Island 2017

 

15. Juni – 20. September 2017

Karte zu unserer Reise durch Island 1. Teil (15. Juni – 4. August 2017)
(Da man auf google maps nur neun Routen erstellen kann, mussten wir unsere Reise vom 15.6- 20.9.2017 durch Island auf zwei Karten aufteilen.)
Karte zu unserer Reise durch Island 2. Teil (5. August 2017 –

 

Regen auf Island

15. Juni 2017

Island begrüsst uns mit Regen und Nebel. Deshalb fahren wir in Seyðisfjörður lediglich vom Fährhafen bis zum Campingplatz.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Zu den Papageientauchern

16. Juni 2017

Im Laufe des Tages bessert sich das Wetter und wir reisen weiter nach Höfn, wo viele Papageientaucher nisten.

 

Borg

 

Auf Island sind nicht alle Strassen asphaltiert. Viele Nebenstrassen sind nur Schotterpisten.

 

Schotterpiste nach Bakkagerði

 

Hinter Bakkagerði fällt ein rötliches Gebirge ins Auge. Es besteht aus Rhyolith, einem dem Granit entsprechenden vulkanischen Gestein.

 

Rhyolith-Berge bei Bakkagerði

 

In Bakkagerði sucht sich unser Reisebegleiter Roland ein Bett in einem Guesthouse. Die letzte Nacht im Zelt, das er auf nasser Wiese aufbauen und am Morgen nach einer regenreicher Nacht wieder nass einpacken musste, hat ihm gereicht.

Hier ein Bild von unserem „Outdoor-man for one night!“

 

Roli vor seinem Zelt

 

Im selben Dorf hängen einige Fischköpfe zum Trocknen. Diese werden nach Afrika exportiert, wo sie zu eiweissreichen Fischsuppen verarbeitet werden.

 

 

Einer dieser zwei Köpfe reicht wohl aus, um eine Grossfamilie satt zu kriegen.

 

 

Der Fluss Fjarðará bei Bakkagerði bestimmt seinen Lauf noch selber. Dabei bilden sich Kiesbänke, die vielleicht mit dem nächsten Hochwasser schon wieder verschwinden.

 

Fluss Fjarðará

 

Auf einem ins Meer reichenden Felsen bei Höfn sehen wir die putzigen Papageientaucher (Fratercula arctica). Zur Zeit haben sie alle Schnäbel voll zu tun, um ihren Nachwuchs mit Nahrung zu versorgen.

 

Fangfrischer Fisch für den Nachwuchs

 

Auch die Dreizehenmöwen im Felsen sind stolze Eltern geworden.

 

Dreizehenmöwe (Rissa ridactyla) mit Küken

 

Unten auf dem Fjord ruht sich ein Eiderentenpaar vom anstrengenden Tag aus.

 

Eiderenten (Somateria mollissima)

 

Natürlich schenken wir unsere Aufmerksamkeit nicht nur Vogelwelt, auch die mit Flechten bewachsenen Felsen sind eine Augenweide.

 

Mit Flechten bewachsener Rhyolith

 

Kurz vor Mitternacht geht die Sonne für kurze Zeit unter und taucht die Landschaft in ein eigenartiges, rötliches Licht.

 

 

Ein Berg hat sich bereits schlafen gelegt und mit einer zarten Nebelschicht zugedeckt.

 

 

 

Sonnenuntergang am Vogelfelsen bei Höfn

 

Kurz nach Mitternacht beginnt es zu regnen und die Sonne zeichnet mit ihren letzten (oder ersten?) Strahlen einen Regenbogen in die Wolken.

 

00:04 Uhr Ortszeit!

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Vom Dettifoss, Selfoss und „Rainfoss“

17. Juni 2017

Heute stehen Wasserfälle auf unserem „Programm“.
Aber unterwegs halten uns wieder einmal Vögel auf. Unglaublich, was sich auf Island alles präsentiert.

 

Singschwäne (Cygnus cygnus) mit ihrem Küken

 

 

Sterntaucher (Gavia stellata) mit Küken

 

Bei Hróarstunga steht die Nachbildung einer frühen Torfkirche. Die ursprüngliche Kapelle stammt aus der Wikingerzeit um das Jahr 1000.

 

Geirsstaðakirkja

 

 

Schlichte Innenausstattung der Geirsstaðakirkja

 

Zur Einstimmung auf die grossen Wasserfälle spazieren wir erst einmal zum Yst i-Rjukandi. Auch nicht übel, oder?

 

Yst i-Rjukandi

 

Wir befolgen einen der zahlreichen, nützlichen Islandtipps, die uns „Herumkommer und Frau Rumkommer“ mit auf den Weg gegeben haben und zweigen von der Ringstrasse auf die Schotterstrasse 901 ab.

Hier der Link zu ihrem wunderschönen Foto-Reiseblog: www.herumkommer.de

Die Gegend wird immer karger und bald schon glauben wir in der Wüste oder auf dem Mond gelandet zu sein!

 

 

Hier, wie so oft, wenn man glaubt alleine zu sein, werden wir beobachtet. Das Schneemädchen wendet sich schnell ab. Doch zu spät, wir haben sie entdeckt.
Siehst du sie ebenfalls? (Tipp: Sie schaut nach links.)

 

Junge Altschneefrau

 

Wir wollen die Stille, Einsamkeit und Kraft dieser wunderbaren Landschaft nicht mit Worten zerstören, schweigen deshalb lieber und lassen Bilder sprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Langsam mehren sich wieder Zeichen der Vegetation. Einige Gräser krallen ihre Wurzeln in das Geröll. Woher nehmen sie bloss genügend Nahrung und Wasser?

 

 

Bei Grimstunga zweigen wir ab zum Dettifoss. Die Schotterstrasse wird viel befahren und ist dementsprechend in schlechtem Zustand. Längere Wegstücke sind mit wellblechartigen Querrinnen durchzogen. Wir werden übel durchgeschüttelt.

Auf einer Breite von ca. 100 Metern stürzt der Fluss Jökulsá á Fjöllum am Dettifoss 45 Meter in die Tiefe.
Durch die Kombination aus Volumenfluss und Fallhöhe ist er der leistungsstärkste Wasserfall Europas! (Wow, was Wikipedia alles weiss!)

 

Jökulsá á Fjöllum unterhalb des Dettifoss

 

Das Tosen des Wasserfalls ist so laut, dass wir auch diese Bilder kommentarlos stehen lassen. Der Text könnte sonst in den Wassermassen untergehen 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich spazieren wir noch einen Kilometer weiter hinauf zum Selfoss. Hier stürzt das Wasser ca. 10 Meter tief zwischen Basaltsäulen herab.

 

Selfoss

 

Annette will sich das genau ansehen und wagt sich auf den vorspringenden Felsen hinaus.

 

Annette am Selfoss

 

Für heute haben wir genug Wasserfälle erlebt. Doch der Wettergott ist anderer Meinung. Er öffnet die Schleusen einer Gewitterwolke über uns.
Als wir beim Wohnmobil ankommen, sind wir bis auf die Haut durchnässt.
Kurz darauf dringen die Sonnenstrahlen wieder durch die Wolke. Es sieht aus, als ob uns die Sonne die Zunge herausstrecken würde.

Heute haben wir Wasserfälle mit all unseren Sinnen erlebt!

Link zum Spaziergang zum Detti- und Selfoss: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Island kocht

18. Juni 2017

Wir fahren nach Hverir, dem Geothermalgebiet vom Mývatn. Von weitem schon sehen wir es dampfen.
Auf dem Parkplatz werden wir von ersten Schwefelschwaden eingenebelt.

 

Geothermalgebiet am Mývatn

 

Aus unzähligen Schlammquellen entweicht die Hitze des Erdinnern. Der graue Schlick wirft blubbernd Blasen und Schlieren in die Luft. Die graublaue Farbe entsteht durch die chemische Verbindung aus Schwefel und Eisen.

 

Grosse Schlammquelle

 

 

 

 

 

 

 

Aus einem Steinhaufen entweicht laut zischend heisser Dampf.

 

Fumarole

 

Wir wandern an giftgelben Löchern (Solfataren) vorbei auf den Námafjall.

 

 

 

 

 

Námafjall

 

Auf der anderen Seite blicken wir auf den grossen Mývatn (Mückensee) hinunter.

 

Mývatn

 

Nach dieser kleinen Bergtour fahren wir nach Krafla.
Hier wird mit Erdwärme Elektrizität erzeugt. Island deckt sagenhafte 99,98% seines Energiebedarfs für Elektrizität und Heizungen aus Wasserkraft und Geothermal-Kraftwerken.

 

Leitungen zum Geothermal-Kraftwerk Krafla

 

Vor Krafla steht eine kleine Installation wohl zum Thema: „Warmes Wasser kommt direkt aus der Erde“.

 

 

In der Ebene von Mývatn liegt ein Feld von Schollen-Lava.
Ganze Hügel mit zerrissenen Oberflächen prägen die Landschaft. Sie erinnern an Frostschäden in Strassenbelägen.

 

Schollen-Lava

 

Am Abend lädt uns Roland in den Kuhstall ein.
Nein, nein … nicht zum Ausmisten und Melken, das könnten wir … sondern zum Nachtessen.
In Vogar ist das Restaurant „Cowshed“ direkt an, beinahe schon in einen Kuhstall gebaut. Durch grosse Fenster blickt man in den Melkstand oder das Läger der Rindviecher.
Nach dem Melken wird jedem Gast ein kleines Becherchen frische, noch kuhwarme Milch offeriert.

 

Annette und Roli im Cowshed in Vogar

 

Das spezielle isländische Dreigangmenü schmeckt vorzüglich.

Amuse-bouche:
Geysir-Roggen-Brot (wird tatsächlich im Boden nur mit Erdwärme gebacken), roh-geräuchertes Lamm mit Mývatn Mozzarella und Heidelbeer-Kompott
Vorspeise:
Geräuchertes Lamm und Lachs auf zwei verschiedene Arten zubereitet
Hauptgang:
Lammkeule mit Kartoffelgratin und Salat mit Salatkäse
Nachtisch:
Heisser Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern

.

Ja, liebe Leserin, lieber Leser, jetzt solltest du das Wasser, das dir im Mund zusammengelaufen ist, runterschlucken! 🙂

Roli, vielen Dank für die Einladung, das war eine einmalige Erfahrung!

Link zur Wanderung auf den Námafell: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Relaxen im Thermalbad

19. Juni 2017

Nachdem wir gestern so viel heissen Dampf gesehen haben, wollen wir uns heute ins heisse Wasser setzen.
Im Thermalbad Mývatn Nature Baths schlucken wir erst einmal leer wegen den happigen Eintrittspreisen, dann legen wir einige Tausendernoten auf die Theke und werden freundlich durchgewinkt.

 

Mývatn Nature Baths

 

Das Bad mit dem Blick auf den Mývatn ist grossartig.
Nach einigen erholsamen Stunden machen wir uns auf den Weg zu neuen Entdeckungen. Bereits an der ersten Strassenkreuzung liegt der Blue Lake.

 

Blue Lake

 

Dann biegen wir die nächste Strasse links ab und bald schon stehen wir vor den Warmwasserspalten von Grjótagjá.
Diese Höhle war früher ein beliebter Badeort für die Bevölkerung. Lava-Ausbrüche zwischen 1975-84 liessen die Temperatur des Wassers auf 43 bis 46°C steigen. Zudem wurde die Grotte instabil. Deshalb ist heute das Baden hier verboten.

 

Grjótagjá von aussen …

 

 

… und von innen

 

Eine markante Spalte teilt den Felsen über der Grotte. Ob es diese Höhle nach dem nächsten Erdbeben noch gibt?

 

Gespaltener Fels über Grjótagjá

 

Danach fahren wir nur noch die kurze Strecke nach Heiðabær und stellen uns dort auf einen Zeltplatz.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Gemüse von der Plantage nebenan

20.06.2017

Die vielen Eindrücke der letzten Tage wollen verarbeitet sein. Zudem verschlechtert sich das Wetter und ab Mittag regnet es. Wir bleiben deshalb einen Tag in Heiðabær.
In unmittelbarer Nähe stehen Gewächshäuser, die selbstverständlich mit Erdwärme geheizt werden. Dort decken wir uns mit Gemüse und Salat ein.

 

Gewächshäuser in Heiðabær

 

 

Isländische Fortbewegungsmittel

21. Juni 2017

Auf Island sind die zahlreichen Lupinenfelder nicht zu übersehen. Sie wurden angelegt, um den losen Boden zu festigen und die Erosion einzudämmen. Gerade bei grossen Sandflächen haben sich die berüchtigten Sandstürme dadurch deutlich vermindern lassen.
Die Lupinen reichern den Boden mit Stickstoff an und verbessern damit den Nährstoffgehalt.
Bei Umweltschützern sind die violetten Blumen heute aber unbeliebt, weil sie niedrige und langsamen wachsende, einheimische Arten verdrängen.

 

Lupinenfeld (Lupinus nootkatensis) bei Laxamyri

 

Neben unzähligen Schafen weiden auf den Wiesen auch häufig Islandpferde. Diese menschenfreundlichen Reittiere sind sehr neugierig.

Wenn Menschen an den Zaun treten, werden sie wohl auch etwas Hafer dabei haben. Ob der in den komischen Kästen liegt, die sie vor ihre Gesichter halten?

 

Islandpferde und ihre Fans

 

Gleich daneben steht ein schmuckes Haus, das farblich wunderschön zu den blühenden Lupinen, dem Fjord und den Schneebergen passt.

 

Wohnhaus bei Laxamyri

 

Auf einem Parkplatz in Húsavík steht ein Wohnmobil der „gröberen Sorte“. Der Fahrer will mit seinem Dreiachser vermutlich das Hochland bezwingen.

 

Wohn- auf Lastwagen

 

Schon früher haben Menschen Autos gebaut, die ohne Strasse auskamen. Das violette Ding aus dem Jahre 1952 nennt man wohl eher ein „Zeug zum Fahren“, als ein Fahrzeug.

 

 

Der Regen, der seit Mittag auf unseren NOBIS prasselt, hat sich noch verstärkt. Das finden wir nicht unbedingt lustig. Dafür leuchten die hellgrünen Pflanzenpolster auf dem tiefschwarzen Lavasand um so heller.

 

Strand am Öxarfjörður

 

In Kinn entdecken wir von der Brücke aus dieses kleine Häuschen. Ob hier Trolle wohnen?

 

Häuschen am Stórá

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wanderung in der Ásbyrgi-Schlucht

22. Juni 2017

Gegen Mittag hört es auf zu regnen. Wir beschliessen deshalb die Wanderung vom Touristen-informationszentrum aus in die Ásbyrgi-Schlucht zu wagen.

In dieses Tal ergossen vor Jahrtausenden zwei mächtige Wasserfälle ihre Fluten. Durch Erosion verlagerten sich die Felsenkanten immer weiter zurück bis sich die zwei Flüsse zu einem einzigen vereinten. Heute fliessen sie durch ein Tal drei Kilometer östlich der trockengefallenen Ásbyrgi-Schlucht zum Meer. In der Mitte ragt der schroffe Felsenkeil Eyjan auf, den Abschluss bildet die bogenförmige ca. 100 Meter hohe Steilwand, der trockene Wasserfall.

Der Weg führt durch einen lichten Wald, in dem viele Vögel leben.

 

Wiesenpieper (Anthus pratensis)

 

 

Bekassine (Gallinago gallinago)

 

Zuhinterst im Tal, am Botnstjörn können wir die Pfeifenten beim Gründeln beobachten, wie sie gemächlich Grünzeug vom Seeboden heraufholen.

 

Pfeifente (Anas penelope)

 

Auf der anderen Teichseite jagen derweil die Odinshühnchen Insekten. Nervös kurven sie dabei in wildem Zickzackkurs über das Wasser.

 

Odinshühnchen (Phalaropus lobatus)

 

Vom Ende des U-förmigen Tales blicken wir zurück zu unserem Ausgangspunkt.

 

Ásbyrgi-Schlucht mit dem Felsenkeil Eyjan links

 

Für das letzte Wegstück kraxeln wir über Leitern auf die Felswand hinauf und wandern der Kante entlang zurück zu unserem NOBIS, den wir nach dreistündiger Wanderung rechtzeitig vor dem nächsten Regenschauer erreichen.

 

Weisse Silberwurz (Dryas octopetala), die Nationalblume Islands

 

Heute wollen wir Raufarhöfn erreichen.
Doch was schwimmt denn da auf dem Teich neben der Strasse? Anhalten, um das Fahrzeug herumschleichen und aus der Deckung heraus fotografieren. So kann man sich den scheuen Wasservögeln nähern, die sofort wegschwimmen, wenn man aus dem Auto steigt.

 

Ohrentaucher (Podiceps auritus)

 

Bauern bewirtschaften auf Island überwiegend unergiebiges Heideland. Dies ist nur mit extensiver Schafhaltung möglich, was entsprechend grosse Weideflächen voraussetzt. Deshalb liegen die Bauernhöfe meist einsam und weit voneinander entfernt.

 

Þverá

 

In Raufarhöfn entsteht zur Zeit das Arctic Henge. Das gigantische Bauwerk soll einst einen Polar-Sonnenkreis darstellen. Es hat einen Durchmesser von 50 Metern. Sechs Meter hohe Tore weisen in die vier Himmelsrichtungen.

 

 

 

 

Das Wetter wird immer besser. Der Leuchtturm müsste nun nicht mehr in auffälligem Orange gestrichen sein, um auch am Tag gesehen zu werden.

 

Leuchtturm von Raufarhöfn

 

Wir richten uns auf dem Parklatz des Arctic Henge für die „Nacht“ ein.

Die Sonne scheint und scheint. Beat kann nicht schlafen und spaziert kurz vor Mitternacht 24:00 Uhr nochmals hinauf zu den Steintoren. Dort hat sich eine Handvoll Touristen versammelt und wartet auf den Sonnenuntergang. Der soll genau um 0:00 stattfinden, gleichzeitig, mit dem Sonnenaufgang, wie uns eine Frau erzählt. Das habe sie auf einer speziellen App gelesen.

Doch die Sonne scheint sich nicht für diese App zu interessieren und verschwindet einfach nicht unter dem Horizont. Wir alle erleben so unverhofft unsere erste Mitternachtssonne.

Erst beim Frühstück fällt uns ein: Gemäss Landkarte liegt Island südlich des Polarkreises (abgesehen von der Insel Grimsey). Wie wir 2014 in Schweden gelernt haben, wandert aber der tatsächliche Polarkreis in einer gewissen Zone.

Link zu unserem Bild von der Infotafel über den Polarkreis:

 

Mitternachtssonne am Arctic Henge in Raufarhöfn

 

Link zur Wanderung in die Ásbyrgi-Schlucht: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Regen, Nebel, Wind …

23. Juni 2017

Wir fahren um die Halbinsel Melrakkaslétta zurück auf den Campingplatz in Heiðabær.

 

Leuchtturm von Hraunhafnartangi

 

An der Küste lassen sich die Eiderenten durchschaukeln, während die Küstenseeschwalben gegen den Wind fliegen und sich auf Essbares stürzen.

 

Eiderenten (Somateria mollissima)

 

 

Küstenseeschwalben (Sterna paradisaea)

 

 

 

„Regen, Nebel, Wind –> trübsinniges Wetter allüberall“ schreibt Annette am Abend ins Tagebuch. Beat liefert das passende Foto dazu!

 

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Museumshof Grenjaðarstður

24. Juni 2017

Das Wetter ist unverändert schlecht. 😦
Wir besuchen deshalb den Museumshof Grenjaðarstaður.

Der stattliche Hof wurde von den Pastoren der benachbarten Kirche und ihren Familien bewohnt. Die ältesten Gebäude datieren aus dem Jahr 1865. 1949 verliessen die letzten Bewohner das Gut, 1958 wurde das Museum eröffnet.

 

Museumshof Grenjaðarstður

 

Das Museum ist schön aufgemacht. Es gibt sogar ein Heft mit deutschem Begleittext. Die Räume sind lebensecht eingerichtet und nicht durch Hinweisschilder verschandelt. Ein freundlicher Angestellter beantwortet zudem mit viel Freude und profundem Wissen unsere Fragen.

In dem verwinkelten Gebäude gab es zwei Feuerstellen. Eine war in der Waschküche …

 

Waschküche

 

… die andere in der Küche.

 

Kochherd

 

Da die Bauern gegenüber der Kirche abgabepflichtig waren, aber kaum über Geld oder Lebensmittel verfügten, um den „Zehnten“ zu bezahlen, waren sie zur Arbeit auf dem Pfarrhof verpflichtet. Im Sommer wohnten deshalb bis zu 30 Personen hier. Um der Platznot Herr zu werden, wurden originelle Alltagsgegenstände entwickelt.

Butter war ein wertvolles Gut, darum hatte jeder Mitbewohner seine eigene Dose.

 

Persönliche Butterdosen

 

Die Schlafzimmer waren über der Küche angeordnet, um im Winter wenigstens ein wenig von der Wärme zu profitieren. In diesen engen Räumen wurden tagsüber Handarbeiten ausgeführt. Um Platz zu sparen, konnte man die Betten in der Länge oder Breite zusammenschieben.

 

Ausziehbares Bett

 

Mehrere Arbeiter teilten sich ein solches Bett. Damit der vorderste nicht herausfiel, legte er ein Brett als Sperre in den Einstieg.

Sonntag wachsten die Herren ihren gepflegten Schnurrbart. Um diese Zierde nicht im Kaffee zu ertränken, benutzten sie jeweils eine sogenannte Schnurrbart-Tasse.

 

Schnurrbart-Tasse

 

Nach zweieinhalb Stunden in den ungeheizten Gebäuden sind wir ziemlich durchgefroren.
Wir fahren zurück auf den Campingplatz und wärmen uns mit Kaffee und Tee wieder auf.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Goðafoss

25. Juni 2017

Der Dauerregen der letzten Tage lässt langsam nach und gegen Mittag scheint sogar wieder einmal die Sonne.

Der richtige Zeitpunkt für einen Ausflug zum Goðafoss.
Im Jahre 1000 (im Zuge der Christianisierung) warf der Gesetzessprecher Þorgeir seine Götterbilder hier beim „Wasserfall der Götter“ in den Fluss.

 

Goðafoss

 

 

Wasserfall der Götter

 

 

 

Unterhalb des Wasserfalls legt der erodierende Basalt sein Innenleben offen. Ein wunderschönes Muster zieht sich am Fusse der Felswand entlang.

 

 

Aber stopp! … wer steht denn da?

Ist da einer der versenkten Götzen dem Wasser wieder entstiegen?
Oder ist das gar einer der sagenumwobenen Trolle? … oder eine Elfe?
Oder gar alles zusammen?

 

Elfentrollgötze am Goðafoss?

 

Wie dem auch sei. Wir fahren weiter und sehen, was geschehen kann, wenn man beim Autofahren solchen Gedanken nachhängt.
Viele isländische Strassen führen über aufgeschüttete Dämme durch das Heideland. Der Strassenrand ist nicht befestigt. Wer mit einem Vorderrad darüber hinaus gerät, dem kann es blühen, dass er mit seinem Fahrzeug in einem Bach landet.

 

Hoppla … falsche Strasse!

 

 

Blick über den Eyjafjörður nach Nordwesten

 

In Akureyri findet Roland ein Zimmer in der Jugendherberge und wir einen ruhigen Wanderparkplatz unterhalb des Berges Súlur.
Der schneebedeckte Gipfel lockt. Morgen wollen wir ihn besteigen.

 

Súlur

 

Am Abend geniessen wir die raren warmen Sonnenstrahlen und erfreuen uns an den bunt leuchtenden Stiefmütterchen und dem verblühten Löwenzahn.

 

Stiefmütterchen (Viola tricolor)

 

 

Verblühter Löwenzahn (Taraxacum)

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auf den Súlur

26. Juni 2017

Der Weg auf den Hausberg von Akureyri führt über 1000 Höhenmeter zuerst leicht ansteigend durch Moore und Heiden. Später wird es steinig und steil. Zuletzt müssen sogar Schneefelder bezwungen werden, bevor man die Aussicht vom Súlur (1213 m.ü.M.) geniessen kann.

 

Blick auf Akureyri am Eyjafjörður

 

Die Aussicht in die umliegenden Berge ist grandios.

 

Blick vom Súlur

 

Bevor wir den Abstieg unter die Füsse nehmen, tragen wir uns im Gipfelbuch ein und schiessen ein Erinnerungsfoto.

 

Roland, Annette und Beat auf dem Súlur (1213 m.ü.M.)

 

Nun geht es wieder Schritt für Schritt über Steine und Felsen oder aber mit weitausholenden Gleitschritten über die abschüssigen Schneefelder talwärts. Jeder hat da so seine Vorlieben.

 

Blick zurück

 

Nach knapp vier Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Link zur heutigen Wanderung: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Akureyri

27. Juni 2017

Am frühen Morgen bringen wir unseren Freund Roland zum Busbahnhof. Sein Urlaub endet bald und er muss in die Schweiz heimreisen.

Danke, Roli, für die angenehme Zeit, die wir zusammen reisen durften.

Und nun, liebe BlogleserInnen, könnt ihr etwas Seltenes miterleben: Annette und Beat, die beiden Landeier, verbringen einen Tag in der Stadt Akureyri.
Die Hauptstadt des Nordens ist mit über 18’000 Tausend Einwohnern die viertgrösste Stadt Islands.

Zuerst steigen wir hoch zur Akureyrarkirkja.

 

Akureyrarkirkja

 

Eines der Glasfenster zeigt Þorgeir mit einem Götzen vor dem Goðafoss.

 

Þorgeir beim Goðafoss

 

Auf einem anderen Bild entdecken wir etwas Ungewöhnliches. Nicht ein Lamm oder einen Fisch oder eine Taube, sondern einen Pelikan mit Heiligenschein. Wie wir später herausfinden, gilt der Pelikan seit der Antike als Symbol für die Aufopferung, in der christlichen Ikonografie als Sinnbild für den Opfertod Christi.

Hättest du das gewusst?
Wie gesagt: Reisen bildet!

 

Pelikan als Sinnbild für den Opfertod Christi

 

Wir spazieren an alten Häusern vorbei, in denen zu Beginn des 20. Jahrhunderts die reichen, dänischen Kaufleute wohnten.

 

 

 

 

Bei der Mittelschule steht die Skulptur „Tilvera“ (Dasein) der isländischen Künstlerin Steinunn Þórarinsdóttir.

 

Tilvera, Steinunn Þórarinsdóttir, 2005

 

Besonders gefällt uns das Gemeinschaftswerk eines uns unbekannten Architekten und der Sonne.

 

 

Im Botanischen Garten fesselt uns eine Hummel, die emsig Nektar aus einer Schwarze Teufelskralle sammelt.

 

Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum), Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)

 

 

 

Dazu singt von einem nahen Dach eine Rotdrossel ihr Lied.

 

Rotdrossel (Turdus iliacus)

 

Nun wandern wir zurück in die „Unterstadt“, wo sich heute die Touristenmeile befindet.

 

Wandgemälde an einer Hausfassade

 

Ist es immer noch so, dass oben die reicheren und unten die ärmeren Leute wohnen?
Das folgende Bild scheint das zu bestätigen.

 

Ohne Worte

 

Auf der Landzunge von Oddeyri wohnten früher die einfachen Arbeiter und Handwerker.

 

Häuserzeile auf Oddeyri

 

Während der schweren Finanzkrise 2008, als Island nur knapp den Staatsbankrott abwenden konnte, wurden die Rotlichter der Verkehrsampeln in Herzform umgeändert, um die Bevölkerung aufzumuntern.

 

 

Das scheint funktioniert zu haben. Jedenfalls trifft man auch in diesem Stadtteil viele liebevoll gestaltete Details und einiges Skurriles.

Wir entdecken hier zum Beispiel die erste Autonummer, durch die man nicht dividieren darf, wie wir dereinst gelernt haben.

 

Ja, das gibt’s!!

 

Einer Katze ist das egal. Sie hält unter einer blauen Bank Siesta.

 

 

Hier ein paar weitere fotografische Details aus der Hauptstadt des Nordens.

 

 

 

 

 

 

 

 

Und?… hättest du vorher geglaubt, dass wir es einen ganzen Tag in der Stadt aushalten werden?

Am Abend zieht es uns aber wieder hinaus in die freie Natur und wir fahren nordwärts. Und was entdecken wir da?

Vögel! …

 

Uferschnepfe (Limosa limosa)

 

… und eine idyllische Landschaft! …

 

Bauernhof im Svarfaðardalur

 

… und einen ruhigen Platz zum Schlafen inmitten grüner Wiesen!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Húsabakki

28. Juni 2017

Heute fahren wir ein kleines Stück zurück auf den Campingplatz von Húsabakki, den wir gestern links liegen gelassen haben.
Wir werden da persönlich von einem Rotschenkel begrüsst.

 

Rotschenkel (Tringa totanus)

 

Nachts lauschen wir den Liedern der Singschwäne im benachbarten Vogelschutzgebiet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Immer noch in Húsabakki

29. Juni 2017

Wir bleiben zwei weitere Tage auf dem Campingplatz in Húsabakki. Der Blick über das Vogelschutzgebiet am Tjarnartjörn hin zu den Bergen der Halbinsel Flateyjarskagi hat es uns angetan.
Annette wandert hoch zum See Nykurtjörn, während Beat am PC arbeitet.

 

Blick über das Vogelschutzgebiet zur Halbinsel Flateyjarskagi

 

Annettes Wanderung zum Nykurtjörn: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

 

 

Morgenstimmung in Húsabakki

30. Juni 2017

Am frühen Morgen zaubert die Sonne eine wunderbare Stimmung.

 

 

 

 

 

 

 

Wanderung zur Schutzhütte Kofi

1. Juli 2017

Wir bleiben bis weit in den Nachmittag auf dem Campingplatz und nutzen das WiFi.

Dann fahren wir nach Dalvík und wandern von der Kirche aus ins Tal Böggvisstaðadalur. Der Nebel hängt tief, aber wir bewegen uns immer darunter. Aussicht ist so natürlich keine zu geniessen, doch dadurch erhält die Moor- und Heidelandschaft umso mehr Beachtung.

 

Hübsche Blümchen im Moosbett

 

Kurz vor der Schutzhütte Kofi überqueren wir den Bach und wandern auf der anderen Seite wieder zurück.
Ausgangs Tal sehen wir wie ein Kreuzfahrtschiff der AIDA-Line den Eyjafjörður verlässt.

 

 

Link zur Wanderung zur Schutzhütte Kofi: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Sehenswertes Heringsmuseum in Siglufjörður

2. Juli 2017

Unser heutiges Ziel ist das Heringsmuseum in Siglufjörður.

In Ólafsfjörður staunen wir über ein Verkehrsschild. Nicht die angegebene Bodenwelle, sondern die Distanzangabe dahin finden wir skurril.

 

Die Isländer nehmen es sehr genau!

 

Natürlich wählen wir nicht den direkten Weg durch die zwei Tunnels nach Siglufjörður, sondern wählen den abwechslungsreichen Umweg und damit auch die Schotterpiste über Lágheiði.

Für einmal sind wir froh um das schlechte Wetter, das uns diesen Sommer treu zu begleiten scheint. Die knallgelben Moospolster leuchten so, nass und im diffusen Licht, viel schöner.

 

 

 

 

Das Heringsmuseum in Siglufjörður ist in drei historischen Gebäuden untergebracht, wunderbar eingerichtet und sehr informativ.
Im ersten, der Roaldsbaracke, werden wir von einer jungen Dame begrüsst, die uns die Eintrittskarten verkauft und den Betrag auf einer uralten Registrierkasse eintippt.

 

Empfang im Heringsmuseum Siglufjörður

 

Ab 1903 begannen norwegische Fangflotten vor Island Hering im ganz grossen Stil zu fangen. Sie errichteten in Siglufjörður eigene Kais, auf denen die Fische ausgenommen und eingesalzen wurden. In Fischsiedereien wurden Fischmehl und Tran hergestellt.

Mit den Heringsschwärmen zogen auch viele Saison-Arbeiterinnen und -Arbeiter an die Fjorde, wo in der Blütezeit Fabrik um Fabrik aus dem Boden gestampft wurde.

 

Heringsverarbeitung

 

 

Zugang zum Heringsmuseum

 

Bald schon stiegen auch isländische Firmen in das Geschäft ein und übernahmen die Führung der Heringsfabriken. Die erfolgreichen Heringssommer während der Weltwirtschaftskrise brachten so viel ein, dass die wirtschaftliche Unabhängigkeit Islands gewährleistet war. Dies trug wesentlich dazu bei, dass sich Island 1944 nach fünf Jahrhunderten aus der dänischen Herrschaft lösen konnte.

Während der Hochkonjunktur zählte Siglufjörður 3000 Einwohner und war damit die fünftgrösste Gemeinde Islands.
Die ArbeiterInnen wohnten damals unter einfachsten Bedingungen in den oberen Stockwerken des heutigen Museums.

 

Schlafzimmer der „Heringsmädchen“

 

 

Waschgelegenheit unter der Treppe

 

 

Drei Töpfe für eine Herdplatte

 

Der Lohn wurde jeweils im Büro ausbezahlt.

 

Büro und Schlafzimmer des Fabrikbesitzers

 

Im „Klondyke des Nordaltlantiks“ wurde in guten Heringsjahren die Hälfte der Exporteinnahmen Islands aus Salzhering, Fischmehl und Tran erwirtschaftet.
Bereits 1916 wurden 200´000 Fässer mit eingelegtem Hering exportiert.

 

 

Gerade während den Weltkriegen war Salzhering ein wichtiges Nahrungsmittel. Hauptabnehmer waren Schweden, Dänemark, Finnland, Deutschland, die Sowjetunion und die USA.
Später wurden die Heringe auch in Dosen verpackt und so in den Verkauf gebracht.

 

Isländischer Hering wurde in alle Welt geliefert.

 

1969 verschwand der Hering fast von einem Tag auf den andern aus den isländischen Gewässern.
Die Bestände waren dermassen überfischt worden, dass es fast drei Jahrzehnte dauerte, bis sie sich von dem Raubbau wieder erholt hatten.
Heute darf Hering unter strengen Auflagen wieder gefangen werden.

In einem zweiten Gebäude sind Werkstätten, sowie technische und elektrische Einrichtungen zu sehen.
Davor stehen zwei riesige, vor sich hin rostende Trommeln. Wir wissen nicht, wofür sie gebraucht wurden, doch sie sind so dekorativ, dass wir ihnen hier einen Platz einräumen.

 

???

 

 

Elektrisches Sicherungsanlage

 

Im dritten Ausstellungsgebäude wurde ein Teil des Hafens nachgebaut. Hier ist alles, was mit dem Heringsfang zusammenhängt, zu sehen.
Mit kleineren und grösseren Kuttern wurde den Fischschwärmen nachgestellt.

 

 

Die Schiffe blieben manchmal tagelang auf dem Meer.
Die Kojen waren sehr eng und die Küche rudimentär eingerichtet. Der Herd musste mit einer verschiebbaren Halterung ausgerüstet sein, damit die Kochtöpfe bei hohem Wellengang nicht von der Heizfläche rutschten.

 

Schiffsküche, gleich daneben Schlafkojen

 

Zurück auf dem Land mussten vor dem nächsten Auslaufen die defekten Netze geflickt werden.

 

Fischnetze werden geflickt.

 

Wir sind ein paar Stunden in die Vergangenheit des isländischen Heringsfanges eingetaucht. Dem Museum wurden mehrere isländische und europäische Auszeichnungen verliehen. Zu Recht!

Nun fahren wir wenige Kilometer zurück und stellen unseren NOBIS neben den Tunnel mit wunderbarer Sicht über das Meer.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von Federn und Basalt

3. Juli 2017

Es ist Morgen viertel vor vier Uhr. Die Sonne ist bereits aufgegangen und und taucht alles in ein mildes Licht.

 

Alaska-Lupine (Lupinus nookatensis) im Morgenlicht

 

 

Felsen im Siglufjörður

 

Aber zu dieser unchristlichen Zeit gibt es nur etwas Vernünftiges: zurück ins warme Bett!

Später wagen wir uns doch wieder hinaus, denn heute scheint für einmal die Sonne.
Wir fahren Richtung Hofsós, wo es, gemäss Reiseführer, Basaltfelsen zu bewundern gebe.

 

Lupinenfeld vor dem Flókadalur

 

Vor der Insel Málmey sind im niedrigen Wasserstand im Málmeyjarsund einige grauschwarze Sandbänke aufgetaucht.
Diese wollen wir erkunden.

 

Málmeyjarsund mit der Insel Málmey

 

Ein anderes Pärchen hat diese Idylle bereits entdeckt. Dankbar nehmen wir sie als Bereicherung für unsere Bilder. 😉

 

Auf den Sandbänken weit draussen ruhen sich unzählige Möwen aus.

 

 

 

Hell leuchten weisse Federn auf dem dunklen Sand.

 

Feder

Feder

 

 

 

 

 

Feder

… Feder …?

 

 

 

 

 

 

In Hofsós finden wir weit und breit keine Informationstafel, die auf die sehenswerten Basaltfelsen hinweist. Auch die Dorfkirche mit dem blauen Dach schweigt sich aus.

 

Kirche von Hofsós

 

Wir spazieren zum nahen Freibad, das man von der Strasse aus gut sieht und für das ein Schild aufgestellt wurde.
Daneben führt ein schmaler Weg hinunter zum Meer … und da sind sie, die berühmten Basaltfelsen.

 

Säulenbasalt bei Hofsós

 

Säulenbasalt entsteht bei der langsamen Abkühlung von dünnflüssiger, gasarmer Lava. Dabei können sich meterhohe, (oft sechs-) kantige Säulen bilden.

 

 

Unbeeindruckt von diesem Naturwunder schwimmen drei Eiderentendamen vorbei.

 

Eiderenten Weibchen (Somateria mollissima)

 

Wir jedoch stehen Auge in Auge mit dem Basalt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Teil ist oben abgeschliffen und erinnert an einen verlegten Plattenboden.

 

Von der Natur verlegter Plattenboden

 

Auf der Weiterfahrt entdecken wir die Familie Singschwan. Die Eltern schwimmen majestätisch auf dem See, während die Jungen aufgeregt nach dem besten Tang gründeln.

 

Singschwäne (Cygnus cygnus)

 

Die schwarzgrauen Sandfläche vor Sauðárkrókur ist erst spärlich bewachsen.

 

Ùtanverðunes vor Sauðárkrókur

 

„Und da, schau die bunte Ente“ … „wo? … ach ja, da“ …
Beat hechtet aus dem Auto, um sie für immer in Pixel zu bannen … aber zu spät!

Was soll’s, die Pixel zeigen wir hier trotzdem!

 

Flüchtige Spuren einer bunten Ente

 

In Sauðárkrókur wollen wir an einer Orkan-Tankstelle mit Shop unsere Prepaid-Tankkarte, mit der wir günstiger Diesel beziehen können, aufladen.
Die Angestellte teilt freundlich uns mit, dass das nicht möglich sei. Als Annette nachfragt, wo wir denn unser Guthaben aufladen könnten, meint die Kassiererin: „In Akureyri.“ Das ist bescheidene 125 km entfernt!
Dann möchten wir also tanken und bar bezahlen. Auch das ist leider nicht möglich.
Danach versuchen wir es mit der Kreditkarte. Aber ein PIN-Code mit mehr als vier Stellen überfordert diesen Automaten heillos.

Kundenfreundliches Island …

Bei einem Konkurrenten können wir dann tanken, wenn auch zu einem teureren Tarif.

Danach fahren wir zur Talstation des Skilifts von Tindastóll. Hier hat es, wie wir richtig vermuteten, einen grossen, ruhigen Parkplatz.

 

Neue Strasse ins Skigebiet Tindastóll

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wanderung zum Bjarnarvötn

4. Juli 2017

Die Skagi-Halbinsel ist sehr dünn besiedelt, es gibt nur vereinzelte Gehöfte. Wir wollen zum Bjarnarvötn wandern, einem See, den kaum jemand kennt. Deshalb parken wir in der Nähe von Gauksstadir am Strassenrand.
Während wir unsere Rucksäcke packen und die Wanderschuhe schnüren, hält ein älterer Offroader neben uns. Eine Frau steigt aus und fragt, ob wir Hilfe benötigen. Als wir ihr von unserem Plan erzählen, erklärt sie uns den Weg und bietet sogar an, uns Mückennetze auszuleihen. Heute könne es dort sehr viele Mücken haben. Sie holt die Netze aus ihrem Haus, das ein paar hundert Meter entfernt liegt.
„Falls bei Ihrer Rückkehr das rote Auto vor dem Haus dort steht, bin ich daheim. Es würde mich freuen, wenn Sie nach der Wanderung vorbeikämen. Ich muss aber noch in die Stadt. Falls ich weg bin, legt die Netze einfach in den Briefkasten.“

Wir bedanken uns herzlich und marschieren los.

Unglaublich, wie viele verschiedene Blumen in dieser kargen Heide gedeihen.

 

Krähenbeeren (Empetrum) ?

 

???

Arktischer Thymian (Thymus praecox arcticus)

 

 

 

 

 

 

Weisse Silberwurz (Dryas octopetala)

Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris)

 

 

 

 

 

 

Der Moorsee liegt zwar schön eingebettet zwischen sanften Hügeln, ist aber sonst nicht besonders attraktiv. Wir schenken uns deshalb die letzten Meter durch den Sumpf.

Nach zweieinhalb Stunden sind wir zurück an der Strasse. Leider steht das rote Auto nicht vor dem Haus. Schade, wir hätten gerne noch etwas mit der hilfsbereiten Frau geplaudert.

Wir fahren weiter um die Skagi-Halbinsel. An einer Stelle sieht man schön, wie die Küste erodiert. Ein riesiger Fels ist weggebrochen und bereits ein Stück abgerutscht. Bald werden ihn die Wellen zu sich ins Meer geholt haben.

 

Erosion der Steilküste

 

Ein Stück weiter guckt eine Felsspitze neckisch, wie der Schnabel eines Vogels, aus dem Meer.

 

Bucht von Bjargavik

 

Ja, die Vögel haben es uns angetan. Wir können uns kaum sattsehen an den kleinen und grossen gefiederten Freunden.

Bei Hraun fahren wir mitten durch ein Brutgebiet der Küstenseeschwalben.
Einige der Küken sind bereits geschlüpft und fordern lautstark Futter.

 

Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) mit Küken

 

Gleich daneben scheint ein Elternvogel seinem Jungen ersten Anschauungs-unterricht im Fliegen erteilen zu wollen.

 

„SOO geht fliegen!“

 

Wenige Kilometer weiter entdecken wir einen Platz etwas abseits der Piste, ideal für die Nacht.
Ausser uns übernachten hier nur noch Lavasteine.

 

 

Link zur Wanderung zum Bjarnarvötn: Da auf „google maps“ der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Vögel … Vögel … Vögel …

5. Juli 2017

Wir fahren nochmals zurück nach Hraun, um Küstenseeschwalben zu fotografieren.

Zuerst fällt uns aber ein anderer wunderschöner, kleiner Vogel ins Auge. Der Sandregenpfeifer fliegt nicht weg als wir stoppen. Wahrscheinlich hat er Hütedienst und muss auf sein Junges aufpassen.

 

Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula)

 

Ach, wie niedlich, … ganz der Papa!

 

Dann schaffen wir es doch noch nach Hraun. Die eleganten Küstenseeschwalben gefallen uns ausserordentlich. Sie verteidigen ihre Nester und Jungen mit viel Gekreische und scheuen sich auch nicht, notfalls sogar Menschen anzugreifen.
Eine der Sterna paradisaea hat sich wohl geschminkt. Ihr Schnabel ist ungewöhnlich dunkelrot gefärbt.

 

Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea)

 

Und dann sehen wir etwas, dass uns beinahe verzweifeln lässt. Wenn wir nicht ein Beweisfoto hätten, würden wir uns nie getrauen, dies zu behaupten.

Küstenseeschwalben sind SÄUGETIERE!!!

Wie sonst kann man erklären, dass die Weibchen Brüste haben???
Doch seht selber!

 

Küstenseeschwalbe mit Brüsten

 

Und gleich daneben landet so ein Vogel und …… 😳 …. oh, waren das vorhin doch keine Brüste?

 

 

Naja, sei es, wie es wolle.
Die Vögel sind jedenfalls sehr elegante Flieger, die ihre markanten Schwanzfedern in der Luft zur Schau stellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir entwickeln uns langsam zu Vogelkennern, sogenannten Ornithologen.

Und das scheint sich beim Federvieh herumzusprechen. Stolz präsentiert sich uns ein Regenbrachvogel. Damit wir ihn leichter fotografieren können, hat er extra das schützende Gras verlassen.

Danke, lieber „Regi“.

 

Regenbrachvogel (Numenius phaeopus)

 

Und nun kommt der absolute Hammer!
In der Nähe der Basaltinsel Ásbuðnasker machen wir einen fantastischen Fund!

 

Basaltinsel Ásbuðnasker

 

Diese Sensation wird unsere Namen in die Forschungsbücher der Ornithologen bringen. „Entdeckt 2017 auf Island von Annette und Beat“, werden die Schüler dereinst lernen müssen.

Den ausserordentlich gut erhaltene Schädel, einer … ach, wie heisst die nun schon wieder auf Deutsch?
Leider kommt uns nur der lateinische Name in den Sinn, aber der ist ja auch viel wissenschaftlicher, nicht wahr?
Wir finden also den Schädel einer Cepa nonvolatilis.

 

Cepa nonvolatilis

 

Vielen Dank für den Applaus.

Zufrieden, dass wir heute so einen entdeckungsreichen Tag verbringen durften, gehen wir in Ólafslundur zu Bett.

Beat weiss aus Erfahrung, dass so viel Erfolg im Schlaf verarbeitet wird.
Vorsichtshalber nimmt er die Kamera mit ins Bett. Und wirklich, kaum fällt er in die erste Traumphase, holen ihn die Vögel von heute wieder ein.
Es gelingt ihm sogar, unseres Wissens als erstem Menschen überhaupt, ein Bild aus seinem Traum zu fotografieren!

 

Traumbild

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Kein Ablass in Blönduos

6. Juli 2017

Beim Frühstück dämmert uns langsam, dass wir gestern wohl den Mund etwas gar voll genommen haben.
Deshalb wollen wir in der Kirche von Blönduos Abbitte leisten. Doch diese ist nicht frei zugänglich, sondern kostet Eintritt. Wir verzichten schweren Herzens darauf, denn den Ablasshandel wollen wir nicht wieder aufleben lassen.

 

Kirche von Blönduos

 

In Blönduos sind auf einer Flussinsel schöne Spazierwege angelegt worden, die zum Teil durch einen kleinen Wald führen. Einige der Bäume haben, trotz den harten, klimatischen Bedingungen, bereits eine ansehnliche Höhe von ca. 5 m erreicht.
Obwohl die Aufforstung auf Island voran getrieben wird, ist Wald auch heute noch nur sehr marginal vorhanden. Stellvertretend dafür zeigen wir hier das Bild einer Föhre.

 

Föhre (Pinus)

 

Danach fahren wir ins Vatndalur und finden einen hübschen Übernachtungsplatz neben der kleinen Kirche bei Naudabú.

 

Vatndalur

 

Link zum Spaziergang zur und um die Insel Hrútey: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Ein abwechslungsreicher Tag

7. Juli 2017

Am Sigriðarstaðavatn entdecken wir ein einsames Haus gegenüber dem schwarzen Sandstrand.
Ausnahmsweise sind wir dankbar für die Stromleitung, die sich längs durch das Bild zieht. Für einmal ist das sonst störende Objekt eine willkommene Bereicherung.

 

Am Sigriðarstaðavatn

 

Der Felsen von Hvítserkur steht stoisch auf der schwarzen Sandbank. Er erinnert an ein Tier, das Wasser aus dem Meer trinkt. Ob darum der Wasserspiegel so abgesunken ist?

 

Felsen von Hvítserkur

 

Vögel haben wir schon zur Genüge gesehen, deshalb wollen wir uns heute in Illugastaðir Seehunde anschauen.
Aber sagt selber, kann man bei einem solch eindrücklichen Vogelschwarm die Kamera einfach in der Hülle ruhen lassen?!?

 

Küstenseeschwalben

 

… Oder bei einem so attraktiven, einzelnen Tier? …

 

Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea)

 

… Oder wenn uns gar unsere allererste Gryllteiste vor die Linse schwimmt? Sie will uns vom Nistplatz weglocken, der in einer Höhle liegt. Wir werfen trotzdem einen kurzen Blick hinein und sehen den zweiten Elternvogel auf dem Nest sitzen.

 

Gryllteiste (Cepphus grylle)

 

Aber nun, wir versprechen es, folgen in diesem Blogteil keine Vögel mehr!
Wir spazieren also weiter der Küste entlang.

 

Bei Illugastaðir

 

Und wirklich, wie angekündigt, zeigen sich einige Seehunde auf den Felsen, leider relativ weit draussen im Meer.

 

Seehund (Phoca vitulina)

 

 

Seehund (Phoca vitulina)

 

Heute übernachten wir auf einem kleinen Parkplatz bei Stapa direkt neben der Schotterstrasse. Da aber in der Nacht kaum Autos verkehren, schlafen wir ruhig durch.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Hvammstangi

8. Juli 2017

Nach dem Frühstück fahren wir lediglich 27 Kilometer auf den Campingplatz von Hvammstangi.
Nur den wunderschönen Schafpferch bei Vatnsnes lassen wir uns nicht entgehen. Hier werden im Herbst jeweils die Schafe, die den Sommer über frei weiden, zusammengetrieben und nach Besitzer sortiert.

 

Schafpferch bei Vatnsnes

 

Auf dem Campingplatz gibt es leider keine Duschen. Zum Glück haben wir in unserem NOBIS eine eingebaut.
Dafür gibt es freien Internetempfang. Ja, die Prioritäten haben sich in den letzten Jahren verschoben!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Waschtag

9. Juli 2017

Das Waschen klappt ziemlich gut, da Annette die Wäsche im offenen Grillhaus aufhängen kann. Sogar Wäscheleinen sind vorhanden. Der Wind forciert das Trocknen, so dass wir den Platz am Nachmittag wieder verlassen können.

Zuerst fahren wir wieder ein Stück den Weg zurück, den wir gestern gekommen sind. Doch der Übernachtungsplatz, den wir im Visier haben, ist zu weit entfernt.

 

Leuchtturm von Anastaðastapi

 

Deshalb kehren wir wieder um und fahren bis unsere Schotterpiste auf die asphaltierte Ringstrasse trifft.
Dort gibt es einen grossen Parkplatz, nicht sehr attraktiv, aber wir sind müde und deshalb nicht mehr sehr wählerisch.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Robbenmuseum in Hvammstangi

10. Juli 2017

Am Morgen verabschieden wir uns von dem Steinpaar, das uns die Nacht über bewacht hat.

 

Unsere Wächter

 

Dann fahren wir zurück nach Hvammstangi und besuchen das Robben-Museum. Das „Museum“ besteht aus zwei Räumen, in dem ausgestopfte Robben und Vögel herumstehen. Auf vielen Infotafeln kann man allerlei Wissenswertes lesen, was zwar interessant, aber auch sehr eintönig und ermüdend ist.
Ein längerer Film, der in oft schlechter Bildqualität Robben zeigt, reisst uns auch nicht zu Begeisterungsstürmen hin.
Alles in allem ein Museum, das die Zeit verschlafen hat und unserer Meinung nach das Eintrittsgeld nicht wert ist.

Nun peilen wir unser nächstes Ziel an, die Westfjorde.

 

Schwemmholz am Bitjufjörður

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wow, was für ein Tag!

11. Juli 2017

Über eine Schotterpiste erreichen wir Djúpavik. Die ehemalige Heringsfabrik (1934 – 1954) ist am Verfallen. Einige Wände sind aber frisch gestrichen worden, was dem Ganzen einen eigenartigen Charme verleiht.
Hier finden jeweils im Sommer Ausstellungen statt.

Wir wollen aber zuerst nach Krossnesslaug, da soll es am Ende der Strasse ein schönes Thermalbad direkt am Meer geben.

 

Alte Heringsfabrik in Djúpavik

 

Der Schönheit des Zerfalls können wir uns aber nicht entziehen, darum müssen ein paar Bilder vor der Weiterfahrt drinliegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einige Krähenscharben interessieren sich nicht für uns, doch rechts muss etwas Spannendes abgehen.

 

Krähenscharben (Phalacrocorax aristotelis)

 

Und wirklich, ganz am Ende der Strasse, als nur noch ein schmaler Feldweg weiterführt, liegt das attraktive Bad mit Meersicht. Das heisse Wasser tritt nur wenige Meter weiter oben aus dem Boden und wird da gefasst.

 

 

Ein hölzerner Portier weist den Weg zur Garderobe.

 

Hölzerner Portier

 

Das Bad erfreut sich bei der Bevölkerung grosser Beliebtheit. Wir staunen, dass sich hier am „Ende der Welt“ mehr als 20 Personen, vorwiegend Isländer, im Wasser tummeln.

 

 

Natürlich fehlt auch der Hot Pot nicht. Ein Bad ohne heitur pottur (heisser Topf) ist in Island undenkbar.

 

Annette entspannt sich im Hot Pot

 

In Nordfjörður gönnen wir uns ein Eis.
Im Hafen sind Fischerboote angekommen. Grosse Kunststoffkisten voller Fische werden mit einem Kran auf den Quai gestellt und danach mit einem Gabelstapler in die Fischhalle gefahren, wo sie nach dem Wägen mit Brucheis zugedeckt werden. Danach werden die Behälter auf einen bereitstehenden Lastwagen geladen.

 

Am Fischerhafen in Nordfjörður

 

Die Kisten sind voll, der Fang scheint gut gewesen zu sein.

 

 

Auf dem Weg zurück nach Djúpavik fahren wir der Bucht Húnaflói entlang. Die Landschaft ist betörend schön.

 

 

 

 

 

Djúpavík mit Háafell

 

Eine Steinformation erinnert uns an die Statuen der Osterinseln.
Man kann es kaum glauben, dass der „Kopf“ vom Sturm noch nicht heruntergeblasen wurde.

 

Steinerne Statue

 

Im Gegensatz zu der Steinfigur, die sich ohne mit der Wimper zu zucken ablichten lässt, ist unser nächstes Fotoobjekt zu Beginn sehr schüchtern.

 

Schüchterner Seehund

 

Nach kurzer Zeit aber posiert er cool, als würde er eine Karriere als Model anstreben.

 

Seehund (Phoca vitulina)

 

Kurz darauf sind wir wieder in Djúpavik. Die vergammelte Fabrik heisst nun „The Factory“ und wir besuchen gespannt die Ausstellung.
Was erwartet uns da?

 

„The Factory“ in Djúpavik

 

In einem der Räume hängen die Objekte der Isländerin Rósa Sigrún Jónsdóttir. Die riesigen, gestrickten „Säulen“ erinnern an Fischreusen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleich um die Ecke führt eine Treppe in zwei weitere Ausstellungsräume.

 

 

Die Stimmung in der Fabrik ist einmalig. Das zerfallende Gebäude in Kombination mit den vielen Kunstwerken ist sehr eindrücklich.
Dass dies hier nicht nur eine kleine lokale Veranstaltung ist, zeigt die Ausstellungsbroschüre. 22 Künstler aus 14 verschiedenen Ländern, zum Beispiel Taiwan, Australien, USA, Deutschland und der Schweiz stellen hier aus!

 

Ausstellungsraum in „The Factory“ in Djúpavik

 

Im oberen Stock geht es weiter. Hier hängen jeweils drei Bilder nebeneinander in einem „Bilderrahmen“. Der belgische Fotograf Etienne Ketelslegers porträtierte verlassene Häuser aus verschiedenen Gegenden Islands.

 

„Emptiness“ von Etienne Ketelslegers

 

Wer mehr über „the factory“ wissen will, findet weitere Infos unter diesem Link „the factory“:

Tief beeindruckt verlassen wir diese Insel der Kunst im Niemandsland. Bis Hólmavik, der nächsten grösseren Ortschaft sind es 71 Kilometer, vorwiegend Schotterpiste.

Ein Segelschiff, das unter deutscher Flagge fährt, nähert sich und legt am Steg an. Diese Ausstellung scheint weitaus bekannter zu sein, als wir gedacht haben.

Auch hier draussen fasziniert das Nebeneinander von Zerfallendem und Lebendigem, der verrostende Kahn und das rote Segelboot mit den weissen Masten.

 

 

 

 

Auf der Weiterfahrt überholt uns der Laster mit den Fischen aus Nordfjörður. Er scheint es sehr eilig zu haben. Seine verderbliche Fracht muss bei diesen hohen Temperaturen (knapp über 20°C) möglichst schnell verarbeitet werden.

 

Eiltransport einer Fischladung

 

Wir dagegen gehen es gemütlich an. Die Schwemmholzbucht bei Kolbeinsvík ist einen Spaziergang wert.
Die Baumstämme werden mit den Meeresströmungen aus, man glaubt es kaum, Sibirien hierher getragen. In Driftexperimenten mit Bojen wurden die Strömungsverhältnisse um den Nordpol aufgezeichnet. Diese werden durch einen riesigen Wirbel, „die Transpolardrift“ bestimmt. Auf Island gibt es keinen Wald mehr, da von Beginn der Besiedelung an die Bäume gefällt wurden. Diese konnten in dem rauen Klima nicht ausreichend nachwachsen. Später kamen noch Beschädigungen durch Schafe dazu. Das Schwemmholz wurde also hoch geschätzt und die Abschnitte am Strand waren Grundeigentümern zugeteilt.

 

Holz aus Sibirien auf Island

 

 

 

Heute übernachten wir auf einem idyllischen Platz zwischen der kaum befahrenen Schotterpiste und dem Meer.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Annettes Geburtstag

12. Juli 2017

Annettes Geburtstag wollen wir mit einem feinen Nachtessen in Ísafjörður feiern.

Am Ísafjörðurup fallen uns Pflanzen auf, deren Blätter eher blau als grün scheinen.

 

Strandbewuchs am Ísafjörðurup

 

Uns unbekannte Pflanzen wachsen kreisförmig flach auf dem Boden. So nutzen sie optimal die Wärme des Bodens und auch die Sonnenstrahlen.

 

Austernpflanze (Mertensia maritima)

 

Am Abend dinieren wir im Restaurant Tjöruhúsið.
Es ist das älteste Gebäude Islands. Man sitzt jeweils zu sechst auf Bänken an massiven Holztischen. Das Fischbuffet hält, was uns versprochen wurde. Wir sind freudig überrascht über die Vielfalt und Bandbreite der angebotenen Fischpfannen. Nebst einem Dutzend unterschiedlicher Fischgerichte stehen auch verschiedene Beilagen, Gemüse und Salate auf der Theke.
Wie so oft an Buffets müssen wir von dem und diesem und jenem probieren bis wir schlussendlich fast platzen.

 

Restaurant Tjöruhúsið in Ísafjörður

 

In weiser Voraussicht haben wir zuvor in der Nähe bereits einen Übernachtungs-platz gesucht. So müssen wir nach dem üppigen Mahl nur noch dorthin fahren und uns ins Bett plumpsen lassen. Die Latten biegen sich heute mehr durch als sonst.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auf zum Dynjandi

13. Juli 2017

Wir machen einen Abstecher nach Flateyri, wo es ein Nonsense-Museum geben soll. Was da genau ausgestellt wird, ist nirgends ersichtlich.
Als Annette einen kurzen Blick hineinwerfen will, um zu sehen was es da Besonderes gibt, wird sie in gebrochenem Englisch angeschnauzt: „Erst zahlen, dann gucken!“
Unfreundliche Menschen soll man nicht unterstützen und darum lassen wir den Besuch sein.

 

Flateyri am Önundarfjörður

 

Wir kurven durch das Dorf und sehen etwas, das auf den ersten Blick wirklich „Nonsense“ ist. Ein „zugestricktes“ Fahrrad!

 

 

Erst als wir einen Blick in die Box werfen, sehen wir, dass dieses Fahrrad ein origineller Werbeträger für die gestrickten Mützen ist, die man hier kaufen kann.

Gleich daneben leuchtet eine orange Mohnblume einfach so, ohne erkennbare Absicht Käufer anzulocken.

 

Island-Mohn (Papaver nudicaule)

 

Nun fahren wir über Berge und an Fjords entlang zum Dynjandi Wasserfall.
Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Eine Front zieht dem Berg Gemla entlang, der über und über mit Lupinen bewachsen ist und deswegen eigenartig blau scheint.

 

„Lupinenberg“ Gemla

 

Wir schleichen im Regen die Serpentinen des Heiðarenni hinunter …

 

Heiðarenni

 

… und sehen unten bei Grelutoftir, wofür Schafbauern gefundene Raddeckel verwenden können.

 

Schafsperre im Bach

 

Trotz oder gerade wegen des trüben Wetters entdecken wir bei Karlsstaðir einen pittoresken Kiesstrand.

 

Kiesstrand bei Karlsstaðir

 

Spätabends kommen wir beim Dynjandi Wasserfall an und es regnet noch immer. Wir stellen uns für die Nacht auf den Parkplatz, vielleicht ist ja morgen besseres Wetter und wir können folgende Frage klären:

 

Übernachtungsplatz am Fusse des Dynjandi

 

Ist der Dynjandi ein Wasserfall, der nicht von einem Bach, sondern direkt aus den Wolken gespeist wird?
Das hiesse dann aber, dass bei wolkenlosem Himmel kein Wasserfall stattfindet!?!

Die Auflösung folgt in unserem nächsten Beitrag. 😉

 

Das Wasser fliesst aus den Wolken direkt in den Dynjandi!

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wasser und Sand

14. Juli 2017

Die Wolkendecke hat sich etwas gehoben und wir sehen nun, dass der Wasserfall Dynjandi doch von einem Bach und nicht direkt aus den Wolken gespeist wird. 😉

 

Dynjandi Wasserfall

 

Wie ein Kleid wird der Fall gegen unten immer breiter. Das Wasser fliesst tosend über die verschiedenen Felsvorsprünge.

 

 

Die Sonne hat auch heute keine Lust sich zu zeigen. Es beginnt wieder zu regnen und wir fahren deshalb weiter.
Dank den ergiebigen Regenfällen der letzten Nacht führt auch der Svinafall viel Wasser.

 

Svinafall

 

Die nassen Schotterpisten hinterlassen ihre Spuren auf unserem NOBIS.
Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf hinweisen, dass nun auch Island auf unserer Europakarte klebt, was auf dem Bild (un-)schwer zu erkennen ist.

 

Unser Europa

 

Der selbe Sand, der unser Wohnmobil so hässlich verunstaltet, zeigt sich am Strand von Rauðsdalur von seiner besten Seite.

 

Rauðsdalur am Barðaströnd

 

 

Sandstrand von Rauðsdalur

 

Über den Pass kurz vor dem Barðastrand wacht seit 1947 ein steinerner Koloss mit Schwert. Die Informationstafel dazu fehlt leider, es steht nur noch der leere Rahmen da.

 

 

Wir lassen uns von ihm nicht aufhalten, denn wir sind auf dem Weg nach Látrabjarg. Diese Steilküste ist ein Paradies für Seevögel, die dort nisten.
Richtig, da werden wieder einige Vogelbilder auf dich zukommen! 😉

Aber erst fahren wir in Skápadalsmúli am ältesten Stahlschiff Islands vorbei. Die „Garðar BA 64“ wurde 1912 in Norwegen gebaut. 1981 ist sie hier auf Grund gelaufen.

 

Ältestes Stahlschiff Islands

 

In Skápadlasa führt die Strasse durch eine Dünenlandschaft. Wir sind überrascht, Dünen haben wir auf Island nicht erwartet. Aber wieso eigentlich nicht? Es gibt ja genügend Sand, Wind und Pionierpflanzen auf der Insel.

 

Dünen in Skápadlasa

 

Es ist bereits 21:00 Uhr, als wir um die Bucht bei Orlygshöfn herum fahren.

 

Bucht bei Orlygshöfn

 

Der Látrabjarg muss bis morgen warten. In Brunnar Látrabjarg stellen wir uns auf den Parkplatz vor dem sehr einfach eingerichteten Zeltplatz, auf dem man kostenlos campieren darf.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Vögel! … wir können nicht anders

15. Juli 2017

Und nun zeigen wir sie, die angedrohten Vögel. Diese gefiederten Freunde, die auf schmalen Felsvorsprüngen nisten und ihren Nachwuchs aufziehen, faszinieren uns sehr.

Allen voran die putzigen Papageientaucher, die eine Mischung aus Pinguin und Clown zu sein scheinen.

 

Papageientaucher (Fratercula arctica)

 

 

 

 

 

 

Dicke Freunde

 

 

 

Die flaumigen Küken der Dreizehenmöwen sind zum Verlieben.

 

Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla)

 

 

 

 

 

 

 

Wie viele Jungvögel an dieser steilen Küste wohl zu Tode stürzen?
Wir sehen einige Vogelpaare, die ohne Nachwuchs auf einem der Vorsprünge sitzen….

 

Steilküste am Látrabjarg

 

 

Felsen am Fusse der Klippe

 

Sogar die Blumen müssen hier schwindelfrei sein und sich mit ihren Wurzeln im Fels festkrallen.

 

Küstenkamille (Tripleurospermum maritimum )

 

Vielleicht beschützt sie der Felsengott, der mit seinem strengen Blick aufs Meer den Sturm zu bannen scheint.

 

Felsengott

 

Die grösste Tordalk-Kolonie der Welt befindet sich am Látrabjarg. Etwa 75% des isländischen Bestandes brüten da.
Grund genug, um einige der „Frackträger“ vorzustellen:

 

Tordalke (Alca torda)

 

 

Tordalke bei der Gefiederpflege

 

 

 

 

 

 

 

Den Tordalken sehr ähnlich sind die Trottellummen, die, wie die Papageientaucher, ebenfalls zur Familie der Alkenvögel zählen.
Alke tauchen nach Fischen und können sich unter Wasser mit Hilfe der Flügel aktiv fortbewegen. Sie „fliegen“ sozusagen subaqual.

Auf unserem Bild wacht eine „Brillen- oder Ringellumme“, während die anderen Trottellummen schlafen. Der dekorative Augenring ist lediglich eine Farbvariante und kein Kennzeichen einer eigenen Art.

 

Trottellummen (Uria aalge)

 

Vielleicht faszinieren uns die gefiederten Freunde so sehr, weil wir ja selber eine Art Zugvögel, sicher aber Wandervögel sind?

Heute müssen wir aber unsere Wanderung am Látrabjarg stark abkürzen, da Annette sich niesend und mit roter Nase den Berg hoch schleppt, nicht ganz so leichtfüssig wie gewohnt.

Deshalb fahren wir zurück über die unwirtliche Hochebene, auf der sich nur Moose und Flechten zwischen den Felsen behaupten können …

 

Rauhe Landschaft am Hafnarfjall

 

… und um das liebliche Flussdelta bei Orlygshöfn.

 

Delta bei Orlygshöfn

 

 

 

Der Abstecher zur Bucht von Rauðisandur (Rotsandbucht) lohnt sich. Erstmals seit ein paar Tagen guckt die Sonne kurz zwischen den Wolken hervor.
Wir können erahnen, wie schön dieser Strand bei Ebbe und Sonnenschein leuchtet.

 

Rauðisandur

 

 

Rauðisandur

 

Vielleicht ist ja morgen besseres Wetter? Optimistisch stellen wir unseren NOBIS für die Nacht etwas oberhalb der Bucht neben die Strasse.

 

 

Link zur Wanderung am Látrabjarg: Da auf “google maps” der Weges fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Sand am Meer

16. Juli 2017

Das Wetter ist immer noch sch…attig und dazu noch stürmisch. Aber auch so spielt Rauðisandur seine Schönheit aus. Wir fahren deshalb wieder hinunter ans Meer und geniessen die wunderschöne Stimmung.

 

 

 

 

Die hübsche Kirche in Saurbær ist leider geschlossen …

 

Kirche von Saurbær

 

… und das Kafihusit daneben öffnet erst um 12:00 Uhr.
Wir sind entspannt und warten im geheizten Fahrzeug darauf, dass wir die heimische Gastronomie unterstützen dürfen.

Das Warten lohnt sich.
Beat bestellt einen Swiss Mocha (Espresso mit heisser Schokolade), Annette eine heisse Schokolade. Beides wird mit Schlagsahne serviert, beides schmeckt sehr lecker und beides ist (wie alles in Island) sehr teuer.

Nun geht es den einzig möglichen Weg zurück über den Berg und wieder am Osafjörður vorbei. Wozu sind diese Dämme wohl aufgeschüttet worden?

 

Osafjörður

 

Beim Rastplatz Kross gibt es sogar einen Picknicktisch mit Gästebuch. Wir nutzen die zaghafte Wetterbesserung, setzen uns zu Tee, Kaffee und Kuchen an den Holztisch. Als erste Schweizer tragen wir uns in das originelle Buch ein.

 

Picknicktisch mit Gästebuch

 

Da unsere Augen heute auf Meer, Sand und Steine eingestellt sind, hier noch ein weiteres Bild dieser Art.

 

 

Wir sehen im Wasserfall von Austurá die Form einer Birne. Ist das so oder fehlt uns einfach das frische Obst?

 

Wasserfall Austurá

 

Bei Klettur entdecken wir etwas abseits der Route einen ruhigen Platz.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Flucht auf einen Campingplatz

17. Juli 2017

Am Morgen finden wir ganz in der Nähe einen schönen, grossen Birkenpilz.

Nach dem Frühstück fahren wir auf den Campingplatz in Laugar. Langsam haben wir das Regenwetter satt, das uns seit Tagen begleitet (oder eher verfolgt?)!

Da hilft nur gutes Essen.
Zur Aufmunterung bereitet Beat am Abend als Vorspeise einen leckeren Birkenpilz-Speck-Toast zu und Annette kocht Ebly und Blumenkohl an einer Koriander-Kreuzkümmel-Yoghurt-Sauce.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Hot Pot in Laugar

18. Juni 2017

Wir haben keine Lust durch Regen und Sturm zu fahren und bleiben einen weiteren Tag in Laugar, wo wir fleissig an einem weiteren Blogbeitrag arbeiten.

In einer Regenpause wärmen wir uns auf im schnuckeligen Hot Pot, der oberhalb des Campingplatzes liegt.
Hier soll schon die legendäre Guðrún Ósvífursdóttir aus der Laxdæla saga gebadet haben.

 

Hot Pot mit Umkleidehäuschen in Laugar

 

 

Faszinierender Skrauma

19. Juli 2017

Am Nachmittag verlassen wir den Campingplatz von Laugar und fahren Richtung Stykkishólmur.
Wenige Kilometer nach Búdardalur führt die Schotterstrasse über eine Brücke und wir erhaschen einen kurzen Blick auf den Bach Skrauma, der sich durch eine felsige Schlucht zwängt.

 

Skrauma

 

Wir stoppen auf einem riesigen Kiesplatz neben der Strasse und gehen einige Schritte zurück. Weiter bachabwärts kann man ins Tobel hinuntersteigen. Dazu muss man sich aber zuerst am letzten Pfahl des Stacheldrahtzaunes vorbeihangeln, der auf eine vorstehende Felsplatte ca. fünf Meter über der Schlucht geschraubt ist. Aber wir kommen durch … und es lohnt sich!
Der Bach hat die verschiedensten Muster in die grauen Felsen geschliffen und unter Wasser sorgen Algen für dezente Farben.

Hier einige Impressionen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir verbringen viel Zeit in der faszinierenden Schlucht und kehren erst zurück, als es zu regnen beginnt.
Es ist bereits kurz von 21:00 Uhr und wir beschliessen hier zu bleiben. Die Nebenstrasse ist kaum befahren und Platz ist ja genug. 🙂

 

Übernachtungsplatz beim Skrauma

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Stykkishólmur

20. Juli 2017

Kurz vor Stykkishólmur entdecken wir im Alftafjörður eine grosse Schar Singschwäne.

 

 

Wir stapfen durch das Moor zum Fjord hinunter, aber ausser nassen Füssen bringt das nicht viel. Die Schwäne sind zu weit draussen.
Dafür entdecken wir auf dem Rückweg eine einzelne kleine Orchidee.

 

Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata)

 

Die futuristische Kirche von Stykkishólmur steht unübersehbar auf einem Hügel. Sie wurde vom Architekten Jón Haraldsson entworfen und im Jahre 1990 eingeweiht.

 

Kirche von Stykkishólmur

 

Auch innen ist sie eigenwillig gestaltet. Viele kleinen Lämpchen hängen von der Decke und bilden einen Sternenhimmel.
Das Altarbild der isländischen Malerin Kristín Gunnlaugsdóttir ist ganz in Blau gehalten.

 

Altarbild in der Kirche von Stykkishólm

 

Die Pfeifen der Kirchenorgel sind dekorativ angeordnet und glänzen wunderschön.

 

 

 

 

 

 

In dieser lichtdurchfluteten Kirche herrscht eine einzigartige Stimmung. Sie ist einen Besuch wert.

Nun fahren wir weiter zum Hafen.
Vom kleinen Leuchtfeuer auf der anderen Seite hat man einen schönen Blick auf das Dorf.

 

Hafen von Stykkishólmur

 

Und im Hafen gibt es natürlich wieder dies und das zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In ganz Stykkishólmur gibt es freies WiFi und beim Hafen guten Empfang.
Dazu steht die Toilette die ganze Nacht offen und beim Parkplatz steht kein „No overnight parking“-Schild.

So kommen wir zu einer der raren Übernachtungen mitten in einem Dorf.

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Polarfuchs, Gammelhai und Wasserfall

21. Juli 2017

Wir wollen das Haifischmuseum in Bjarnarhöfn besuchen. Dazu fahren wir nicht auf der asphaltierten Strasse, sondern wählen den Weg dem Meer entlang.
Plötzlich huscht etwas Dunkles über die Strasse … ein Polarfuchs!
Bis Beat aus dem Auto gesprungen ist und die Kamera gezückt hat, ist er leider schon weit entfernt.
Deshalb hier nur das unscharfe Bild des scheuen Jägers, denn: ein Polarfuchs ist ein Polarfuchs!

Polarfüchse waren übrigens die einzigen Säugetiere, die schon vor der Besiedlung auf Island lebten. Sie gelangten während Kälteperioden über das Packeis aus der Arktis hierher.

 

Polarfuchs (Vulpes lagopus)

 

Das letzte Stück vor Bjarnarhöfn führt durch eine raue Landschaft. Die schwarzen Lavasteine sind lediglich mit Flechten und Moosen bewachsen.

Der Sage nach soll sich ein Sklave, ein Berserker, in die Tochter des Gutsbesitzers verliebt haben. Dieser versprach ihm seine Tochter, aber er müsse zuerst einen Weg durch das unwirtliche scharfkantige Gestein zum Hof bauen. Denn dieser war nur über einen weiten Umweg erreichbar.
Der Berserker und sein Bruder schufteten Tag und Nacht und als das Werk vollendet war, … brachte sie der Besitzer kurzerhand um und versteckte ihre Leichen zwischen den Lavabrocken.
Seither nennt man dieses Gebiet „Berserkerlava“.

 

Berserkerlava vor Bjarnarhöfn

 

Das Haifischmuseum ist ein vollgestellter Raum auf einem Bauernhof. Von antiken Nähmaschinen und Angelgeräten über ausgestopfte Vögel und Haigebisse bis zu einem alten Boot wird hier alles mögliche ausgestellt.

Die Tochter des Besitzers erzählt, unterstützt durch einen Film, wie der Grönlandhai fermentiert wird.
Wir lernen:
Haie sind Knorpelfische und haben keine Gräten. Ihre Haut ist sehr rau und wurde früher als Sandpapier verwendet. Jährlich werden hier 60-80 Tiere, die als Beifang in Netzen landeten, verarbeitet.

 

Skelett eines Haifisches

 

Der Grönlandhai lagert Harnstoffe in seinem Blut ein, um den osmotischen Druck regulieren zu können. Dadurch wird sein Fleisch für den Menschen ungeniessbar, sogar giftig. Erst nachdem es während zwei bis drei Monaten in durchlässigen Holzkisten fermentiert wurde, sind die Harnstoffe abgebaut. Danach werden die Stücke in einer offenen Scheune aufgehängt, damit sich das Ammoniak verflüchtigt. Dieser Prozess dauert nochmals drei bis vier Monate. Und fertig ist der Gammelhai!

Am Schluss der Vorführung dürfen wir einige Brocken des berühmt-berüchtigten Haifischfleisches degustieren. Isländer würden es als Aperohäppchen lieben und gerne auftischen, wenn Freunde zu Besuch kämen, erzählt die sympathische junge Dame.
Das weisse Muskelfleisch ist von gummiartiger Konsistenz. Es schmeckt im Abgang deutlich nach Ammoniak, reizt etwas in der Nase, ist aber längst nicht so ekelhaft, wie wir gehört haben.
Trotzdem, eine Degustation reicht uns und wir würden es nicht wagen, Freunden davon anzubieten. Schliesslich wollen wir diese ja nicht loswerden. 😉

 

Fermentierter Haifisch

 

 

Haifischfleisch in der Trockenhütte

 

Danach fahren wir ein Stück zurück durch die Berserkerlavafelder und weiter Richtung Ólafsvík.

Kurz nach Grundarfjörður ragt ein besonders markanter Berg auf, der Kirkjufell. Er hat die Form eines steilen Kirchendaches, was ihm seinen Namen gab.

 

Kirkjufell

 

Auf der anderen Strassenseite liegt der Kirkjufellsfoss. Dieser scheint bei Touristen sehr beliebt zu sein. Der kleine Parkplatz quillt aus allen Nähten.
Wir stellen unseren NOBIS deshalb gegenüber in die Einfahrt zu einer Wiese. Annette bleibt im Wagen, damit sie wegfahren kann, falls es nötig sein sollte und Beat macht sich auf den Weg zur Attraktion.

 

Kirkjufellsfoss

 

Nicht alle begnügen sich mit einem konventionellen Bild vom Wasserfall. Einer kniet sich gar hin, um ein ganz besonderes Foto zu schiessen und ermöglicht so Beat ein ganz besonderes Foto zu schiessen. 😉

 

Die andere Sicht

 

Unser Wohnmobil stört keinen Landwirt, dafür aber eine Polizistin, die Annette wegweist. Sie fährt mit dem Wagen einige Kilometer weiter, bis sie wieder wenden kann.
Nach ihrer kleinen Ehrenrunde ist auch Beat wieder zurück und übernimmt das Steuer, Annette steigt aus und spaziert zum Wasserfall. Beat dreht ebenfalls eine Runde, diesmal in die andere Richtung. Dann ergattert er sogar einen der raren Parkplätze.

Vor Ólafsvík entdecken wir einen kleinen Parkplatz, der etwas erhöht direkt am Meer liegt. Hier bleiben wir über Nacht.

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Sturm in Ólafsvík

22. Juli 2017

Am Morgen beginnt es heftig zu stürmen und zu regnen. Zudem hat sich Beat gestern stark erkältet. Deshalb lassen wir die geplante Wanderung auf den Kirkjufell fallen und fahren stattdessen auf den nahen Campingplatz in Ólafsvík.

Die Dusche für die Frauen befindet sich direkt neben dem Aufenthaltsraum mit Kochgelegenheit. So kann frau beim Haare waschen den Küchengeräuschen und Diskussionen darüber lauschen, ob wohl wirklich noch mehr Zwiebeln an das Paprikagemüse gehören. Annette kann sich eines Kommentars enthalten.

Der Sturm wird immer stärker.
Die zwei Mädchen und der Junge vom Wohnmobil nebenan rennen mit weit ausgebreiteten Jacken mit und gegen den Wind, lassen sich vergnügt von Windböen herumschubsen und probieren aus, wie schräg man sich dagegen lehnen kann. Sie amüsieren sich köstlich und wir uns beim Zuschauen.

In der Nacht lässt uns das Unwetter kaum schlafen. Die starken Böen rütteln nicht nur an unserem fahrbaren Haus, manchmal schlagen sie richtiggehend dagegen. Wir sind froh, dass wir die Nase in den Wind gestellt haben und unser Gefährt so nicht umgeblasen werden kann.

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Keine Wäsche in Grundarsfjörður

23. Juli 2017

Die Sturmböen in der vergangenen Nacht sollen über 100 km/h erreicht haben. Teile des Campingplatzes stehen am Morgen unter Wasser.
Überall in den WC’s hängen Kleider und Zelte zum Trocknen. Die meisten Camper haben die Nacht schlaflos im Aufenthaltsraum verbracht.

Der Sturm hat etwas nachgelassen. Wir fahren nach Grundarsfjörður. Dort soll es eine 24 Std.-Wäscherei geben. Die kleine Hütte, in der die Waschmaschine und der Tumbler stehen, ist aber sehr schmuddelig. Eine Maschine waschen und trocknen würde zudem auf etwa ISK 1600 (ca. Sfr. 16.– ) zu stehen kommen!
Wir verzichten auf frische Wäsche und fahren zurück nach Bularidshöfði, den Übernachtungsplatz auf dem wir schon vorgestern geschlafen haben.

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Durch den Nebel über den Pass

24. Juli 2017

Vor dem Touristen-Informationscenter in Ólafsvík haben wir Internetempfang. Wir überarbeiten einen weiteren Beitrag und planen die Freischaltung für morgen.

Danach fahren wir über die Passstrasse am Snæfellsjökull vorbei. Leider hängen im oberen Teil dichte Wolken, man sieht zum Teil nur wenige Meter weit.

 

Passstrasse über den Jökulháls

 

Einmal mehr staunen wir über die leuchtenden Moose, die sich in dieser garstigen Umwelt zu behaupten wissen.

 

 

Auf der anderen Seite hängt der Nebel noch tiefer und wir durchstossen die Decke erst kurz oberhalb des Meeres.

 

Strasse unter der Nebeldecke

 

Beim Leuchtturm von Malarrif finden wir einen ruhigen Parkplatz mit öffentlicher Toilette. Hier bleiben wir.
Kurz vor 23:00 Uhr taucht die untergehende Sonne den weissen Turm in ein zartes Rosa.

 

Leuchtturm von Malarrif

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Ein langer Tag

25. Juli 2017

Am Morgen spazieren wir zum nahen Kiesstrand mit den pechschwarzen Steinen.

 

 

 

 

Vor der Weiterfahrt werfen wir einen letzten Blick auf den Leuchtturm … sorry, er ist ein wenig verdeckt.

 

Leucht- und anderer Turm

 

Wir wollen ans Ende der Halbinsel Snæfellsnes fahren. Beat setzt sich mit dem Vorschlag durch, den längeren Weg zu nehmen und nochmals über den Pass zu fahren. Die Landschaft dort oben muss einzigartig sein.
Doch es kommt, wie Annette vorausgesagt hat, wir fahren wieder durch den Nebel. Beat meint dazu: „Aber man sieht sicher fünf Meter weiter als gestern …“ und „… es hätte ja sein können …“.

Vor Hellisandur laufen uns im wahrsten Sinne des Wortes junge Küstenseeschwalben über den Weg. Wir stoppen und werden Zeuge, wie das Futter aus der Luft angeflogen wird.

 

Verpflegung aus der Luft

 

 

 

Endlich ist genug gefressen und der Jungvogel kann die Strasse wieder freigeben. Geduldig wartet er am Rand, bis die Eltern mit weiteren Leckereien anfliegen.

 

Fresspause

 

Kurz vor Öndverðarnes, der äussersten Spitze der Halbinsel Snæfellsnes steigen wir an den Strand der Bucht Skarðsvík hinunter. Es ist Niedrigwasser und was wir da sehen, ist atemberaubend!

Die Felsen und Steine, die Spuren des Wassers im Sand, die Pflanzen und Tiere, die darauf warten, dass das Meer wieder zurückkehrt… unglaublich schön.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Küstenelfe freut sich an unseren leuchtenden Augen und gewährt uns drei Wünsche.

 

Küstenelfe von Skarðsvík

 

Vielleicht noch einen kleinen Vogel?
Den treffen wir beim Leuchtturm Öndverðarnes an.

 

Meerstrandläufer (Calidris maritima)

 

… und dann gerne noch ein Tor durch die Felsen?
Das gibt’s beim Leuchtturm Skálasnagi.

 

 

 

 

… und zum Schluss bitte noch eine Wunderblume!
Auch diese finden wir bei Skálasnagi.

 

„Federblume“

 

Vielen Dank, liebe Elfe. Nun sind wir wunschlos glücklich und fahren zurück nach Malarrif.

Inzwischen haben sich auch die letzten Wolken verzogen und der Snæfellsjökull (Schneeberggletscher) zeigt sich in seiner ganzen Pracht.

 

Snæfellsjökull

 

Von Süden her sieht man eindrücklich, dass der Snæfellsjökull ein Vulkan ist. Die erstarrten Lavaströme lassen die Kraft erahnen, die auch heute noch im Erdinnern schlummert.

 

Erstarrte Lavaströme am Snæfellsjökull

 

Zum Glück ist die Höhle von Vatnshellir bereits geschlossen. Ein eindrücklicher Tag neigt sich dem Ende zu und wir könnten kaum weitere Bilder aufnehmen.
Unsere Batterien sind leer, wir sozusagen nur noch ein Schatten unserer selbst.

 

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Über den Jökulháls

26. Juli 2017

Bereits am frühen Morgen ist der Himmel wolkenlos blau. In Arnarstapi betrachtet sich eine junge Küstenseeschwalbe von allen Seiten in einer Wasserlache.

 

„Wer ist die Schönste im ganzen Land?“

 

Auf dem Weg zur Steilküste von Arnarstapi treffen wir zufälligerweise Bekannte, die im Winter 2015/16 ihren Urlaub in Sorsele, Schwedisch-Lappland verbrachten. Angeregt plaudern wir zusammen und tauschen schöne Erinnerungen an den hohen Norden, Erlebnisse mit den Schlittenhunden und Neuigkeiten aus. Sonja, Stefan und Janina, es war nett euch wieder zu sehen!

Hier der Link zu unserem Winter in Schwedisch-Lappland:

Die Küste ist sehr eindrücklich. Wanderwege führen zu zerklüfteten Basaltfelsen, Höhlen und Steintoren.

 

 

 

 

 

 

 

Gatklettur

 

 

Miðgjá

 

 

 

Ein kleiner See scheint das Badezimmer der Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla) zu sein. Wir studieren an ihnen, wie man sich ohne Hände wäscht. Tauchen ist wichtig … und Wasser abschütteln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute scheint der Tag der Tage zu sein. Am Himmel ist keine Wolke zu sehen. Will das isländische Wetter uns entschädigen für die nasskalten Wochen zu Beginn unseres Aufenthalts?
Wie dem auch sei, wir beschliessen ein drittes Mal, diesmal ohne Nebelbegleitung, über den Pass Jökulháls zu fahren.

Zuerst ein Abstecher zur Schlucht von Rauðfedargja, das liegt bei dem stabilen Wetter drin.
Viele Leute pilgern vom Parkplatz zu der schmalen Spalte in der Felswand.

 

Zugang zur Schlucht von Rauðfedargja

 

Die Schlucht ist sehr eng und überhaupt nicht ausgebaut. Man kraxelt über Steine und Felsen in einem Bachbett. Bald schon trennt ein kleiner Wasserfall die Spreu vom Weizen und nur wenige wagen sich weiter in den Berg hinein. Von denen kehren die Meisten total durchnässt zurück.
Annette klettert barfuss weiter und kommt relativ trocken zurück – bravo, gut gemacht!

 

Annette in der Schlucht Rauðfedargja

 

Doch nun geht es zum ersten Mal bei Sonnenschein über den Jökulháls.
Bereits vor dem Pass begeistert uns ein kleiner Bach, der sich seinen Weg durch die Felsen gebahnt hat.

 

 

Wir bestaunen all die kleinen Schönheiten neben dem Wasserlauf.

 

Stein auf Sandbett

 

 

Dekorative Flechten

 

Wir vergnügen uns wie Kinder an dem Rinnsal, lassen Bimssteine den Bach hinunter schwimmen und versuchen vorherzusagen, welchen Weg sie nehmen, über welchen der kleinen Wasserfälle sie weiter unten hinuntergeschwemmt werden.
Die schwimmenden Steine zeigen uns wie die Strömung verläuft, wo es zügig voran geht, aber auch wo es Gegenströmungen gibt.

 

Schwimmender Bimsstein

 

Spannend ist es auch zu sehen, wie unterschiedlich das Wasser über und um die Steine fliesst.

 

 

 

 

Ein Stück weiter oben ergründet Annette die Unterwelt. Sie zwängt sich durch ein kleines Loch im Felsen und verschwindet im Boden.

 

 

Sie dringt zwar nicht gerade bis zum Magma vor, aber immerhin zum Bach, der hier unterirdisch verläuft.

 

 

Beat befürchtet, dass sie sich zwischen den Felsen verkeilt, doch Annette beruhigt ihn: „Spätestens das nächste Hochwasser wird mich wieder herausspülen.“

Wenn man die stabile Schönwetterlage betrachtet, kein grosser Trost.

 

Annette in der Unterwelt am Styx?

 

Aber irgendwie schafft sie es doch wieder aus der Unterwelt aufzutauchen und die Fahrt über den Pass geht weiter.

Die Gegend ist gewaltig. Riesige Geröllfelder und markante Vulkankegel bilden eine wüstenartige Landschaft.

 

 

 

 

Ein Riese scheint sich den Tindfell als Kopfkissen ausgesucht zu haben.

 

 

 

 

Die Strasse führt am Gletscher Snæfellsjökull vorbei.

 

Snæfellsjökull

 

Einige Schneefelder wehren sich bis jetzt erfolgreich gegen den Sommer und hoffen auf einen frühen Wintereinbruch.

 

 

Auch der Wind trägt zur Erosion bei und schleift beharrlich an den Felsen.

 

Winderosion

 

Flechten und Moose setzen sich an den Steinen fest.

 

 

 

 

 

 

Wir übernachten ein drittes Mal auf dem schönen Platz am Meer bei Bularidshöfði.
Die korpulente Frau, die hier mehrmals täglich ihr kleines Hündchen Gassi führt, begrüsst uns bereits wie alte Bekannte.

Wir sind definitiv in Island angekommen!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Buðir

27. Juli 2017

Heute besuchen wir die Lavafelder und die Küste von Buðir.

 

Küste von Buðir

 

Vor der kleinen schwarzen Kapelle flattert die isländische Fahne im Wind. Hier findet der Apéro einer asiatischen Hochzeitsgesellschaft statt.

 

Isländische Fahne

 

Danach fahren wir nach Ytritunga. Leider ist dort das Übernachten verboten. Deshalb drehen wir um und bleiben auf dem Parkplatz beim Wasserfall von Bjarnarfoss.

 

Bjarnarfoss

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Ringlava-Krater Eldborg

28. Juli 2017

Von Snorrastaðir aus wandern wir zum Ringlava-Krater Eldborg (Feuerburg). Der Weg dahin ist sehr schön angelegt. Auf dem Kraterrand machen uns die heftige Windböen zu schaffen, die uns vom Grat hinunterpusten wollen.

 

Ringlava-Krater Eldborg

 

 

Annette auf dem Kraterrand

 

 

Blick vom Eldborg auf den „kleinen Bruder“

 

Der Eldborg gilt als ausserordentlich schönes Beispiel für die regelmässige Form eines Schlackenkegel-Vulkans.
Lavasteine haben die unterschiedlichsten Farben und Formen. Hier entdecken wir eine graue Version voller Poren.

 

Lavastein

 

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz finden wir einen hübschen Hot Pot, der wohl ganz neu durch eine Strasse erschlossen wurde. Durch ein grosses Rohr fliesst das heisse Wasser in einen natürlichen See. Die Wassertemperatur im ersten Becken beträgt 47°C. Die Temperatur des Zuflusses können wir leider nicht messen, da die Skala unseres Thermometers lediglich bis 60° C reicht.
Wir lassen uns weichkochen.

 

Heisse Quellen von Landbrotalaug

 

Diese Nacht bleiben wir auf dem Parkplatz nebenan.
Von hier aus sieht man zwei Vulkankrater, die sich rot vom Hintergrund abheben.

 

Zwei hübsche Krater vor dem Kolbeinsstaðafjall

 

Link zur Wanderung zum Ringlava-Krater Eldborg: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Landbrotalaug Hot Springs

29. Juli 2017

Am Morgen entdecken wir einen weiteren natürlichen Hot Pot. Dieser ist so einzigartig, dass es sogar unsere Kamera samt dem Stativ umhaut! Oder war es eine Windböe?
Egal, wir geniessen noch vor dem Frühstück das Bad bei 39 °C in diesem intimen Hot Pot mitten in freier Natur.
Ein unglaubliches Erlebnis!

 

Kleiner Hot Pot von Landbrotalaug

 

Später fahren wir weiter nach Borgarnes. Die Landschaft unterwegs ist eher langweilig flach, dafür bilden die Wolken am Himmel immer neue Muster.

 

Faszinierende Wolkenbilder bei Snorrastaðir

 

In Borgarnes verweilen wir nur kurz. Wir wollen das schöne Wetter nutzen, um morgen mit unserem NOBIS ins Hinterland zu fahren.
Borgarnes und sein Landnahme-Zentrum werden wir später besuchen. Aber die markante Skulptur hinter dem Museum ist bereits heute einen Blick wert.

 

Brák von Bjarni Þor Bjarnason

 

Danach fahren wir etwas zurück auf den Parkplatz einer kleinen Kapelle, den wir im Vorbeifahren entdeckt haben.
Der Blick von unserem Übernachtungsplatz auf Borgarnes und die Berge ist wunderschön.

 

Borgarnes mit Hafnarfjall

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Puh, ist heute wieder etwas los!

30. Juli 2017

Am Morgen besucht uns die Pfarrerin, die gleich neben der Kapelle wohnt. Sie ist gar nicht begeistert, dass wir hier übernachtet haben. Dies sei ein Parkplatz und sie hätten um 11:00 Uhr eine Messe und erwarteten viele Besucher.
Annette versichert ihr, dass wir gleich aufbrechen werden.

Auf unserer Fahrt zum Hraunfossar entdecken wir etwas zum Schmunzeln und etwas Trauriges.
Wir haben bereits als Kinder gelernt, dass man nicht fluchen darf … doch was sehen wir nun gross auf einen Reisebus geschrieben?

 

Das isländische -H- wird wie -ch- ausgesprochen.

 

Auf einer Wiese sehen wir dermassen hochgezüchtete Kühe, dass ihre Euter beinahe den Boden berühren.
Milchleistung statt Tierwohl. Auch Landwirte können Tierquäler sein.
Solche Kühe sind bereits nach wenigen Jahren ausgelaugt und werden dann geschlachtet.

 

Überzüchtete Kuh

 

Aber das gibt es ja auch bei uns Menschen: Leistung statt menschenwürdige Arbeit. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass wir bei einem Burn-out nicht geschlachtet werden.
Oder … noch nicht?

Mit solchen Gedanken fahren wir weiter zum Hraunfossar.
Das Wasser tritt bei den „Lavawasserfällen“ auf einer Länge von etwa einem Kilometer an unzähligen Stellen aus der Uferwand.

 

Hraunfossar

 

 

 

Neben diesen vielen Wasserfällen findet man die verschiedensten Lavasteinformationen.

 

Lavafels

Lavafels

 

 

 

 

 

 

Ebenfalls sehenswert sind die vielen aufgemotzten Allradfahrzeuge, in denen Touristen durch das Hinterland gekarrt werden.

 

Nicht tiefer- sondern höhergelegt ist auf Island Mode

 

Natürlich müssen so teure Fahrzeuge nach ihrem Ausflug in die Wildnis auch wieder gewaschen werden. Dazu gibt es an jeder Tankstelle eine Waschstation, wo man die Offroader wieder vom Schmutz befreien kann.

Wenn am Ende einer Schotterpiste gerade keine Tankstelle steht, genügt auch eine Waschanlage auf einem Kiesplatz irgendwo im Nirgendwo.

 

Autowasch-Station im Niemandsland

 

Wir fahren weiter zum Canyon der Geitá, der an der Kaldidalur-Strasse liegt, die wir morgen befahren wollen.
Das graue Wasser brodelt durch den felsigen Canyon und füllt ihn beinahe aus.

 

Canyon der Geitá

 

Danach geht’s wieder ein paar Kilometer zurück zu unserem Übernachtungsplatz, den Annette zufälligerweise entdeckt hat.
Wir fahren durch jungen Wald bis der Weg vor einem Lavafeld endet.

 

Tunga

 

Hier im Húsafellsskógur schlafen wir ungestört.

 

Húsafellsskógur

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Langjökull und Þingvellir

31. Juli 2017

Am Morgen verlassen wir diesen Übernachtungsplatz, der mitten im schroffen Lavagestein liegt.

 

Flechten auf Lavafelsen

 

Wir wagen uns mit unserem NOBIS auf die Hochland-Route des Kaldidalur mit Abstecher zum Gletscher Langjökull.
Der Weg führt durch eine Steinwüste. Der Fluss Geitá kündet mit weisser Gletschermilch den Langjökull an.

 

Geitá

 

Der Langjökull (mit 953 km2 der zweitgrösste Gletscher Islands) wird touristisch vermarktet. Mit 8-Wheel-Drive-Monster-Trucks werden Besucher auf den Gletscher zu einer Eishöhle gekarrt.
Wir mögen es lieber ruhig und beschaulich. Deshalb freuen wir uns zum Beispiel an der alten Baracke unterhalb des Eisstromes.

 

Baracke am Langjökull

 

Dann wandern wir ein Stück weit den Gletscher hinauf.

 

Annette am Fusse des Langjökull

 

Wir bestaunen die Spalten abseits der Piste …

 

Gletscherspalten

 

…und die vielen Kleinigkeiten gleich nebenan.

 

Wasser findet immer einen Weg.

 

Kleiner Eisberg bestreut mit Lavasand

 

Eis auf Lavafels

 

Annette findet einen Eisberg.

 

Nach diesem Ausflug geht es zurück auf die Kaldidalur-Route.

 

Ein letzter Blick zurück auf den Langjökull

 

Das Hochland ist unglaublich karg. Nur an wenigen Stellen können sich Moose oder Flechten festsetzen.

 

Litla Björnsfell, Stóra Björnsfell

 

In Þingvellir spazieren wir der berühmten interkontinentalen Spalte entlang. Diese trennt die eurasische von der nordamerikanischen Kontinentalplatte. Beide driften pro Jahr rund zwei Zentimeter auseinander.

 

Spalte zwischen der eurasischen und nordamerikanischen Kontinentalplatte

 

Über den Öxaráfoss fällt das Wasser in dieses Tal.

 

Öxaráfoss

 

Im Visitor Center schauen wir uns einige Videos zu Geologie und Geschichte des Ortes an.

In Þingvellir, der „Ebene der Volksversammlung“, einem natürlichen Amphitheater, wurde seit dem Jahre 930 alljährlich im Sommer eine zweiwöchige Versammlung der 48 Goden (Häuptlinge) Islands abgehalten. Dabei wurden die geltenden Gesetze verkündet und Gerichtsurteile gefällt. Am Alþing durfte jeder teilnehmen und alle freien Bauern hatten das Recht dort zu sprechen. Es handelt sich also um eines der ältesten Parlamente der Welt, nach der griechischen und römischen Antike.
Neben den offiziellen Veranstaltungen gab es Jahrmarktbuden, es wurden Ehen gestiftet, Wettkämpfe durchgeführt und allerlei Handwerk feilgeboten. Im Jahre 1000 wurde in diesem Freiluftparlament die Christianisierung beschlossen, bezeichnenderweise ging dies ohne Blutvergiessen vor sich.
1768 wurde das Alþing von den Dänen aufgelöst. Im Bewusstsein der Isländer blieb die Bedeutung des Ortes aber lebendig. Die Unabhängigkeit Islands 1944 wurde hier feierlich verkündet.
Seit 1930 ist die Region als Naturpark geschützt und wurde 2004 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Wichtige Jahrestage werden bis heute an diesem symbolträchtigen Ort festlich begangen.

 

Þingvallavatn, der grösste natürliche See Islands

 

 

Kirche von Þingvellir

 

 

 

Graugans (Anser anser)

 

Link zur Wanderung in Þingvellir:

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Geysir und Gullfoss

1. August 2017

Wir besuchen den weltberühmten Geysir … und sind enttäuscht. Was – so klein ist der?
Ach nein, das ist ja nur der kleine Bruder. Der spritzt nicht so hoch, dafür viel fleissiger.

 

Kleiner Geysir

 

Wir beobachten den Strokkur bei seinen wechselnden Eruptionen: mal sind sie nur wenige Meter, manchmal spritzt das Wasser 10-15 Meter hoch. Alle 5 bis 10 Min. erfolgt ein Ausbruch. Die Explosionen kündigen sich nicht an, das Wasser im Loch wallt und wabert und blubbert ständig vor sich hin, ein Schauspiel für sich.

Touristen werden massenweise in Reisebussen angekarrt. Die Ärmsten haben dann nur beschränkt Zeit, was zum verzweifelten Ausruf einer deutschen Besucherin führt: „Wir müssen gleich wieder los! Nun mach doch mal was, hopphopp!!“

 

Strokkur, Touristenattraktion erster Güte

 

 

Strokkur in Aktion

 

Uns fasziniert vor allem die Phase kurz vor der Eruption. Es bildet sich eine grosse, hellblaue Halbkugel, aus der die Wasserfontäne hoch schiesst.

 

Strokkur unmittelbar vor dem Ausbruch

 

 

Die Blase bricht auf, das Wasser schiesst in die Höhe.

 

Für alle, die genauer wissen wollen, wie das Wasser dazu kommt, in die Luft zu springen, hier die Erklärung von Wikipedia:

„Springquellen, die Geysire genannt werden, entstehen, wenn sie einen verhältnismäßig engen Eruptionskanal haben. Durch Magma aufgeheiztes Sickerwasser wird aufgrund des Drucks der Wassersäule im Eruptionskanal auf weit über 100 °C aufgeheizt ohne zu kochen. Einzelne Blasen steigen auf, und pressen einen Teil des Wassers heraus. Dadurch fällt der Druck ab und das überhitzte Wasser verwandelt sich schlagartig in Wasserdampf, der das noch übrige flüssige Wasser nach oben durch die Spalte presst.“

Nachdem wir uns sattgesehen haben an dem Wasser, das in die Luft geschleudert wird, wollen wir Wasser sehen, das über Felsen hinunterfällt.
Wir fahren zum Gullfoss.

Sonne und Wind stehen günstig und so wird das Spektakel zusätzlich mit einem Regenbogen verziert.

 

Gullfoss

 

Die Wassermassen stürzen über zwei Stufen, die etwa rechtwinklig zueinander stehen. Und verschwinden in eine schmale Schlucht.
Auch auf dem offiziellen Weg zur Felsnase am oberen Katarakt wird man unweigerlich geduscht. Es fällt auf, dass vor allem kleine Jungen viel nasser werden als alle anderen. Woran das wohl liegen mag? 😉

 

Regenbogen über dem Gulfoss

 

 

Untere Stufe des Gullfoss

 

Auch Buddha scheint den Weg hierher gefunden zu haben. Ruhig sitzt er da und meditiert.

 

Buddha am Gullfoss?

 

Nur wenige Kilometer weiter finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz weitab der Touristenströme.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auf ins Kerlingarfjöll

2. August 2017

Das Wetter treibt uns nicht zur Eile. Der Himmel ist bedeckt und wir erkunden erst mal die nähere Umgebung, bevor wir losfahren.
Die Natur hat für uns ein Blumenarrangement auf die Felsbrocken gelegt. Vielen Dank.

 

Natürliches Blumenarrangement

 

Der Himmel klart immer mehr auf und wir machen uns auf den Weg Richtung Kerlingarfjöll.
Die karge Landschaft im Hinterland Islands ist faszinierend.

 

Bláfell

 

Wo immer möglich versuchen Pflanzen die Steinwüste zu erobern.
Auf den Moosen bilden sich dekorative Wasserperlen.

 

 

 

 

Eine Pflanze macht uns mit ihren roten Blättern klar, dass der kurze Island-Sommer bald zu Ende ist. Heute ist der 2. August!

 

Erstes Anzeichen des Herbstes

 

Eine Gletscherzunge des Norðurjökull, reicht bis zum See Hvíarvatn.

 

Norðurjökull mit Hvíarvatn

 

Wir folgen der staubigen Schotterpiste.

 

 

 

 

Unvermittelt tut sich eine grüne Oase auf. Wir stehen vor dem Campingplatz Ásgarður.

 

Campingplatz Ásgarður

 

Doch unser Ziel ist das Kerlingarfjöll.
Wir fahren deshalb weiter bergauf. Souverän meistert unser NOBIS zwei knackige Steigungen mit vielen Schlaglöchern. Er ist jedoch froh, dass er die steilen Wegstücke mit etwas Schwung angehen darf.

Dann sind wir da. Die Aussicht auf das Hochtemperaturgebiet ist bereits vom Parkplatz aus atemberaubend. Eine märchenhafte Landschaft breitet sich zu unseren Füssen aus.

 

Kerlingarfjöll

 

Eine Wanderung führt uns durch die Hügellandschaft, vorbei an zischenden Steinen, kochenden Löchern, grauen Schlammquellen, stinkenden „Blubberis“, murmelnden Schmelzwasserbächen und schwefligen Dampfschwaden.

Wir sind sprachlos …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Obsidian (vulkanisches Glas)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… ein letzter Blick auf die Rhyolith-Berge des Kerlingarfjölls

 

Erschlagen von so vielen wunderbaren Eindrücken bleiben wir mit unser Wohnmobil über Nacht auf dem Parkplatz.

Link zur Wanderung im Kerlingarfjöll: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Baden in der Schlucht Ásgarðarsá

3. August 2017

Am Morgen erwachen wir mit dem leichten Schwefelduft in der Nase, der nach faulen Eiern riecht.
Die Bilder von gestern werden wieder wach. Unglaublich, was wir hier auf Island alles sehen und erleben dürfen.

Der Nebel draussen löst sich langsam auf, während wir frühstücken. So können wir beobachten, wie sich die braunen Berghügel ihrer Nachthemden entledigen und nach und nach wieder auftauchen.

 

Unser NOBIS im Kerlingarfjöll

 

Später wandert Annette hinunter zu Campingplatz und Beat fährt unser rollendes Haus zum dazugehörigen Parkplatz. Dann machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum Hot Pot, der etwa eine Stunde entfernt in der Schlucht Ásgarðarsá liegen soll.

Angeführt von einigen Reitern zieht eine Karawane mit 35 Pferden über die Hügel. Sind wir im wilden Westen?

 

Isländische „Pferdekarawane“

 

Der Weg führt an der Heisswasserfassung für den Campingplatz vorbei. Das austretende Wasser scheint sehr nährstoffreich zu sein. Viele bunte Algen wachsen in der Pfütze mit warmem Thermalwasser.

 

 

Das Wollgras weiter hinten mag’s lieber kühl. Es breitet sich auf einer moosigen Fläche aus.

 

 

Und dann kommt der erste Höhepunkt!
Aus einem grossen, rostroten Felsen am Weg spritzt frisches Quellwasser aus einem kleinen Loch.

 

Kleine Quelle im Fels

 

Nach einer weiteren halben Stunde sind wir am Hot Pot. Wunderschön liegt dieser in der Schlucht, direkt neben dem Bach.

 

Hot Pot am Ásgarðarsá

 

Das warme Wasser wird gefasst und quillt aus einem löchrigen Rohr in den Pool.
Nach einiger Zeit verlassen die anderen Badegäste diese Idylle und wir haben den einzigartigen Ort für uns alleine.

 

Annette unter der „Dusche“

 

Kurz bevor uns Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen wachsen, wandern wir zurück zu unserem Wohnmobil.

Wir verlassen diese eindrückliche Gegend und fahren weiter unten durch eine (für uns) vegetationslose Steinwüste. Einige genügsame Schafe scheinen hier aber doch noch etwas Fressbares zu finden.

 

Schafe in einer Wüste Islands

 

Immer wieder fliessen Bäche durch diese Steinlandschaft und sorgen dafür, dass anspruchslose Pflanzen wachsen können.

 

 

 

Arktisches Weidenröschen (Epilobium latifolium)

 

Am Blöndulón-See finden wir einmal mehr einen schönen, ruhigen Übernachtungsplatz, inmitten freier Natur.

Link zu Annettes Wanderung vom Kerlingarfjöll hinunter zum Campingplatz: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zum Spaziergang zum Hot Spot: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Zurück ins Grüne

4. August 2017

Unser Weg führt uns wieder zurück in bewohnte Gegenden.
Bei Galtaból zieht ein scheuer Eistaucher seine Runden. Der schwarzweiss gefleckte Taucher schwimmt gemächlich auf die andere Seite des Gewässers, als Beat sich mit der Kamera nähert.

Eistaucher brüten in Europa nur in Island. Sie sind nicht im Stande zu gehen. Sie kommen nur zum Brüten an Land und rutschen dann auf dem Bauch zum Nest und zurück ins Wasser.

 

Eistaucher (Gavia immer)

 

Nach den Tagen in der steinigen Einöde geniessen wir das grüne Flusstal der Blanda.

 

Flusstal Blanda

 

Mäandrierend zieht die Blanda ihre Spur über den Talboden.

 

Blanda

 

Eine Familie Singschwäne lässt sich den Fluss hinunter treiben.

 

Singschwäne (Cygnus cygnus)

 

Am Strassenrand blüht ein riesiges Feld Sumpf-Vergissmeinnicht.

 

Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides )

 

Ausserhalb von Ólafslundur stellen wir uns auf den Parkplatz, auf dem wir bereits früher einmal übernachtet haben.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auszeit in Hvammstangi

5. – 8. August 2017

Wir sind voller Eindrücke der fantastischen letzten Tage und brauchen eine Auszeit, um alles zu verarbeiten. Auch die schmutzige Wäsche will gewaschen sein und die Veröffentlichung eines neuen Blogbeitrags drängt sich auf.

Wir fahren deshalb auf den Campingplatz in Hvammstangi. Von einem früheren Besuch wissen wir, dass hier die Infrastruktur für unsere Bedürfnisse vorhanden ist.

 

Wäsche trocknen im Grillhaus

 

Link zur Strecke vom 5. August 2017:

 

 

Krater von Grábrók

9. August 2017

Wir fahren an den Kratern von Grábrók vorbei nach Borgarnes.

 

Ein Krater von Grábrók

 

Anschliessend kurven wir kreuz und quer durch die Gegend, bis wir einen Übernachtungsplatz gefunden haben, da unsere Favoriten auf der Karte in der Realität alle durch Tore versperrt sind.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Islandpferde

10. August 2017

Nach einer sehr angenehmen Nacht fahren wir zurück nach Borgarnes und kaufen in einer Bäckerei frische Brötchen zum Frühstück.

 

Boot in einer Bucht von Borgarnes

 

Im Landnahmezentrum informieren wir uns über die Besiedlungszeit Islands. Das Museum ist spannend aufgebaut und in Ton, Bildern und Filmen umgesetzt. Über den Audio-Guide ist es möglich die Ausstellung in deutscher Sprache (mit dezentem isländischen Akzent) zu erleben.
Gleich anschliessend lassen wir uns die blutrünstige Egils Saga erzählen. Die Szenen dazu sind stimmig durch Holzfiguren und „Holzrelief-Bilder“ dargestellt.

Danach fahren wir durch eine Schwemmlandschaft mit unzähligen vorgelagerten Schären Richtung Insel Hjörsey.
Wir finden einen schönen Übernachtungsplatz, direkt am Meer. Einzig einige Pferde scheinen hier zu leben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaum haben wir das Geschirr vom Abendessen gespült, fährt ein Bauer in einem Geländewagen heran. Er schickt seinen Border Collie los und treibt die Pferde zurück.
Freundlich, aber bestimmt fordert er uns auf wegzufahren. Das sei kein Campingplatz und er müsse das Tor weiter vorne schliessen, damit die Pferde nicht mehr ausreissen können.
Wir leisten selbstverständlich sofort Folge. Er winkt uns beim Wegfahren zu, scheint also nicht verärgert zu sein.

Wir fahren ein paar Kilometer weiter und finden doch noch einen ruhigen Platz.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wanderung auf den Háihnjúkur

11. August 2017

Wir landen in Akranes. Für wenig Geld kann man die Foto-Ausstellung im Leuchtturm besichtigen und auf die Plattform hinauf steigen.

Von oben geniessen wir die Rundsicht und beobachten weit unter uns ein amüsantes Fotoshooting.

 

Gelber Mann fotografiert Freundin vor Leuchtturm

 

Auf dem Weg zum alten Leuchtturm fallen uns viele Schalen von Seeigeln auf. Die Felsplatten hier scheinen als „Seeigel-Knacker“ für die Vögel zu dienen.

 

Schale eines Seeigels

 

Zurück auf dem Parkplatz sehen wir im Rückspiegel ein Auto. Da dies aber nicht unser Spiegel ist, fahren wir trotzdem los… 🙂

 

 

… und stoppen erst wieder am Ausgangspunkt der Wanderung auf den Háihnjúkur.
Der Weg führt kontinuierlich bergan und ist sehr angenehm zu gehen. Einzig an einer Stelle kurz nach dem Start ist eine kleine Kletterpartie über die Felsen erforderlich.

 

Teichlandschaft und Akranes

 

Im oberen Teil wandert man dem Grat entlang und geniesst die Aussicht auf das Meer. Man sieht sogar bis Reykjavik.

 

Háihnjúkur

 

 

Fruchtbare Ebene am Fusse des Háihnjúkur

 

Der nette Herr vom Informations-Zentrum hat heute Morgen erwähnt, dass es in dieser Nacht mit grosser Wahrscheinlichkeit Nordlichter über Akranes geben werde.
Nordlichter im Sommer, das wollen wir uns nicht entgehen lassen und legen uns deshalb um Mitternacht bei den Leuchttürmen auf die Lauer.
Leider bedeckt sich der Himmel immer mehr und die Aurora Borealis finden, wenn überhaupt, für uns nicht sichtbar über den Wolken statt.
Um 1:00 Uhr geben wir auf und fahren zurück zu „unserem“ Wanderparkplatz, wo wir eine ruhige Nacht verbringen.

Link zur Wanderung auf den Háihnjúkur: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wanderung um den zweithöchsten Wasserfall Islands

12. August 2017

In Akranes schaut beim Campingplatz ein kühles Pärchen aufs Meer hinaus und beim Alters- und Pflegeheim hat es ein Felsbrocken auf die Spitzen getrieben.

Ja, solche Sachen entdeckt man in Island!

 

Skulptur beim Campingplatz Akranes

 

„Grettistak“ von Mágnus Tómasson

 

Gemäss der Infotafel gestaltete der isländische Künstler Mágnus Tómasson diese Skulptur zu Ehren der Vorfahren, die Island mit blossen Händen aufbauten.

Die Anlage des Altersheims ist sehr gepflegt. Trotzdem hat es auch Platz für dekorative wildwachsende Kräuter, die bei uns die Vorsilbe „Un-“ tragen.

 

Garten-Mittagsblume (Dorotheanthus bellidiformis)

 

(Un-?) Kraut

 

Heute wollen wir zu Fuss den Wasserfall Glymur, den zweithöchsten Wasserfall Islands umrunden.
Das Abenteuer beginnt bereits kurz nach dem Start. Der Weg führt durch eine Höhle …

 

Þvottahellir-Höhle

 

… und kurz darauf über den Bach, zuerst über Steine und dann auf einem Baumstamm. Zur Hilfe ist ein Stahlseil gespannt. Dieses muss man beim Wechsel von Stein auf Holz unterqueren, was einige Wanderer das Gleichgewicht verlieren lässt. Diese müssen dann bereits den steilen Aufstieg mit nassen Füssen antreten.

 

Annette auf der „Brücke“

 

Der Himmel verdunkelt sich immer mehr und es beginnt zu regnen. Was nun? – Umkehren oder weiterwandern? Wir warten erst mal ab und schon bald sehen wir durch den Regenschleier, dass über dem Meer wieder die Sonne scheint.

 

Die Regenfront zieht über uns hinweg.

 

Und wirklich, die Regenfront wandert wie wir Richtung Berg, aber zu unserem Glück viel schneller.
Bald schon stehen wir wieder in der Sonne und setzen unsere Wanderung fort.

Der Pfad führt zum Teil der Felskante entlang. Durch diese nicht ungefährliche Wegführung erhält man spektakuläre Sicht in die schmale Schlucht und den Glymur.

 

Glymur

 

Einige Raben warten geduldig auf einem Felsvorsprung. Hoffen sie auf unvorsichtige Wanderer, die abstürzen?

 

Kolkrabe (Corvus corvax)

 

Oberhalb des Glymur liegt eine riesige Hochebene.
Nun hat man die Wahl: Entweder man geht denselben Weg wieder zurück oder man furtet den eiskalten Bergbach, der hier sehr breit, dafür aber seicht ist.

 

Botnsá

 

Wir entschliessen uns (welch Überraschung! 😉 ) für die zweite Variante. Annette zieht Schuhe und Socken aus und geht unerschrocken voraus.

 

Annette watet durch den Botnsá

 

Mit leichtem Schaudern blicken wir auf die Wasserkante. Von hier geht es in freiem Fall 190 Meter in die Tiefe.

 

 

 

 

Kurz vor dem Talboden entdecken wir eine Basaltformation, die an eine Zipfelmütze erinnert.

 

„Zipfelmütze“ aus Basalt

 

Nach drei Stunden kommen wir wieder am Ausgangspunkt an. Diese Wanderung ist eine der schönsten, die wir auf Island unternommen haben.

Übernachten ist auf dem Wanderparkplatz verboten, doch weiter talauswärts werden wir fündig.

Link zur Wanderung um den Glymur: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Rekognoszieren für unseren Ausflug nach Reykjavík

13. August 2017

Wir möchten Reykjavík besuchen.
In einem Touristen- Informationszentrum wurde uns davon abgeraten mit dem Wohnmobil in die Stadt zu fahren. Es sei kaum möglich einen freien Parkplatz zu ergattern.
Deshalb suchen wir eine Busstation etwas ausserhalb, wo wir unseren NOBIS tagsüber stehen lassen können.
In Mjódd werden wir fündig.

Für heute ist es jedoch zu spät und wir fahren wieder aus dem Vorort ins Grüne. Dabei entdecken wir in Rauðhólar einen kleinen Park mit den verschiedensten Lavaformationen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Heiðmörk, einem Naherholungsgebiet der Hauptstadt mit viel Wald und noch mehr Spazierwegen, finden wir für diese Nacht einen Picknickplatz mit Schaukel.

Kurz nach uns fährt ein junger Hippie mit seinem Fahrrad vor. Er grüsst so freundlich wie sonst noch keiner hier in Island. Dann setzt er sich auf die Kinderschaukel, stösst sich kräftig ab und singt laut (und falsch) zur Musik, die ihm aus seinem i-Pod in die Ohren dröhnt. Was der wohl genommen hat?!?

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Campingplatz Sandgerði

14. / 15. August 2017

Da das Wetter wieder einmal auf Regen setzt, verbringen wir die nächsten zwei Tage auf dem Campingplatz in Sandgerði.
Dort trifft Annette Brigitte und Sigmar. Sie empfehlen ihr mit dem Wohnmobil nach Reykjavík zu fahren. Am alten Hafen gebe es einen grossen Kiesplatz, wo parken gratis sei.

Link zur Strecke vom 14. August 2017:

 

 

Halbinsel Reykjanes

16. August 2017

Endlich scheint wieder einmal die Sonne. Da das die nächsten Tage so bleiben soll, nehmen wir es gemütlich. Wir verschieben den Besuch von Reykjavík um einen weiteren Tag und erkunden erst mal die Halbinsel Reykjanes.

In Garðskagi fühlen wir uns in die Südsee versetzt. Nicht wegen den Temperaturen, aber wegen dem weissen Sandstrand, der zum Flanieren einlädt.