

 

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Kleinwagen, der seinen Namen verdient

 

In Abrantes fahren wir ein weiteres Mal um einen überdimensionierten Kreisel. Diesmal steht, wieder passend für diese Gegend, eine alte Olivenpresse in der Mitte.

 

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Alte Olivenpresse in Abrantes

 

Unser Gastank ist beinahe leer. Wir brauchen dringen LPG, wenn wir nicht plötzlich nur noch kalte Speisen zu uns nehmen wollen.

Annette erkundigt sich in einer Tankstelle. Der Tankwart fertigt ihr eine Skizze an mit dem Weg zu dem Ort, wo das gesuchte Gut zu kaufen ist.

Als sie den Laden verlässt, winkt ein Mann sie heran, der aus seinem Tanklastwagen Treibstoff nachfüllt. Ob sie Französisch spreche, fragt er freundlich. Annette bestätigt dies auf französisch. Er habe in Genf gearbeitet, falls wir Hilfe brauchten, würde er sich gerne als Dolmetscher zur Verfügung stellen. Annette bedankt sich herzlich, nun auf Portugiesisch, für das nette Angebot, was ihm ein Lachen entlockt.

Trotzdem vielen Dank dem Unbekannten für seine Hilfsbereitschaft.

Wenige Kilometer später sind wir in Tramagal.

 

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Ortsschild Tramagal

 

Hier dürfen wir unseren NOBIS, unser Zuhause, bei Elke und Dave für die nächsten Wochen parken.
Übermorgen fliegen wir auf die Azoreninsel Graciosa, wo wir die Quinta Perpétua hüten werden.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Olivenernte

29. Oktober 2016

Heute helfen wir Dave bei der Olivenernte.
Zuerst werden Netze unter den Bäumen ausgelegt, dann lichtet Dave sie aus.

 

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Dave schneidet die Olivenbäume.

 

In der Zwischenzeit ernten wir die Oliven von den jüngeren, noch niedrigen Bäumen.

 

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Annette pflückt Oliven vom Baum.

 

Danach streifen wir die Ölfrüchte von den geschnittenen Ästen in Plastikeimer. Die Arbeit macht riesig Spass.
Wir sitzen im Schatten und schwitzen trotz der leichten Tätigkeit. Es ist 30° C und das am 29. Oktober!

 

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Die Oliven werden von den Zweigen gestreift.

 

Am späteren Nachmittag dürfen wir dann mit zur Ölmühle fahren. Hier werden die Oliven via Förderband in eine Waschanlage befördert, wo auch die Fremdstoffe, wie Steine, Blätter und Äste entfernt werden. Danach werden sie gewogen. Unsere Tagesausbeute: 97 kg.

 

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Die Oliven fahren in die Wasch- und Sortieranlage.

 

 

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Gesammelte Früchte

 

Am Abend bleibt noch Zeit für einen Spaziergang ins Dorf. Die Platanen auf dem Dorfplatz wurden für die Adventszeit geschmückt. Alle stehen nun in gehäkelten „Kleidern“ herum und werden von einem Frauenkopf mit eisenrädrigen Haaren bewacht.

 

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Dorfplatz von Tramagal

 

 

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Skulptur auf dem Dorfplatz

 

Die Skulptur wurde zu Ehren von Eduardo Duarte Ferreira erstellt, dem Begründer der Metallindustrie, die in der Region bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielte.

 

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Auf nach Graciosa

30. Oktober 2016

Heute, Sonntag Morgen, fährt uns Dave zum Bahnhof von Entroncamento.

Herzlichen Dank, Dave!

 

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Bahnhof von Entroncamento

 

Nun geht es mit der Eisenbahn nach Lisboa Oriente und dann mit der U-Bahn zum Flughafen. Alles klappt wie am Schnürchen und wir starten pünktlich um 12:40 Uhr zum Flug auf die Azoren.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Quer durch Spanien

 

Plattgewalzt?

17. Oktober 2016

Schon wenige Kilometer nach Andorra öffnet sich die Landschaft. Die steilen Berghänge weichen riesigen Ackerflächen.

Um den Übergang von den schroffen Bergen Andorras zu den weiten Ebenen Spaniens etwas zu mildern, beginnen wir diesen Blogteil mit dem Bild von Foradada, einem Dorf, das sich an einen der wenigen Felsen schmiegt, die es hier noch gibt.

 

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Foradada

 

In Balaguer finden wir einen ruhigen Parkplatz bei einem riesigen Kieswerk. Der Weg dazu führt um einen Kreisel auf dem eine Walze auf Betonröhren steht, was wiederum das Bild vermittelt, dass nun die Röhren die Walzen der Walze seien.

Alles klar? … oder haben wir mit den vielen Worten alles weggewalzt?

Wir jedenfalls finden dieses Kunstwerk gewalzig!

 

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In der Walze integrierte Walze

 

Abends, im Bett, überlegen wir, ob hier früher ebenfalls Berge standen und diese einfach plattgewalzt wurden?

