Do viđenja, Bosnien und Herzegowina!

 

Arme Sau

2. November 2019

In Zidonja wird gerade eine geschlachtete Sau zerteilt. Mit Zeichensprache frage ich, ob ich fotografieren darf. Die Männer, die nur Bosnisch und Russisch sprechen, erlauben mir das.

 

 

Einer rückt sogar den Schweinekopf im Plastikbecken zurecht, damit er auch schön zur Geltung kommt.

 

 

 

 

Ein anderer der Brüder, mit zwei Fingerstummeln an der rechten Hand, hilft nicht mit. Seine Spezialität scheint der šljivovica zu sein. Er bietet mir, am Morgen noch vor 10 Uhr, ein Gläschen an. Stolz erzählt er, dass er ihn selber gebrannt habe. Ich will nicht unhöflich sein und willige ein ein wenig davon zu kosten. Er kann sich beim Einschenken zurückhalten und ich bekomme ein kleines Schlückchen zum Degustieren. Obwohl der Pflaumenschnaps ausgezeichnet schmeckt, lehne ich weiteren Alkohol ab. Ich bin ja hier, um Bosnien und Herzegowina zu entdecken und nicht um den Führerschein loszuwerden.

Als ich weiterfahre, winken mir die Männer freundlich nach.

Da es nun kalt und feucht geworden ist, spürt man den Nachteil der Holzöfen, mit denen die Häuser beheizt werden. Die Inversion drückt den Qualm herunter und in allen Siedlungsgebieten riecht es nach Rauch und beisst in Hals und Rachen.

Ich fahre um den Modračko jezero. Kurz nach Živinice entdecke ich eine Luftseilbahn, die Kies über den Stausee befördert.

 

Luftseilbahn für Kies

 

Schade, dass da nicht Gondeln für Personen dazwischen hängen. Die ruhige Fahrt über den See wäre ausserordentlich schön.

 

Kies-Seilbahn über den Modračko jezero

 

Im Touristendorf Prokosovići herrscht Zwischensaison. Die Restaurants sind geschlossen und es wird an vielen Orten gebaut und renoviert. Im Sommer wird hier am See der Bär los sein.

 

Modračko jezero von Prokosovići aus

 

 

Staumauer des Modračko jezero

 

Ich fahre an der Staumauer vorbei und entdecke auf der Rückseite eine „Wassershow“.

 

 

Das schöne Herbstwetter scheint nun definitiv vorbei zu sein und es beginnt zu regnen.
Ich mache mich deshalb langsam auf den Heimweg. Das sind nach Navi noch etwas über 1’000 km.

Bei Botajica finde ich einen Übernachtungsplatz nahe dem Fluss Bosna.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wo ist denn hier der Damm über den See?

3. November 2019

In der Nacht hat es geregnet, doch nun am Morgen klart es auf. Ich geniesse die Stimmung mit leichtem Bodennebel, der sich in der Sonne langsam auflöst.

 

Übernachtungsplatz an der Bosna

 

Die Gegend ist hügelig und lieblich.

 

Landschaft bei Kulina

 

Mir fällt auf, dass bereits seit gestern kaum mehr Müll am Strassenrand liegt. Das Abfall-Problem ist also auch in Bosnien und Herzegowina in den Griff zu kriegen.

Am Horizont lugt die Kirche von Bukovica Velika über den Wald.

 

Bukovica Velika

 

Auf der anderen Seite lockt das moderne Gotteshaus von Kulina.

 

Kirche von Kulina

 

Kirchturm von Kulina

 

Der Weg zur Kirche führt durch einen Garten. Dort ist ein kunstvolles Fenster in ein Stück Mauer eingelassen.

 

 

Die Kirche ist den Heiligen Peter und Paul gewidmet.
Ich trete ein und bin vom schlichten Interieur und der raffinierten Belichtung begeistert.

 

Kirchenraum der St. Peter und Paul-Kirche in Kulina

 

Nun fahre ich Richtung Grenzübergang in Bsanska Kostajinica.
Unterwegs entdecke ich auf der Strassenkarte einen See, über den ein Damm führt. Das ist verlockend, deshalb gebe ich ihn als Zwischenziel ein.

Die Strasse folgt ein Stück dem Fluss Sava.
Auch hier werden, wie wohl überall auf der Welt, Wochenend-Häuser an den Fluss gebaut.

 

Neues Wochenend-Haus an der Sava vor Keoci

 

 

Sava

 

Doch wer nur auf die Erde blickt, verpasst den Himmel!
Wunderschöne Wolken haben sich da aufgebaut.

 

 

 

Wolken-Ufo

 

 

 

Um die Silos einer Sägerei kreist ein Schwarm krächzender Krähen.
Sie erzeugen zusammen mit den dunkler werdenden Wolken eine gruselige Stimmung.

 

 

Ich fahre und fahre … und bin plötzlich in Gradiška.
Wo ist denn nun mein Damm?
Das Navi wollte zuerst an die Grenze und dann wieder zurück. Einen Teil seines Willens hat es gekriegt. Doch nun ist es genug!
Ich wende und fahre rund 30 km zurück zu meinem Damm über den Bardača.

Der Aufwand war gross, aber noch grösser ist die Enttäuschung!

Der See wurde zum grössten Teil trockengelegt und ist nun ein Acker, der „Damm“ eine Schotterstrasse zwischen Feldern und Restsee.

 

Mein „Damm“ über den See

 

Mein Traum vom Übernachten auf einem Damm zwischen zwei Seen hat sich in Luft aufgelöst.
Deshalb fahre ich zurück nach Gradiška.

Zuerst folge ich ein Stück der gestauten Stublaja. Links und rechts am trüben Wasser stehen viele Ferienhäuser oder Fischerhütten.

 

Weekend-Haus an der Stublaja

 

In Gradiška quartiere ich mich im Motel Taxi Bar ein. Hier gibt es WLAN und ich komme über Skype zu einem ausgiebigen Gespräch mit Annette.

 

Motel Taxi Bar in Gradiška

 

Wie die Fahnen zeigen, ist das ein internationales Motel. Deshalb dürfen auch die Informationen auf Deutsch nicht fehlen!

Ein Müsterchen aus der Broschüre, die im Zimmer aufliegt. Der Zettel ist schön gerahmt und die Schrift zentriert:

 

SEHER VEHERTEN GÄSTEN
Wenn wir das Zahlen durch Kreditkarten zasatzliches 10%
auf der Rechnung weil Kommission der Bank aufgeladen.

Alles klar??!!??

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Nach dem Regen scheint die Sonne

4. November 2019

Am Morgen regnet es heftig. Deshalb verkrieche ich mich nach dem Frühstück nochmals ins Zimmer und fahre erst um ca. 11 Uhr los.

Ich will in den Nationalpark Kozara. Auf der Strassenkarte ist eine Hauptstrasse zweiter Ordnung eingezeichnet, doch das Navi traut sich nicht so richtig. Es findet, diese Strecke sei nicht mit einem Auto zu bewältigen.
Unbeirrt fahre ich weiter. Die neue Asphaltstrasse endet und eine Baustelle mit zum Teil schlammigem Untergrund beginnt. Trotzdem fahre ich den Berg hoch. Irgendwann ist die Strasse mit LKWs und Baggern verstellt.

 

Baustelle im Nationalpark Kozara

 

Ich deute einem Arbeiter, ob ich da weiter fahren könne. Er nickt und zeigt in die Richtung, in die ich will.
Durch den Regen ist nicht nur die Piste schmierig geworden, auch der Bach hat sich farblich den gelbbraunen Herbstblättern angeglichen. Was die können, kann ich auch, scheint er sich zu sagen.

 

 

Oh … da wäre ein wunderschöner Park- wenn nicht gar Übernachtungsplatz!
… Wäre, wenn er nicht so schlammig und das Wetter schöner wäre.

Wäre … wäre …

Heute beschränke ich mich auf die Entdeckung des Nationalparkes durch die Fenster des WoMos.

 

Hier wäre es schön, wenn es schön wäre.

 

Das Wetter wird merklich besser und ich beschliesse diese Nacht nochmals in Bosnien und Herzegowina zu verbringen.

Nach Dobrljin fahre ich links den Hügel hoch. Die einspurige asphaltierte Strasse wird zum Feldweg, aber kurz nach dem Pass finde ich einen geeigneten Platz.

 

Dobrljin im Abendlicht

 

Der Abendspaziergang führt mich vorbei an Äckern auf einen nahen Hügel.

 

 

Von hier geniesse ich den Sonnenuntergang.

Bosnien und Herzegowina will mich wohl kurz vor der Ausreise nochmals für das wechselhafte Wetter der letzten Tage entschädigen. Das gelingt voll und ganz!

 

 

 

 

 

Als ich zum NOBIS zurückkehre, steht da ein Mann, der das WoMo kritisch mustert. Ich winke und grüsse freundlich: „Dobar dan“. Verblüfft erwidert er den Gruss und geht weiter. In dieser verlassenen Gegend bin ich wohl der erste Tourist, der da aufkreuzt.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Fazit!

5. November 2019

Ab heute geht es wirklich heimwärts.
In Novi Grad wasche ich das total verdreckte Auto, tanke so viel, dass die Geldscheine weg sind und kaufe für die letzten Konvertible Mark einige Kleinigkeiten. Die letzten Feninge kriegt die Verkäuferin als Trinkgeld!

 

Fluss Sana bei Novi Grad

 

Dann geht es über die Grenze nach Kroatien.
Mit Bosnien und Herzegowina durften wir einmal mehr ein wunderschönes Land mit freundlichen Leuten kennenlernen, von dem wir vorher keine konkrete Vorstellung hatten.
Wie bunt und klar der Herbst sein kann, haben wir noch nie so bewusst wahrgenommen wie hier.

Wer dieses Land nicht selber bereist, verpasst etwas! 😉

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Srebrenica und Višegrad

 

Unterwegs nach Srebrenica

30. Oktober 2019

An der Strasse nach Ovići entdecke ich diesen hübschen Brunnen. Er ist ganz neu gebaut und bietet mir die Gelegenheit die Wasservorräte aufzufüllen.

 

Malerischer Brunnen vor Ovići

 

Wenig später fahre ich an dem Steinbruch vorbei, aus dem wohl die Steine des Brunnens stammen.
Durch die Schichtung können ganze Platten herausgelöst werden, was die Weiterverarbeitung sehr vereinfacht.

 

Von der Natur „gefaltete Steinplatten“.

 

Es nieselt leicht. Die asphaltierte Strasse wechselt in eine Schotterpiste, die mehr Löcher als ebene Flächen hat. Ein Teil wird saniert. Der Kies liegt in Haufen neben den Löchern und wartet darauf eingebaut zu werden.
Der Weg führt vorwiegend durch Wald, der von der Strasse aus gesehen, total vermüllt ist. Auf den offenen Flächen stehen viele Bauernhäuser, die meisten unverputzt. Aber auch kriegsversehrte Gebäude stehen dazwischen.
Zusammen mit dem trüben Wetter ein trostloser Anblick. 😦

 

 

In einem Weiler vor Milići steht eine Tafel auf der Jaja angeboten werden.
Ich will das Kleingewerbe unterstützen, packe einen Eierkarton und steige aus. Ein Mann humpelt heran. An seiner rechten Hand fehlen an zwei Fingern die vordersten Glieder.
Durch Gesten gibt er mir zu verstehen, dass er keine Eier verkaufe. Nach kurzer Bedenkzeit deutet er mir zu warten. Er holt im Haus einen Schlüssel und gibt mir aus seinem ehemaligen Laden die letzten drei Eier. Mehr hat es dort nicht. Ich will sie bezahlen, doch er will partout kein Geld.

In Olovske Luke lerne ich, dass man das Brennholz nicht mühsam die Treppe hochtragen muss, wenn man einen Radlader hat.
Freundlich winkt mir der Mann zu, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwendet.

 

Der Radlader machts einfacher.

 

Das Wasserrad an der Strasse nach Gradina hat wohl nur dekorativen Charakter. Oder wird hier eine neue Mühle mit alter Technik gebaut?

 

 

In Milići entdecke ich, wie man alte Autoreifen wieder verwerten kann.
Diese Schwäne sind sehr genügsam und brauchen weder Futter noch Wasser.

 

Schwäne in Milići

 

Ich fahre über den Pass Kiokoč nach Srebrenica.
Ein Stück vor dem Dorf wird ein grosses Fabrikgelände von der Natur zurückerobert.

 

 

Ein kleiner, struppiger schwarzer Hund nähert sich dem NOBIS. Er schnuppert kurz am WoMo und zieht weiter.
Mit einem Sack Hundefutter steige ich aus.
Diese Sprache versteht er. Er kehrt zurück, bleibt aber scheu in einiger Entfernung stehen. Als ich einige Futterbrocken an den Strassenrand werfe, kommt er jedoch hungrig heran und frisst sie.

Nun bin ich an meinem heutigen Ziel angelangt!
Srebrenica ist ein Strassendorf in einem engen Tal. Auch hier viele kaputte Häuser, daneben aber auch renovierte und Neubauten. Eine eigentümliche Mischung.
Ich beschliesse heute in einem Hotel zu übernachten. Eingangs Dorf steht eine Pension, weiter unten ein Hostel … das wars.
Ich fahre zwei Dörfer weiter, doch sehe ich kein Hotel weit und breit.
Es dunkelt bereits.
Ich kehre deshalb wieder um und buche ein Einzelzimmer in der Pension Misirlije. Das kostet BAM 44.00, das sind umgerechnet 24.20 Franken (€ 21.80).

 

Pension Misirlije in Srebrenica.

 

Die Hausspezialität, das Filet Mignon à la Mustafa (3 grosse Rindsschmorplätzli!!!) mit Pommes, gebratenem Gemüse und Reis mit Erbsen, Peperoni und Rüebli kostet umgerechnet CHF 8.25 (€ 7.45). Ja, ich weiss, das ist sündhaft teuer, aber man gönnt sich ja sonst nichts! 😉

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Srebrenica

31. Oktober 2019

Ich fahre durch Srebrenica. Aus den vielen Parabolantennen schliesse ich, dass Fernsehen hier ein wichtiger Zeitvertreib ist.

 

ParabolanParabolanParabolan…

 

Die Gedenkstätte des Völkermordes an den Muslimen vom Juli 1995 ist beklemmend und eindrücklich.
Für jede gefundene und identifizierte Leiche steht ein weisser Marmorpfeiler mit Namen und Geburtsdatum.
Noch heute werden sterbliche Überreste gefunden und hier beerdigt.
Die Fahnen von Bosnien und Herzegowina auf dem bewachten und eingezäunten Feld stehen alle auf Halbmast.

Obwohl Srebrenica seit 1993 als Schutzzone der UNO galt, wurden dort im Juli 1995 etwa 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Einheiten ermordet. Es kam zu systematischen Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen.
Das war das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem 2. Weltkrieg.

 

 

 

 

 

 

Lernt der Mensch wirklich nichts aus der Geschichte? Warum wiederholen sich solche Kriegsverbrechen immer wieder??
Nachdenklich und traurig verlasse ich diese Stätte.

Auch die nähere Umgebung trägt nicht zu besserer Stimmung bei.

 

Vergammelnde Fabrikgbäude

 

 

Kriegsversehrtes Haus

 

Ich fahre zurück nach Srebrenica. Und da sehe ich das Wandbild mit dem kleinen Jungen:

 

Titel des Kunstwerkes: „Über die Mauer“

 

Nun nehme ich Kurs auf mein nächstes Ziel, Višegrad.
Dazu fahre ich zurück durch Srebrenica, vorbei an der Pension, in der ich übernachtet habe und weiter zu der Fabrikruine, ausserhalb des Dorfes. Der kleine, schwarze Hund von gestern scheint auf mich gewartet zu haben. Schnell springt er zum Wagen, als ich anhalte. Die Portion Hundefutter ist heute etwas grösser, denn morgen komme ich nicht mehr hier vorbei.

Der kürzeste Weg nach Višegrad führt ein paar Kilometer über serbisches Gebiet.
Ich staune, dass an der Grenze keine Kontrollen durchgeführt werden.
Kurz darauf merke ich, dass ich an der Grenze vorbeigefahren bin. Ich hätte rechts abbiegen und über eine schmale Brücke fahren müssen.

Dank solchen Fehlern kommt man dazu, auch mal den Rückwärtsgang zu amortisieren. 😉

Der bosnische Zöllner nimmt es ganz genau. ID, Fahrzeugausweis, grüne Karte und dann vor allem, will er sich mal das WoMo von innen ansehen. Das interessiert auch seine Kollegin, die sich der „Führung“ anschliesst. So was sieht man hier nicht alle Tage. Sie staunen, dass da eine Küche und sogar Dusche und WC vorhanden sind. Auch in einige Kästchen will er gucken.
Zum Schluss fragt er, ob ich kein Kokain mit mir führe und gibt mir lachend die Dokumente zurück.

In der serbischen Stadt Bajina Bašta gleich nach der Grenze verfahre ich mich total. Die Strassen sind alle in schlechtem Zustand und mir wird nicht klar, welches die Hauptstrasse ist, der ich folgen muss. Mein Navi dagegen liebt vor allem die schmalen, steilen und kurvenreichen Strässchen. Irgenwann gebe ich auf, fahre ein Stück zurück und setze weitere Punkte auf der Route durch die Stadt.

Vor der Grenze zurück nach Bosnien und Herzegowina stoppt mich eine geschlossene Barriere. Das ist noch nicht die Grenze, wie ich zuerst vermute.
Ein Uniformierter kommt heran und verlangt in schlechtem Englisch 5 Euro. Er schwafelt etwas von „Eco“. Da ich begriffsstutzig bin, holt er einen Bündel Euronoten, um mir klar zu machen, was er will. Zudem eine Quittung, die da irgendwo herumgelegen ist, ohne Datum und Uhrzeit natürlich. Darauf steht etwas in kyrillischer Schrift, das ich nicht lesen kann, und die Zahl 500.00. Wohl serbische Währung. Ich gebe ihm 10 bosnische Mark (rund 5 €) und er bringt mir eine bosnische Ein-Mark Münze zurück. Dann öffnet er die Schranke.
Man muss ja nicht alles verstehen!

Die Passage durch die beiden Zollämter verläuft dann reibungslos. Natürlich mit zeigen der ID, der grünen Versicherungskarte und des Fahrzeugausweises.

Dann führt die Strasse durch eine eindrückliche Schlucht, die sich der Bach Rzav gegraben hat.
Ein Schmalspur-Bahngeleise verläuft auf der anderen Seite weit unten am Wasser.
Ob hier wohl noch Züge verkehren? Es müsste romantisch sein, da mitzufahren.

 

Schlucht des Rzav

 

Wenn ich mir die Qualität des Betons ansehe, bin ich froh, dass die Strassenbrücken in Bogenform gebaut und damit in sich selber stabil sind.

 

Brücke über den Bach Rzav

 

Ja, wenn man am Zement spart oder die Körnung des Kieses schlecht ist, verwittert der sonst ach so beständige Beton relativ schnell.

 

Beton! … Beton?

 

Als ich in Višegrad ankomme, dämmert es bereits.
Ich wähle eine Nebenstrasse auf einen Pass. Da wird wohl irgendwo ein Plätzlein für mich sein.
Und wirklich, nach Donja Lijeska liegt im Wald eine grössere Lichtung, auf der eine kleine Hütte mit Bänken und Tischen steht, vermutlich ein Picknickplatz. Dahin stelle ich mich, etwas verdeckt vom Wald.

 

Einmal mehr ein ruhiger Übernachtungsplatz

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Višegrad

1. November 2019

Der Tag ist grau und kühl wie die letzten.
Ich fahre ins Tal hinunter nach Višegrad.

 

Strasse nach Višegrad

 

Mein Ziel ist die berühmte Mehmed Paša Sokolović Brücke über die Drina. Sie wurde von 1571 bis 1577/78 erbaut. Seit 2007 steht sie auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.

 

Mehmed Paša Sokolović Brücke

 

Das imposante Bauwerk besteht aus elf Bögen und hat eine Länge von etwa 180 Metern.

 

 

Die Touristenboote unten am Ufer warten auf die neue Saison.

 

 

Auch das Städtchen selber ist sehenswert.
Ein romantisches Liebespaar, kunstvoll auf die Wand gemalt, gefällt mir besonders gut.

 

 

Doch auch folgende Portraits zeigen: Kunst kommt von Können!

 

Ivo Andrić

 

Ivo Andrić (1892–1975) war ein Schriftsteller und Politiker. 1961 erhielt er den Literaturnobelpreis.

 

Wandgemälde an einer Schule

 

Nach dem ausgiebigen Stadtbummel steige ich auf einen nahen Hügel, um den Blick von oben zu geniessen. Die Brücke über die Drina scheint mir von hier oben noch schöner.

 

Mehmed Paša Sokolović Brücke

 

In Višegradska Banja, soll eine heisse Quelle sprudeln und eine SPA-Anlage sein. Vielleicht 2 Tage wellnessen?
Das 3-Stern Hotel scheint nicht gerade gut unterhalten zu sein. Zudem liegt es in einem engen schattigen Tal. Alles ist in kyrillischer Schrift angeschrieben, die ich nicht lesen kann.
Das ist nicht, was ich suche.

Ich fahre deshalb wieder zurück.
Nach einem letzten Blick auf die serbisch-orthodoxe Kirche auf der Halbinsel Andrićgrad kurve ich weiter durch das wunderschöne Tal der Drina.

 

Andrićgrad

 

 

Tal der Drina

 

 

Tal der Drina

 

In Ustiprača kaufe ich in einem kleinen, dunklen Laden ein. Dass er offen ist, bemerke ich nur, weil ein Kunde herauskommt.
Die Produkte im Kühlschrank sieht man kaum. Man muss die Dinge herausnehmen, um sie zu erkennen.
Strom für Licht ist wohl zu teuer.
Trotzdem finde ich ein Naturjoghurt. Mayonnaise gibt es nur im kleinen Beutel, aber immerhin. Dazu kaufe ich die Hälfte der Bananen, die da liegen … und diese zwei esse ich auch gleich nach meinem Einkauf.
Die Verkäuferin scheint froh zu sein, dass etwas läuft. Sie bedankt sich mehrmals herzlich.

Kurz vor Podromanija blinkt von Ferne ein goldenes Dach mit Kreuz.
Meine Aufmerksamkeit ist geweckt und ich fahre auf dem Feldweg zu dieser Kirche.

 

Kirche mit Golddach im Nirgendwo

 

Sie steht mitten in einem Feld, weitab von irgendwelchen Dörfern.
Das Gotteshaus ist noch im Bau. Leider ist die Türe geschlossen. Heute Freitag ist weit und breit kein Arbeiter zu sehen.
Ob sie die Arbeit niedergelegt haben, weil kein Bier mehr da ist?

 

Kein Bier – keine Arbeit!

 

Wie dem auch sei, ich fahre zurück auf die Hauptstrasse und dann noch bis Šekovići, wo ich einen schönen Übernachtungsplatz direkt am Bach finde.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auf dem Lande ist man nie alleine!

 

Zum Ramsko jezero

27. Oktober 2019

Am Morgen ist es kalt. Doch die Sonne verdrängt langsam den Nebel, der sich in der Nacht in das Tal geschlichen hat und wärmt den NOBIS hier am Berg schnell auf.

 

Morgennebel bei Prevorac

 

Bei schönstem Sonnenschein fahre ich dem Fluss Bregava entlang.

 

Bregava

 

In Stolac lockt die alte und wunderschön restaurierte Mühle zum Einkehren. In dem Restaurant soll man frische Forellen kriegen.

 

Alte Mühle in Stolac

 

 

Restaurant Old Mill in Stolac

 

Doch kurz nach dem Frühstück ist mir nicht nach Forellen, so sehr ich sie sonst liebe.

Heute fahre ich an Mostar vorbei und folge dem gestauten Fluss Neretva durch den Canyon zwischen Željuša und Donja Jablanica.

 

Gestaute Neretva

 

Halt! Stop! … stand da nicht eben etwas von frischem Fisch auf der Tafel am Strassenrand?
Ich wende bei der nächsten Gelegenheit, fahre zurück und wirklich, hier werden lebendfrische Forellen verkauft.

Jupiii! … ich kriege doch noch meine Forelle. Natürlich kaufe ich vor Freude gleich zwei der Prachtsexemplare. Sie wiegen zusammen 1 kg und kosten umgerechnet CHF 3.85.

Im schattigen Tal des Flusses Rama steht am Strassenrand ein Bauer, der Zwiebeln, Kürbisse und Kartoffeln verkauft. Hier verkehren nur wenige Autos. Die Auswahl und die Mengen sind sehr überschaubar. Ich kaufe ihm einen 5 kg-Sack Kartoffeln ab. Er freut sich sichtlich darüber.

Forellen und Kartoffeln habe ich nun, eine Flasche Weisswein steht im Kühlschrank, jetzt fehlt zu meinem Glück nur noch ein schöner Übernachtungsplatz.

Auf der Karte ist mir der weitverzweigte Ramsko jezero aufgefallen. Hier muss es doch ein Plätzchen für mich und meinen NOBIS geben.
Der erste Versuch führt mich auf auf die Halbinsel Šćit.

 

Ramsko jezero

 

Das Kloster Franjevački samostan Rama auf der Halbinsel Šćit könnte man besichtigen. Ich werfe jedoch lediglich einen Blick in den Park und bewundere das eigenartige Kreuz auf dem Rasen.

 

 

Auf dieser Halbinsel finde ich keinen geeigneten Übernachtungsplatz, vielleicht auf der nächsten?
Doch auch hier endet der eine Weg an einem geschlossenen Tor und der andere führt zu einem Wohnhaus.

Der schöne Ausblick auf das Kloster entschädigt mich für die fruchtlosen Versuche.

 

Kloster Franjevački samostan Rama

 

Aber auf der nächsten Landzunge Brišće scheint ein Wohnmobil zu stehen.
Also los!
Am Anfang der Halbinsel bietet ein Restaurant WoMo-Stellplätze an. Ich brauche aber für heute lediglich einen Parkplatz und keine Infrastruktur.
Ich kurve daran vorbei und stehe wenig später vor einem Fahrverbot. Also erkunde ich die Lage vorerst zu Fuss.

 

Wohnmobil an idyllischer Lage?

 

Ich nähere mich dem vermeintlichen WoMo und sehe, dass es sich um einen vergammelten Lieferwagen handelt, der im Sommer wohl dazu dient(e) Getränke und Snacks zu verkaufen.
Ich spaziere weiter zur Spitze der Landzunge, auf der ein kleines idyllisches Wäldchen steht.

Am Ufer sieht man durch den tiefen Wasserstand wunderschön die Gesteinsschichen des Untergrundes.

 

Ufer des Ramsko jezero

 

Hier ist also auch nichts mit Übernachten … doch da drüben stehen einige Autos und Fischer sitzen am Ufer.
Ich starte den nächsten Versuch, fahre den Hügel hoch und geniesse den Ausblick auf diesen weit verzweigten Stausee.

 

Blick von Rumboci

 

Der schmale Weg durch Varvara bringt mich endlich ans Ziel.

 

Abendstimmung am Ramsko jezero

 

Zum Abendessen brate ich mir eine der Forellen in Butter und koche dazu Kartoffeln. Natürlich fehlt der knackige Salat ebenso wenig wie der köstliche Weisswein aus Bosnien und Herzegowina.

Herrlich!!

Ich fühle mich wie Gott in Bosnien und Herzegowina! (Ups! … Habe ich da etwas verwechselt?)

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Durchs „Weisskohltal“ zum „Distanzangeber“

28. Oktober 2019

Am Morgen sammle ich noch einigen Müll ein, was den Fischer am See sichtlich erstaunt.

Im Tal vom Fluss Vrbas liegen links und rechts der Strasse viele Weisskohlfelder. Alle paar Meter wird dieser in grünen Netzen verkauft. Wer soll all den Kohl essen?

 

Weisskohlfelder bei Pajić Polje

 

Ein Sack (ca. 10 kg) kostet 4 Konvertible Mark, was etwa € 2.00 oder CHF 2.20 entspricht.

 

Kohlhandel am Strassenrand

 

Anhand der Strassenkarte entscheide ich mich heute auf einen Pass zu fahren.

In Turbe holt mich die traurige Vergangenheit dieses arg gebeutelten Staates ein. Viele Häuser zeigen noch immer Spuren des Bosnienkrieges von 1992 – 1995.
Ich hoffe, sie dienen als Mahnmal für „nie wieder!“.

 

Kriegsspuren an einem Haus in Turbe

 

Ein Stück weiter möchte ich auf eine landschaftlich schöne Strecke wechseln. Der erste Versuch misslingt. Die schmale Strasse in ein Dorf ist in sehr schlechtem Zustand und wird immer enger. Ich kehre um, sobald es möglich ist.
Im nächsten Dorf, kurz vor Tavnik scheint es zu klappen. Die einspurige Strasse wird ausgangs des Dorfes zur Schotterpiste. Bäume und Sträucher kratzen am NOBIS. Wend enist nicht möglich. Plötzlich jedoch trifft dieser Feldweg auf eine zweispurige, asphaltierte Strasse. Der folge ich nun. Irgendwie kommt mir die Gegend bekannt vor. Oben auf dem Pass sehe ich, dass ich auf dem Galica vin stehe, dem Pass, den Annette und ich von der anderen Seite her bereits überquert haben. Ja, sogar neue Strecken in einem unbekannten Land finden, ist ohne Annettes Navigationskünste schwierig. 😉

Ich mache das Beste draus und folge einem Wegweiser, der den Weg zu einer Kapelle zeigt. Die Schotterstrasse ist schmal, nur an den steilsten Stellen asphaltiert.

Von weitem sehe ich eine Art gedecktes Tor auf einem Hügel. Was das wohl ist?

 

Mysteriöse Baute am Horizont

 

In dem Tal finde ich einen ruhigen Übernachtungsplatz auf einer Weide zwischen Wäldern.

 

Übernachtungsplatz

 

Zu Fuss mache ich mich auf, um die Kapelle zu suchen. Sie liegt nicht weit entfernt in einem lichten Wald.

 

Kapelica Gospe Snježne

 

 

Kapelica Gospe Snježne

 

Erstaunt stelle ich fest, dass die Türe dieses abgelegenen Kirchleins unverschlossen ist.
Auf dem Altar liegen verschiedene Rosenkränze. Schön, dass man diese hier offen liegen lassen kann. Ob die Besitzer jeweils hierher pilgern zum Beten?

 

 

Ein paar hundert Meter weiter lüftet sich das Geheimnis des „gedeckten Tores“, das ich vom Tal her gesehen habe.

 

 

Es ist ein Wegweiser!! Oder genauer, ein „Distanzangeber“. Dieser Angeber gibt mit grossen Distanzen zu bekannten Städten an.

 

 

 

 

Ich weiss nun also, dass ich hier 9540 Kilometer von Tokio und 7745 Kilometer von Peking entfernt bin (interessant!) und 1240 Kilometer von Genf (relevant?).

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von Bettlerinnen und Polizisten

29. Oktober 2019

Ich erwache früh und spaziere nochmals zum Aussichtspunkt. Die Sonne steht knapp über dem Horizont, doch der Himmel ist stark bewölkt und im Tal liegt Nebel.

 

Morgenstimmung

 

Mein Weg Richtung Sarajevo führt durch hässliche Industriequartiere und seelenlose Dörfer.

 

Kohlekraftwerk Kakanj

 

In Topuzovo Polje fahre ich auf den Parkplatz eines Einkaufzentrums. Drei Bettlerinnen sitzen da. Eine ältere, eine mittleren Alters mit Kind und eine junge mit Kind. Ich packe Mandarinen in drei Tüten. Die Frau mittleren Alters nähert sich und versucht mehrmals die Türe zu öffnen. Ich gebe ihr die Mandarinen durch das Fenster. Sie aber fordert in gutem Deutsch einen Euro. Sie habe zwei Kinder und brauche Brot.
Ich habe kein Musikgehör.
Die ältere Frau steht auf und kommt heran. Auch ihr gebe ich einen Sack mit Mandarinen. Sie verlangt Geld für Medikamente.
Auch sie blitzt ab.
Die junge Mutter hingegen bedankt sich als einzige herzlich für die Früchte.

Die Gegend ist trostlos und demoralisierend.

Hinter Sarajevo fahre ich durch eine ländliche Gegend. Bauernhäuser und Wiesen wechseln mit Wäldern.
Langsam bin ich müde. Ich suche einen Übernachtungsplatz im Wald. Die Forststrasse ist jedoch total verdreckt. Links und rechts liegt Müll. Ich fahre weiter bis ich im offenen Gelände neben der wenig befahrenen Strasse einen Platz finde.
Der muss taugen!

Nun bemerke ich erst, dass ich mich total verfahren habe. Ich bin zwar auf einer landschaftlich schönen Strecke, aber nicht auf der von mir ausgesuchten. Da habe ich wohl zu wenige Punkte ins Navi eingegeben. Ich war schon erstaunt, als ich durch Sarajevo geführt wurde, obwohl ich geplant hatte, diese Stadt höchstens zu streifen.
Janusode.

 

Übernachtungsplatz im Nirgendwo

 

Ein rotes Auto fährt langsam von rechts an mir vorbei … dann von links … und wieder von rechts … und nochmals von links.
Danach beäugt mich der Fahrer eines gelben Vehikels zweimal, auf seinem Hin- und Rückweg.
Später folgt ein weisses Auto, das anhält.
Nun steige ich aus.
In dem zivilen Auto sitzen drei Polizisten in Uniform. Keiner kann richtig englisch. Trotzdem kann ich ihnen klarmachen, dass ich heute hier schlafen will und morgen nach Olovo weiterfahre. Das scheint OK zu sein. Einer guckt in den NOBIS und sieht, dass ich am Abendessen kochen bin. Natürlich die zweite Forelle!
Nun scheint auch er von meiner Harmlosigkeit überzeugt zu sein.

 

Aussicht vom Übernachtungsplatz

 

Später hält ein LKW. Erst Minuten später fährt er weiter … und kommt rückwärts wieder zurück. Der Chauffeur steigt aus und will von mir auf Bosnisch wissen, wo es nach Olovo gehe.
Ich, der falsch Gefahrene, weise ihm den richtigen Weg.

Immer wieder fahren Autos auffallend langsam vorbei. Doch nun ist es dunkel und der Verkehr hält sich in Grenzen.
Noch nie habe ich so viel Aufmerksamkeit an einem so abgelegenen Ort erregt.

Die Sozialkontrolle scheint hier auf dem Land noch zu funktionieren.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Im Süden von Bosnien und Herzegowina

 

Annette fährt nach Hause

25. Oktober 2019

Zum Abschluss von Annettes Urlaub fahren wir in den Naturpark Hutovo Blato. Der Park ist ein 74 km² grosses Feuchtgebiet mit vielen Seen und Hügeln, eines der bedeutendsten Naturreservate für Sumpfvögel in Europa.
Leider können wir uns nicht genügend Zeit nehmen, um tiefer in das Reservat einzudringen. Wasservögel sehen wir keine, dafür sonst viele schöne Dinge, die die Natur zu bieten hat.

 

Škrka See

 

Beim Motel Park klammert sich eine Libelle an die Radioantenne eines Autos. Das ist zwar nicht Natur pur … aber unter „Natur“ geht das alleweil noch durch.

 

Libelle (Zygoptera)

 

Da die Strasse hier endet, kehren wir um und folgen wenig später einem Wanderwegweiser, der eine schöne Aussicht verspricht.
Bereits der Weg auf den Hügel ist voller kleiner Wunder.

Annette entdeckt eine gut getarnte Gottesanbeterin. Als wir sie genauer betrachten, dreht und wendet sie den Kopf und lässt uns nicht aus den Facettenaugen. Man fühlt sich hundertfach beobachtet, ein eigenartiges Gefühl!

 

Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

 

Kurz darauf sehen wir, dass es diese Insekten auch etwas kleiner und in braun gibt.

 

Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

 

Später finden wir heraus, dass es sich dabei wahrscheinlich um ein Weibchen und ein Männchen handelte.

Da wir die Luft zum Wandern brauchen, lassen wir lieber Bilder sprechen statt viele Worte zu verlieren.

 

Alpenveilchen (Cyclamen)

 

 

Weissdorn (Crataegus)

 

 

Christusdorn (Paliurus spina-christi)

 

Granatapfel (Punica granatum)

 

 

 

 

 

 

 

Unbekannte Grazie (Gratia ignota 😉 )

 

 

 

 

 

 

 

Oben angekommen liegt nun der See Škrka zu unseren Füssen. Das ist schön.

 

Škrka jezero

 

Weniger schön ist, dass dieser Platz auf der Kuppe total vermüllt ist.
Es scheint ein beliebter Picknickplatz zu sein. Verpackte Lebensmittel und Getränkgebinde hinaufschleppen, das muss sein. Doch den Müll wieder hinuntertragen?
Damit scheinen viele „Naturliebhaber“ überfordert zu sein. Wir füllen herumliegende Säcke und nehmen kiloweise Abfall mit und entsorgen diesen später in einer Mülltonne.

Gestern haben wir während der Fahrt an die Wasserfälle von Kravica im Dorf Buna ein idyllisches Restaurant entdeckt. Dort kann man draussen auf einer kleinen Insel speisen.
Da zieht es uns hin.

 

Gartenwirtschaft des Restaurants Kolo in Buna

 

Kaum setzen wir uns an einen freien Tisch, schwimmen auch schon die Enten heran. Sie wissen: wo gegessen wird, fällt meist auch Brot für uns ab … wie recht sie haben!

 

Mittagessen in Buna an der Buna

 

Gleich gegenüber, auf der anderen Flusseite, liegt ein potentieller Übernachtungsplatz. Den schauen wir uns schon mal an.
Annette wird am Abend mit dem Bus ab Mostar wieder nach Hause fahren und Beat muss so nicht in der Finsternis einen Platz suchen, was am helllichten Tag manchmal schon schwierig genug ist.

Es ist dunkel, Annette ist weg … was bleibt?
Wir haben viele schöne Eindrücke, Erinnerungen und Bilder gewonnen.

Doch auch unser NOBIS trägt bleibende Erinnerungen … ein neues Land auf seiner Karte. 😉

 

Die Karte füllt sich immer noch.

 

Link zum heutigen Spaziergang auf einen Aussichtshügel im Naturpark Hutovo Blato:

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Beat fährt alleine weiter

26. Oktober 2019

Jetzt ist Beat wieder alleine unterwegs. Er will sich noch andere Teile Bosnien und Herzegowinas ansehen.
Das Wetter ist nach wie vor prächtig und auch jetzt, Ende Oktober, ist es tagsüber noch über 30°C warm.

Das flache Tal vor Lubinje ist geprägt von Äckern, die sich wie Flickenteppiche links und rechts der Strasse gegen die Wälder hinziehen.

 

Ackerbau bei Lubinje

 

Die Landwirtschaft ist meist kleinräumig. Folgende „Tabaktrocknungsanlage“ dient wohl nur dem Eigenkonsum.

 

„Tabaktrocknungsanlage“

 

Auch der Handel spielt sich an vielen Orten direkt an der Strasse ab.

 

Gemüsehändlerin

 

Übrigens, für neugierige Weinliebhaber: Der regionale Wein schmeckt vorzüglich!

 

Kleiner Rebberg

 

 

Leider saisonbedingt nur mit Schatten statt mit Trauben 😦

 

 

Rebberg von Dubljani

 

Bei Treblinje gibt es wieder etwas zum Staunen!

Brauchst du Wasser auf den Feldern, dann lass den Fluss für dich arbeiten!

Riesige Wasserräder werden an künstlichen Staustufen vom Fluss angetrieben und transportieren so das begehrte Nass hinauf in eine Rinne. Von da läuft es in schmalen Kanälen auf die Felder.

 

Bewässerungs-Räder vor Treblinje

 

 

 

Neben all dem Schönen gibt es in weiten Teilen Bosnien und Herzegowinas leider etwas, das sehr stört.
Überall ist er anzutreffen, an Strassenrändern, in Wäldern, auf Feldern, in Flüssen

… MÜLL!

Nicht immer ist er so lustig anzusehen, wie dieser Kindertopf, der jetzt gerade von einer Distel benutzt wird.

 

 

Ein gelber Wegweiser will mich in ein Dorf locken. Doch ich gebe Gas und fahre so schnell wie möglich daran vorbei. Dort scheint es mir zu gefährlich zu sein.

 

 

Da ist es mir am Bilečko jezero schon wohler.

 

Bilečko jezero

 

Der Stausee wird nicht nur zur Stromerzeugung genutzt, sondern dient auch der Fischzucht.

 

Fischzucht im Bilečko jezero

 

Ein Verkehrsschild warnt an einer Nebenstrasse irgendwo im Nirgendwo vor unglaublichen Gestalten, die da manchmal auf Kühen über die Strasse reiten.

 

Bravo, unbekannter Künstler, für die originelle Umgestaltung!

 

In der Nähe von Prevorac finde ich einen ruhigen Übernachtungsplatz. Von der Kuppe aus geniesse ich die schöne Aussicht ins Tal, auf das sich langsam die Dämmerung herabsenkt.

 

Übernachtungsplatz Prevorac

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Mostar ade

 

Von der Brücke zur Quelle zum Wasserfall

24. Oktober 2019

Weil es gestern so schön war, spazieren wir heute Morgen nochmals durch die Altstadt hin zur weltberühmten Brücke Stari most.

In Städten halten wir immer Ausschau nach schön bemalten Hausfassaden und auch in Mostar werden wir fündig.

Das Bild des brasilianischen Künstlers Dinho Bento gefällt uns sehr.

 

Hausfassade bemalt von Dinho Bento

 

Weniger kunstvoll, aber dafür sehr bunt, präsentiert sich an bester Lage in der Altstadt das Hostel Backpackers.

 

 

Zum Schmunzeln bringt uns ein Auto, das bis auf den Fahrersitz mit nackten Frauentorsos vollgestopft ist.

 

Frauenhandel?

 

Auf dem Markt …

 

Markt in Mostar

 

… und in den Souvenirläden der Altstadt ist noch wenig los. Hier kann man wirklich alles kaufen, was man nicht braucht.

 

Souvenir aus Mostar gefällig?

 

Gut, zugegeben, Lampen können mitunter nützlich sein.

 

 

Auch die Stari most kann man in allerlei Formen kaufen, zum Beispiel in Kupfer gestanzt, als Fotografie oder Gemälde.

 

 

Langsam bevölkert sich die Altstadt. Erste Touristengruppen werden von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit geschleust.

 

 

 

 

Wir bewundern die imposante Brücke vom Ufer der Neretva aus, als plötzlich ein Mann in Badehose über das Geländer steigt …

 

 

… und Anstalten macht hinunter zu springen.

 

 

Wir sind gespannt und warten.
Beat hat die Kamera im Anschlag und freut sich bereits auf die schöne Serienaufnahme.
Wir warten …. und warten … und warten … und … irgendwann klettert der Brückenspringer wieder zurück.
Da wurde wohl zu wenig gespendet für den gefährlichen Sprung.

Wikipedia weiss dazu:
„Es besteht unter den jungen Männern der Stadt die Tradition, 20 m hoch von der Geländermaurer der Brücke in die 13 °C kalte Neretva zu springen, heutzutage nach Bezahlung durch Touristen.“

Unter dem folgenden Link haben wir einen sehenswerten, kurzen Dokumentarfilm des Bayerischen Rundfunks über die Tradition des Brückenspringens in Mostar entdeckt.

Link zum youtube-Filmchen über das Brückenspringen in Mostar:

Länger warten bringt nichts, darum fahren wir nach Blagaj zum Haus der Derwische an der Quelle der Buna.

 

Haus der Derwische in Blagaj

 

Die Buna fliesst bereits als stattlicher Fluss aus der Felsenhöhle, die man auf einem Schlauchboot besichtigen kann.
Aus dem Untergrund quellen 43 m³ Wasser pro Sekunde. Wir stehen also vor einer der kräftigsten Karstquellen Europas.

 

Quelle der Buna

 

 

Grund der Buna

 

Da wir hier weder küssen noch Alkohol trinken, weder schwimmen noch Geld in den Fluss werfen wollen und auch keinen lärmenden Lautsprecher mit uns herumtragen, dürfen wir das Gebäude besichtigen.

 

 

Die Tekija (bosnische Bezeichnung für einen islamischen Sakralbau) für Derwische ist ein beliebter muslimischer Pilgerort.

Wieder lassen wir Wikipedia sprechen:

„Eine Tekke … bosnisch tekija … ist ein Zentrum einer Sufi-Bruderschaft (Derwisch-Orden, bzw. tariqa) und bedeutet „Rückzugsort“, „Schutz“ oder „Asyl“. Seltener ist von einem Konvent die Rede, denn man kann eine Tekke nicht mit der christlichen Vorstellung eines Klosters vergleichen.“

„Der Ausdruck Derwisch bezeichnet vor allem in den europäischen Sprachen einen Sufi, einen Angehörigen einer muslimischen asketisch-religiösen Ordensgemeinschaft (tariqa), die im Allgemeinen für ihre Bescheidenheit und Disziplin bekannt ist.“

Wir bewundern die vielen schönen Details in und an dem Gebäude während monoton-meditativer Singsang erklingt. In einem Gebetsraum rufen einige Frauen und Männer auf diese Weise Gott an.
Die rituelle Waschung findet im Hamamlik unter einer Sternenkuppel statt.

 

Sternenkuppel des Hamamlik

 

 

Hamamlik

 

 

 

Wir sind tief beeindruckt von der Ausstrahlung des Gebäudes und der ruhigen, friedlichen Stimmung.

Nun wechseln wir die Seite.
Nein, nicht die religiöse, wir konvertieren nicht zu Islam, sondern spazieren auf die andere Seite des Flusses.
Von hier kommt das stilvolle Gebäude, das sich an den Berg anzulehnen scheint, noch besser zur Geltung.

 

Haus der Derwische in Blagaj

 

Auch die Insekten geniessen den heissen (wieder über 30° C) Tag. Ein Trauermantel versucht mit geöffneten Flügeln so viel Wärme zu tanken wie möglich.

 

Trauermantel (Nymphalis antiopa)

 

Gleich daneben wirft eine Gottesanbeterin ihren Schatten auf den Fels.

 

Schattenspiel

 

 

Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

 

In Čapljina in einem Kreisverkehr liegt ein grosser Sack mit Mandarinen am Strassenrand. Der ist wohl von einem Lieferwagen heruntergefallen. Wir reagieren schnell und überfahren ihn nicht, sondern laden ihn ein. Nun sind wir geschätzte 40 Kilogramm Mandarinen reicher. 😀

Wir erreichen die Kravica Wasserfälle kurz vor Sonnenuntergang und beschliessen auf dem Parkplatz zu übernachten.
Dort steht bereits ein altes Mercedes-WoMo aus Paderborn. Wir bringen Juri und Sara eine grosse Tüte Mandarinen vorbei.

Unser Abendspaziergang führt, wie könnte es anders sein, hinunter an den Fuss der Wasserfälle.

 

Von hier stürzt das Wasser in die Tiefe.

 

 

Kravica Wasserfälle

 

Die letzten Sonnenstrahlen schaffen es nur noch knapp über die Böschung.

 

 

Wir kehren bald zu unserem NOBIS zurück.
Annette entdeckt eine Heuschrecke, die nach dem Motto : „Gell, du siehst mich nicht!“ bewegungslos auf den Blättern steht.
Tja, liebe Heuschrecke, da kennst du Annettes Sperberblick aber schlecht!

 

Ägyptische Wanderheuschrecke (Anacridium aegyptium)

 

Nach dem Abendessen steigen wir nochmals zu den Wasserfällen hinunter, die nun beleuchtet sind.

 

Kravica Wasserfälle bei Nacht

 

Link zum Spaziergang zum Haus der Dewische und zur Quelle der Buna:

Link zum Spaziergang zu den Kravica Wasserfälle:

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auf nach Mostar!

 

Überraschung über Überraschung!

23. Oktober 2019

Endlich wird auch Beat klar, warum Mehl und Zucker so wichtig sind. Annette backt für ihn einen Geburtstagskuchen auf dem Gasherd im Omnia-Backofen! Einen Kokos-Bananen-Cake, seinen Lieblingskuchen!!

Diese Überraschung ist gelungen, vielen Dank, Annette!

Die Sonne spielt ebenfalls mit, ein weiterer wunderschöner Herbsttag mit Temperaturen über 30° C kündigt sich an.

 

Übernachtungsplatz am Klinje-See

 

Nach einem üppigen Frühstück mit Rührei, Kuchen und, und, und … fahren wir dem Klinje-See entlang nach Gacko.

 

Klinje-See

 

Die Landschaft und Vegetation haben sich nach der Bistrica-Schlucht, durch die wir gestern gekommen sind, schlagartig verändert. Vorbei ist es mit den lieblichen, bewaldeten Hügeln und den saftigen Wiesen. Hier haben Karstfelsen und karge Weiden das Sagen.

 

Karstlandschaft oberhalb von Gacko

 

Das Markanteste in Gacko ist das Kraftwerk. Was wir auf den ersten Blick für ein Atomkraftwerk halten, ist in Wirklichkeit ein Braunkohlekraftwerk.

 

Braunkohlekraftwerk in Gacko

 

 

 

Die Braunkohle wird im Tagebau gewonnen, was die Landschaft um die Stadt massgeblich gestaltet.

 

Abraumhaufen bei Gacko

 

Diese Abraumhaufen stören die Schafe so wenig wie der Verkehr. Unbeirrt lecken sie etwas für uns nicht Ersichtliches von der Strasse.

 

 

Wenig später sehen wir etwas wahnsinnig, ausserordentlich und extrem Ungewöhnliches! Ein Flugzeug klaut mit langen Kabeln Strom direkt von einer Hochspannungsleitung!!!
Wenn wir das nicht mit eigenen Augen gesehen und sogar fotografiert hätten, würden wir es niemals glauben!
Schau selber!

 

Flugzeug zapft Hochspannungsleitung an!

 

Da es nicht unser Strom ist, unterlassen wir es die Polizei zu rufen, sondern fahren weiter und klauen unsererseits Herbstbilder von der Natur.

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: das weiss der Obstbaum …

 

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

 

… aber auch Beat kombiniert:
Mehl und Zucker -> Geburtstagskuchen!
Annette will unbedingt heute noch in Mostar ankommen -> eine weitere Überraschung ist geplant!

 

Leuchtender Herbst

 

Immer wieder faszinieren uns die Samenstände der Waldrebe.

 

Waldrebe (Clematis)

 

 

In Mostar parken wir in der Nähe des Bahnhofes und gehen zu Fuss weiter. Annette scheint ein konkretes Ziel anzusteuern. Beat trottet hinterher und fotografiert nebenbei einige Gebäude.

Ein orientalisch anmutendes Mehrfamilienhaus …

 

 

… steht nahe beim ehemaligen Kaufhaus Razvitak. Dieses wurde 1970 von Ante Pelyaga errichtet und im Bosnienkrieg (1992-95) zerstört.

 

Kaufhaus Razvitak, im Bosnienkrieg zerstört

 

Nun haben wir Annettes Ziel erreicht. Wir stehen vor dem Tor des Muslibegovic House, einem Museum und Bosnisches National Monument.
Und, Überraschung Nummer zwei für Beat: in diesem traditionellen, osmanischen Haus werden wir übernachten!

 

Muslibegovic House

 

 

 

Natürlich genügt heute ein normales Bett nicht, es muss schon ein Himmelbett sein.

 

Unser Schlafzimmer

 

Das ist noch nicht das Ende der Überraschungen. Das Haus ist gleichzeitig ein Museum. Obwohl die Saison zu Ende ist, gibt es für Hotelgäste noch eine Extra-Führung durch die Räume. Gabi, die Managerin, erklärt uns in perfektem Deutsch die wechselvolle Geschichte des Hauses. Auch aus der jüngeren Vergangenheit weiss sie packende und erschütternde Ereignisse zu erzählen.

 

Eingangshalle

 

 

Herrenzimmer

 

 

Kunstvolle Holzdecke

 

Wer sich für das Muslibegovic House interessiert, hier der Link: Muslibegovic House

Später spazieren wir zum nahen Zentrum und bewundern die geschichtsträchtige Brücke Stari most, die sich über den Fluss Neretva schwingt.

 

Stari most

 

Wikipedia weiss dazu:

„Die Brücke wurde 1556 bis 1566 … erbaut.“

„Laut einer weiteren Legende wurde für den Bau der Brücke ungewaschene Schafwolle, Eiweiß und Honig als Bindemittel (Mörtel) benutzt, weshalb im gesamten Gebiet Eierverzehr absolut verboten war. Angeblich wurden 300.000 Eier verwendet.“

„Die Brücke gilt seit Jahrhunderten als die symbolische Brücke zwischen Ost und West, nicht nur zwischen der Welt des Christentums und der islamischen Welt, sondern auch zwischen den katholischen Kroaten und orthodoxen Serben. Die Brücke wurde 1993 im Bosnienkrieg zerstört und danach wiederaufgebaut.“

2005 wurde sie in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.

 

Stari most mit Kulturzentrum Yunus Emre

 

Nun gehen wir nicht etwa zurück, nein, Überraschung Nummer vier ist angesagt: Abendessen in der Gartenwirtschaft des Restaurant Šadrvan.
Beat bestellt sich eine Bosnische Platte mit sehr viel verschiedenem Fleisch, Reis, Gemüse und Salat, während Annette kulinarisch etwas kürzer tritt und Minifrikadellen an Sahnesauce mit Reis geniesst.

 

 

Allein schon der Spaziergang durch die beleuchtete Altstadt zurück zum Hotel wäre eine Reise nach Mostar wert.

 

 

 

Stari most by night

 

Vielen Dank, Annette, für den wunderbaren Tag!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Sutjeska und Maglić

 

Vom Schlachtdenkmal zum höchsten Berg Bosnien und Herzegowinas

22. Oktober 2019

In Tjentiste im Nationalpark Sutjeska wollen wir einkaufen. Der kleine Laden wird geöffnet, wenn man in der Post nebenan fragt. Das Sortiment ist klein und sehr speziell. Es gibt zum Beispiel eine Sammlung von Schnapsgläschen, die gleich neben der Kasse stehen, aber dafür weder Mehl noch Zucker. Annette wird deswegen ziemlich nervös.

 

Herbst im Tal der Sutjeska

 

Dann besichtigen wir das Denkmal der Sutjeska-Schlacht. Die eigenartigen Wege sind uns schon auf dem Navi aufgefallen. Sie sind in Form einer Gitarre angelegt, da viele jugendliche Kämpfer unter den Toten waren. Die jugoslawischen Partisanen unter Tito besiegten die zahlen- und ausrüstungsmässig weit überlegenen Truppen der Achsenmächte in der Schlacht vom 15. Mai bis 16. Juni 1943. Dieses Ereignis wird als Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges auf dem Balkan betrachtet. Es wurde 1972 mit Richard Burton in der Hauptrolle verfilmt („Die Fünfte Offensive – Kesselschlacht an der Sutjeska“).

 

 

Die vielen Ecken und Kanten im Beton werden, je nach dem wie das Licht darauf fällt, …

 

 

… zu Gesichtern.

 

 

 

 

Danach fahren wir zurück in den Urwald Peruċica, einen der letzten von Menschen unbeeinflussten Wälder Europas.
Die Strasse führt unter den Bäumen bergan. Irgendwo im Nirgendwo steht eine Schranke. Ein gelangweilter Parkwächter notiert die Autonummer, verkauft uns die Eintrittstickets für den Park und öffnet die Barriere.

 

Urwald Peruċica

 

Ein kleiner Spaziergang bringt uns zum Aussichtspunkt Beškita (1240 m ü.M.).
Wir steigen an knorrigen Buchen vorbei.

 

 

Ihr Laub leuchtet im Sonnenlicht in den schönsten Farben.

 

 

Von weitem weisen uns die roten Blätter des Perückenstrauchs den Weg zur Aussichtsplattform.

 

Perückenstrauch (Cotinus coggygria)

 

Die filigranen dürren Ästchen, von denen die Samen schon lange abgefallen sind, ziehen unsere Blicke zuerst auf sich.

 

 

Erst danach widmen wir uns der Aussicht.

 

 

 

 

Zurück auf der Strasse lockt uns schon bald ein weiterer Wegweiser zum Aussichtspunkt Dragoš Sedlo (1280 m ü.M.).

Der Wanderweg führt diesmal über knorrige Wurzeln.

 

Wurzelweg

 

Die beeindruckenden Baumriesen, unter denen wir wandern, sind wohl endemische Schwarzkiefern.

 

Schwarzkiefer (Pinus nigra)

 

Nun fahren wir zum Parkplatz Prijevor (1660 m ü.M.)
Natürlich geht das nicht ohne Stopps, um den Herbstwald zu bewundern.

 

 

Vom Parkplatz aus spazieren wir, den Maglić, den höchsten Berg von Bosnien und Herzegowina im Rücken, über einen breiten gemähten Wiesenstreifen zum Aussichtsturm von Prijevor.

 

 

 

Weg zum Aussichtsturm Prijevor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aussichtsturm in Sicht

 

Nein, keine Angst, wir haben den Maglić nicht vergessen. Aber vom Turm aus gesehen, gefällt er uns am besten.

 

Maglić (2386 m ü.M.)

 

Gemütlich schlendern wir zurück.

 

 

Leider ist in keinem der drei Steinhäuser ein Bergrestaurant. Sie sind zu einfachen Übernachtungsmöglichkeiten ausgebaut und zur Zeit geschlossen.

 

Die Hütten Prijevor-Maglić

 

Beat meint, dass es schön wäre, die Nacht in unserem NOBIS hier oben auf dem Parkplatz zu verbringen, doch Annette will aus irgendwelchen Gründen bereits morgen in Mostar sein.
Gut … dann kehren wir halt wieder zurück ins Tal!

Wir fahren durch die Sutjeska Schlucht. An und auf den steilen Bergen wachsen an den unwirtlichsten Orten Nadelbäume. Wovon die wohl leben?

 

 

 

 

 

 

Ein alter, kahlköpfiger Felsgeist wacht über seine Bäume.

 

Alter Steingeist (siehst du ihn?)

 

Wir entdecken einen idyllischen Übernachtungsplatz direkt am Stausee Klinje. Doch Annette besteht darauf zuerst noch ins nächste Dorf zu fahren.
In einem klitzekleine Laden in Gacko kann sie endlich Mehl und Zucker kaufen! Wozu sie das wohl braucht? Wir haben doch Brot, Nudeln, Reis, Gemüse, Früchte und was weiss ich noch alles vorrätig. … Verstehe einer die Frauen!

Nach dem Einkauf fahren wir zurück auf den Picknickplatz am Klinje-See.

 

Link zum Spaziergang zum Sutjeska Denkmal:

Link zum Spaziergang zum Aussichtsturm Prijevor:

Link zur heutigen Strecke: