Drei Wasserfälle, zwei Gletscher und eine „Attraktion“

 

Gletscher und Wasserfall

29. August 2017

Der Nachbar auf dem Campingplatz hat uns den Weg zum Gígjökull empfohlen. Unterwegs gebe es einige Furten, die auch mit unserem Fahrzeug zu schaffen sein sollten.

Im Dorf steht ein Lastwagen, der Rasenrollen geladen hat.
Statt dass der Chauffeur uns den Teppich ausrollt, fährt er mit seinem Gut bald weiter. Schade, uns hätte es nicht gestört, dass der Teppich nicht rot gewesen wäre. 😉

 

Aufgerollter Rasen

 

Die Schotterstrasse zum Gígjökull ist wirklich eine Herausforderung.
Beim ersten Bach scheint es, wie wir aus den Spuren schliessen, drei Möglichkeiten zu geben. Links, Mitte, rechts, doch welche ist die ideale Linie? Weit und breit ist kein Fahrzeug zu sehen, das wir beobachten könnten.

 

Welcher Weg ist der beste?

 

Annette opfert sich, zieht Schuhe und Strümpfe aus und watet in das eiskalte Wasser, um die Tiefe und den Untergrund auszuloten.

 

 

Wir kommen heil ans andere Ufer. Aber schon nach wenigen hundert Metern stehen wir wieder vor einem Bach, den es zu furten gilt. Wir steigen aus und begutachten die Lage. Auch diesen Wasserlauf kreuzen wir ohne grössere Probleme. Insgesamt gibt es 14 Bäche, die wir durchqueren müssen. Mit der Zeit werden wir mutiger und entscheiden uns aus dem Auto heraus für eine Route. Trotzdem sind wir erleichtert als wir den Wanderparkplatz erreichen.

Wir wandern zum Gletscher Gígjökull, dem nördlichen Gletscherarm des berühmten Eyjafjallajökull.
Der Gígjökull sah 1992 noch so aus:

 

Gígjökull mit Gletscherlagune 1992

 

Als der Vulkan unter dem Eis des Eyjafjallajökull im April 2010 ausbrach, bildete sich subglazial ein riesiger Schmelzwassersee. Dieser entleerte sich am 14. April in einem gewaltigen „Gletscherlauf“ in Richtung des Gígjökull. Bis zu 2’700 m³ Wasser pro Sekunde tosten zu Tal. Grosse Eisbrocken wurden von der Flutwelle mitgerissen. Sedimente füllten die Gletscherlagune auf.

 

Kieslandschaft vor dem Gígjökull

 

Gígjökull

 

Gletschertor am Gígjökull

 

Auch hier haben erste Pflanzen begonnen das Terrain zu erobern.

 

 

Beim Ausbruch des Eyjafjallajökull im April 2010 wurden rund 270’000’000 m³ Vulkanasche bis zu 7’000 m hoch in die Atmosphäre geschleudert. Ungefähr die Hälfte davon fiel zurück auf den Vulkan und die benachbarten Gebiete. Die andere Hälfte verteilte sich mit den Höhenwinden über Nord- und Mitteleuropa und weiter bis nach Sibirien und verursachte ein Chaos im Luftverkehr. Rund 104’000 Flüge wurden gestrichen, etwa 10 Mio. Passagiere sassen fest.

Auf der Rückfahrt durchfahren wir mutig alle 14 Furten und entscheiden uns nach wenigen Worten für eine der Routen. Lediglich einmal drehen die Räder beim Verlassen des Flussbettes durch, doch unser NOBIS schafft auch diese Herausforderung.

Wir wollen den Seljalandsfoss im Abendlicht erleben, deshalb besuchen wir nur kurz die Kirche von Stóradalur, die uns auf der Hinfahrt aufgefallen ist. Unübersehbar steht der dreieckige Glockenturm neben der dreieckigen Kirche.

 

Kirche von Stóradalur

 

Schon von weitem macht der Seljalandsfoss mit einem Regenbogen auf sich aufmerksam.

 

Seljalandsfoss

 

Hinter diesem Wasserfall kann man durchgehen. Das erklärt die Menschenmassen, die auch um 20:00 Uhr noch hier herumwandern.

 

 

 

 

 

 

 

Seljalandsfoss von hinten

 

In Gehdistanz vom Seljalandsfoss liegt ein weiterer Wasserfall, der weit weniger bekannt ist. Beim Gljúfrabúi fällt das Wasser in einen Felskessel.
Das Spektakel kann man sich ansehen, wenn man auf dem kurzen, steilen Pfad den Felsen hochkraxelt.
Die noch spannendere Variante ist jedoch, durch den Bach und eine schmale Spalte zum Gljúfrabúi vorzudringen. Da erlebt man den Wasserfall mit all seinen Sinnen. Die Gischt sprüht kühl ins Gesicht und das Tosen im geschlossenen Felskessel ist eindrücklich.

 

Gljúfrabúi

 

Auf dem Rückweg leuchtet uns ein wunderschöner Sonnenuntergang durch die Felsspalte entgegen.

 

Rückweg vom Gljúfrabúi

 

Für die Nacht fahren wir ein weiteres Mal nach Landeyjahöfn zum Parkplatz des Fährhafens. Hier sind wir schon beinahe zu Hause. 😉

Um 23:00 Uhr lockt uns ein wunderschönes Nordlicht aus dem NOBIS. Erst leuchten nur diffuse, grünliche Streifen am Himmel. Immer wieder scheinen daraus einzelne grüne Flammen zu züngeln.
Ein paar Sternschnuppen stimmen auf das Spektakel ein, das kurz darauf folgt:
Die Nordlichter werden kräftiger. Für kurze Zeit hängt ein grüner Vorhang mit violettem Saum am Himmel. Allmählich schliesst er sich zu einem Kreis und verschwindet dann wieder, wie er gekommen ist.
Wir haben im Winter 2015/2016 in Schwedisch-Lappland viele wunderschöne Nordlichter gesehen. Doch dieses übertrifft alles, was wir kennen.

Link zur Wanderung an den Gígjökull: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zum Spaziergang zum Seljalandsfoss und zum Gljúfrabúi: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wasserfall und Gletscher

30. August 2017

Wir sind auf dem Weg zum Jökulsárlón.
Beim Skógafoss legen wir einen Stopp ein.
Um seine Attraktivität zu steigern und gegen die Konkurrenz der unzähligen Wasserfälle auf Island zu bestehen, hat sich der Skógafoss gar einen eigenen Regenbogen zugelegt. 😉

 

Skógafoss, 62 Meter hoch, 15 Meter breit

 

 

Skógafoss mit eigenem Regenbogen

 

Wir steigen die 430 Stufen hinauf zur Aussichtsplattform. Von hier geniesst man die Aussicht über die Ebene bis hin zum Meer. Der gut gefüllte Parkplatz zeigt, dass viele Touristen dieses Naturwunder besuchen.

 

Blick von der Plattform des Skógafoss

 

Auf unserer Weiterfahrt sehen wir viele Autos von der Ring- auf eine Schotterstrasse abbiegen. Da muss was sein, das wir nicht kennen. Auch wir stellen den Blinker und erreichen so den Sólheimajökull. Der Spaziergang vorbei an einem Gletschersee mit kleineren Eisbergen ist sehr eindrücklich. Das Eis ist an vielen Stellen mit schwarzer Vulkanasche bedeckt. Diese stammt vom Ausbruch der Katla 1918.

 

Sólheimajökull

 

 

 

 

 

 

Den Gletscher selber darf man nur mit Steigeisen betreten. Ein „endloser“ Strom von Touristen wird von Guides dorthin geschleust.

 

 

Wir wagen uns einige Meter auf das mit Asche bedeckte Eis. Die Spalten ringsum sind Ehrfurcht gebietend tief. Wer da hineinstürzt, kommt alleine nicht mehr heraus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Fusse des Gletschers lagern sich Lavasteinchen und -Sand ab. Es bilden sich kleine, wunderschöne Miniatur-Landschaften.

 

Miniatur-Berglandschaft

 

Nach diesem zweiten eindrücklichen Abstecher setzen wir unseren Weg zum Jökulsárlón fort.
Auf einem Parkplatz direkt an der Strasse stehen viele Autos. Eine Info-Tafel fehlt, aber irgendwo in der Nähe muss eine Attraktion sein. Die Neugier lässt uns stoppen. Unmengen von Touristen streben auf einem breiten Weg dem Meer entgegen. Ein Ziel ist nicht zu sehen … aber es wird sich ja wohl lohnen !?!
Gemäss dem Motto: „Esst Scheisse, vier Billionen Fliegen können sich nicht irren!“ gesellen wir uns dazu und marschieren los.
Nach einer Stunde ist von der Attraktion noch immer weit und breit nichts zu sehen. Wir fangen an zu rätseln, worum es sich handeln könnte. Schöne Felsen? Vogelklippen? Ein schwarzer Strand?
… Noch immer nichts Attraktives in Sicht….
Vielleicht ein Scherz mit versteckter Kamera, zuletzt ein Lachsack? Oder eine aufmunternde Infotafel von wegen „Bewegung tut gut!“?

Irgendwann sehen wir etwas Helles. Ein gestrandeter Eisberg? Ein toter Wal?
Je näher wir kommen desto grösser die Enttäuschung. Bei der Attraktion handelt es sich um ein Flugzeugwrack, ohne Flügel, ohne Cockpit, dafür mit kichernden und grölenden Touristen, die sich darin, darunter und darauf in möglichst „originellen“ Posen ablichten lassen.

Der Weg war lang und wir Herdentiere sind unseren Artgenossen hinterhergetrottet, deshalb teilen wir hier die Früchte unserer Anstrengung mit euch!

 

 

 

 

Und die Moral von der Geschicht: Mal lohnt es sich den Massen zu folgen, mal lohnt es sich nicht!

Im Nachhinein finden wir heraus, dass es sich bei dem Wrack um die Überreste einer C-117 der US Navy handelt, die am 21. Nov. 1973 hier notlanden musste. Die Amerikaner entfernten die Instrumente, die Motoren und die Flügel und liessen den Rest liegen.

Es ist bereits 19:00 Uhr, als wir uns auf den Rückweg machen. Der Jökulsárlón muss bis Morgen auf unserern Besuch warten.
In Vík í Mýrdal fahren wir auf den Campingplatz.

Link zur Wanderung zum Flugzeugwrack:

Link zur heutigen Strecke:

 

 

2 Gedanken zu “Drei Wasserfälle, zwei Gletscher und eine „Attraktion“

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