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Riesige Pfirsichplantagen

18. Oktober 2016

Kurz nach Lleida steht ein einsames Gebirge trotzig in der Ebene.

 

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Wir fahren durch ein fruchtbares Gebiet. Riesige Pfirsichplantagen lösen die abgeernteten Getreidefelder ab.
Die Bäumchen stehen entweder einzeln oder als Spalier in langen Reihen.

 

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Hinter der Ermida Santa Bárbara entdecken wir einen schönen Übernachtungsplatz unter Pinien. Diese duften sehr stark und wohltuend. Das wird wohl der aromatischste Ort, an dem wir je geschlafen haben.
Der Platz liegt etwas entfernt von der Strasse und ist sehr ruhig. Zudem geniessen wir von hier den Blick auf das nahe Dorf Valdealgorfa und Picknicktische stehen ebenfalls da.

Eigentlich ein idealer Übernachtungsplatz … aber …

Etwas lässt uns zögern!

Überall liegen angeschwärzte Alufolienstücke herum. Der Platz scheint von heroinsüchtigen „Folienraucher“ aufgesucht zu werden.

Wir bleiben trotzdem, da wir die Süchtigen nicht als Gefahr einstufen. Den Fahrersitz drehen wir aber vorsichtshalber nicht zum Tisch, damit wir jederzeit wegfahren können.

 

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Valdealgorfa

Link zur heutigen Strecke:

 

Mitten in der Nacht wacht Annette auf.
Schlaftrunken blickt sie durch das Heckfenster und bemerkt in einiger Entfernung den Schein einer Taschenlampe und das Glühen einer Zigarette.

Nun ist sie hellwach! Sie blinzelt und reibt sich die Augen.

Wieder sieht sie leuchtende weisse und rote Punkte, die sich bewegen!

Sie schaut genauer hin und erkennt … die Lichter von Autos, die auf der weit entfernten Strasse verkehren.

Uff! … kein Grund zur Sorge.

 

 

Herbstfarben in Spanien

19. Oktober 2016

Nun wird die Gegend wieder etwas karger und Olivenhaine prägen das Bild.

 

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Olivenplantagen bei Alcañiz

 

In Gargallo kaufen wir in einem Tante-Emma-Laden ein.

 

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Gargallo

 

Die Fassade des Geschäftes besteht aus behauenen Natursteinen. Auf einigen der Sedimente sieht man dekorative schwarze Kräuter. Ob das versteinerte Pflanzen sind?

 

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Versteinerte Pflanzen?

 

Ein paar Kilometer weiter sind sie plötzlich da … die Herbstfarben!

Lange sind wir durch braune Landschaften gefahren, haben graue Hügel und graubraune Natursteinhäuser und graugrüne Bäume gesehen.
Aber jetzt, von der Brücke über den Río Ancho, schauen wir auf ein helles Band hinunter.

Die Laubbäume, die dem Wasserlauf folgen, strahlen in freundlichem Gelb.

 

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Herbstwald am Río Ancho

 

Auch die Dunkelgrün-grau-braun-rot-Töne gefallen uns, aber das knallige Gelb ist fröhlicher und erfreut das Herz.
Im Gegensatz dazu wirken die Dörfer, wie zum Beispiel Montalbán, das sich zwischen den Hügeln zu verstecken scheint, eher trist.

 

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Montalbán

 

Wunderschön stehen die Pappeln kurz hinter Montalbán. Einige sind noch grün, während ihre Kollegen dahinter bereits neongelb leuchten.

 

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Pappelhain bei Montalbán

 

Diese Idylle wird zusätzlich gesteigert, als ein Schäfer mit seiner Herde ruhig durch das Bild zieht.

 

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Unmittelbar vor diesem Pappelhain grüssen, aus einem mehr schlecht als recht gepflegten Garten, einige Safranblüten.
Wir haben diese Pflanzen, aus denen das „gelbe Gold“ gewonnen wird, bisher lediglich auf Bildern bestaunen können.
Safranfäden aus Spanien werden zur Zeit für 20 Euro pro Gramm verkauft, was einem Kilopreis von € 20’000.– entspricht!

 

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Safranblüte (Crocus sativus )

 

Nach all den bunten Eindrücken des Tages sind wir beinahe froh, einen Übernachtungsplatz zu finden, an dem wir nicht auch noch „reizüberflutet“ werden. 😉

Hinter Morenilla, im Niemandsland der la Mancha, fehlt eigentlich nur noch Don Quijote auf Rosinante.

 

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Übernachtungsplatz bei Morenilla

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Naturpark Alto Tajo

20. Oktober 2016

In Molina de Aragón kaufen wir ein und erhalten vom aufmerksamen Kassierer auch gleich eine Karte mit den historischen Gebäuden des Ortes.

 

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El castillo de Molina de Aragón

 

Übrigens: Mit dem im Dezember 1963 gemessenen historischen Rekordwert von −28°C gilt Molina de Aragón als der kälteste Ort Spaniens (gemäss Wikipedia)!

Kurz hinter dem Städtchen entdecken wir einen grossen Vogel am Himmel. Und dann noch einen und noch einen….schlussendlich zählen wir etwa 20 Gänsegeier. Doch scheinen die Vögel eine dringende Verabredung zu haben oder sind nicht daran interessiert fotografiert zu werden. Beat kletterte noch auf den nahen Hügel, wo sich einige kurz niedergelassen haben, aber als er oben ankommt, ist er der Pech- und damit der einzige Vogel weit und breit.

Da soviel Aufwand für „kein“ Bild sinnlos ist, hier der Blick zurück auf die geierlose Landschaft.

 

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Bei der Brücke über den Poveda lesen wir auf einer Infotafel, dass wir uns nun im Naturpark Alto Tajo befinden.

 

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Puente de Poveda

 

In 5 km Entfernung soll es eine Bar geben.
Obwohl wir uns nur minime Chancen ausrechnen dort in dieser Jahreszeit jemanden anzutreffen, fahren wir auf der Schotterstrasse ins Tal hinein.
Bei der Bar wird fleissig gearbeitet, Brennholz herangekarrt und Dachziegel festbetoniert.
Und – „claro“ – wir bekommen  etwas zu trinken.

Gestärkt erkunden wir auf einem kleinen Spaziergang die Gegend.
Hier ist der Herbst allgegenwärtig.

 

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Poveda

 

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Blätter des Felsen-Ahorns (Acer monspessulanum )

 

 

 

 

 

 

 

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Eichenmoos (Evernia prunastri)

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Fahrt zurück zur Brücke von Poveda sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Aber was solls, Baumstämme sind auch attraktiv. 😉

 

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Bäume oder Wald oder Waldbäume oder gar Baumwald?

 

Vor Peñalén fallen uns runde weisse Felsen auf.
Beim genaueren Betrachten sehen wir, dass diese mit bräunlichen und lila Streifen und Flächen durchsetzt sind.

 

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Sandsteinfelsen

 

 

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Dekorativer Sandstein

 

 

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Peñalén

 

Kurz vor Alcorón weist uns eine Tafel zum Picknickplatz „Sima de Alcorón“. Auf dem Navi ist dort zudem eine „Attraktion“ angegeben. Was mag das wohl sein?
Wir fahren hin, sehen zwar keine „Attraktion“, aber der Platz ist hübsch und wir beschliessen hier zu bleiben. Es ist noch früher Nachmittag, aber morgen wollen wir beizeiten losfahren, um die Region um Madrid hinter uns zu bringen.

Nach dem Apéro unter Kiefern geht Annette los, um die Gegend zu erkunden. Dabei entdeckt sie eine betonierte Treppe, die in den Untergrund führt.
Die Sima de Alcorón ist eine Karsthöhle, nicht beleuchtet, aber gut zugänglich und an den steilen Stellen gibt es sogar Stufen und Sicherungsseile.

Da ist sie nun, die Sehenswürdigkeit, die wir vemissten! Später erfahren wir, dass „Sima“ Erdloch bedeutet.

Wir holen unsere Taschenlampen und wagen uns in die Unterwelt.

 

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Sima de Alcorón

 

Zuunterst liegt ein kleiner See, der von hoch oben mit Wasser gespeist wird. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich hier ein wunderschöner Sinterüberzug gebildet.

 

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Sinterablagerung in der Sima de Alcorón

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Der undichte Stausee

21. Oktober 2016

Obwohl wir heute eine längere Strecke fahren wollen, lassen wir uns eine Rundfahrt um den Stausee von Entrepeñas nicht entgehen.

 

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Embalse de Entrepeñas

 

Auf dieser Tour entdecken wir ein hohe Stützmauer aus Natursteinen, in die grosse Amphoren eingelassen sind.

 

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Amphore als Wandschmuck

 

Auf einer Tafel am Viaducto de Entrepeñas lesen wir, dass dieses Stauwerk viel zu optimistisch dimensioniert wurde.
Der Stausee war lediglich in den 60er Jahren zweimal voll, seitdem nimmt der Wasserstand kontinuierlich ab, da viel Wasser im Untergrund versickert und es weniger Niederschläge gibt als erhofft.

 

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Viaducto de Entrepeñas

 

Nicht nur das Überdimensionierte, Pompöse, von Menschenhand Konstruierte fasziniert uns, nein, auch die kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren, Dinge der Natur ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich.

 

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Kiefernzapfen

 

In Guadaljara entpuppt sich ein auf dem Navi angezeigtes Einkaufscenter als Aufbahrungshalle eines Krankenhauses mit „Einkaufsmöglichkeit“, wahrscheinlich Blumenkränze, Trauerkarten und Kerzen.
Im zweiten Versuch finden wir einen „Corte Inglés“. Hier kann man Handtaschen, Schmuck, Kleider, Parfüm, Schuhe usw. erwerben.
Wir hätten aber lieber Brot, Sahne und Karotten gekauft.
Erst nach längerem Suchen entdeckt Annette die kleine Lebensmittelabteilung ganz hinten.

Heute sind wir weit gefahren und nun sehr müde.
Auf dem Pass Alto del León stellen wir uns in den Wald. Der Nebel in der Dämmerung gibt dem Ort etwas Mystisches.

Für einen einheimischen Wohnmobilisten scheinen wir aber eher ungeheuerlich. Er hat das Fahrzeug bereits für die Nacht vorbereitet und alle Fenster dicht gemacht.
Doch als wir in der Nähe parken, ergreift er die Flucht und fährt weg.

So bleiben wir alleine zurück. Uns solls Recht sein.

 

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Übernachten am Pass Alto del León

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Harzgewinnung

22. Oktober 2016

Kurz nach Blascosancho wecken viele kleine Eimer, die an den Kiefernstämmen hängen, unsere Neugier.

Die Rinde über den Gefässen ist abgeschält und Metallkeile leiten Harz in die Behälter.

 

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Kiefernharzgewinnung

 

 

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Natürliches Harz wird heute noch in der Elektronik zum Löten, als Bogenharz bei Streichinstrumenten oder als aromatisches Räucherwerk verwendet.

Wir sind jetzt schon tausende von Kilometern mit unserem NOBIS durch Europa gekurvt und haben nie den Horizont erreicht.
Der Blick von einer Strassenbrücke über die Eisenbahn bei San Pedro del Aroyo lässt uns vermuten, dass dies nur mit dem Zug möglich ist.

 

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Schienen führen an den Horizont

 

Am Nachmittag fahren wir in Ciudad Rodrigo auf den Campingplatz. Wir wollen wieder einmal Wäsche waschen und einen Blogbeitrag veröffentlichen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Riesenkotelett zum Geburtstag

23. Oktober 2016

Die Waschküche hat ein undichtes Dach. Annette trocknet den Boden und spannt die Wäscheleine drinnen auf, da sie dem Wetter nicht traut. Zeitweise regnet es dann tatsächlich ziemlich heftig. Aber bis zum Abend sind die meisten Wäschestücke trocken.

Zudem ist der Blogteil „Der weite Weg über die Grenze“ online.

Das, aber vor allem Beats Geburtstag muss gefeiert werden.

Wir spazieren in den alten Teil des Städtchens Ciudad Rodrigo um dort im „La Paloma“ zu essen. Das Restaurant wurde uns von der Rezeptionistin des Campingplatzes empfohlen: vor allem die Fleischgerichte seien vorzüglich.

 

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Ciudad Rodrigo

 

Und wirklich, das Chuleton (Rindskotelett) für Beat hat die Grösse XXXL. Das schmackhaft gewürzte, genau nach Wunsch durchgebratene Ding überragt den grossen Teller, auf dem es serviert wird. Beat isst so gut und gerne 500 Gramm Fleisch, den Knochen und das Fett nicht eingerechnet.
Stolz erklärte uns die Kellnerin, dass das Kotelett von einem Rind der Rasse: Avileña-Negra ibérica stamme, einer in Spanien heimischen, schwarzen Rinderrasse.

Auch Annettes Lammkoteletts sind ausserordentlich lecker, wenn auch von viel kleinerem Kaliber.

 

 

Von Schweinen und einem Archaeopteryx

24. Oktober 2016

In letzter Zeit sind uns viele lichte Eichenwälder aufgefallen. Zuerst verwechselten wir diese mit Olivenbäumen. Aus der Ferne betrachtet sind bei beiden die Blätter eher klein und graugrün.

 

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Eichenwälder in Spanien

 

Wozu dienen die? Die Zeiten als Eicheln als Kaffee-Ersatz verwendet wurden, sind doch unseres Wissens schon einige Jahre vorbei!

Plötzlich sehen wir die Antwort auf unsere Frage:

Schweine!!!

 

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Schweine der Rasse Cerdo ibérico

 

Hier ein Portrait:

 

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Ups!… falsche Seite 😳

 

 

 

 

 

 

 

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Aha, … jetzt stimmts 🙂

 

 

 

 

 

 

 

Internet sei Dank erfahren wir später, dass in den Eichenhainen Spaniens die halbwilden, schwarzfüssigen Schweine der Rasse Cerdo ibérico leben.
Der Schinken dieser „Pata Negra“ ist weltberühmt.
Die Tiere leben in freier Natur und ernähren sich mehrheitlich von Eicheln. Dadurch wird das Fleisch würziger.
Die Schinken werden nicht geräuchert, sondern nur eingesalzen und später luftgetrocknet. Die besten Stücke reifen zwei bis drei Jahre lang. Ein Kilogramm dieser Spezialität kostet dann gut und gerne 100 Euros.

Das haben wir alles nicht gewusst, als wir die Herden sahen, und deshalb auch keinen Schinken gekauft. Die Schweine haben somit für einmal wirklich Schwein gehabt!

Wir haben schon die verschiedensten Arten gesehen, wie Olivenbäume geschnitten werden.
In dieser Gegend lässt man die Bäume hoch wachsen, lichtet sie jedoch stark aus.
Ein Exemplar scheint ein Archaeopteryx, ein Urvogel, zu sein.

 

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Olivenbaum als Archaeopteryx

 

Kurze Zeit später fahren wir über die Grenze nach Portugal.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

IMMOBILIEN

 

Immobilien auf den Azoren zu verkaufen von Privat für Privat

8. November 2016

Nein nein, keine Angst, wir verkommen nicht zur Werbeplattform, aber diese Ausnahme in eigener Sache sei erlaubt.

 

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Blick von Relva über Feteiras Richtung Ginetes

 

Während knapp zwei Jahren lebten wir auf São Miguel, der grössten der neun Azoreninseln. Wir kauften in Ginetes an der Südwestküste ein ziemlich grosses Grundstück (19’420m2), legten Gärten an, planten einen Hausbau, hielten Hühner, Katzen und Hunde, pflegten die weitläufigen Obstgärten. Leider klappte es weder mit der versprochenen Arbeitstelle im grössten Krankenhaus der Azoren für Annette noch mit dem eigenhändigen Hausbau, den Beat, der gelernte Maurer und Bauführer, übernehmen wollte. Mit diversen Gelegenheitsjobs hielten wir uns über Wasser.
Ende 2007 kehrten wir um viele Erfahrungen reicher in die Schweiz zurück.

Unser Grundstück auf São Miguel steht nun zum Verkauf.
Unter der neuaufgeschalteten privaten Webseite findest du weitere Informationen dazu und auch zu anderen spannenden Objekten auf der Azoreninsel Graciosa.

Hier der Link: http://immo-azoren.de

 

Einige Impressionen von „unserer“ Insel São Miguel:

 

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Kratersee und Dorf Sete Cidades

 

 

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Blick vom Kraterrand gegen Ginetes

 

 

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Meerblick

 

 

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Gepflästerte Strasse in Ponta Delgada

 

 

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Unterwegs zu den Walen

 

Hier der direkte Link zu unserem Grundstück auf São Miguel:

 

 

Andorra

 

Fussball WM-Qualifikationsspiel Andorra – Schweiz

10. Oktober 2016

Wir fahren in die Stadt Andorra la Vella ein.
In eineinhalb Stunden beginnt das Fussballspiel – das sollte reichen. Doch wo ist die Fussballarena? Kein Wegweiser führt zum Estadi Nacional.
Wir müssen uns zum Stadion durch fragen. Aber wie sollen wir die Andorrianer (oder Andorraner? Oder Andorrer?) ansprechen? Spanisch? Französisch? Englisch?
Annette fragt eine Polizistin nach dem Weg. Französisch geht, Spanisch ist besser!
Kein Problem, meint sie, immer die Strasse runter und dann komme man direkt dahin.
Tönt simpel, aber einfach „die Strasse runter“ geht nicht. Die Hauptstadt Andorras scheint nur aus Einbahnstrassen zu bestehen. Wir fahren mal links, dann wieder rechts …
Plötzlich sehen wir das grelle Leuchten der Flutlichtanlage und haben so eine Richtung.
Kurz vor der Sportstätte fragen wir einen weiteren Polizisten, nach den dazugehörigen Parkplätzen.
Gibt es nicht, man muss irgendwo in der Stadt parken.

Aha!

Wir fahren mit unserem 6 Meter Gefährt durch schmale Einbahnstrassen und suchen verzweifelt einen Parkplatz. Endlich finden wir in einem Wohnquartier eine passende Lücke.
Nun zu Fuss zurück zum Fussballstadion.
Noch schnell Eintrittskarten kaufen, und los geht der Spass.
Aber wo sind die Kassenhäuschen? Wir fragen einen Sicherheitsbeamten, der uns den Weg weist.
Wir wandern und wandern und stehen nach einer Umrundung des Sportgeländes mit seinen Nebengebäuden wieder an der selben Stelle. Ticketschalter haben wir keinen gesehen.
Nochmals fragen wir und wissen nun, dass er beim Eingang der Presse sei. Dort waren wir bereits, aber kein Mensch war anwesend.
Also nochmals los. Und siehe da, kurz vor dem Eingang der Medien, der gross angeschrieben ist, entdecken wir in der Wand ein kleines Fenster, hinter dem eine Frau sitzt. Hier erhalten wir endlich unsere Eintrittskarten. Natürlich ist unser Eingang genau auf der gegenüberliegenden Seite der Sportstätte.
In zehn Minuten beginnt das Spiel.
Wir hasten nochmals um das halbe Stadion und wollen rasch an unsere Plätze. Aber halt. Zuerst müssen unsere Rucksäcke nach verbotenen Feuerwerkskörpern durchsucht werden. Das Einbeinstativ, das Beat zum Fotografieren mitführt, scheint sehr gefährlich zu sein. Der überforderte Kontrolleur murmelt einige Male „problemas, … problemas, …“.
Ein herbeigerufener Polizist nimmt ihm dann die schwere Entscheidung ab und lässt uns mit „seinem Problem“ passieren.

Wir hören bereits die Schweizer Nationalhymne als wir zu unseren Sitzen eilen.
Pünktlicher kann man gar nicht erscheinen! 🙂

 

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Andorra – Schweiz

 

Wir geniessen das Länderspiel in diesem provinziellen Stadion, obwohl das Match eher ein „Geknorze“ ist.

 

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Estadi Nacional von Andorra

 

Die Schweiz, der haushohe Favorit, gewinnt knapp mit 2:1.
Wir sind trotzdem zufrieden.

Ende gut, alles gut!

Danach fahren wir weiter nach Sant Julià de Lòria, wo Wohnmobile auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums über Nacht stehen dürfen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Andorra ist ein Bergstaat

11. Oktober 2016

Am Morgen schlafen wir erst mal aus. Nach dem Frühstück wollen wir uns Andorra ansehen.

Kurz bevor wir aufbrechen, fährt ein WoMo hupend auf uns zu. Der Fahrer, ein grosser, hagerer Mann in gepflegter Kleidung ganz in Schwarz, steigt aus und fragt, ob wir wohl eine Brennstoffzelle an Bord hätten. Als wir dies bejahen, strahlt er. Er habe eine gebrauchte Efoy-Zelle in sein WoMo eingebaut bekommen und nun fehle ihm die „Service-Flüssigkeit“. Glücklicherweise können wir ihm damit und mit der Anleitung, was damit zu tun ist, aushelfen. Er lebt seit 30 Jahren hier in Andorra und ist jetzt auf dem Weg nach Belgien
Wil war Rechtsanwalt und vertrat bekannte Musikgruppen wir Pink Floyd, Rolling Stones und auch Nana Mouskouri.

Eine schmale Strasse führt uns steil den Berg hoch.

 

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Berge Andorras

 

An einigen Stellen wird dem Berg Landwirtschaftsland abgetrotzt.

 

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An einem Brunnen am Strassenrand füllen wir unsere Frischwasservorräte auf. Dabei entdecken wir diese eigenartige Heuschrecke. Sie hat keine Flügel und ein Fühler ist markant kürzer als der andere. Ist das eine uns unbekannte Art, oder hat sie einen Kampf mit Verlusten knapp überlebt?

 

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Larve einer Langfühlerschrecke (Ensifera)

 

Nicht weit davon entfernt hat wohl ein Bauer einen Grasballen verloren. Zwei Kühe geniessen es sichtlich, Futter in rauen Mengen und erst noch auf Mundhöhe fressen zu können.

 

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Danach fahren wir wieder ins Tal hinunter und die andere Seite hinauf.
Das ganze Land Andorra scheint aus einem engen, steilen Bergtal mit Seitentälern zu bestehen. Im Haupttal drängen sich die Häuser und Strassen dicht an dicht in der Talsohle.

 

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Wohnen am Berg

 

Die meisten Häuser Andorras sind aus Natursteinen gebaut oder mit solchen Platten verkleidet und die Dächer mit grauen Materialien gedeckt.

 

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Fontaneda

 

Auf den Pass de la Gallina, führt die letzten Kilometer eine Einbahnstrasse. Sie ist nur 2.50 Meter breit und gegen den steilen Abgrund ungesichert.

Wir staunen als wir lesen, dass hier herauf 2015 das Radrennen der Spanischen Vuelta geführt hat.

Oben steht ein schönes Denkmal, das die Gemeinde Sant Julià de Lòria 2015 aufgestellt hat für Joaquim „Purito“ Rodríguez und seine Verdienste um den Sport und den Staat.

 

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Denkmal für Joaquim „Purito“ Rodríguez

 

Wegen der Einbahnstrasse können wir einen schönen Übernachtungsplatz, an dem wir vorbeigefahren sind, nicht mehr erreichen. Deshalb beehren wir nochmals den schmucklosen Parkplatz von gestern in Sant Julià de Lòria. Das hat den Vorteil, dass wir dort im Einkaufszentrum die Toilette benutzen und am Morgen ofenfrisches Brot kaufen können.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Andorra la Vella

12. Oktober 2016

In Andorra la Vella informieren wir uns über Wandermöglichkeiten und das Wetter der nächsten Tage. Wanderwege gibt es viele, aber Regen ist angesagt.
Noch ist es trocken und wir schauen uns kurz in der Stadt um.

 

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Parlamentsgebäude

 

Wir finden eine Skulptur von Salvador Dalí. Es ist kaum möglich diese zu fotografieren, da sich immer wieder Touristen davor stellen und sich in den unmöglichsten Posen knipsen lassen.

 

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„La noblesse du temps“, Salvador Dalí, 1977

 

Wir fahren auf den Coll la Botella. Im Winter scheint hier wohl viel los zu sein. Es gibt unzählige Parkplätze, einige Sesselbahnen und Skipisten.
Jetzt sieht man lediglich ein paar MTB-Fahrer.

Auf dem Pass trinken wir gemütlich einen heissen Tee, während es draussen immer garstiger wird: der Nebel zieht hoch, es fängt an zu nieseln und die Temperatur fällt auf 6°C. Deshalb kehren wir zurück nach Arinsal, wo es nach unserem Führer einen Wohnmobilstellplatz geben soll, doch dieser ist mit Parkverbotsschildern für die Nacht verziert worden.
Erst in El Tarter können wir uns an den Rand eines grossen Kiesplatzes stellen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Regen, Regen, Regen, …

13. Oktober 2016

Heute ist das Wetter stabil: es regnet unaufhörlich und ist kalt.

Wir fahren deshalb die wenigen Kilometer nach Canillo auf den Campingplatz „Casal“.
Beat erstellt die Wegstrecken für unseren Reiseblog und Annette kümmert sich um die Wäsche.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Vom Wetter nichts Neues

14. Oktober 2016

Das Wetter ist immer noch garstig. Doch wir haben eine wirkungsvolle Heizung eingebaut und lassen uns vom übellaunigen Wettergott nicht aus Andorra vertreiben.

Eine kurze Trockenphase nutzen wir um die nahe Kapelle zu besichtigen. Leider ist die Türe verschlossen und wir kehren deshalb kurz darauf zurück. Der zwanzig minütige Ausflug dauerte länger als die regenfreie Zeit und wir treffen nass bei unseren NOBIS ein.
Der Wetterbericht verheisst uns aber für Morgen Sonnenschein.

 

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Església de St. Joan de Caselles

 

 

Wanderung ins Val Madriu

15. Oktober 2016

Als am Morgen um 7:00 Uhr der Wecker klingelt, ist am Himmel keine einzige Wolke mehr zu sehen.
Die Bedingungen sind traumhaft: klare Sicht, blauer Himmel, die Bergspitzen weiss verschneit, herbstbunte Bäume …

Wir fahren nach Engolasters, wo wir nahe beim Startpunkt der Wanderung einen Parkplatz finden. Der Weg wurde mit Steinen ausgelegt und steigt stetig an, immer dem Riu de Perafita-Claror entlang.

Das Gebiet „Madriu-Perafita-Claror“ wurde 2004 als UNESCO Welterbe anerkannt.

 

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Wanderweg der Sorte „Deluxe“

 

 

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Riu de Perafita-Claror

 

Einige Stäublinge schmiegen sich an einen Felsen.

 

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Stinkender Stäubling (Lycoperdon nigrescens)

 

Bei der Cabana de Perafita machen wir Rast und beraten über die weitere Route. Bisher war der Weg klar ausgeschildert, doch hier fehlt ein Wegweiser.
Annette fragt drei Frauen. Diese informieren uns, dass die eigentlich gesuchte Refugi de Perafita noch ein paar hundert Meter weiter liegt.
Wir haben die Hütte gesehen, dachten aber, das sei eine Alphütte, da wir die gefundene „Cabana“ für das „Refugi“ hielten.
Hier gibt es also innerhalb von dreihundert Metern zwei Notunterkünfte für Wanderer, die vom Wetter überrascht werden.

Wir rasten hier, essen und trinken etwas.

 

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Refugi de Perafita

 

Da es in Andorra nur Berge gibt, führt unsere Wanderung zuerst 1200 Höhenmeter hinauf zum Pass und dann wieder gleich viele hinunter.

Nach der kurzen Pause steigen wir weiter auf zum Collada del Maiana. Beat plagen leichte Schmerzen im linken Knie.

 

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Aussicht beim Aufstieg zum Collada del Maiana

 

Der Abstieg ins Vall Madriu ist im oberen Teil sehr steil und rutschig. Beats Knieschmerzen nehmen zu und er humpelt zu Tal. Unten angekommen führt der Weg gemäss Wegweiser noch ca. 2 ½ Stunden talauswärts. Bei dem jetzigen Tempo brauchen wir dafür gut und gerne das Doppelte.

Wie weiter?

Sein Vorschlag, ihn hier mit einer halben Flasche Wasser und zwei Müesliriegel zurückzulassen und im Frühling wieder zu holen, wird verworfen. Die Gefahr, dass er bis da verhungert ist, scheint zu gross. 😉
Zum Glück haben wir in unserer Wanderapotheke auch Schmerztabletten und nach einigen Minuten Pause und einer zweiten dieser Wunderpillen, hinkt er dann doch noch selber zu unserem NOBIS zurück. Annette, die Soziale, trägt für den Rest der Wanderung seinen Rucksack mit!

– Vielen Dank!!!
– Gerne geschehen, das ist selbstverständlich!

 

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Abstieg zum Riu Madriu

 

 

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Herbst im Vall Madriu

 

Auf der Rückfahrt öffnet sich uns ein schöner Blick auf Andorra la Vella. Dieses Bild zeigt deutlich, wie sich die Häuser in das schmale, steile Haupttal zwängen.

 

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Andorra la Vella im Abendlicht

 

Wir sind 7 ½ Stunden gewandert und sehr müde. Deshalb suchen wir uns keinen neuen Übernachtungsplatz, sondern fahren zum dritten Mal zum Einkaufszentrum in Sant Julià de Lòria.

Link zur Wanderung über den Pass Collada del Maiana: Da auf „google maps“ ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wir glaubten, das 2.65 Meter höher sind als 2.50 Meter

16. Oktober 2016

Wir fahren Richtung Coll d’Ordino. Der Weg schlängelt sich oberhalb von Canillo den Berg hoch. In diesem Seitental wurde fleissig gebaut, wie das Bild zeigt.

 

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Blick auf Canillo

 

Plötzlich entdecken wir weit vorne eine menschliche Figur, die vor einer Aussichtsplattform sitzt.
Das wollen wir uns ansehen.

 

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Wer sitzt denn da?

 

Die Strasse führt nun an einem unbewohnten Bergtal vorbei. Die Hütten lassen vermuten, dass hier im Sommer Kühe weiden.

 

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Val Riu de Montaup

 

Ein paar Kehren weiter fahren wir auf den Parkplatz vom Mirador Roc del Quer.

Ein imposantes Kunstwerk ragt hier in den Himmel. Drei hohe Baumstämme stehen in ihrer ganzen Grösse und wurden mit der Motorsäge zurecht geschnitten.

 

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„Drei Totems“ des mexikanischen Künstlers Jorge Dubón (1991)

 

Ein Weg führt daran vorbei und dann sehen wir ihn, den Mirador Roc del Quer. Aber wo ist jetzt die Person, die wir von unten auf einem Balken sitzend gesehen haben?

 

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Mirador Roc del Quer

 

Ah! Der Weg führt hier links vorbei und weiter hinunter.
Plötzlich sehen wir ihn.
Nackt, wie der argentinische Künstler Miguel Ángel González ihn erschaffen hat, sitzt er auf einem Eisenträger, der die Aussichtsplattform überragt, weit über dem Abgrund.

 

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Statue von Miguel Ángel González

 

Ruhig schaut er das Haupttal hinauf zum Pas de la Casa.

 

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Blick auf Canillo und zum Pas de la Casa

 

Wir staunen, dass diese Figur vor uns den Ausblick nicht etwa stört, sondern sogar bereichert, während wir uns sonst oft ärgern, wenn andere Besucher vor uns stehen und scheinbar nicht zur Seite rücken wollen.

Danach wollen wir auf den Pass Coll d’Ordino.
Kurze Zeit später spannt sich eine Höhenbegrenzung auf 2,5m über die Strasse. Wir meinen beide, diese sei deutlich höher. Sicherheitshalber kehren wir trotzdem um. Unser NOBIS ist 2.65 Meter hoch und wir wollen später nicht in einem Tunnel stecken bleiben und Wenden ist auf der schmalen Strasse schwierig.

Wir fahren deshalb zurück nach Canillo, das Haupttal hinab und versuchen den Pass von der anderen Seite zu knacken.

 

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Überlebenskünstler am Strassenrand

 

Doch auch hier bietet sich die selbe Situation. Diesmal wagen wir uns aber unter der Höhenbeschränkung hindurch und fahren unbehindert bis auf den Pass und darüber hinaus bis zur Höhenbegrenzung auf der anderen Seite, wo wir auf dem Parkplatz mit schöner Talsicht bleiben und übernachten.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Mysteriöse Bauten und eine Brücke aus Stein

17. Oktober 2016

Um 8:30 Uhr kommen Bauarbeiter und fangen an den Schutthügel neben dem Picknickplatz weg zu baggern. Schlussendlich stehen drei Lkws bereit. Wir beschliessen unseren Platz zu verlassen und frühstücken auf dem Picknickplatz oberhalb von Ordino.

Danach fahren wir über Arcalis hinaus noch ein ganzes Stück den Berg hoch.
Hier stehen einige winzige Steinhäuser mit kleinen Einfriedungen aus Stein. Alles zu klein um Tiere einzusperren oder als Schutzhütten für Hirten. Wozu mögen diese gedient haben?
Annette fragt holländische und russische Touristen, die mit Bussen angekarrt worden sind, aber keiner weiss etwas Genaueres dazu.
Nichtsdestotrotz fotografieren wir alle diese pittoresken Steinbauten, die in der archaischen Berglandschaft entfernt an mongolische Jurten erinnern.

 

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Am 30. Oktober müssen wir in Lissabon sein, deshalb fahren wir noch heute zurück ins Haupttal und dann über die Grenze nach Spanien.

Die „Pont Romantik“ bei El Serrat veranlasst uns zu einem letzten Fotostopp in Andorra und wir sind froh, dass wir diesen selber bestimmen können und nicht von einem Reisebusfahrer verordnet bekommen. 🙂

 

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„Pont Romantik“ bei Ordino

 

 

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Wunderschön gearbeitete Bogenbrücke

 

Link zur heutigen Strecke: