Kameliden-Eventhof Kisselmühle

 

Lamas, Alpakas und vieles mehr …

7. – 16. Mai 2018

Seit gestern Abend sind wir hier in der Kisselmühle, ca. 20 km westlich von Wiesbaden.

Wir haben uns über workaway.info auf dem Kameliden-Eventhof angemeldet und wollen hier zwei Wochen lang arbeiten.

Aufmerksam werden wir Neulinge von den Alpakas und Lamas gemustert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Alexandra und Frank heissen uns herzlich willkommen.
Die Kisselmühle ist eine der grössten Lama- und Alpaka-Zuchtfarmen Deutschlands. Hauptangebot sind Trekkings mit den verschiedenen Kameliden. Auch Geburtstagsfeiern für Gross und Klein, Teambildungs-Events oder tiergestützte Aktivitäten können gebucht werden. Sogar Sachkundekurse für (zukünftige) Tierhalter werden angeboten.
Katharina und Benjamin unterstützen ihre Eltern mit viel Engagement. Obwohl sie beide mitten in ihrer Ausbildung stecken, dauert es nach ihrer Rückkehr nach Hause jeweils keine zehn Minuten bis sie in Arbeitsklamotten in die Ställe eilen.
Zwei weitere Mitarbeiterinnen absolvieren hier ihr „Freiwilliges Ökologisches Jahr“.

Unsere Aufgabe ist es den riesigen Garten wieder in Schuss zu bringen. Der Frühling liess ihn überborden. Wir jäten, mähen, schneiden Schilf, Büsche und Hecken und entfernen Brennnesseln und Brombeerranken, die sich als Babys dazwischen versteckt haben und nun übermütig alles überwuchern.
Alexandra lässt uns schon bald freie Hand, ist aber bei Rückfragen bereitwillig zur Stelle. Alle sind begeistert davon, wie wir den Garten „wieder schön machen“. So macht das Arbeiten Spass!!

Auf dem Hof leben nicht nur Lamas und Alpakas, sondern auch Katzen, Hunde, Riesen Brahmahühner, Pferde, Rentiere, Kaninchen, Meerschweinchen, Hängebauchschweine, Stachelschweine, Kois, Emus, Bennet-Kängurus, Burenziegen, Pfauen, Papageien, Trampeltiere und Dromedare.
Hoffentlich haben wir niemanden vergessen.

Hier einige der Bewohner:

 

Blaue Pfau (Pavo cristatus)

 

 

Bennett-Känguru (Macropus rufogriseus)

 

 

Molly

 

Beat hat sich vor allem in die Dromedare (ein Höcker) und Trampeltiere (zwei Höcker) verliebt.

 

Trampeltiere (Camelus bactrianus )

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gelbbrustara (Ara ararauna)

 

 

Grünflügelara (Ara chloroptera )

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einige Male dürfen wir Trekkingtouren begleiten. Alexandra und Frank vertrauen uns auszubildende Lamas oder Alpakas an. Zu zweit führen wir diese noch scheuen Tiere an einer Kordel. Sie müssen lernen in der Kolonne und mit fremden Menschen zu gehen. Neues kann sie leicht erschrecken. Dann bocken sie und versuchen zu flüchten. Erst nach dreijähriger Ausbildung ist ein Lama so weit, dass es bedenkenlos von Touristen geführt werden kann.

 

 

 

 

Happy, einer unserer Azubis

 

 

 

Die grazilen Tiere dürfen nach der Tour wieder auf die Weide, wo sie zufrieden grasen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Liebling ist der eigenwillig gefärbte Phantom.

 

 

 

 

 

 

 

 

… nein, das ist kein adipöses Alpaka. Das junge Tier ist nur noch nicht geschoren worden.

Und was hat es nun mit dem berüchtigten Spucken der Lamas auf sich?
Wir haben zwischendurch mal beobachtet, dass ein Tier einen feinen Sprühnebel gegen ein anderes spuckt. Das soll heissen: „Hau ab!“ Gegen Menschen wird dieses Kommunikationsmittel aber nicht angewendet. Wahrscheinlich denken sich die Lamas: „Die verstehen das ja eh nicht!“.

Annette hilft dem Hufschmied, indem sie die Pferde aus dem Pferch holt und sie bei Laune hält, während sie neu beschlagen werden. Der Geduldsfaden ist bei den Tieren sehr unterschiedlich. 😉

 

Noemi und Annette

 

Auch die Kamele wollen gefüttert werden.

 

 

Auf dem Weg vom Haus zu den Stallungen entdeckt man zwischen den Bäumen Dachziegel, auf denen Sprüche stehen, die zum Nachdenken anregen.

 

Zum Thema Leben:

 

 

 

 

 

 

 

Zum Thema Paradox:

 

 

 

 

 

 

 

Zum Thema Zeit:

 

 

 

 

 

 

 

Zum Thema Logik versus Phantasie:

 

 

 

 

 

 

 

Zum Thema Stress:

 

 

 

 

 

 

Nicht nur exotische Tiere leben in der Kisselmühle, auch ein chinesischer Magnolienbaum erfreut mit seinen Blüten.

 

Yulan-Magnolie (Magnolia denudata)

 

Wir arbeiten, wie wir es mögen, zehn Tage am Stück ohne Freitage dazwischen, damit wir mehr Zeit haben für unsere Rückreise in die Schweiz.

Herzlichen Dank, Alexandra, Frank, Katharina und Benjamin, für die schöne Zeit, die wir hier verbringen durften. Euer Einsatz für eure Tiere hat uns tief beeindruckt!
Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und auch ab und zu ein wenig Zeit zum Verschnaufen.

Um viele Erfahrungen reicher und grosszügig beschenkt ziehen wir weiter.
Das kleine Lama ziert seither unseren NOBIS.

 

 

Für alle, die gerne einmal ein Lama- oder Kameltrekking erleben oder einen Geburtstag in der Kisselmühle feiern möchten oder … hier der Link:

www.kisselmuehle.de

Aber 8-tung: anmelden muss man sich Monate im Voraus, da das Interesse riesig ist!

PS: Die Kisselmühle liegt in Süddeutschland, westlich von Frankfurt am Main und Wiesbaden.

 

 

Von Lütjenburg zur Kisselmühle

 

Der Kühlschrank spinnt

3. Mai 2018

Unser Kühlschrank spinnt seit längerer Zeit. Nicht, dass er nicht mehr kühlen würde, im Gegenteil.
Er ist so verliebt in seine Tätigkeit, dass er nach dem Abschalten gleich wieder brummend aufstartet. Das wiederholt sich bis zu zehn Mal hintereinander.
Das nützt nichts, sondern nervt.
Deshalb wollen wir ihn morgen zur Firma Dometic bringen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Soest

4. Mai 2018

Wir liefern unseren Patienten in Emsdetten ab. Hier wird er das Wochenende auf dem Prüftisch verbringen und verschiedene Messungen über sich ergehen lassen müssen.
Wir dagegen nutzen das sonnige Frühlingswetter und sehen uns die Altstadt von Soest an.

Ein kleiner Exkurs für Phonetiker:
Das „e“ nach dem „o“ ist hier ein sogenanntes Dehnungs-e und nicht ein Umlaut-e. Die Stadt nennt sich somit [zo:st] und nicht [zœst] oder [zø:st]

Und für Historiker:
Früher gab es zehn Stadttore. Das Osthofentor (erbaut 1594 – 1603) ist das letzte noch erhaltene Tor der Hansestadt.

 

Osthofentor

 

Wir flanieren durch die Altstadt und bewundern die kunstvollen Riegelbauten.

 

 

 

 

 

Der Änderungsschneiderei „Flinke Nadel“ geben wir für den originellen Namen das Punktemaximum.

 

 

Wir treten durch die Pforte der Pfarrkirche St. Maria zur Wiese.

 

Pfarrkirche St. Maria zur Wiese in Soest

 

Berühmt ist die Wiesenkirche auch wegen des „Westfälischen Abendmahls“, das um 1500 entstand. Hier sitzt Jesus mit seinen Jüngern bei Bier, Schnaps, westfälischem Schinken, Schweinskopf und Pumpernickel am Tisch.

 

Kirchenfenster mit „Westfälischem Abendmahl“

 

Eigenwillig ist auch der Turmhelm der Kirche Alt-St. Thomä. Er ist krumm und stark nach Südwesten geneigt. Im Volksmund wird er „Schiefer Turm“ genannt.
Lange Zeit wurde angenommen, der Turm sei absichtlich gegen die Westwinde so errichtet worden.
Ein Gutachten aus dem Jahre 1984 nennt aber Fäulnis im Kehlgebälk als Hauptgrund. Das wird aber kaum zur Kenntnis genommen. Die alte Erklärung ist den Soestern und auch uns sympathischer.

 

„Schiefer Turm“ von Soest

 

Nach dieser spannenden Stadtbesichtigung fahren wir dem nahen Möhnsee entlang.

 

Möhnsee

 

Unterhalb von Hirschberg parken wir auf einem Wanderparkplatz und marschieren durch das Halle-Tal.
Wieder zurück bei unserem NOBIS bleiben wir über Nacht auf diesem ruhigen Platz.

Link zur Wanderung durch das Halle-Tal:

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Kunst am Bau

5. Mai 2018

Nach dem Frühstück schlendern wir durch Hirschberg, ein schmuckes, einladendes Dorf.
Eines der Häuser ist mit Eisenplastiken verziert.

 

Eiserne Sonnenblumen

 

 

Eiserne Rosen

 

Eiserne Raben hocken auf den Regenrinnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

In dieser Gegend sind viele Häuser nicht nur mit Schieferplatten gedeckt, sondern damit auch kunstvoll verkleidet.

 

Haus in Hirschberg …

 

 

… und in Bottenhorn

 

 

 

Eigentlich wollten wir Winterberg links liegen lassen und direkt zum Kahlen Asten fahren. Doch ein markantes eiförmiges Gebäude lässt uns unsere Meinung ändern.
Wir schlendern durch das Dorf und bestaunen das Hotel Oversum.

 

Hotel Oversum in Winterberg

 

 

 

Eine Gartenwirtschaft mit Sicht über die Hügel lockt. Wir geniessen zwei riesige Windbeutel mit Unmengen an Schlagsahne. Man gönnt sich ja sonst nichts!

Nun geht’s auf den Kahlen Asten. Der vielgepriesene Aussichtspunkt enttäuscht uns. Rundum sieht man lediglich flache Hügel.
Was das Panorama betrifft, sind wir Schweizer wohl etwas verwöhnt. 😉

 

Kahler Asten

 

Nicht, dass uns Wälder und Wiesen nicht gefallen würden, ganz im Gegenteil. Wir lieben die verschiedenen Grüntöne. Sie haben uns im Winter auf Griechenland gefehlt.
Heute lässt uns diese Szenerie sogar mehrmals stoppen.

 

 

 

 

 

Oberhalb von Bad Laasphe finden wir einmal mehr einen ruhigen Wanderparkplatz für die Nacht.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wandern um den Aartalsee

6. Mai 2018

In Niedereisenhausen fällt uns eine Werbetafel mit einem eigenartigen Angebot auf.

 

 

Manchmal ist es besser, wenn man sich das Ganze ansieht!

 

 

Beim Vorbeifahren haben wir das grosse „K“ nicht als Buchstaben wahrgenommen.

Wir sind auf dem Weg auf zum Eventhof Kisselmühle, wo wir zwei Wochen lang arbeiten wollen.
Bis zum Abend ist aber noch etwas Zeit und so legen wir am Aartalsee eine Pause ein.

 

Aartalsee

 

Natürlich muss der See von uns umwandert werden!

Ein Birnbaum steht in voller Pracht. Tausende von Insekten schwirren um seine Blüten.

 

Birne (Pyrus domestica L.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Stausee liegt wunderbar eingebettet in sanfte Hügel.

 

 

Unzählige Ausflügler trifft man heute am und auf dem Wasser.

 

 

 

 

 

Eine Landschildkröte sonnt sich am steilen Damm und lässt die Menschen auf der Krone nicht aus den Augen. Wurde das Tier hier ausgesetzt?

 

Schildkröte am Aartalsee

 

Der Haubentaucher ist da schon eher zu Hause.

 

Haubentaucher (Podiceps cristatus)

 

Ursprünglich stammt die Nilgans aus Afrika. Durch ihre Anpassungsfähigkeit und ihr aggressives Verhalten gegenüber anderen Tieren hat sie sich in den letzten Jahren auch in Deutschland breit gemacht.

 

Nilgans (Alopochen aegyptiaca)

 

Am Abend werden wir in der Kisselmühle von Alexandra, Frank, Katharina und Benjamin herzlich empfangen und fürstlich bewirtet. Wir freuen uns auf die zwei Wochen hier.

Link zur Wanderung um den Aartalsee:

Link zur heutigen Strecke:

 

 

unserwegs an die Ostsee

 

Die Tulpen blühen

18. April 2018

Wir sind wieder einmal auf dem Weg nach Norddeutschland, wo unser Patenjunge konfirmiert wird.
Natürlich nutzen wir diese Gelegenheit, um weitere, uns unbekannte Seiten Deutschlands zu entdecken.

Auf dem Hohblauen geniessen wir vom Aussichtsturm die Sicht über die umliegenden Hügel.

 

Aussicht vom Hochblauen

 

Und in Dottingen lassen wir uns von der Vielfalt der Tulpen betören. Uns gefällt, dass da auf engstem Raum die verschiedensten Arten blühen.

 

Tulpenfeld in Dottingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Münstertal finden wir bei einem Skilift einen riesigen Parkplatz. Wir parken als einzige hier und geniessen freie Sicht ins Tal.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Skigebiet in tiefen Lagen

19. April 2018

Wir fahren über die Hügel des Schwarzwaldes. Plötzlich entdecken wir einen kleinen Skilift, ein Pistenfahrzeug und diverse Schneekanonen. Auf dieser Höhe hätten wir das nicht erwartet.

 

 

Eine Plakette am Skiliftgebäude klärt uns auf, dass der Schlepplift die Skifahrer im Winter von 1060 auf 1135 Meter ü.M. bringt. Diese 75 Höhenmeter Differenz sind bereits nach 490 Meter erreicht.

 

Talstation Wasen 1

 

Die Anlage gehört zum Skizentrum Muggenbrunn. Wir finden es sehr mutig auf dieser Höhe Schlepplifte zu betreiben.
Liegt da im Winter genügend Schnee?

Das Nordic Center einige Meter höher jedenfalls trägt den Namen Notschrei.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

 

„Gib uns Schnee … aber schnell!!!“

 

Zum Schlafen fahren wir auf den Grossen Feldberg. Hier geniesst man einen schönen Rundblick.
Wir spazieren auf dem gepflegten Wanderweg zum Brunhildisfelsen.

Es gibt verschiedene Sagen zu dem Felsen:
Gemäss der Nibelungensage lag hier Brunhilde umgeben von der Waberlohe im Zauberschlaf, bis Siegfried sie erlöste.

Auch die heilige Hildegard von Bingen soll hier einmal ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. Der harte Felsen schmiegte sich an ihren Kopf. Diese Vertiefung sei heute noch zu erkennen.

 

Ausflügler auf dem Brunhildisfelsen

 

Das Feldberg Kreuz leuchtet im Abendlicht. Es markiert den höchsten Punkt der Gemeinde Schmitten-Niederreifenburg.

 

Feldberg Kreuz (875,5 M ü.M.)

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Morgen auf dem Grossen Feldberg

20. April 2018

Am Morgen vertreten wir uns die Beine. Die Schatten sind noch lang und versperren die Strasse. Wir ignorieren dies und schlendern unbeirrt weiter.

 

Schattensperre

 

Unter uns liegt Niederreifenburg verschlafen im Tal.

 

Niederreifenburg

 

Heute erreichen wir Lütjenburg, wo wir sehr herzlich empfangen werden.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Konfirmation

21. April bis 3. Mai 2018

Wir geniessen die Zeit in Lütjenburg sehr. Das Konfirmationsfest ist stimmungsvoll und schön.

Jördis, eine Freundin der Familie, backt unter anderem eine Pesto-Blume. Leider können wir davon lediglich ein Bild vor dem Backen zeigen. Sie ist so lecker, dass bis zum geplanten Fotoshooting nur noch ein paar unattraktive Krümel übrig bleiben.

 

Pesto-Blume ungebacken

 

Hier dafür das Rezept:

3 runde Pizzateig
1 Glas Pesto Rosso
1 Glas Basilikum-Pesto

Den untersten Boden grosszügig mit rotem Pesto bestreichen, dabei einen Rand von ca. 2 cm freilassen. Mit dem zweiten Teig bedecken, diesen mit Basilikum-Pesto bestreichen, den Rand wieder freilassen. Mit dem letzten Pizzateig belegen. Die Ränder leicht zusammendrücken.

Ein kleines Glas in die Mitte stellen und den Teig 16 x von innen nach aussen einschneiden.

Jeweils zwei benachbarte Teigstreifen in entgegengesetzter Richtung 2 x verdrehen.

25 – 30 Min. backen bei 200°C.

 

Wir besuchen unsere Freunde herumkommers in Hamburg und geniessen die Zeit mit ihnen und die Schifffahrt auf der Elbe sehr.
Frau Rumkommer und Herumkommer reisen oft mit ihrem Wohnmobil durch die Welt und berichten darüber in ihrem Fotoreiseblog. Dieses Jahr verbringen sie sechs Monate in Kanada.
Hier der Link: www.herumkommer.de

Ein anderes Mal zeigen uns Günter und Bärbel die Halbinsel Schwansen.
In Arnis landet gerade eine Lachmöwe auf dem Steg. Beat nimmt sich viel Zeit, um dieses Ereignis zu fotografieren. Zum Glück wartet der Seevogel regungslos, bis das Bild vom Kasten im Kasten ist.

 

Lachmöwe im Landeanflug

 

Arnis ist mit knapp 300 Einwohnern und 0,45 km2 im doppelten Sinne die kleinste Stadt Deutschlands. Damit niemand diese Ansammlung an Häusern für ein Dorf hält, ist das auch gleich auf dem Ortsschild vermerkt.

 

 

Oft wird die Anonymisierung und die fehlende Anteilnahme unter den Nachbarn in Städten beklagt.
In der Stadt Arnis funktioniert die Sozialkontrolle offensichtlich noch gut. An einigen Häusern sind an den Fenstern Spiegel angebracht, damit die Bewohner ja nichts versäumen, was sich auf der Strasse abspielt.
Hier kommt keiner unbemerkt nach Mitternacht oder betrunken nach Hause oder mit einer neuen Freundin oder …

 

Privater „Kontrollspiegel“

 

Früher sollen es noch viel mehr gewesen sein. Es wird jedoch nicht nur kontrolliert in Arnis, es wird auch geholfen. Im Dorf … Entschuldigung, in der Stadt, steht eine Mitfahrerbank. Wunderschön gestaltete Emailtafeln weisen darauf hin, dass man ab dieser Bank von motorisierten Bürgern mitgenommen werden kann und wie das abläuft.

 

Mitfahrerbank in Arnis

 

 

Richtungsanzeigen und „Gebrauchsanweisung“

 

Arnis lohnt einen Besuch. Man entdeckt viele weitere kleine Nettigkeiten.

 

Haustüre in Arnis

 

 

Idyllische Sitzecke

 

Wir lassen uns durch den regnerischen Tag nicht davon abhalten Sieseby an der Schlei zu besuchen. Einige der behäbigen Riegelbauten sind noch mit Reet gedeckt.

 

Restaurant „Schlie Krog“ in Sieseby

 

 

Riegelbau mit Reetdach in Sieseby

 

Der Nieselregen zaubert eine wunderschöne Stimmung an der Schlei herbei.

 

Die Schlei bei Siseby, trüb, aber schön

 

Nach zwei Wochen Norddeutschland reisen wir wieder südwärts.
Vielen Dank, Ilona und Volker, dass wir einmal mehr bei euch unterschlüpfen durften und für die gute Zeit mit den vielen angeregten Gesprächen.

Link zu den Strecken vom 21. April bis 2. Mai 2018:

 

 

Kurzer Stopp in der Schweiz

 

Heute hier … morgen weg!

15. – 18. April 2018

Wir fahren für wenige Tage in die Schweiz, weil sich Annette in Vitznau am Rigi eine Stelle als Ergotherapeutin ansehen will. Sie wurde zu einem Bewerbungstag eingeladen.
Ihr gefällt aber nicht, wie hier gearbeitet wird und sie sagt deshalb ab.

 

Ruheliege am Vierwaldstättersee

 

Nach drei Tagen verlassen wir die Schweiz wieder und fahren Richtung Norddeutschland.

Link zu den Strecken vom 15.-18. April 2018:

PS: Endlich mal ein Beitrag von unserwegs nach dem Motto: In der Kürze liegt die Würze!

 

 

Durch Nordost-Italien

 

Auf dem Weg in die Schweiz

13. April 2018

Wir sind auf dem Weg in die Schweiz und meiden auch in Italien die Autobahnen ausser um die grossen Städte herum. Man sieht auf Haupt- und Nebenstrassen mehr von der Gegend und kann jederzeit anhalten, wenn man etwas Schönes entdeckt. Zum Beispiel bei Muzzana del Turgnano. Hier steht ein Streifen Pappeln dekorativ in der Ebene.

 

Pappeln (Populus)

 

 

 

Heute haben wir keine Lust lange einen Übernachtungsplatz zu suchen und fahren deshalb in Castelfranco auf den offiziellen Wohnmobilstellplatz. Dieser kostet mit Frischwasser, Entsorgungsstation und Strom € 5.– für 24 Std. WC gibt es im benachbarten Einkaufszentrum von 8:30 bis 20:00h … ideal für uns.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von Reben zu Kunst aus leeren Getränkedosen

14. April 2018

Kurz nach 8:00 Uhr (ja, wir haben verschlafen) klopft es ans WoMo. Draussen ertönt ein grosses Palaver auf Italienisch. Annette schaut aus dem Fenster. Zwei Polizisten kontrollieren eben beim WoMo nebenan den Parkschein. Sie wollen natürlich auch unser bigliettino sehen. Es ist zwar nicht möglich ohne zu bezahlen auf den mit einer Schranke gesicherten Platz zu fahren. Ebenso wenig öffnet sich die Sperre, wenn man nach der bezahlten Frist abreisen wollte. Aber das regolamento schreibe Kontrollen vor, erklären uns die zwei freundlichen Beamten.

 

Reben bei Montebello Vicentino

 

 

 

Bei Peschiera del Garda machen wir Mittagsrast. Was sehen wir da unter der Eisenbahnbrücke hindurch?

 

 

Ein Gondoliere fährt seine Gäste auf dem Mincio, dem Abfluss des Gardasees, herum. Hat er sich auf seiner Fahrt durch die verwinkelten Kanäle von Venedig bis hierher verirrt?

 

 

Auch zwei Haubentaucher finden das eigenartig und beobachten das Gefährt aus sicherer Entfernung.

 

Haubentaucher (Podiceps cristatus)

 

Auf den warmen Steinen am Ufer tummeln sich Eidechsen …

 

Mauereidechse (Podarcis muralis)

 

… während im Schilf ein Blässhuhn brütet.

 

Blässhuhn (Fulica atra)

 

Idylle pur!

In Coccaglio entdecken wir, was man mit leeren Getränkedosen alles gestalten kann. Eine ganze Kirchenfassade wurde nachgebildet.

 

Casa della Solidarietà in Coccaglio

 

 

 

 

 

 

 

Der Priester scheint jeweils mit dem Fahrrad hierher zu radeln, jedenfalls steht ein riesiges Rennrad an der Strasse.

 

 

Die Kunstwerke stehen unter dem Motto: „Herz der Solidarität und Stolz der Freiwilligen Arbeit“ und fordern zum Blutspenden auf.

 

 

Da es bei Como wohl keinen Übernachtungsplatz gibt, planen wir bis nach Ligornetto in der Schweiz zu fahren. Aber bei der Durchfahrt von Ambivere entdeckt Annette auf dem Navi einen Parkplatz bei einem Friedhof.
Hier bleiben wir.

 

Weg zum Friedhof in Ambivere

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

In die Schweiz

15. April 2018

Wir fahren auf Nebenstrassen nach Chiasso und dort quer durch die Stadt zum Zollübergang.
Die Schweiz hat uns wieder!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Im Norden Kroatiens

 

Weiter durch Slawonien

9. April 2018

Zum Frühstücken fahren wir an die Drau und parken gegenüber von Osijek.

 

Osijek

 

Danach geht’s der Drau entlang flussaufwärts an die ungarische Grenze. Leider kann man nicht direkt dem Flusslauf folgen.
In Donji Miholjac rasten wir auf dem kleinen Picknickplatz, den die Fischer für ihre Zusammenkünfte und Feiern nutzen. Er liegt an einem schmalen See, wohl einem ehemaligen Seitenarm des Flusses.

 

Mittagsrast am Wasser bei Donji Miholjac

 

Auch einem Schmetterling gefällt es hier. Er lässt sich auf einem alten Zaunpfahl nieder und stört sich nicht an dem rostigen Nagel, der da steckt.

 

Distelfalter (Vanessa cardui)

 

Vor Prokop steht ein braun geflecktes Fohlen auf der Wiese, direkt an der Strasse. Als wir anhalten, um es uns genauer anzuschauen, flüchtet es zu seiner Mutter … sicher ist sicher. Wer weiss schon, was die zweibeinigen Ausländer da wollen.

 

Tinker(?)-Stute mit Fohlen

 

Wir suchen einen ruhigen Übernachtungsplatz, den wir nach dem Dorf im Wald auch finden.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von Wasser und Öl

10. April 2018

Heute fahren wir gegen Westen Richtung Adriatisches Meer.

 

Landschaft um Šimljanik

 

In Grabonica wird die Osterdekoration im Salajland entfernt. Wir brauchen deshalb keinen Einritt zu zahlen und können die künstliche Osterwelt des Parks bestaunen. Nachts, wenn alles bunt geleuchtet hat, muss dies ein richtiges Kinderparadies gewesen sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun wird das Gelände wieder hügeliger. Auch hier, wie in der Pannonischen Tiefebene, aus der wir kommen, fliesst das Wasser nicht aus den Bergen. Vor vielen Häusern stehen deshalb Ziehbrunnen, deren Wasser auch heute noch zum Giessen des Gartens gebraucht wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Etwas ganz Besonderes ist der grosse, stillgelegte Dorfbrunnen in Kloštar Ivaniċ. Er steht auf dem Dorfplatz, ist überdacht und durch ein Metallzaun geschützt.

 

Ehemaliger Dorfbrunnen in Kloštar Ivaniċ

 

 

 

Als Beat den Brunnen fotografiert, spricht ihn ein älterer Mann auf englisch an. Er ist sehr erstaunt, dass wir diese Region besuchen. Branko lädt uns zu einem Kaffee ein. Wir unterhalten uns eine gute Stunde auf italienisch mit ihm. Er freut sich, wieder einmal Italienisch sprechen zu können. Sonst könne er sich hier im Dorf höchstens mal auf Englisch unterhalten, meint er.

In Kloštar Ivaniċ wurde früher nach Wasser gegraben und heute nach Öl. Einige der Ölförderpumpen stehen mitten im Dorf.

 

Ölförderpumpe in Kloštar Ivaniċ

 

 

 

Zum Übernachten finden wir nach zwei Fehlversuchen in Gorica Jamnička einen netten Platz an einer kleinen Strassenverzweigung mit einer offenen Kapelle in Form einer Laube und Picknickplatz.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Abenteuer zur und in der Schlucht!

11. April 2018

Wir fahren nach Karlovac. Doch uns ist heute nicht nach Stadtbummel zumute.
Die Strassenkarte kennt als Alternative eine Natur-Sehenswürdigkeit bei Ravna Gora. Das ist mehr nach unserem Gusto.
Der Wegweiser auf der schmalen Nebenstrasse nach dem Dorf sieht verheissungsvoll aus.

 

 

Zeleni vir … wir kommen!

Wir wagen uns auf die noch schmalere, ausgewaschene Schotterpiste ins Tal hinunter. Die Piste wird immer steiler. Links geht es beinahe senkrecht den Berg hoch und rechts ebenso steil hinunter. An einigen Stellen liegt gar noch Schnee am Strassenrand.
Doch wenden ist unmöglich, wir müssen bis zum bitteren Ende durchhalten. Plötzlich kommt uns ein kleiner Lastwagen entgegen. Zum Glück fährt der einige Meter zurück und zentimeternahe an die Felswand. Hier ist eine der dünngesäten, schmalen Kreuzungsstellen, die für zwei PKWs ausgelegt sind.
Wir schleichen, den Seitenspiegel eingeklappt, zwischen LKW und Abgrund vorbei.

Uff! Nochmals Glück gehabt!

Unten im Tal, am Ende der Sackgasse, legen einige Bauarbeiter einen grossen Parkplatz und eine breite Strasse an. Wer soll diese benutzen? Wird die Zufahrtsstrasse später auch noch verbreitert? Wir können uns das nicht vorstellen. Der Aufwand wäre riesig.

 

Tafel am Eingang der Schlucht

 

Natürlich ist die Schlucht um diese Jahreszeit noch geschlossen und natürlich steigen wir über die Abschrankung, um sie trotzdem zu besichtigen. Vergebens wollen wir nicht hier herunter gezittert haben.

 

Zeleni vir

 

Der Wanderweg ist noch nicht instand gestellt. Die Schäden des Winters unübersehbar. Wir müssen unter einigen umgestürzten Bäumen hindurchkriechen, die auf dem Weg liegen.
Später führt eine Treppe zwischen den Felsen in die Schlucht. Einige der Holzplanken sind von herabgestürzten Felsbrocken zerschlagen.

 

In der Schlucht Zeleni vir

 

Wir wagen uns nicht mehr weiter und kehren um. Man muss ja das Schicksal nicht bis zum Letzten herausfordern.

 

 

Auf dem Weg aus dem Tal haben wir Glück und begegnen keinem Fahrzeug mehr.

Unser nächstes Ziel ist Istrien, die Halbinsel an der Adria.
Nach Homer, das war nicht nur ein antiker griechischer Dichter, sondern ist auch ein heutiges kroatisches Dorf, geniessen wir den Blick auf den Lokvarsko-See.

 

Lokvarsko-Jezero

 

Auf dem Weg nach Premantura sind noch alle Campingplätze geschlossen. Deshalb stellen wir uns vor dem Dorf neben einen neuen Sportplatz und bleiben die Nacht über unbehelligt.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Knie aus Schweinefleisch

12. April 2018

Bei Vodnjan stehen einige Trulli. Die haben uns bereits in Apulien (Italien) fasziniert.
Diese Trulli hier wurden nicht als Wohnhäuser gebaut, sondern als Unterstand für Bauer und Hirten genutzt.

 

Trulli bei Vodnjan

 

Das Regenwetter hält auch andere Besucher nicht ab.

 

 

Wir fahren ein Stück parallel zum Limski-Fjord. Leider sieht man ihn von hier oben nicht. Deshalb fahren wir auf einen Parkplatz, der mit Aussicht auf den Fjord wirbt.
Und wirklich: zwei Aussichtstürmchen stehen da. Schnell hinaufgeklettert … und … och, da sieht man auch nicht viel mehr!

 

Limski-Fjord vom Aussichtsturm aus gesehen

 

Die Türme wurden wohl weniger wegen der Aussicht gebaut. Viel eher dienen sie als „Touristen-Stopp“, damit die Urlauber die Verkaufsstände frequentieren, die zufälligerweise auch gerade da stehen. 😉

 

 

Noch mehr staunen wir über einen Aushang in Kloštar.

 

 

Wird hier um Patienten gebuhlt; die Knieprobleme haben? Ein billiges Knie aus Schweinefleisch, statt einer teuren Knieprothese aus Titan?

Heute gönnen wir uns wieder einmal ein Hotelzimmer und checken im Hotel Maestral in Novigrad ein. Das Hotel ist sehr gut belegt und das Abend-Buffet riesig. Das Essen ist gut, doch gilt hier eher Masse statt Klasse.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wie weiter?

13. April 2018

Auch das Frühstücksbuffett ist unvorstellbar gross.
Vollgefr… Nach dem Frühstück fahren wir der Küste entlang weiter nordwärts.

Bei Umag sehen wir zwei Frauen, die Spargeln sammeln. Wir tun es ihnen gleich und finden insgesamt 250 Gramm.

 

Unsere Wildspargel-Ernte

 

Bevor wir Kroatien verlassen, fahren wir bei Savudrija nochmals ans Meer.

Ein Fischer kehrt zurück in den Hafen, während ein Katamaran den Weg aufs offene Meer wählt.

 

Meer bei Savudrija

 

Das Bild trifft unsere momentane Situation.

Wie weiter?

Sollen wir nach vier Jahren „unserwegs“ zurück in einen sicheren Hafen oder weiter zu neuen Abenteuern?
Oder ist die Lösung, dass jemand wieder sesshaft wird und jemand alleine weiter reist?

Die Zukunft wird es zeigen!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Slawonien

 

Unbekanntes Slawonien

6. April 2018

Wer kennt schon Slawonien, den nordöstlichen Teil Kroatiens?
Wir sind hier, um ihn zu entdecken!

Zuerst fallen uns die unvollendeten und zerfallenden Gebäude auf.
Einige alte Blockhäuser wurden mit Lehm verputzt, der heute meist abbröckelt und so die Sicht auf die Konstruktion freigibt.

 

Altes Blockhaus in Donja Stupnica

 

Viele Backsteinhäuser sind unverputzt und doch bewohnt.

 

 

Die Hausnummern sind manchmal mit Farbe direkt auf die Steine gepinselt.

 

 

Selbst die Kapelle von Unčani steht noch im Backsteinkleid da. Lediglich der Turm wurde mit Mörtel versehen.
Was andernorts irritieren würde, ist in dieser Umgebung durchaus stimmig.

 

Kapelle in Unčani

 

An einigen Häusern sind noch immer die Spuren des Jugoslawienkrieges (1991-1995) zu sehen.

 

 

Einige total zerstörte Gebäude stehen in Dvor wie Mahnmale an der Strasse.

 

Häuserzeile in Dvor

 

In Unčani lässt uns ein neuer Carport mit einem alten Traktor schmunzeln. „Wenn die Zeiten besser sind, werde ich einen Ferrari beherbergen!“, scheint er zu träumen.

 

 

Träge fliesst die Una zwischen Kroatien und Bosnien und Herzegowina. Sie interessiert sich nicht für Gebäude und gewesene Kriege.
… vom Himmel zur Erde zum Bach zum Fluss zum Meer zum Himmel … ist ihr Mantra.

 

Una bei Hravatska Kostajnica

 

Auch die Störche, eben erst aus Afrika zurückgekehrt, konzentrieren sich auf den Nestbau. Sie wollen ihrem Nachwuchs einen guten Start ins Leben ermöglichen.

 

Storch (Ciconia ciconia) in Uštica

 

 

 

Slawonien ist ein Teil der pannonischen Tiefebene.

Das Regenwetter der letzten Wochen hat die Bäche und Flüsse anschwellen lassen. Kein Wunder, wappnet man sich mit Tausenden von Sandsäcken gegen drohende Überschwemmungen.

 

Save bei Uštica

 

Ein markantes Monument aus Beton weckt unsere Neugier. Was das wohl ist? Wir verlassen die Strasse und fahren hin.

 

„Steinerne Blume“ von Bogdan Bogdanovic in Jasenovac

 

Hier liegt die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Jasenovac. Von den Gebäuden ist nichts mehr zu sehen. An den jeweiligen Stellen wurden Hügel aufgeschüttet. Eine metallene Karte gibt einen Überblick.

 

Karte des ehemaligen KZ Jasenovac

 

Das Monument von Bogdan Bogdanović, das an eine Lotusblüte erinnert, ist begehbar.

 

 

Drohend hängt die Betonmasse über uns. Auf Eisenbahnschwellen, über die einst die Häftlinge in das KZ gekarrt wurden, steht eine Strophe des Gedichts „Das Massengrab“ von Ivan Goran Kovačić:

 

 

Das lange Gedicht schildert auf erschütternde Weise die Gräueltaten, die hier verübt wurden.

Einer der Züge, in denen vor allem Serben, Roma und Juden deportiert wurden, steht mahnend auf dem Gelände.

 

 

In solchen Güterwagen, die Fenster mit Stacheldraht vergittert, wurden die dem Tode geweihten Menschen hierher gebracht.

 

 

Das Museum des KZ Jasenovac klärt auf, dass hier im Zweiten Weltkrieg von der kroatisch-faschistischen Ustascha 81’998 Menschen umgebracht wurden. 46’689 davon waren Serben. Die unmenschliche Statistik zeigt weiter, dass rund ein Viertel der Opfer, nämlich 20’038, Kinder waren.
Das Lager wurde auch „Auschwitz des Balkans“ genannt und war eines der grössten in Europa und das einzige, in dem ohne Beteiligung von Nazi-Deutschland gemordet wurde. Es gab hier keine Gaskammern, die meisten Opfer wurden mit Beilen oder Messern einzeln und „eigenhändig“ abgeschlachtet.

Wenn man das Museum verlässt, läuft man direkt an das Kunstwerk von Dušan Džamonja. Die stilisierten Knochen in Ketten lassen uns erschaudern.

 

 

Doch auch auf diesem Gelände dreht sich die Welt weiter. Im Teich schwimmt, an einen Ast geklebt, Froschlaich. Die Kaulquappen sind bereits gut zu sehen und werden ihre Eier schon bald verlassen.

 

 

Wir fahren weiter und sehen in beinahe jedem Dorf, dass aus dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) nicht viel gelernt wurde. Diese Schäden an Häusern und Kirchen stammen aus dem Jugoslawienkrieg (1991 – 1995).

 

Kirche in Medari

 

 

Haus in Trnava

 

 

 

Bei Blažević Dol fahren wir für die Nacht in den Wald. Dieser Tag muss erst einmal verdaut werden!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Schraube gefunden!

7. April 2018

Am Morgen begrüsst uns eine Nachtigall mit ihrem abwechslungsreichen und ausdrucksstarken Gesang.
Nach dem Frühstück sieht Beat, dass das Rad hinten rechts an unserem NOBIS nur noch wenig Luft hat.
Wir fahren nach Rešetari: bei einer Waschanlage mit Reifenservice halten wir an. Der Inhaber kann uns zwar den Reifen nicht flicken, aber er pumpt ihn auf und beschreibt uns den Weg zu einer Werkstatt nur wenige Kilometer weiter.
Diese Garage repariert zwar Autos, aber ebenfalls keine Reifen. Doch der nette Besitzer deutet uns mit der Hand, ihm zu folgen, steigt in sein Auto und führt uns zu einem „Vulkanizer“.
In der Werkstatt sitzen drei Männer beim Bier. Einer erhebt sich, als wir eintreten. Er scheint der Chef zu sein.  Eine gemeinsame „Sprechsprache“ finden wir nicht. Aber wir erklären ihm gestenreich, dass der vollgepumpte Reifen hinten rechts eigentlich platt sei.
Er versteht und nimmt sich der Sache an. Schnell findet er die Schraube, die im Gummi steckt und nach einer guten Stunde (das Bier darf ja nicht warm und die Kumpels wollen zwischendurch unterhalten werden) ist unser Reifen wieder geflickt und montiert.

 

Unser NOBIS beim „Vulkanizer“

 

Wir fahren durch unzählige Strassendörfer. Links und rechts der Fahrbahn liegt jeweils ein Wiesenstreifen, durch den sich ein Entwässerungsgraben zieht. Die Häuser sind über eingedolte Zufahrten mit dem Auto erreichbar. Meistens dienen diese asphaltierten Übergänge auch gleich als Parkplatz.

 

Stari Slatinic

 

 

Trajani

 

In Privlaka finden wir auf einer Flurstrasse am Waldrand einen ruhigen Übernachtungsplatz. Den Mann, der vorfährt, um leere Düngersäcke mit Walderde zu füllen, scheinen wir nicht zu stören. Er winkt freundlich als er mit seiner Ladung wieder wegfährt.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von Stadt (Vukovar) und Naturpark (Kopački rit)

8. April 2018

Wir sind auf dem Weg nach Vukovar.
Immer noch faszinieren uns die Strassendörfer in dieser Ebene. Einige nutzen den Raum zwischen Gehsteig und Wassergraben, um einen kleinen Garten anzulegen. In Privlaka gefällt uns der Kontrast zwischen einem alten Haus und blühenden Bäumen, Sträuchern und Blumen besonders gut.

 

Frühlingsidylle in Privlaka

 

In Stari Jankovci stoppen wir bei einer Kirche ohne Turmspitze. Der alte, marode Aufbau steht daneben auf dem Boden und dient als Vorlage.

 

Links die alte, rechts die neue Kirchturmspitze

 

Beim Gotteshaus daneben kann man sehen, wie das Endprodukt in etwa aussehen wird.

 

 

In Vukovar parken wir auf dem Platz, den unser Navi zum „Stadtzentrum“ auserkoren hat. Von dort spazieren wir zwischen den Häusern und anschliessend durch eine kleine Schlucht ans Ufer der Donau.

 

Eindrückliches Wandbild in Vukovar

 

Beat grüsst mit einem freundlichen „Dobar dan“ ein Ehepaar, das mit seinem Hund unterwegs ist. Die Frau fragt ihn etwas auf Kroatisch, er muss Farbe bekennen und gestehen, dass er nichts versteht. Nun plaudern wir kurz auf Englisch, aber als die Leute erfahren, dass wir aus der Schweiz kommen, wechseln sie auf Deutsch. Die Familie von Ivan stammt ursprünglich aus Deutschland. Marija hat die Sprache ihm zu liebe gelernt. Wir unterhalten uns sehr nett mit ihnen und sie bitten uns, sie auf ihrem Spaziergang zu begleiten.
Bei einem Restaurant laden sie uns auf einen Kaffee ein. Wir diskutieren angeregt über die wirtschaftliche Situation Kroatiens, Krieg, den Lauf der Welt, Hunde, Viersprachigkeit der Schweiz, Sehenswertes in Vukovar…. sie verabschieden sich nur ungern von uns, sie müssen weiter, weil sie sich mit Freunden verabredet haben.

So spazieren wir alleine weiter.
Die moderne Fassade des Steueramtes spiegelt das historische Grand Hotel Radnički dom ebenso wie einen modernen Wohnblock.

 

 

Die Osterfeiertage sind vorbei, doch ein Riesenei wurde noch nicht weggeräumt, das vier Künstler 2009 bemalt haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Brücke über die Vuka ist der Boden eingebrochen und das Geländer notdürftig mit Holzstützen gesichert.

 

Brücke über die Vuka

 

Erst auf den zweiten Blick sehen wir, dass sich hier der Künstler Filip Mrvelj einen Streich erlaubt hat und wir gelangen trockenen Fusses über das Wasser auf die andere Flussseite.
Dieses Kunstwerk beeindruckt die Spatzen, die von einem stehenden Armierungsnetz herab die Welt betrachten, nicht im Geringsten.

 

 

Auch das mondäne Schloss Eltz reisst sie nicht vom Hocker … ähm … von der Stange.

 

Schloss Eltz in Vukovar

 

Die schöne Promenade der Donau entlang wollen wir nicht auch noch bevölkern.

 

Donau in Vukovar

 

Deshalb drehen wir um und spazieren zwischen den Häusern zurück zu unserem NOBIS. Auch auf diesem Weg begegnen wir einigen Trouvaillen der Schmiedekunst und der Malerei.

 

Türklopfer am Schloss Eltz

 

 

„Bloomorphosis“ von Juandres Vera

 

In Borovo Naselje bilden ein modernes Industriegebäude und der zerschossene Betonturm, der seinen Schatten auf die bunt bemalte Fassade wirft, ein Bild von grosser Symbolkraft.

 

 

Auch Osijek lädt zu einem kurzen Spaziergang ein.
Die Menschen geniessen in den Strassencafés die ersten wärmenden Sonnenstrahlen dieses noch jungen Frühlings.

 

Platz der Heiligen Dreifaltigkeit

 

Eine Familie lässt sich von einer Nonne vor der berühmten „Säule der heiligen Dreifaltigkeit“ ablichten.

 

Säule der Heiligen Dreifaltigkeit in Osijek

 

 

Heilige Dreifaltigkeit

 

Doch nun haben wir genug Stadt gesehen. Es zieht uns wieder hinaus in die Natur. Wir fahren in den nahen Naturpark Kopački rit, der an der Grenze zu Serbien und Ungarn liegt.

Auf den noch kahlen Bäumen direkt am Wasser hocken unzählige Kormorane.

 

 

Auch zwei Fischer wollen sich ihre Mahlzeit aus dem seichten Gewässer sichern.

 

 

Viele schön angelegte Holzstege führen durch das mit Teichen durchsetzte Ried.

 

 

 

 

Von hier lassen sich Fische, Amphibien, Vögel und Insekten beobachten.

 

Seefrosch (Pelophylax ridibundus)

 

Natürlich lohnt sich auch ein Blick nach oben. Auf den Bäumen wachsen viele Misteln.

 

Kugelige Weissbeerige Mistel (Viscum album)

 

Obwohl das Abendlicht am Ribnjak zum Verweilen lockt, fahren wir noch einige Kilometer und übernachten erst ausserhalb von Tvrđavia.

 

Ribnjak

 

Link zum Spaziergang durch Vukovar: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur Wanderung durch den Naturpark Kopački rit: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke: