Albanien 2018

 

26. Februar – 4. März 2018

Karte zu unserer Reise durch Albanien:

 

Keine Steckdose? … kein Problem!

26. Februar 2018

Bei stürmisch regnerischem Wetter fahren wir nach Sarandë.
Zum Glück war unser Grenzübertritt von Griechenland nach Albanien einfacher als es die Querung des Baches über diese abenteuerliche Brücke sein muss.

 

Wer wagt sich da rüber?

 

Die Bistricë führt Hochwasser und ist über die Ufer getreten. Damit scheint man zu rechnen. Die Brücke führt jedenfalls über die ganze Senke und nicht nur über das Flussbett, das von einer Baumreihe gesäumt ist.

 

Bistricë bei Hochwasser

 

Wir haben in den letzten Tagen mehr als genug Niederschläge erlebt.
Die Campingplätze sind in dieser Jahreszeit alle geschlossen. Deshalb steigen wir in Sarandë im Hotel Brilant ab. Die junge Frau an der Rezeption ist sehr freundlich, aber völlig verunsichert als wir plötzlich vor ihr stehen. Es stellt sich heraus, dass Ionina heute ihren allerersten Arbeitstag hat. Man hat wohl nicht mit Touristen gerechnet und ihr keinerlei Einführung gegeben.
Wir bringen ihr ein Stück Kuchen, was sie beinahe zu Tränen rührt.

Auf unsere Frage, ob es möglich sei, den NOBIS ans Stromnetz anzuschliessen, organisiert sie den Manager des Hotels. Dieser meint, ausserhalb des Hauses gebe es keine Steckdosen. Wir könnten jedoch das Kabel vom Foyer durch die Hauptpforte nach draussen legen, es seien ja zur Zeit nur wenige Gäste im Haus.
Das heisst, das Kabel würde in der Mitte des Eingangs liegen und durch die doppelte, automatische Schiebetüre führen. Wir finden das etwas gefährlich. Jemand könnte darüber stolpern und sich verletzen. Unseren Vorschlag, den Anschluss durch das Toilettenfenster zu legen, das auf der Parkplatzseite liegt, findet auch er besser.

Das unkomplizierte Lösen des Problems erobert unsere Herzen im Nu. So etwas wäre in der Schweiz undenkbar.
Albanien, wir sind zurück und lieben dich noch immer.

Hier der Link zu unserer Reise durch Albanien im Jahre 2015:

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Hotel Brilant in Sarandë

27. Februar – 1. März 2018

Unser Zimmer im vierten Stock mit Blick auf das Meer ist gross, geheizt und hat einen ausgezeichneten Internetempfang.
Zudem sind die 45.– Euro pro Nacht mit Frühstück für zwei Personen in einem Viersternhotel ausserordentlich preiswert.

 

Blick vom Frühstücksraum auf Sarandë

 

Uns gefällt es hier so gut, dass wir statt einer gleich vier Nächte bleiben.
Tagsüber werkeln wir am Blog, schreiben Mails und spazieren durch die Stadt.

In einer Wäscherei bezahlen wir pro Kilogramm Wäsche 200 Lek, was 1.75 Schweizerfranken entspricht. Dass die sauber zusammengelegte Wäsche dann auch noch gebügelt wird, war nicht abgesprochen, aber wohl im Berufsstolz inbegriffen.

Auch in Sarandë wird kunstvoll gesprayt. Das Landeswappen mit dem Doppeladler wurde hier mit dem albanischen Freiheitshelden Skanderbeg kombiniert.

 

Ein politisches Grafitti?

 

In der Stadt findet man, wie überall im Lande, Kleinsthändler, die ihre Waren anbieten.

 

Orangenverkauf in Sarandë

 

 

Altbekannter Übernachtungsplatz

2. März 2018

Obwohl der Himmel immer noch weint, fahren wir nordwärts, denn wir müssen am 4. März in Montenegro sein. Doch davon später.

Bei Shën Vasil weiden einige Esel am Strassenrand.

 

Esel bei Shën Vasil

 

Wir fahren auf der selben Route zurück wie vor drei Jahren. Wieder ist der Himmel bedeckt und wie 2015 queren wir den Llogara-Pass (1027m.ü.M.) im Nebel.

 

Blick vom Llogara-Pass

 

Wir suchen einen neuen Übernachtungsplatz, finden jedoch keinen, der uns gefällt. Deshalb zweigen wir in der Stadt Fier ab und erreichen beim letzten Tageslicht den Parkplatz vor der Ruinenstätte Apollonia, den wir von unserer letzten Albanienreise her kennen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Autofahren kann in Albanien ein Abenteuer sein!

3. März 2018

Unterwegs treffen wir immer wieder Händler, die an der Strasse ihre Produkte anbieten.

 

Orangenverkauf am Strassenrand bei Sheq i Madh

 

In Kavajë zeigt unser Navi eine Einkaufsmöglichkeit mit grossem Parkplatz an. Wir spekulieren auf eine Toilette.
Das vermutete „Einkaufszentrum“ entpuppt sich als grosser Gemüse- und Obstmarkt, wohl für Gastrobetriebe und Einkaufsläden.
Beat fotografiert und kauft einen grossen Bund Karotten. Der Verkäufer, der nur Albanisch spricht, zieht 150 Lek aus seiner Hosentasche und zeigt sie ihm. Zur Sicherheit deutet er zudem an, dass Beat ihn bezahlen müsse und nicht etwa umgekehrt! Also Ware gegen Geld und nicht etwa Ware plus Geld gegen ein freundliches Lächeln!
So kommen wir für umgerechnet 1.30 Schweizer Franken zu gut zwei Kilogramm frisch geernteten Rüebli.

 

Verkaufsstand unseres Rüeblihändlers

 

 

 

In Dutzenden von Lieferwagen und PKWs sind vor allem Karotten, Kohl und Lauch gestapelt.

 

 

 

 

Wir fahren über den Bergrücken nach Kapidanaj. Die Strasse ist sosolala und ziemlich schmal. In der Ebene wird es dann besser, hoffen wir.

Klarer Fall von denkste!

Die Naturstrasse wird schlecht und schlechter, die Fahrbahn schmierig. Riesige Pfützen voll trüben Wassers machen es unmöglich die Tiefe der Löcher abzuschätzen. Einmal schlägt der NOBIS auf. Wenden ist unmöglich.
Nach einer gefühlten Stunde liegt vor uns eine nicht enden wollende Reihe von bedrohlichen Pfützen auf dem schmalen Damm. Wir befürchten in die wassergesättigte Wiese abzurutschen. Da kämen wir ohne fremde Hilfe niemals wieder raus.
Zum Glück führt rechts ein Weg über eine enge Brücke zu einigen Häusern. Danach wird die Strasse wohl besser sein. Nur mit viel Mühe schaffen wir diese Abzweigung.
Bis zum Dorf geht es etwas besser, aber einige hundert Meter weiter folgt eine baufällige Brücke, die uns von der asphaltierten Strasse trennt. Einige der Metallstreben, die die Hängebrücke halten, sind verbogen oder fehlen ganz. Wir glauben nicht, dass die marode Konstruktion unsere dreieinhalb Tonnen tragen kann. Zudem hätten wir auch bei eingeklapptem Seitenspiegeln in der Breite höchstens wenige Zentimeter Platz, wenn überhaupt.
Inzwischen giesst es wie aus Kübeln.
Den ganzen Weg zurückfahren ist keine Option. Der sintflutartige Regen hat die schmierige Strasse, die wir nur mit viel Mühe geschafft haben, noch mehr aufgeweicht.

Was nun?

Wir werden morgen auf einer Ziegenfarm in Montenegro erwartet, wo wir einige Tage arbeiten wollen. Also hier ein – zwei Tage stehen bleiben bis die Strassenverhältnisse besser werden, was wir mit unserem Wohnmobil ja könnten, liegt nicht drin.
Es gelingt uns zu wenden und wir fahren zurück ins Dorf. Dort zweigen wir auf eine andere Schlammpiste ab. Von hier ist die Distanz zur Hauptstrasse aber markant länger. Was erwartet uns da?
Nach etwa dreihundert Metern und einigen tiefen Wasserlöchern ist die Strasse plötzlich asphaltiert. Niemand weiss, warum dieser Belag im Niemandsland beginnt. Vielleicht fehlte das Material oder das Geld um das kleine Dorf ganz zu erschliessen.

Ein weiteres Müsterchen der albanischen Strassenverhältnisse erleben wir vor Thumanë:

Wir wollen ein Gleis überqueren. Es gibt keine Warntafel und keine Schranke. Die Schienen sind rostig, das Gras erobert sich das Terrain zurück. Hier rollt schon lange kein Zug mehr … denken wir.
Plötzlich tutet es von irgendwoher eindringlich. Wir stoppen vor dem Übergang. Und siehe da, ein langer Zug, schwer mit Kies beladen, nähert sich. Beat schaltet den Warnblinker ein und stellt sich mitten auf die Strasse, damit ein nachfolgendes Auto ihn nicht überholt. Der Lokführer bedankt sich sichtlich erleichtert mit herzlichem Winken.

Hinter Thumanë ist eine Brücke gesperrt. Auch hier keinerlei Signalisation. Aber hingekippte Erdhaufen verunmöglichen eine Passage. Vermutlich hat das Hochwasser die Brücke beschädigt.

Wir müssen auf die Autobahn ausweichen und kommen erst nach Anbruch der Dunkelheit zur Wallfahrtskirche Kisha Shna Ndouan, wo wir auf dem riesigen Parkplatz übernachten.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Weiter nach Montenegro

4. März 2018

Früh am Morgen kommen einige Autos angefahren. Etwa ein Dutzend Leute machen sich bereit für einen Geschäftssonntag. Sie bereiten Ständer voller Rosenkränze, Armbänder, Glücksbringer und Kerzen vor.

 

Wallfahrtskirche Kisha Shna Ndouan

 

 

 

 

Wir versuchen in Shengjin an einen schönen Aussichtspunkt am Hafen zu gelangen, den uns die Strassenkarte verspricht. Die Strasse wird immer schlechter und endet in einem Quartier mit baufälligen Häusern. Aussichtspunkt? … Fehlanzeige! Irgendwann geht uns auf, dass wir genau dieselbe Strecke mit demselben Resultat schon mal befahren haben.

Leider hat Albanien das Land mit seinen ausgesprochen freundlichen Menschen das Abfallproblem überhaupt nicht im Griff.
In grösseren Städten werden Plastik, PET, Karton und Metall von Privatpersonen gesammelt und gegen ein kleines Entgelt an Sammelstationen geliefert.
Aber immer noch liegt viel Müll an Strassenrändern, in Bächen und Flüssen.

 

Albaniens Müllproblem

 

Kurz vor der Grenze nach Montenegro setzen wir die letzten albanischen Lek in leckeren „Çaj Boronicë“ (Heidelbeertee) und Tomatensauce um.

Bei der Grenzkontrolle grüsst Beat die Beamtin mit einem freundlichen „Përshëndetje“. Sie antwortet ganz selbstverständlich auf Albanisch. Als (auf Englisch) geklärt ist, dass dies eines von drei Worten Albanisch ist, die Beat spricht und versteht, lachen alle.
Die Aussprache sei so gut gewesen, dass sie meinte, Beat stamme aus dem Kosovo.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Advertisements