Durch Nordost-Italien

 

Auf dem Weg in die Schweiz

13. April 2018

Wir sind auf dem Weg in die Schweiz und meiden auch in Italien die Autobahnen ausser um die grossen Städte herum. Man sieht auf Haupt- und Nebenstrassen mehr von der Gegend und kann jederzeit anhalten, wenn man etwas Schönes entdeckt. Zum Beispiel bei Muzzana del Turgnano. Hier steht ein Streifen Pappeln dekorativ in der Ebene.

 

Pappeln (Populus)

 

 

 

Heute haben wir keine Lust lange einen Übernachtungsplatz zu suchen und fahren deshalb in Castelfranco auf den offiziellen Wohnmobilstellplatz. Dieser kostet mit Frischwasser, Entsorgungsstation und Strom € 5.– für 24 Std. WC gibt es im benachbarten Einkaufszentrum von 8:30 bis 20:00h … ideal für uns.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von Reben zu Kunst aus leeren Getränkedosen

14. April 2018

Kurz nach 8:00 Uhr (ja, wir haben verschlafen) klopft es ans WoMo. Draussen ertönt ein grosses Palaver auf Italienisch. Annette schaut aus dem Fenster. Zwei Polizisten kontrollieren eben beim WoMo nebenan den Parkschein. Sie wollen natürlich auch unser bigliettino sehen. Es ist zwar nicht möglich ohne zu bezahlen auf den mit einer Schranke gesicherten Platz zu fahren. Ebenso wenig öffnet sich die Sperre, wenn man nach der bezahlten Frist abreisen wollte. Aber das regolamento schreibe Kontrollen vor, erklären uns die zwei freundlichen Beamten.

 

Reben bei Montebello Vicentino

 

 

 

Bei Peschiera del Garda machen wir Mittagsrast. Was sehen wir da unter der Eisenbahnbrücke hindurch?

 

 

Ein Gondoliere fährt seine Gäste auf dem Mincio, dem Abfluss des Gardasees, herum. Hat er sich auf seiner Fahrt durch die verwinkelten Kanäle von Venedig bis hierher verirrt?

 

 

Auch zwei Haubentaucher finden das eigenartig und beobachten das Gefährt aus sicherer Entfernung.

 

Haubentaucher (Podiceps cristatus)

 

Auf den warmen Steinen am Ufer tummeln sich Eidechsen …

 

Mauereidechse (Podarcis muralis)

 

… während im Schilf ein Blässhuhn brütet.

 

Blässhuhn (Fulica atra)

 

Idylle pur!

In Coccaglio entdecken wir, was man mit leeren Getränkedosen alles gestalten kann. Eine ganze Kirchenfassade wurde nachgebildet.

 

Casa della Solidarietà in Coccaglio

 

 

 

 

 

 

 

Der Priester scheint jeweils mit dem Fahrrad hierher zu radeln, jedenfalls steht ein riesiges Rennrad an der Strasse.

 

 

Die Kunstwerke stehen unter dem Motto: „Herz der Solidarität und Stolz der Freiwilligen Arbeit“ und fordern zum Blutspenden auf.

 

 

Da es bei Como wohl keinen Übernachtungsplatz gibt, planen wir bis nach Ligornetto in der Schweiz zu fahren. Aber bei der Durchfahrt von Ambivere entdeckt Annette auf dem Navi einen Parkplatz bei einem Friedhof.
Hier bleiben wir.

 

Weg zum Friedhof in Ambivere

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

In die Schweiz

15. April 2018

Wir fahren auf Nebenstrassen nach Chiasso und dort quer durch die Stadt zum Zollübergang.
Die Schweiz hat uns wieder!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Im Norden Kroatiens

 

Weiter durch Slawonien

9. April 2018

Zum Frühstücken fahren wir an die Drau und parken gegenüber von Osijek.

 

Osijek

 

Danach geht’s der Drau entlang flussaufwärts an die ungarische Grenze. Leider kann man nicht direkt dem Flusslauf folgen.
In Donji Miholjac rasten wir auf dem kleinen Picknickplatz, den die Fischer für ihre Zusammenkünfte und Feiern nutzen. Er liegt an einem schmalen See, wohl einem ehemaligen Seitenarm des Flusses.

 

Mittagsrast am Wasser bei Donji Miholjac

 

Auch einem Schmetterling gefällt es hier. Er lässt sich auf einem alten Zaunpfahl nieder und stört sich nicht an dem rostigen Nagel, der da steckt.

 

Distelfalter (Vanessa cardui)

 

Vor Prokop steht ein braun geflecktes Fohlen auf der Wiese, direkt an der Strasse. Als wir anhalten, um es uns genauer anzuschauen, flüchtet es zu seiner Mutter … sicher ist sicher. Wer weiss schon, was die zweibeinigen Ausländer da wollen.

 

Tinker(?)-Stute mit Fohlen

 

Wir suchen einen ruhigen Übernachtungsplatz, den wir nach dem Dorf im Wald auch finden.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von Wasser und Öl

10. April 2018

Heute fahren wir gegen Westen Richtung Adriatisches Meer.

 

Landschaft um Šimljanik

 

In Grabonica wird die Osterdekoration im Salajland entfernt. Wir brauchen deshalb keinen Einritt zu zahlen und können die künstliche Osterwelt des Parks bestaunen. Nachts, wenn alles bunt geleuchtet hat, muss dies ein richtiges Kinderparadies gewesen sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun wird das Gelände wieder hügeliger. Auch hier, wie in der Pannonischen Tiefebene, aus der wir kommen, fliesst das Wasser nicht aus den Bergen. Vor vielen Häusern stehen deshalb Ziehbrunnen, deren Wasser auch heute noch zum Giessen des Gartens gebraucht wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Etwas ganz Besonderes ist der grosse, stillgelegte Dorfbrunnen in Kloštar Ivaniċ. Er steht auf dem Dorfplatz, ist überdacht und durch ein Metallzaun geschützt.

 

Ehemaliger Dorfbrunnen in Kloštar Ivaniċ

 

 

 

Als Beat den Brunnen fotografiert, spricht ihn ein älterer Mann auf englisch an. Er ist sehr erstaunt, dass wir diese Region besuchen. Branko lädt uns zu einem Kaffee ein. Wir unterhalten uns eine gute Stunde auf italienisch mit ihm. Er freut sich, wieder einmal Italienisch sprechen zu können. Sonst könne er sich hier im Dorf höchstens mal auf Englisch unterhalten, meint er.

In Kloštar Ivaniċ wurde früher nach Wasser gegraben und heute nach Öl. Einige der Ölförderpumpen stehen mitten im Dorf.

 

Ölförderpumpe in Kloštar Ivaniċ

 

 

 

Zum Übernachten finden wir nach zwei Fehlversuchen in Gorica Jamnička einen netten Platz an einer kleinen Strassenverzweigung mit einer offenen Kapelle in Form einer Laube und Picknickplatz.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Abenteuer zur und in der Schlucht!

11. April 2018

Wir fahren nach Karlovac. Doch uns ist heute nicht nach Stadtbummel zumute.
Die Strassenkarte kennt als Alternative eine Natur-Sehenswürdigkeit bei Ravna Gora. Das ist mehr nach unserem Gusto.
Der Wegweiser auf der schmalen Nebenstrasse nach dem Dorf sieht verheissungsvoll aus.

 

 

Zeleni vir … wir kommen!

Wir wagen uns auf die noch schmalere, ausgewaschene Schotterpiste ins Tal hinunter. Die Piste wird immer steiler. Links geht es beinahe senkrecht den Berg hoch und rechts ebenso steil hinunter. An einigen Stellen liegt gar noch Schnee am Strassenrand.
Doch wenden ist unmöglich, wir müssen bis zum bitteren Ende durchhalten. Plötzlich kommt uns ein kleiner Lastwagen entgegen. Zum Glück fährt der einige Meter zurück und zentimeternahe an die Felswand. Hier ist eine der dünngesäten, schmalen Kreuzungsstellen, die für zwei PKWs ausgelegt sind.
Wir schleichen, den Seitenspiegel eingeklappt, zwischen LKW und Abgrund vorbei.

Uff! Nochmals Glück gehabt!

Unten im Tal, am Ende der Sackgasse, legen einige Bauarbeiter einen grossen Parkplatz und eine breite Strasse an. Wer soll diese benutzen? Wird die Zufahrtsstrasse später auch noch verbreitert? Wir können uns das nicht vorstellen. Der Aufwand wäre riesig.

 

Tafel am Eingang der Schlucht

 

Natürlich ist die Schlucht um diese Jahreszeit noch geschlossen und natürlich steigen wir über die Abschrankung, um sie trotzdem zu besichtigen. Vergebens wollen wir nicht hier herunter gezittert haben.

 

Zeleni vir

 

Der Wanderweg ist noch nicht instand gestellt. Die Schäden des Winters unübersehbar. Wir müssen unter einigen umgestürzten Bäumen hindurchkriechen, die auf dem Weg liegen.
Später führt eine Treppe zwischen den Felsen in die Schlucht. Einige der Holzplanken sind von herabgestürzten Felsbrocken zerschlagen.

 

In der Schlucht Zeleni vir

 

Wir wagen uns nicht mehr weiter und kehren um. Man muss ja das Schicksal nicht bis zum Letzten herausfordern.

 

 

Auf dem Weg aus dem Tal haben wir Glück und begegnen keinem Fahrzeug mehr.

Unser nächstes Ziel ist Istrien, die Halbinsel an der Adria.
Nach Homer, das war nicht nur ein antiker griechischer Dichter, sondern ist auch ein heutiges kroatisches Dorf, geniessen wir den Blick auf den Lokvarsko-See.

 

Lokvarsko-Jezero

 

Auf dem Weg nach Premantura sind noch alle Campingplätze geschlossen. Deshalb stellen wir uns vor dem Dorf neben einen neuen Sportplatz und bleiben die Nacht über unbehelligt.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Knie aus Schweinefleisch

12. April 2018

Bei Vodnjan stehen einige Trulli. Die haben uns bereits in Apulien (Italien) fasziniert.
Diese Trulli hier wurden nicht als Wohnhäuser gebaut, sondern als Unterstand für Bauer und Hirten genutzt.

 

Trulli bei Vodnjan

 

Das Regenwetter hält auch andere Besucher nicht ab.

 

 

Wir fahren ein Stück parallel zum Limski-Fjord. Leider sieht man ihn von hier oben nicht. Deshalb fahren wir auf einen Parkplatz, der mit Aussicht auf den Fjord wirbt.
Und wirklich: zwei Aussichtstürmchen stehen da. Schnell hinaufgeklettert … und … och, da sieht man auch nicht viel mehr!

 

Limski-Fjord vom Aussichtsturm aus gesehen

 

Die Türme wurden wohl weniger wegen der Aussicht gebaut. Viel eher dienen sie als „Touristen-Stopp“, damit die Urlauber die Verkaufsstände frequentieren, die zufälligerweise auch gerade da stehen. 😉

 

 

Noch mehr staunen wir über einen Aushang in Kloštar.

 

 

Wird hier um Patienten gebuhlt; die Knieprobleme haben? Ein billiges Knie aus Schweinefleisch, statt einer teuren Knieprothese aus Titan?

Heute gönnen wir uns wieder einmal ein Hotelzimmer und checken im Hotel Maestral in Novigrad ein. Das Hotel ist sehr gut belegt und das Abend-Buffet riesig. Das Essen ist gut, doch gilt hier eher Masse statt Klasse.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wie weiter?

13. April 2018

Auch das Frühstücksbuffett ist unvorstellbar gross.
Vollgefr… Nach dem Frühstück fahren wir der Küste entlang weiter nordwärts.

Bei Umag sehen wir zwei Frauen, die Spargeln sammeln. Wir tun es ihnen gleich und finden insgesamt 250 Gramm.

 

Unsere Wildspargel-Ernte

 

Bevor wir Kroatien verlassen, fahren wir bei Savudrija nochmals ans Meer.

Ein Fischer kehrt zurück in den Hafen, während ein Katamaran den Weg aufs offene Meer wählt.

 

Meer bei Savudrija

 

Das Bild trifft unsere momentane Situation.

Wie weiter?

Sollen wir nach vier Jahren „unserwegs“ zurück in einen sicheren Hafen oder weiter zu neuen Abenteuern?
Oder ist die Lösung, dass jemand wieder sesshaft wird und jemand alleine weiter reist?

Die Zukunft wird es zeigen!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Slawonien

 

Unbekanntes Slawonien

6. April 2018

Wer kennt schon Slawonien, den nordöstlichen Teil Kroatiens?
Wir sind hier, um ihn zu entdecken!

Zuerst fallen uns die unvollendeten und zerfallenden Gebäude auf.
Einige alte Blockhäuser wurden mit Lehm verputzt, der heute meist abbröckelt und so die Sicht auf die Konstruktion freigibt.

 

Altes Blockhaus in Donja Stupnica

 

Viele Backsteinhäuser sind unverputzt und doch bewohnt.

 

 

Die Hausnummern sind manchmal mit Farbe direkt auf die Steine gepinselt.

 

 

Selbst die Kapelle von Unčani steht noch im Backsteinkleid da. Lediglich der Turm wurde mit Mörtel versehen.
Was andernorts irritieren würde, ist in dieser Umgebung durchaus stimmig.

 

Kapelle in Unčani

 

An einigen Häusern sind noch immer die Spuren des Jugoslawienkrieges (1991-1995) zu sehen.

 

 

Einige total zerstörte Gebäude stehen in Dvor wie Mahnmale an der Strasse.

 

Häuserzeile in Dvor

 

In Unčani lässt uns ein neuer Carport mit einem alten Traktor schmunzeln. „Wenn die Zeiten besser sind, werde ich einen Ferrari beherbergen!“, scheint er zu träumen.

 

 

Träge fliesst die Una zwischen Kroatien und Bosnien und Herzegowina. Sie interessiert sich nicht für Gebäude und gewesene Kriege.
… vom Himmel zur Erde zum Bach zum Fluss zum Meer zum Himmel … ist ihr Mantra.

 

Una bei Hravatska Kostajnica

 

Auch die Störche, eben erst aus Afrika zurückgekehrt, konzentrieren sich auf den Nestbau. Sie wollen ihrem Nachwuchs einen guten Start ins Leben ermöglichen.

 

Storch (Ciconia ciconia) in Uštica

 

 

 

Slawonien ist ein Teil der pannonischen Tiefebene.

Das Regenwetter der letzten Wochen hat die Bäche und Flüsse anschwellen lassen. Kein Wunder, wappnet man sich mit Tausenden von Sandsäcken gegen drohende Überschwemmungen.

 

Save bei Uštica

 

Ein markantes Monument aus Beton weckt unsere Neugier. Was das wohl ist? Wir verlassen die Strasse und fahren hin.

 

„Steinerne Blume“ von Bogdan Bogdanovic in Jasenovac

 

Hier liegt die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Jasenovac. Von den Gebäuden ist nichts mehr zu sehen. An den jeweiligen Stellen wurden Hügel aufgeschüttet. Eine metallene Karte gibt einen Überblick.

 

Karte des ehemaligen KZ Jasenovac

 

Das Monument von Bogdan Bogdanović, das an eine Lotusblüte erinnert, ist begehbar.

 

 

Drohend hängt die Betonmasse über uns. Auf Eisenbahnschwellen, über die einst die Häftlinge in das KZ gekarrt wurden, steht eine Strophe des Gedichts „Das Massengrab“ von Ivan Goran Kovačić:

 

 

Das lange Gedicht schildert auf erschütternde Weise die Gräueltaten, die hier verübt wurden.

Einer der Züge, in denen vor allem Serben, Roma und Juden deportiert wurden, steht mahnend auf dem Gelände.

 

 

In solchen Güterwagen, die Fenster mit Stacheldraht vergittert, wurden die dem Tode geweihten Menschen hierher gebracht.

 

 

Das Museum des KZ Jasenovac klärt auf, dass hier im Zweiten Weltkrieg von der kroatisch-faschistischen Ustascha 81’998 Menschen umgebracht wurden. 46’689 davon waren Serben. Die unmenschliche Statistik zeigt weiter, dass rund ein Viertel der Opfer, nämlich 20’038, Kinder waren.
Das Lager wurde auch „Auschwitz des Balkans“ genannt und war eines der grössten in Europa und das einzige, in dem ohne Beteiligung von Nazi-Deutschland gemordet wurde. Es gab hier keine Gaskammern, die meisten Opfer wurden mit Beilen oder Messern einzeln und „eigenhändig“ abgeschlachtet.

Wenn man das Museum verlässt, läuft man direkt an das Kunstwerk von Dušan Džamonja. Die stilisierten Knochen in Ketten lassen uns erschaudern.

 

 

Doch auch auf diesem Gelände dreht sich die Welt weiter. Im Teich schwimmt, an einen Ast geklebt, Froschlaich. Die Kaulquappen sind bereits gut zu sehen und werden ihre Eier schon bald verlassen.

 

 

Wir fahren weiter und sehen in beinahe jedem Dorf, dass aus dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) nicht viel gelernt wurde. Diese Schäden an Häusern und Kirchen stammen aus dem Jugoslawienkrieg (1991 – 1995).

 

Kirche in Medari

 

 

Haus in Trnava

 

 

 

Bei Blažević Dol fahren wir für die Nacht in den Wald. Dieser Tag muss erst einmal verdaut werden!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Schraube gefunden!

7. April 2018

Am Morgen begrüsst uns eine Nachtigall mit ihrem abwechslungsreichen und ausdrucksstarken Gesang.
Nach dem Frühstück sieht Beat, dass das Rad hinten rechts an unserem NOBIS nur noch wenig Luft hat.
Wir fahren nach Rešetari: bei einer Waschanlage mit Reifenservice halten wir an. Der Inhaber kann uns zwar den Reifen nicht flicken, aber er pumpt ihn auf und beschreibt uns den Weg zu einer Werkstatt nur wenige Kilometer weiter.
Diese Garage repariert zwar Autos, aber ebenfalls keine Reifen. Doch der nette Besitzer deutet uns mit der Hand, ihm zu folgen, steigt in sein Auto und führt uns zu einem „Vulkanizer“.
In der Werkstatt sitzen drei Männer beim Bier. Einer erhebt sich, als wir eintreten. Er scheint der Chef zu sein.  Eine gemeinsame „Sprechsprache“ finden wir nicht. Aber wir erklären ihm gestenreich, dass der vollgepumpte Reifen hinten rechts eigentlich platt sei.
Er versteht und nimmt sich der Sache an. Schnell findet er die Schraube, die im Gummi steckt und nach einer guten Stunde (das Bier darf ja nicht warm und die Kumpels wollen zwischendurch unterhalten werden) ist unser Reifen wieder geflickt und montiert.

 

Unser NOBIS beim „Vulkanizer“

 

Wir fahren durch unzählige Strassendörfer. Links und rechts der Fahrbahn liegt jeweils ein Wiesenstreifen, durch den sich ein Entwässerungsgraben zieht. Die Häuser sind über eingedolte Zufahrten mit dem Auto erreichbar. Meistens dienen diese asphaltierten Übergänge auch gleich als Parkplatz.

 

Stari Slatinic

 

 

Trajani

 

In Privlaka finden wir auf einer Flurstrasse am Waldrand einen ruhigen Übernachtungsplatz. Den Mann, der vorfährt, um leere Düngersäcke mit Walderde zu füllen, scheinen wir nicht zu stören. Er winkt freundlich als er mit seiner Ladung wieder wegfährt.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Von Stadt (Vukovar) und Naturpark (Kopački rit)

8. April 2018

Wir sind auf dem Weg nach Vukovar.
Immer noch faszinieren uns die Strassendörfer in dieser Ebene. Einige nutzen den Raum zwischen Gehsteig und Wassergraben, um einen kleinen Garten anzulegen. In Privlaka gefällt uns der Kontrast zwischen einem alten Haus und blühenden Bäumen, Sträuchern und Blumen besonders gut.

 

Frühlingsidylle in Privlaka

 

In Stari Jankovci stoppen wir bei einer Kirche ohne Turmspitze. Der alte, marode Aufbau steht daneben auf dem Boden und dient als Vorlage.

 

Links die alte, rechts die neue Kirchturmspitze

 

Beim Gotteshaus daneben kann man sehen, wie das Endprodukt in etwa aussehen wird.

 

 

In Vukovar parken wir auf dem Platz, den unser Navi zum „Stadtzentrum“ auserkoren hat. Von dort spazieren wir zwischen den Häusern und anschliessend durch eine kleine Schlucht ans Ufer der Donau.

 

Eindrückliches Wandbild in Vukovar

 

Beat grüsst mit einem freundlichen „Dobar dan“ ein Ehepaar, das mit seinem Hund unterwegs ist. Die Frau fragt ihn etwas auf Kroatisch, er muss Farbe bekennen und gestehen, dass er nichts versteht. Nun plaudern wir kurz auf Englisch, aber als die Leute erfahren, dass wir aus der Schweiz kommen, wechseln sie auf Deutsch. Die Familie von Ivan stammt ursprünglich aus Deutschland. Marija hat die Sprache ihm zu liebe gelernt. Wir unterhalten uns sehr nett mit ihnen und sie bitten uns, sie auf ihrem Spaziergang zu begleiten.
Bei einem Restaurant laden sie uns auf einen Kaffee ein. Wir diskutieren angeregt über die wirtschaftliche Situation Kroatiens, Krieg, den Lauf der Welt, Hunde, Viersprachigkeit der Schweiz, Sehenswertes in Vukovar…. sie verabschieden sich nur ungern von uns, sie müssen weiter, weil sie sich mit Freunden verabredet haben.

So spazieren wir alleine weiter.
Die moderne Fassade des Steueramtes spiegelt das historische Grand Hotel Radnički dom ebenso wie einen modernen Wohnblock.

 

 

Die Osterfeiertage sind vorbei, doch ein Riesenei wurde noch nicht weggeräumt, das vier Künstler 2009 bemalt haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Brücke über die Vuka ist der Boden eingebrochen und das Geländer notdürftig mit Holzstützen gesichert.

 

Brücke über die Vuka

 

Erst auf den zweiten Blick sehen wir, dass sich hier der Künstler Filip Mrvelj einen Streich erlaubt hat und wir gelangen trockenen Fusses über das Wasser auf die andere Flussseite.
Dieses Kunstwerk beeindruckt die Spatzen, die von einem stehenden Armierungsnetz herab die Welt betrachten, nicht im Geringsten.

 

 

Auch das mondäne Schloss Eltz reisst sie nicht vom Hocker … ähm … von der Stange.

 

Schloss Eltz in Vukovar

 

Die schöne Promenade der Donau entlang wollen wir nicht auch noch bevölkern.

 

Donau in Vukovar

 

Deshalb drehen wir um und spazieren zwischen den Häusern zurück zu unserem NOBIS. Auch auf diesem Weg begegnen wir einigen Trouvaillen der Schmiedekunst und der Malerei.

 

Türklopfer am Schloss Eltz

 

 

„Bloomorphosis“ von Juandres Vera

 

In Borovo Naselje bilden ein modernes Industriegebäude und der zerschossene Betonturm, der seinen Schatten auf die bunt bemalte Fassade wirft, ein Bild von grosser Symbolkraft.

 

 

Auch Osijek lädt zu einem kurzen Spaziergang ein.
Die Menschen geniessen in den Strassencafés die ersten wärmenden Sonnenstrahlen dieses noch jungen Frühlings.

 

Platz der Heiligen Dreifaltigkeit

 

Eine Familie lässt sich von einer Nonne vor der berühmten „Säule der heiligen Dreifaltigkeit“ ablichten.

 

Säule der Heiligen Dreifaltigkeit in Osijek

 

 

Heilige Dreifaltigkeit

 

Doch nun haben wir genug Stadt gesehen. Es zieht uns wieder hinaus in die Natur. Wir fahren in den nahen Naturpark Kopački rit, der an der Grenze zu Serbien und Ungarn liegt.

Auf den noch kahlen Bäumen direkt am Wasser hocken unzählige Kormorane.

 

 

Auch zwei Fischer wollen sich ihre Mahlzeit aus dem seichten Gewässer sichern.

 

 

Viele schön angelegte Holzstege führen durch das mit Teichen durchsetzte Ried.

 

 

 

 

Von hier lassen sich Fische, Amphibien, Vögel und Insekten beobachten.

 

Seefrosch (Pelophylax ridibundus)

 

Natürlich lohnt sich auch ein Blick nach oben. Auf den Bäumen wachsen viele Misteln.

 

Kugelige Weissbeerige Mistel (Viscum album)

 

Obwohl das Abendlicht am Ribnjak zum Verweilen lockt, fahren wir noch einige Kilometer und übernachten erst ausserhalb von Tvrđavia.

 

Ribnjak

 

Link zum Spaziergang durch Vukovar: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur Wanderung durch den Naturpark Kopački rit: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Kroatien bietet mehr Wasser als nur Meer

 

Plitwitzer Seen

29. März 2018

Heute sind wir früh auf den Beinen. Um 7:00 Uhr soll ein Bäcker mit seinem Lieferwagen auf den Campingplatz fahren und frisches Brot verkaufen. Und wirklich, 20 Minuten später ist er da. Die Auswahl ist nicht gerade gross. Er hat Weissbrot und Weissbrot im Angebot. So entscheiden wir uns für Weissbrot. Wer zu viel Körner isst, ist eh ein komischer Vogel. 😉

Das Wetter ist heute sehr wechselhaft. Trotzdem besuchen wir die Plitwitzer Seen.

 

Plitwitzer Seen

 

Wir studieren die grosse Übersichtskarte und legen uns eine schöne Wanderroute zurecht. Doch schon bei der ersten Abzweigung ist Schluss damit, der Weg ist gesperrt. Zwei Parkranger wachen vor Ort über die Einhaltung. Na gut, es gibt noch andere Optionen, denken wir. Aber eine nach der anderen scheitert an Verboten oder nicht existierenden Verbindungen zu Wasser oder Land. Zeitweise sind wir ziemlich frustriert.
So vergessen wir unsere Wanderung, lassen uns mit einem Boot den Jezero Koziak hinauf fahren und begnügen uns mit Spaziergängen.

Die Gegend ist atemberaubend. Überall in dem Karstgebiet tritt Wasser aus, das in kleineren oder grösseren Katarakten und Wasserfällen in einen der unzähligen Seen stürzt.

 

 

Für den Fall, dass Menschen es dem Wasser gleichtun wollen und es dann bereuen, sind an den Schiffsstegen Rettungsringe angebracht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich zeigt sich die Sonne und lädt zum Verweilen ein.

 

 

Primeln leuchten gelb auf dem mit braunen Blättern übersäten Boden.

 

Primel (Primula)

 

Erste Falter sammeln Nektar.

 

Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)

 

Auch die Leberblümchen haben sich durch das Winterlaub gekämpft und beten die Sonne an.

 

Leberblümchen (Anemone hepatica)

 

Wir sind wieder versöhnt mit der Situation, stören uns nicht mehr an den gesperrten Wegen und den vielen Touristengruppen, die brav ihrem jeweiligen Leithammel nachtrippeln und die knappe Zeit für unzählige Selfies nutzen. Wir hoffen für sie, dass dabei auch eine kleine Ecke der phantastischen Landschaft Platz auf den Bildern findet.
Zudem amüsieren wir uns über französische Jugendliche, die entsetzt in hübschen Schühchen vor einem matschigen Wegstück stehen, und diese „Herausforderung des wahren Lebens“ mit unterschiedlichen Strategien zu bewältigen versuchen … die meisten erfolglos.

 

(Sehnsüchtiger) Blick auf den gesperrten Weg

 

 

 

 

 

Link zur Wanderung an den Plitwitzer Seen: Da auf “google maps” ein Teil des Weges fehlt, haben wir dort eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Freundlichkeit ist auch eine Sprache!

30. März 2018

Wir beschliessen wieder an die Küste zu fahren, da es dort wärmer und sonniger sein soll.

Hinter Buniċ entdecken wir eine merkwürdige Baute. Auf vier hohen Stützen steht ein winziges Häuschen mit Balkon, das nur über eine Leiter zugänglich ist. Ein gemauerter Jagdstand oder ein Ferienhaus der Marke Miniature? Aber selbstbewusst steht es da und scheint über die Ebene zu blicken.

 

Kleiner baut keiner.

 

In Liċki Osik halten Misteln einen Obstbaum auch im Winter grün.

 

Weissbeerige Mistel (Viscum album)

 

Gleich daneben steht ein Haus, das im Jugoslawienkrieg beschädigt wurde und bis heute nicht mehr bewohnt ist.

 

Kriegsschäden

 

Erfreulicher sind die Frühlingsboten in Brušane. Eine Wiese ist voller violetter Kelche gefüllt mit goldgelben Stempeln und Staubblättern.

 

Krokusse (Crocus)

 

Die Nachbarin scheint sich mehr darüber zu freuen, dass uns die Blumen gefallen als an der Blütenpracht selber. Sie tritt an den Zaun und erzählt uns ausführlich über … ja, wenn wir nur wüssten worüber. Leider spricht die ältere Frau nur kroatisch, was wir nicht verstehen. Das tut ihrem Redefluss jedoch keinen Abbruch. Auf „Handundfüssisch“ fragt Beat, ob er den Holzmann mit Vogelhauskopf in ihrem Garten fotografieren darf, was sie gerne bewilligt.

 

Holzmann mit Vogelhauskopf

 

Zum Abschied reicht sie uns die Hand. Doviđenja!
Einmal mehr erleben wir, dass ein kurzer und schöner Kontakt auch ohne gemeinsame Sprache möglich ist.

Fröhlich reisen wir weiter und bald schon hat uns die Küste wieder.

 

Inseln in der Kvarner Bucht

 

Zum Schlafen fahren wir nochmals ein Stück landeinwärts. Die Strasse ist ziemlich schmal und lediglich schneepflugbreit vom Schnee geräumt.
Beim Rangerhaus Babiċ Siča im Naturpark Velebit bleiben wir. An diesem abgelegenen Ort werden wir wohl niemanden stören. Die vorbeifahrenden Bauern winken uns jedenfalls freundlich zu.

 

Babiċ Siča im Naturpark Velebit

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wellness in Vrbnik

31. März 2018

Heftig trommelt der Regen am Morgen auf unser Blechdach. An Schlaf ist nicht mehr zu denken.
Nach dem Frühstück fahren wir zurück ans Meer.
Auch ein Brunnen am Strassenrand findet das Wetter zum Kotzen und spuckt in weitem Bogen über den Brunnenrand hinaus.

 

Selbst für einen erfahrenen Brunnen zu viel Wasser

 

Auf der Insel Krk checken wir im Wellnesshotel Gospoja ein und verbringen einen gemütlichen Sauna-Nachmittag. Wenn schon feucht, dann wenigstens warm!
Das ausgezeichnete sechsgängige Ostermenü am Abend lässt unsere Stimmungskurve, die am Morgen unter Null gestartet ist, vollends in die Höhe schnellen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Erholung auf Krk

1. bis 3. April 2018

Das Frühstücks-Buffet übertrifft unsere kühnsten Erwartungen!
Ein Verdauungsspaziergang durch Vrbnik führt an der Kirche vorbei, wo einige Messebesucher sogar vor dem geöffneten Tor stehen müssen, um am Oster-Gottesdienst teilnehmen zu können.

Auf einem schmalen Fussweg steigen wir hinunter zum Hafen.

 

Hafen von Vrbnik

 

Durch eine schmale Felsspalte am Hafen gelangen wir zu einer kleinen versteckten Bucht mit Kiesstrand.

 

 

Wer es noch enger mag, dem empfehlen wir die Klančić, die schmalste Strasse der Welt, die an ihrer engsten Stelle lediglich 43 cm breit ist.

 

Klančić, die schmalste Strasse der Welt

 

Wir spazieren zurück zum Hotel und verabschieden uns im nahen Park von dem unbekannten Leser, der seit unserer Ankunft regungslos über seinem Buch meditiert.

 

Unbekannter Leser

 

Unterwegs sticht uns ein ausladender Baum ins Auge.

 

Europäischer Zürgelbaum (Celtis australis)

 

 

 

Wiederkehrende Verbotsschilder haben uns darauf hingewiesen, dass auf dieser Insel das freie Campieren nicht erlaubt ist.
Deshalb fahren wir im Dorf Krk auf den Campingplatz Bor. Das ist zwar nicht so komfortabel wie das Wellnesshotel Gospoja in Vrbnik, dafür um einiges preiswerter. 🙂

Der Platz ist schön und modern eingerichtet, der Besitzer unkompliziert und freundlich. Deshalb übernachten wir hier sogar drei Mal.

Link zur Strecke vom 1. April 2018:

 

 

Kapelle der Heiligen Maria in Brinje

4. April 2018

Das Land Kroatien hat die Form eines Bumerangs. Vielleicht kommen deshalb viele Urlauber jedes Jahr wieder hierher zurück? Die meisten besuchen die Inseln und die Küste.
Uns interessiert aber auch das unbekannte Landesinnere. Deshalb verlassen wir Krk wieder.
Natürlich müssen wir die beeindruckende Brücke fotografieren, die die Insel mit dem Festland verbindet, bevor wir sie befahren.

 

Krk-Brücke

 

Im Gegensatz zu der filigranen Brücke wirkt die dreistöckige Kapelle der heiligen Maria auf der Burg Sokolac in Brinje behäbig. Wie ein Fels steht die besterhaltene Burgkapelle Kroatiens auf dem Hügel.

 

Burgkapelle der Heiligen Maria in Brinje

 

 

Marien-Kapelle, Brinje

 

Bei Modruš zweigen wir in den Wald ab. Auf einem Platz, auf dem bis vor kurzem gefällte Bäume gelegen haben, bleiben wir über Nacht.

Wir geniessen die Frühlingsblumen und die blühenden Sträucher und Bäume und lauschen dem Schlagen der Nachtigall, das das Summen der fernen Autobahn übertönt.

 

Kornelkirsche (Cornus mas)

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Unbekannte Perle: Rastoke in Slunj

5. April 2018

Wir fahren nordostwärts zur Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Immer wieder treffen wir auf patrouillierende Polizeifahrzeuge.
In der Gegend stehen viele baufällige und zerstörte Häuser.

 

Zerstörtes Wohnhaus

 

In Slunj parken wir und kaufen auf dem Markt frische Früchte ein.

 

Markt von Slunj

 

Der Ortsteil Rastoke gilt als kleinere Version der Plitwitzer Seen. Hier verzweigt sich die Slunjičica in viele Flussarme und fließt über zahlreiche Kaskaden und Wasserfälle in die Korona. Früher wurden in Rastoke bis zu 80 Wassermühlen betrieben, die zum Teil noch besichtigt werden können. Andere wurden zu Ferienwohnungen oder Restaurants ausgebaut.

 

Rastoke

 

 

 

 

 

Rastoke

 

 

Antike Löffel-Wasserräder

 

 

Traditioneller Waschbottich

 

 

Ein Arm der Slunjičica fliesst in die Korona.

 

 

Die Leserin

 

 

 

 

Geflochtene Hütte zum Aufbewahren von Maiskolben

 

Nach dieser schönen Überraschung, wir haben zuvor nie etwas von diesem lauschigen Ort gehört, kurven wir durch die Hügel von Zrinska gora. Wir tuckern auf einer mit Schlaglöchern übersäten Naturstrasse ein lauschiges Tal mit murmelndem Bach und urtümlichem Wald hinauf.
Auf dem Pass Zrinska gora stellen wir uns für die Nacht an den Strassenrand. Die wenigen Waldarbeiter, die vorbeifahren, winken uns alle freundlich zu.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Durch Kroatiens Süden

 

Grenzübergang geschlossen

22. März 2018

Wir wollen über den kleinen Grenzübergang hinter Njivice nach Kroatien fahren, doch der ist geschlossen. Wir nehmen also den Hauptübergang, beschliessen aber trotzdem auf die schmale Landzunge ganz im Süden zurückzufahren, was uns einige zusätzliche Kilometer kostet, uns aber dafür ein farbenfrohes Empfangsbild beschert.

 

Christliches Steinwappen Kroatiens

 

Am Ende der Strasse liegt ein schöner, potentieller Übernachtungsplatz, doch es ist noch zu früh, zum Schlafen und zu regnerisch zum Spazieren, deshalb kehren wir wieder um. Das heisst, eine von uns beiden wandert trotzdem zuerst noch zum Fort hoch, die Regenkleider müssen ja auch amortisiert werden!

Bei Bosanka, oberhalb von Dubrovnik stellen wir uns an den Rand einer grossen Ausweichstelle einer kaum befahrenen Nebenstrasse.
Am Abend fallen vereinzelte Schneeflocken … fahren wir besser in tiefere Lagen? Die Aussentemperaturen sind deutlich über Null, der Schnee sollte sich also nicht auf der Strasse festsetzen können … wir bleiben hier!

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Dubrovnik

23. März 2018

Auch am Morgen mischen sich Flocken in den Regen, doch die Strasse ist schneefrei.

Wir fahren hinunter nach Dubrovnik und finden einen Parkplatz nahe der Altstadt.
Auf dem Weg zur historischen Stätte werden wir von zwei beringten Gestalten beobachtet.

 

Türkunst

 

Unbeirrt schreiten wir weiter, überqueren bald schon die Brücke und treten durch das Stadttor.

 

Pile-Tor

 

 

Pile-Tor

 

Die Altstadt von Dubrovnik ist seit 1979 als UNESCO-Welterbe anerkannt. Trotzdem wurde die Stadt während des Jugoslawienkriegs von den serbisch-montenegrinischen Truppen massiv bombardiert.
Eine Tafel auf dem Platz gleich nach dem Tor zeigt, welche Schäden sie 1991 – 1992 erlitten hat.

 

 

Wir tauchen ein in den Zauber der alten Häuser, grossen Plätzen und engen Gassen und freuen uns an den unzähligen wunderschönen Details.

 

Trotz Regen sind viele Touristen unterwegs.

 

 

Detail der St. Blasius-Kirche

 

 

Stadthalle und kulturhistorisches Museum

 

 

Bild über dem Eingang zum kulturhistorischen Museum

 

 

Vergittertes Butzenfenster der Stadthalle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Selbst die schmalen Treppen in den engen Gassen halten findige Wirte nicht davon ab, den Gästen eine „Gartenwirtschaft“ zu bieten.

 

 

 

Am Tisch gegenüber sitzen? Unmöglich!

 

 

Steinhand hält Rebe.

 

 

Altstadt von Dubrovnik

 

Nach diesem Altstadtbummel zieht es uns wieder in die Natur. Wir fahren auf einer schönen Höhenstrasse, oberhalb der Hauptroute, nordwärts. Bei Dubravica übernachten wir mit Blick auf die kroatische Inselwelt.

 

Kroatische Inselwelt

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

„Where you go?“

24. März 2018

Die Landschaft, durch die wir gondeln ist karg, aber traumhaft. Aus der Ferne strahlt der schneebedeckte Hum.

 

Žaba-Gebirge

 

Auf dieser Route wollen wir den schmalen Streifen Bosnien und Herzegowina queren, der das Festland von Kroatien in zwei Hälften teilt.

An der Grenze kommt der Zöllner aus dem Häuschen und fragt barsch: „Where you go?“
Er meint dann, dieser Übergang sei „only for local people!“
Bevor wir zurückfahren, kontrolliert er aber noch unsere Personalausweise. Wer weiss, vielleicht gehen ihm heute ja zwei weltweit gesuchte Verbrecher ins Netz … das gäbe dann sicher einen Extrabonus, wenn nicht gar eine lebenslange Rente für ausserordentliche Verdienste.

Wieder fahren wir ein paar Kilometer zurück Richtung Hauptzoll. Durch diesen Umweg entdecken wir eine riesige Muschelzucht in der Bucht Bistrina.

 

Muschelzucht in der Bistrina-Bucht

 

Kaum wieder in Kroatien biegen wir rechts ab und setzen unseren Weg auf derselben Nebenstrasse fort, von der wir an der Grenze weggewiesen worden sind. Für diese Hartnäckigkeit werden wir mit einem eindrücklichen Blick auf den Kuti-See und die riesige Schwemmebene talauswärts belohnt

 

Kuti-See

 

Beim Friedhof vor Staševica finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Bis dass der Schnee uns stoppt!

25. März 2018

Im Gegensatz zum Schwemmland am Kuti-See ist die Überschwemmung bei Umčani wohl nicht erwünscht. Die Reben stehen traurig im Wasser. Hoffentlich fällt der Wein dieses Jahr nicht wässerig aus.

 

Reben im Wasser

 

Für den befürchteten „Wasserwein“ ist der Fluss Matica verantwortlich, der hier mehr Raum einnimmt als ihm die Menschen zugedacht haben.

 

Fluss Matica bei Umčani

 

Über den Pass Hrastovac fahren wir wieder an die Küste.

 

Strasse über den Hrastovac

 

Wir wollen im Biokovo-Naturpark zum Sveti Jure (1762 m ü. M.) hinauffahren.
Die Strasse ist schmal und zum Teil sehr exponiert, aber trocken. Munter fahren wir bergwärts.

 

Strasse zum Sveti Jure

 

Später werden die Schneewälle an den Strassenrändern immer höher. Wenden ist kaum mehr möglich. Zum Glück sind wir heute, mit Ausnahme eines unentwegten Mountainbikers, die einzigen auf dieser Strasse.
Bei Ravna Vlaška, auf 1228 m ü.M. beschliessen wir die letzten 10 km sein zu lassen und nutzen den gepflügten Platz zum Wenden.

In Zadvarje lockt ein Werbe-Plakat mit der Cetinja-Schlucht. Wir beschliessen einen Umweg einzulegen. Bei einer Einwasser-Stelle der Riverrafter parken wir. Hier läuft um diese Jahreszeit noch gar nichts. Ein Mann, der mit seinem Hund in einem Wohnwagen haust, hat nichts dagegen, dass wir hier übernachten. Seit Tagen scheint erstmals wieder die Sonne und wir feiern dies mit einem Outdoor-Aperitiv.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Viele Steine, viel Wasser, wenig Schlafplätze

26. März 2018

Das winzige Dorf Raljevići kuschelt sich an die Felsen.

 

Raljevići

 

In Blato na Cetini liegen mehr Steine auf den Wiesen als Gräser wachsen. In mühevoller Handarbeit wurden einst die Kalkbrocken zu Mauern und Haufen geschichtet, damit dazwischen wenigstens etwas Grün spriessen kann.

 

 

Im Dorf wartet ein Esel geduldig an der Bushaltestelle.

 

 

Auf dem Navi sehen wir einen vielversprechenden Übernachtungsplatz auf einer kleinen Halbinsel direkt am Peruča-See. Doch diesmal haben wir kein Glück. Eine Tafel weist unübersehbar darauf hin, dass Campieren hier verboten ist.

 

Übernachten verboten am Peruča-See

 

Auch dieser See kann das viele Regenwasser der letzten Tage nicht fassen und hat Wald und Wiesen überflutet.

 

Vom Peruča-See überschwemmt

 

Eine Landnase wurde gar vom Festland abgeschnitten und ist nun vorübergehend eine Insel.
Auch dieser potentielle Übernachtungsplatz ist somit im wahrsten Sinne des Wortes „ins Wasser gefallen“.

 

Insel auf Zeit

 

Wir fahren deshalb weiter nach Cetina. Hier in der riesigen Ebene stellen wir unseren NOBIS neben den Friedhof ausserhalb des Dorfes.
Mitten im Friedhof steht die Ruine der Kirche Sveti Spas (Heilige Rettung). Sie ist die älteste altkroatische Kirche Kroatiens und stammt aus vorromanischer Zeit (ca. 9. Jh).

Ein stimmiges Sinnbild für die Vergänglichkeit.

 

Kirche Sveti Spas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Ein Tag voller Eindrücke

27. März 2018

Für einmal werden wir von der Sonne geweckt.

 

Morgenstimmung bei Cetina

 

Wir wollen zurück an den Peruča-See fahren, um dort an schönster Lage zu frühstücken. Doch nach wenigen hundert Metern sehen wir ein Schild, das zu einem Wasserfall weist. Der „Wasserfall“ ist nur eine kleine Stromschnelle, doch der lauschige Platz daneben mit Picknicktischen ausgerüstet, wie für uns geschaffen.

 

 

 

 

Frühstück an der Cetina in Cetina

 

Kurz nach dem Dorf fallen uns komische runde Dinger auf, die massenhaft an den Eichen hängen. Die Eichen als Weihnachtsbäume mit Kugeln behängt? Wohl kaum.

 

 

Wir wollen es genauer wissen und schneiden eine davon auf. Innen steckt ein offenes Ei. Die Wespe, die da einst als Made gehaust hat, hat sich nach aussen gefressen und ist nun weg.
Wikipedia weiss noch mehr darüber: Die Schwammkugel-Gallwespe (Andricus kollari) legt ihre Eier in die Knospen der Eichen. Diese bilden dann Kugeln aus, in denen eine Made aus dem Ei schlüpft und sich anschliessen in eine Wespe verwandelt.

 

Kugeln der Schwammkugel-Gallwespe (Andricus kollari)

 

Ein Haus am Strassenrand lässt uns stoppen. Hier war es dem Schatten wohl zu mühsam immer zum Balkon hochzuklettern und er hat sich kurzerhand einen eigenen Aufgang gebaut.

 

Schattentreppe

 

Was man so alles entdeckt, wenn man genau hinguckt!

Bei Đurići steht ein Gefallenendenkmal für die Opfer der Schlacht vom 28. Januar 1945 mit den Namen der Gefallenen auf den Stelen.
Das Denkmal wurde im Kroatienkrieg (1991 – 1995) beschädigt.

 

 

Und heute … hast du genau hingeguckt? … finden auf der Wiese darunter Übungen der Kroatischen Armee statt.

Hast du es nicht gesehen? … wir haben doch gesagt, man entdeckt viel, wenn man genau hinguckt!

Zugegeben, die Soldaten sind kaum zu sehen, deshalb hier dasselbe etwas grösser.

 

 

Wir fahren nun dem Krčić entlang.

 

Krčić

 

Am Fluss lagen einst mehrere Mühlen, von denen nur noch die Ruinen übrig geblieben sind.

 

Ehemalige Mühle am Krčić

 

Eine, die gut zugänglich ist, schauen wir uns genauer an. Sechs Mühlsteine wurden durch die Kraft des Wassers angetrieben, das unter der Mühle durchfliesst.

 

Sechs steinerne Mahlwerke

 

Ein Blick unter das Gebäude zeigt, wie das Wasser kanalisiert und auf die einzelnen Räder, die leider nicht mehr vorhanden sind, geleitet wurde.

 

Blick unter die Mühle

 

Der Zufluss wurde oberhalb der Mühle geregelt. Auch hier sind nur noch Fragmente zu sehen, die langsam mit Moos zuwachsen.

 

 

Wir blicken aus dem Fenster und siehe da, da kommt etwas: …

 

Blick aus der Mühle

 

… der Frühling ist im Anmarsch!
Die Bäume blühen …

 

 

… und die Schmetterlinge geniessen die wärmenden Sonnenstrahlen.

Hast du ihn gesehen?
Wen?
Den Schmetterling auf dem vorherigen Bild?
Nicht?
Jetzt haben wir schon zweimal geschrieben, dass es sich lohnt, genau hinzugucken!
(Übrigens all unsere Bilder lassen sich durch Anklicken vergrössern 😉 )

Für alle eiligen Leser, die sich nicht die Zeit nehmen können das vorangegangene Bild nochmals anzusehen und für alle, die offene Falter schöner finden als zugeklappte, hier noch zwei Bilder des Zürgelbaumfalters.

 

Zürgelbaumfalter (Libythea celtis)

 

 

Zürgelbaumfalter (Libythea celtis)

 

Doch der Tag ist noch nicht zu Ende und wir folgen dem Krčić weiter. Oberhalb von Knin fällt er über eine Felswand. Hier folgen wir lieber der Strasse, die sanfter ins Dorf führt.

 

Wasserfall des Krčić bei Knin

 

In Knin werden einige Häuser von gefährlichen Hunden bewacht. Eine der Bestien keift hinter einem stabilen Eisengitter hervor. Beat wagt sich aus dem sicheren Fahrzeug und fotografiert sie.

 

Wachhund in Knin

 

Nun wollen wir zu den Plitwitzer Seen fahren und wählen den kürzesten Weg, den uns das Navi vorschlägt.
Nach dem Pass Srbski klanac tauchen wir ein in den winterlichen Laubwald.

 

Winterlicher Wald am Srbski klanac

 

Auf der Nebenstrasse von Donji Lapac Richtung Udbina müssen wir aufgeben. Der Asphalt endet und die schmale, nasse Fahrbahn wird schmierig. Zudem liegt links und rechts viel Schnee. So schaffen wir den 1142 Meter hohen Pass Kuk nie. Nach etwa zwei Kilometer finden wir endlich einen Platz, auf dem wir wenden können. Das Auto ist mit lehmiger Erde zugekleistert.

Die asphalierte Strasse über Mazin ist dagegen problemlos zu bewältigen.
Zwischen Mazin und Bruvno finden wir einen schön gelegenen, wenn auch kalten Übernachtungsplatz.

 

Übernachtungsplatz mitten im Nirgendwo

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Überall Wasser

28. März 2018

In der Nacht fielen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Dank unserer Dieselheizung mussten wir trotzdem nicht frieren.

In der Ebene von Krbavsko Polje liegen weite Flächen unter Wasser. Wenn da nicht Büsche und Telefonmasten herausragen würden, glaubte man an einem See vorbei zu fahren.

 

Überschwemmte Wiese

 

 

 

Wir fahren an den Plitwitzer Seen vorbei auf den Campingplatz Bear in Selište. „Frei stehen“ kann man in diesem von Touristen überschwemmten Gebiet vergessen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Montenegro

 

Ankunft in Begovići

4. März 2018

Wir kommen von Albanien und fahren durch Montenegro bis auf die Halbinsel Luštica. Im kleinen Dorf Begovići werden wir uns die nächsten zwei Wochen auf einer Ziegenfarm nützlich machen.
Den Job haben wir über www.workaway.info gefunden, einer Plattform die Reisenden die Möglichkeit bietet, pro Woche an fünf Tagen für jeweils vier bis fünf Stunden gegen Kost und Logis zu arbeiten.

 

Halbinsel Luštica

 

Wir treffen am späteren Nachmittag in Begovići ein. Der Empfang ist eher kühl und das Zimmer, das uns zugeteilt wird, sehr schmutzig. Die Türe lässt sich nicht schliessen, da die komplette Klinke fehlt. Luna und Mischa, die zwei kleinen, langhaarigen Hunde der Familie, scheinen diesen Umstand zu nutzen, um nass und verdreckt, wie sie bei schlechtem Wetter sind, auf dem Bett zu schlafen. Zudem sind die Wände schimmlig und der Boden verdreckt.
Wir kriegen aber saubere Bettwäsche und richten uns ein, so gut es geht.

Um 20:00 Uhr ist Nachtessen, danach spülen wir das Geschirr und um 21:00 Uhr geht es zu den Ziegen. Beat gelingt das Melken auf Anhieb. Annette verteilt die Futterrationen gemäss Anleitung von Michael, einem freundlichen workawayer aus den USA.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Arbeiten auf einer kleinen Ziegenfarm

5. – 14. März 2018

Unsere fünfköpfige Gastfamilie ist von Russland her eingewandert und baut sich in Montenegro einen kleinen Bauernhof mit Käserei auf.
Hier leben zudem fünf Hunde, eine Katze, eine Kuh, ein Esel, 13 Mutterziegen und 13 Zicklein, 7 Junggeissen, zwei Ziegenböcke, vier Gänse und vier Enten, einige Truthähne sowie viele Hühner und Wachteln.

Michael arbeitet bereits seit zwei Monaten hier. Er ist zuständig für die Ziegen und wir helfen ihm dabei.
Es ist die Zeit, in der Zicklein geboren werden. Eines Morgens präsentiert uns Marvitza stolz ihren noch feuchten Nachwuchs. Die Zwillinge halten sich schon recht gut auf den Beinen, nur das Laufen ist noch unsicher und es scheint nicht ganz klar, wo die Zitzen bei der Mutter genau hängen.

 

Neugeborene Zicklein

 

Auch Dragana, die vor kurzem selber Mutter geworden ist, kommt vorbei, um die Jungen zu begutachten.

 

Dragana

 

Wir hingegen wissen, wo die Milch bei den Ziegen fliesst, denn Melken gehört zu unseren Aufgaben.

 

Ziegenzitze

 

Unser Tagesablauf sieht folgendermassen aus:

7:00 Uhr
Geschirrspüler ausräumen; danach Ziegen füttern und melken; Zicklein die Flasche geben; Milch filtern, abfüllen und in den Kühlschrank stellen; Frühstück vorbereiten, danach abräumen und Milchgeschirr reinigen.

10:00 Uhr
Ziegen zum „Ausgang“ vorbereiten, das heisst die beiden Böcke und die Zicklein werden in ein separates Gehege gebracht. Mit den anderen geht es dann auf die Weide. Michael schreitet vorneweg und wir machen den Abschluss.
Das tönt einfach, ist aber etwas knifflig! Die Ziegen dürfen nicht auf die nahe Strasse laufen und sollten in dem verwilderten, verbuschten Gelände beaufsichtigt werden. Natürlich ist das Gras beim Nachbarn auf der anderen Strassenseite viel besser. Die Tiere hören zwar auf ihre Namen, sind aber ausgesprochen clever und nutzen jede sich bietende Gelegenheit, um auszubüchsen. So kommen wir täglich zu unseren Jogginglektionen mit gleichzeitigem Steckenschwingen und lautem Rufen. 🙂
Dazwischen gibt es aber auch ruhige Phasen und wir staunen, was die Ziegen alles fressen: Sie mögen Blätter und Zweige, aber auch Baumrinde (bevorzugt von Olivenbäumen), Efeu, Brombeerblätter und Spitzen der stachligen Ranken, auch trockenes Eichenlaub und natürlich Gräser und Klee.
Nach zwei bis drei Stunden sind wir jeweils wieder zurück und nach einer kleinen Pause geht es schon wieder los.

14:00 Uhr
Die Mütter ausmelken, damit sie sich ans das Prozedere gewöhnen. Die Milch den Jungen in der Flasche zu trinken geben. Alle Ziegen füttern. Futter für den nächsten Tag abwägen und einweichen.

15:00 Uhr
Mittagessen

17:00 Uhr
Ziegen füttern.

20:00 Uhr
Abendessen, danach Geschirr spülen.

21:00 Uhr
Ziegen füttern und melken. Milch filtern, abfüllen und in den Kühlschrank stellen. Milchgeschirr abwaschen. Anschliessend: Feierabend!

An drei Tagen bessern wir in der freien Zeit den Zaun aus, der für die Tiere bisher nicht wirklich ein Hindernis darstellte. Danach, mit zwei Drähten mehr und Strom, der auch tatsächlich fliesst, bleiben die Ziegen im Gehege und lassen ihre Nachmittagsrunden in die fetten Wiesen und Gärten der Nachbarn bleiben.

 

Hier ein paar Bilder:

 

 

 

 

 

Margoscha

 

 

Michael auf dem Weg zur Weide …

 

 

… und auf der Weide (mit Drop und Berosa)

 

 

Von links: Nana, Zeza, Sima, Rada, Amecka, Paboda, Musa, Berosa, Victory, Schneschka

 

 

Ziegenhirtin Annette bei der Arbeit

 

 

Margoscha mag Olivenblätter.

Beba weiss, oben wachsen die besten Blätter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Arbeit mit den Tieren macht riesig Spass.
Anfangs durchschauen wir die Abläufe noch nicht, geschweige denn, dass wir uns all die Namen der Ziegen merken könnten. Michael ist aber ein geduldiger Lehrmeister. Das Wohlergehen der Tiere liegt ihm sehr am Herzen.
Nach einigen Tagen haben wir begriffen, welches Futter wir wann vorbereiten und wieviel wovon wir wann an wen verfüttern sollen. Auch wessen Milch in die Schoppenflasche und welche zum Käsen in die Küche kommt.

Dank uns kann sich Michael zwei freie Tage nehmen, um Freunde in Kotor zu besuchen.

Olga kocht ausserordentlich gut und reichlich.
Trotzdem fühlen wir uns ausgenutzt. Wir drei „workawayer“ sind am Morgen die ersten und am Abend die letzten bei der Arbeit. Klar, gibt es immer wieder Pausen, doch arbeiten wir im Schnitt über sieben Stunden pro Tag, statt der vier bis fünf, die workaway vorgibt.
Hier müssten Arbeitskräfte gegen Lohn angestellt werden.

Zudem bereitet uns das schimmlige Schlafzimmer, der Schmutz allüberall und der dauernd laufende Fernseher Mühe, der auch in unserem Zimmer nicht zu überhören ist. Während der gesamten Zeit schaffen wir es nie einen Internetempfang zu kriegen, um wenigstens unsere Mails zu lesen.
Traurig stimmt uns auch, dass in dieser regenreichen Jahreszeit die Ziegen, Truthähne und Hühner in der aufgeweichten Erde zum Teil tief im Matsch stehen müssen und für die Ziegen kaum Einstreu für die Ställe vorhanden ist.

 

 

 

 

 

 

Morgen fahren wir nach zehn Arbeitstagen am Stück wieder weiter und verzichten auf die Freitage mit Kost und Logis, die uns noch zustehen würden.

 

Bunter Truthahn in trister Umgebung

 

 

Wir ziehen weiter

15. März 2018

Nach der letzten Morgenarbeit und dem Frühstück fahren wir Richtung Kotor. Wir möchten uns auch von Michael verabschieden, der heute morgen per Autostopp auf die Farm zurückkehren soll. Leider treffen wir ihn nicht mehr an. Deshalb drehen wir nach Duraševići wieder um und fahren zurück. Wir wollen uns die Halbinselnsel Luštica ansehen, auf der wir gearbeitet haben.

An einer Bucht wird ein neues Feriendorf aus dem Boden gestampft. Der Jachthafen und viele der Häuser sind bereits vollendet. Ein 18-Loch Golfplatz auf den Hügeln soll noch gebaut werden.
Das Angebot richte sich an reiche Ausländer, die bereit sind über eine Million Euro pro Wohnung zu bezahlen, hat uns Olga erzählt.

 

Feriendorf Luštica Bay

 

Ganz im Westen der Halbinsel liegt das Dorf Rose wunderschön an der Bucht von Herzeg Novi. Auch hier scheint der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor zu sein. Doch um diese Jahreszeit ist in Rose tote Hose.

 

Rose

 

Auf der Nordseite der Halbinsel entdecken wir in Krašići ein kleines Hotel mit wunderbarer Sicht auf die Bucht von Kotor.
Hier wollen wir etwas ausspannen und buchen vor Ort ein Zimmer mit Frühstück. Als wir dann im Internet sehen, dass dasselbe Zimmer online reserviert einiges günstiger gewesen wäre, sinkt unser Stimmungsbarometer merklich und wir beschliessen schon morgen wieder weiterzuziehen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auszeit in Kotor

16. – 20. März 2018

Unglaublich frech finden wir, dass zwar, wie beim Einchecken mehrmals betont wurde, das Frühstück inklusive ist, aber dass wir die Tasse Kaffee bzw. Tee separat bezahlt müssen. Wir fühlen uns über den Tisch gezogen. Dem Hotel Anderna in Krašići können wir keine gute Bewertung geben.

Für die nächsten Tage ist nasskaltes Wetter angesagt. Wir reservieren deshalb online für eine Nacht ein Appartement mit Parkplatz in Kotor. Dieses liegt nahe der Altstadt, wie wir im Internet sehen.

Wir fahren los und entdecken im leichten Nebel das kleine Kloster Sveti Marko. Es liegt auf einer winzigen Insel mitten in der Bucht, an der auch Kotor liegt und ist nur per Boot erreichbar. Wer dahin geht, kommt nicht so schnell wieder weg. 😉

 

Kloster Sveti Marko

 

Als wir bei strömendem Regen in Kotor ankommen, ist die Zufahrtsstrasse zu unserem Appartement blockiert. Erst nach einiger Zeit, als ein defekter PKW abgeschleppt ist und diverse im Parkverbot abgestellte Fahrzeuge weggefahren sind, ist es möglich in die Nähe unseres Zieles zu fahren. Der Vermieter kommt uns entgegen und meint, dass wir ein grosses Auto hätten, er aber nur über Parkplätze für kleine Autos verfüge. Zum Glück können wir unseren NOBIS auf der engen Zufahrt der Baustelle nebenan parken. Das Grundstück gehöre seinem Nachbarn. „No problem, no problem!“

Das Appartement ist grosszügig eingerichtet, mit Sicht auf die Stadt und hat, für uns wichtig, guten Internetempfang.
Es gefällt uns so gut, dass wir gleich fünf Tage bleiben. Es regnet jeden Tag und mehrmals ziehen Gewitterfronten mit Hagelschauern durch. Wir sind froh, dass wir diese hier an der Wärme aussitzen können.

Wenn es das Wetter erlaubt, spazieren wir in die Altstadt, die als UNESCO-Welterbe eingestuft ist oder ans nahe Meer.

Hier ein paar Impressionen:

 

Brücke zur Altstadt von Kotor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erwischt!!

 

 

 

 

 

Von unserem Balkon aus sehen wir eines Morgens, dass sich ein Kreuzfahrtschiff zwischen die Häuser gezwängt hat.

 

Ein Kreuzfahrtschiff in Kotor

 

Heute ist das Wetter etwas besser. Wir nutzen die Gelegenheit und wandern auf der Ostseite die steilen Serpentinen zum Fort hinauf.

 

Blick auf Kotor

 

Zurück steigen wir die Treppe hinunter, die direkt in die Altstadt führt.

 

Altstadt von Kotor

 

Im historischen Zentrum wird die kurze regenlose Zeit genutzt, um …

 

… Wäsche zu trocknen und …

 

 

… um etwas Sonne zu tanken 😉

 

Link zur Wanderung zum Fort von Kotor:

 

 

Unser Übernachtungsplatz ist weg!!!

21. März 2018

Die nächsten Tage soll es hier und im Süden weiter regnen und in den Bergen gar schneien. Im Norden dagegen ist es zwar kälter, aber auf den Wetterprognosen guckt da ab und zu eine Sonne hinter den Wolken hervor.

Wir begraben deshalb unseren Plan ein bis zwei Wochen lang kreuz und quer durch Montenegro zu reisen und brechen lediglich zu einer kleinen Rundfahrt auf.

 

Blick auf Tivat (links) und Kotor (Mitte)

 

In Erakovići degustieren wir kalt geräucherten Beinschinken und Käse. Beides schmeckt so unglaublich lecker, dass wir die kleine Räucherei mit je einem grossen Stück wieder verlassen.

Die Strasse zieht sich den Berg hoch und die Schneereste am Rand werden immer grösser. Zum Glück bleibt uns der alte Pass erspart. Ein neuer Tunnel führt auf die andere Seite …
doch kaum sind wir aus dem Berg, ist die ganze Strasse mit Hagelkörnern übersät.

 

 

Vorsichtig tasten wir uns hinunter nach Cetinje.

Nun haben wir genug!
Wir fahren auf der Hauptstrasse zurück nach Kotor und weiter Richtung Kroatien.

Ein Strassenschild warnt uns vor freilaufenden Kühen. Eigentlich nichts Besonderes, doch wir stutzen! Nach zwei Wochen Ziegenmelken fehlen uns auf dem Bild die Zitzen.
Ist das eine genmanipulierte Kuh?

 

Kuh mit Tetra Pak statt Euter

 

Hat die Kuh statt eines Euters eine Tetrapackung?
Ist Milchkarton wechseln statt melken angesagt?
Wir hoffen es nicht.

Wieder entdecken wir in der Bucht eine kleine Insel mit Kloster, das von vielen Möwen umschwärmt wird.

 

Sveti Đorđe

 

Es dunkelt bereits und wir peilen den Übernachtungsplatz an, auf dem wir 2015 eine ruhige Nacht direkt am Meer verbracht haben.
Doch die Zeiten ändern sich!
Heute steht da ein modernes Restaurant und der Parkplatz ist mit einem Verbot für Camper ausgestattet.

Sch…ade!

Zum Glück halten wir unterwegs immer die Augen nach Alternativen offen. Wir fahren zurück nach Perast, wo ausserhalb des Dorfes ein Parkplatz liegt, den wir im Vorbeifahren als „Notschlafstelle“ deklariert haben.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Montenegro ade

22. März 2018

Heute ist die Wetterlage stabil. Es regnet den ganzen Tag. 😦

 

Bucht bei Herzeg Novi

 

Deshalb lassen wir Herzog Novi links liegen und fahren wenige Kilometer später über die Grenze nach Kroatien.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Albanien

 

Keine Steckdose? … kein Problem!

26. Februar 2018

Bei stürmisch regnerischem Wetter fahren wir nach Sarandë.
Zum Glück war unser Grenzübertritt von Griechenland nach Albanien einfacher als es die Querung des Baches über diese abenteuerliche Brücke sein muss.

 

Wer wagt sich da rüber?

 

Die Bistricë führt Hochwasser und ist über die Ufer getreten. Damit scheint man zu rechnen. Die Brücke führt jedenfalls über die ganze Senke und nicht nur über das Flussbett, das von einer Baumreihe gesäumt ist.

 

Bistricë bei Hochwasser

 

Wir haben in den letzten Tagen mehr als genug Niederschläge erlebt.
Die Campingplätze sind in dieser Jahreszeit alle geschlossen. Deshalb steigen wir in Sarandë im Hotel Brilant ab. Die junge Frau an der Rezeption ist sehr freundlich, aber völlig verunsichert als wir plötzlich vor ihr stehen. Es stellt sich heraus, dass Ionina heute ihren allerersten Arbeitstag hat. Man hat wohl nicht mit Touristen gerechnet und ihr keinerlei Einführung gegeben.
Wir bringen ihr ein Stück Kuchen, was sie beinahe zu Tränen rührt.

Auf unsere Frage, ob es möglich sei, den NOBIS ans Stromnetz anzuschliessen, organisiert sie den Manager des Hotels. Dieser meint, ausserhalb des Hauses gebe es keine Steckdosen. Wir könnten jedoch das Kabel vom Foyer durch die Hauptpforte nach draussen legen, es seien ja zur Zeit nur wenige Gäste im Haus.
Das heisst, das Kabel würde in der Mitte des Eingangs liegen und durch die doppelte, automatische Schiebetüre führen. Wir finden das etwas gefährlich. Jemand könnte darüber stolpern und sich verletzen. Unseren Vorschlag, den Anschluss durch das Toilettenfenster zu legen, das auf der Parkplatzseite liegt, findet auch er besser.

Das unkomplizierte Lösen des Problems erobert unsere Herzen im Nu. So etwas wäre in der Schweiz undenkbar.
Albanien, wir sind zurück und lieben dich noch immer.

Hier der Link zu unserer Reise durch Albanien im Jahre 2015:

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Hotel Brilant in Sarandë

27. Februar – 1. März 2018

Unser Zimmer im vierten Stock mit Blick auf das Meer ist gross, geheizt und hat einen ausgezeichneten Internetempfang.
Zudem sind die 45.– Euro pro Nacht mit Frühstück für zwei Personen in einem Viersternhotel ausserordentlich preiswert.

 

Blick vom Frühstücksraum auf Sarandë

 

Uns gefällt es hier so gut, dass wir statt einer gleich vier Nächte bleiben.
Tagsüber werkeln wir am Blog, schreiben Mails und spazieren durch die Stadt.

In einer Wäscherei bezahlen wir pro Kilogramm Wäsche 200 Lek, was 1.75 Schweizerfranken entspricht. Dass die sauber zusammengelegte Wäsche dann auch noch gebügelt wird, war nicht abgesprochen, aber wohl im Berufsstolz inbegriffen.

Auch in Sarandë wird kunstvoll gesprayt. Das Landeswappen mit dem Doppeladler wurde hier mit dem albanischen Freiheitshelden Skanderbeg kombiniert.

 

Ein politisches Grafitti?

 

In der Stadt findet man, wie überall im Lande, Kleinsthändler, die ihre Waren anbieten.

 

Orangenverkauf in Sarandë

 

 

Altbekannter Übernachtungsplatz

2. März 2018

Obwohl der Himmel immer noch weint, fahren wir nordwärts, denn wir müssen am 4. März in Montenegro sein. Doch davon später.

Bei Shën Vasil weiden einige Esel am Strassenrand.

 

Esel bei Shën Vasil

 

Wir fahren auf der selben Route zurück wie vor drei Jahren. Wieder ist der Himmel bedeckt und wie 2015 queren wir den Llogara-Pass (1027m.ü.M.) im Nebel.

 

Blick vom Llogara-Pass

 

Wir suchen einen neuen Übernachtungsplatz, finden jedoch keinen, der uns gefällt. Deshalb zweigen wir in der Stadt Fier ab und erreichen beim letzten Tageslicht den Parkplatz vor der Ruinenstätte Apollonia, den wir von unserer letzten Albanienreise her kennen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Autofahren kann in Albanien ein Abenteuer sein!

3. März 2018

Unterwegs treffen wir immer wieder Händler, die an der Strasse ihre Produkte anbieten.

 

Orangenverkauf am Strassenrand bei Sheq i Madh

 

In Kavajë zeigt unser Navi eine Einkaufsmöglichkeit mit grossem Parkplatz an. Wir spekulieren auf eine Toilette.
Das vermutete „Einkaufszentrum“ entpuppt sich als grosser Gemüse- und Obstmarkt, wohl für Gastrobetriebe und Einkaufsläden.
Beat fotografiert und kauft einen grossen Bund Karotten. Der Verkäufer, der nur Albanisch spricht, zieht 150 Lek aus seiner Hosentasche und zeigt sie ihm. Zur Sicherheit deutet er zudem an, dass Beat ihn bezahlen müsse und nicht etwa umgekehrt! Also Ware gegen Geld und nicht etwa Ware plus Geld gegen ein freundliches Lächeln!
So kommen wir für umgerechnet 1.30 Schweizer Franken zu gut zwei Kilogramm frisch geernteten Rüebli.

 

Verkaufsstand unseres Rüeblihändlers

 

 

 

In Dutzenden von Lieferwagen und PKWs sind vor allem Karotten, Kohl und Lauch gestapelt.

 

 

 

 

Wir fahren über den Bergrücken nach Kapidanaj. Die Strasse ist sosolala und ziemlich schmal. In der Ebene wird es dann besser, hoffen wir.

Klarer Fall von denkste!

Die Naturstrasse wird schlecht und schlechter, die Fahrbahn schmierig. Riesige Pfützen voll trüben Wassers machen es unmöglich die Tiefe der Löcher abzuschätzen. Einmal schlägt der NOBIS auf. Wenden ist unmöglich.
Nach einer gefühlten Stunde liegt vor uns eine nicht enden wollende Reihe von bedrohlichen Pfützen auf dem schmalen Damm. Wir befürchten in die wassergesättigte Wiese abzurutschen. Da kämen wir ohne fremde Hilfe niemals wieder raus.
Zum Glück führt rechts ein Weg über eine enge Brücke zu einigen Häusern. Danach wird die Strasse wohl besser sein. Nur mit viel Mühe schaffen wir diese Abzweigung.
Bis zum Dorf geht es etwas besser, aber einige hundert Meter weiter folgt eine baufällige Brücke, die uns von der asphaltierten Strasse trennt. Einige der Metallstreben, die die Hängebrücke halten, sind verbogen oder fehlen ganz. Wir glauben nicht, dass die marode Konstruktion unsere dreieinhalb Tonnen tragen kann. Zudem hätten wir auch bei eingeklapptem Seitenspiegeln in der Breite höchstens wenige Zentimeter Platz, wenn überhaupt.
Inzwischen giesst es wie aus Kübeln.
Den ganzen Weg zurückfahren ist keine Option. Der sintflutartige Regen hat die schmierige Strasse, die wir nur mit viel Mühe geschafft haben, noch mehr aufgeweicht.

Was nun?

Wir werden morgen auf einer Ziegenfarm in Montenegro erwartet, wo wir einige Tage arbeiten wollen. Also hier ein – zwei Tage stehen bleiben bis die Strassenverhältnisse besser werden, was wir mit unserem Wohnmobil ja könnten, liegt nicht drin.
Es gelingt uns zu wenden und wir fahren zurück ins Dorf. Dort zweigen wir auf eine andere Schlammpiste ab. Von hier ist die Distanz zur Hauptstrasse aber markant länger. Was erwartet uns da?
Nach etwa dreihundert Metern und einigen tiefen Wasserlöchern ist die Strasse plötzlich asphaltiert. Niemand weiss, warum dieser Belag im Niemandsland beginnt. Vielleicht fehlte das Material oder das Geld um das kleine Dorf ganz zu erschliessen.

Ein weiteres Müsterchen der albanischen Strassenverhältnisse erleben wir vor Thumanë:

Wir wollen ein Gleis überqueren. Es gibt keine Warntafel und keine Schranke. Die Schienen sind rostig, das Gras erobert sich das Terrain zurück. Hier rollt schon lange kein Zug mehr … denken wir.
Plötzlich tutet es von irgendwoher eindringlich. Wir stoppen vor dem Übergang. Und siehe da, ein langer Zug, schwer mit Kies beladen, nähert sich. Beat schaltet den Warnblinker ein und stellt sich mitten auf die Strasse, damit ein nachfolgendes Auto ihn nicht überholt. Der Lokführer bedankt sich sichtlich erleichtert mit herzlichem Winken.

Hinter Thumanë ist eine Brücke gesperrt. Auch hier keinerlei Signalisation. Aber hingekippte Erdhaufen verunmöglichen eine Passage. Vermutlich hat das Hochwasser die Brücke beschädigt.

Wir müssen auf die Autobahn ausweichen und kommen erst nach Anbruch der Dunkelheit zur Wallfahrtskirche Kisha Shna Ndouan, wo wir auf dem riesigen Parkplatz übernachten.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Weiter nach Montenegro

4. März 2018

Früh am Morgen kommen einige Autos angefahren. Etwa ein Dutzend Leute machen sich bereit für einen Geschäftssonntag. Sie bereiten Ständer voller Rosenkränze, Armbänder, Glücksbringer und Kerzen vor.

 

Wallfahrtskirche Kisha Shna Ndouan

 

 

 

 

Wir versuchen in Shengjin an einen schönen Aussichtspunkt am Hafen zu gelangen, den uns die Strassenkarte verspricht. Die Strasse wird immer schlechter und endet in einem Quartier mit baufälligen Häusern. Aussichtspunkt? … Fehlanzeige! Irgendwann geht uns auf, dass wir genau dieselbe Strecke mit demselben Resultat schon mal befahren haben.

Leider hat Albanien das Land mit seinen ausgesprochen freundlichen Menschen das Abfallproblem überhaupt nicht im Griff.
In grösseren Städten werden Plastik, PET, Karton und Metall von Privatpersonen gesammelt und gegen ein kleines Entgelt an Sammelstationen geliefert.
Aber immer noch liegt viel Müll an Strassenrändern, in Bächen und Flüssen.

 

Albaniens Müllproblem

 

Kurz vor der Grenze nach Montenegro setzen wir die letzten albanischen Lek in leckeren „Çaj Boronicë“ (Heidelbeertee) und Tomatensauce um.

Bei der Grenzkontrolle grüsst Beat die Beamtin mit einem freundlichen „Përshëndetje“. Sie antwortet ganz selbstverständlich auf Albanisch. Als (auf Englisch) geklärt ist, dass dies eines von drei Worten Albanisch ist, die Beat spricht und versteht, lachen alle.
Die Aussprache sei so gut gewesen, dass sie meinte, Beat stamme aus dem Kosovo.

Link zur heutigen Strecke: