Zauberhaftes Landmannalaugar

 

Auf ins Landesinnere

22. August 2017

Heute zieht es uns landeinwärts. Die Landschaft wird mit jedem Kilometer einsamer und karger.
Bei Geldingalækur scheint ein Bauernhof mit bunten Farben gegen die Einöde anzukämpfen.

 

Einsame Siedlung bei Geldingalækur

 

Unvermittelt öffnet sich links der Strasse ein kleines Tal mit schwarzem Gestein … und schon ist es an unseren Autoscheiben vorbeigezogen. Wir stoppen und kehren um.
Der Stacheldrahtzaun ist für uns kein grosses Hindernis und schon tauchen wir immer weiter in die Schlucht ein.

 

Schlucht bei Bolholt

 

In dem dunklen Gestein müssen härtere Schichten eingebettet sein. So erodiert es zu schönen, gestreiften Felsen mit eigenartigen Formen.

 

 

 

 

Beim Sigöldufoss legen wir eine Pause ein. Der Wasserfall gefällt uns.

 

Sigöldufoss

 

An einer Stelle hat das Wasser zwei kleine Strudeltöpfe in den Fels geschliffen.

 

Strudeltöpfe

 

Die Schotterstrasse hinauf zum nahen Stausee ist mit einem Fahrverbot belegt. Fröhlich leuchtet das Schild in der Steppe.

 

Fahrverbotstafel als Farbtupfer

 

Hier gefällt es uns so gut, dass wir gleich die Nacht über bleiben, Platz ist ja genügend vorhanden.

 

Übernachtungsplatz oberhalb des Sigöldufoss

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Wandern im Landmannalaugar

23. August 2017

Am Morgen geht es weiter nach Landmannalaugar. Wir fahren auf einer „F-Strasse“, das heisst, dass sie nur mit Allradfahrzeugen befahren werden darf.
Wir sind deshalb um unser Fahrzeug herumgegangen und haben konzentriert gezählt,  um sicher zu sein, dass keines der vier Räder fehlt. Zum Glück hat unser NOBIS alle seine Räder und wir somit ein Allradfahrzeug.
Stimmt doch, oder?

Die Schotterpiste führt durch eine Steinwüste.

 

 

Wir staunen über die verrückten Farben und Muster, in denen sich die Berge präsentieren.

 

 

 

 

 

 

Vor Landmannalaugar weiden einige Schafe in der kargen Steppe.

 

Irgendwas zu Fressen gibt es auch hier.

 

Vor dem grossen Park- und Campingplatz führt der Weg durch den Fluss Námskvisl. Wir parken auf dem Platz davor und schauen einigen Fahrzeuge zu, die hier furten.
Wir nehmen das Wagnis nicht auf uns, da wir befürchten, dass sich unser Luftfilter mit Wasser füllt.

 

Furten vor Landmannalaugar

 

Wir schnallen uns die Rucksäcke an und ziehen zu Fuss los. Die Rundwanderung über den Skalli und Brennisteinsalda (881 m ü. M.) ist unser Ziel.

Wir wandern durch eine Gegend, die von einem anderen Stern zu sein scheint. Worte genügen nicht, um das zu beschreiben, deshalb hier eine geballte Ladung Bilder:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sogar die Bäche leuchten bunt!

 

 

 

 

An einigen Stellen liegt auch Ende August noch Schnee.

 

 

Ein Trollmädchen mit spitzer Nase hebt den Zeigefinger und weist gegen den Himmel, wo der Schöpfer dieser Märchenlandschaft wohnen soll.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einigen Stunden wandern und staunen sind wir wieder auf dem Talboden angelangt.
Die umliegenden Berge spiegeln sich in einem ruhigen See im Námskvísl-Tal.

 

See im Námskvísl-Tal

 

Einige Schafe weiden zwischen dem Wollgras …

 

 

… während sich ein Odinshühnchen mehr für Insekten interessiert.

 

Odinshühnchen (Phalaropus lobatus)

 

Nach fünfeinhalb Stunden Wanderzeit sind wir zurück bei unserem Wohnmobil.
Voller wunderbaren Eindrücke fahren wir einige Kilometer zurück auf einen Platz direkt bei den Stromschnellen am Tungaá , der uns auf der Herfahrt aufgefallen ist.

Link zur Rundwanderung im Landmannalaugar: Da auf “google maps” der Weg fehlt, haben wir eine ungefähre Strecke in die Karte gezeichnet.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Fantastische Valagjá

24. August 2017

Am Morgen stehen zwei Autos in der Einfahrt zu dem kleinen Parkplatz, auf dem wir übernachtet haben. Diese gehören wohl den Leuten in den beiden Zelten, vermuten wir.
Noch einem üppigen Frühstück mit Rührei mit Champignons und Speck (die Energie, die wir gestern auf der Wanderung verbraucht haben, muss ja wieder zugeführt werden!) möchten wir gerne aufbrechen. Annette geht zu den Zelten hinüber und bringt die Bitte vor, die Autos doch umzuparken. Ein junger Mann taucht auf. Es stellt sich aber schnell heraus, dass sie mit dem hinteren Wagen nichts zu tun haben. Dieser Fahrer ist wohl auf einer Wanderung.
Wir beratschlagen, wie wir unser WoMo gefahrlos hinausfahren können. Es stehen drei Varianten zur Auswahl, aber keine überzeugt so richtig. Wir entscheiden uns für die „über den Hügel“-Version. Dies gelingt ganz gut, nur der Einfüllstutzen für den LPG-Tank schneidet eine Kerbe in den Boden. Der Untergrund besteht aber aus weichem Sand und hinterlässt keinen Schaden.

 

Staubige Wellblechpiste

 

Überall wird darauf hingewiesen, dass das Fahren neben der Piste verboten ist, da sich der empfindliche Boden unter diesen harten klimatischen Bedingungen nicht mehr von den Schäden erholen kann.
Trotzdem trifft man immer wieder auf Spuren, die irgendwelche hirnlose und egoistische „Freunde der Wildnis“ hinterlassen haben.

 

Irreversibler Landschaden neben der Piste

 

Wir fahren weiter durch unglaubliche, geologische Wunder.
Von Hügeln mit Streifenmuster und roten Spitzen bis hin zu Bergen mit vertauschten Farben: unten grau und oben grün.

 

 

 

Verkehrter Berg

 

Wir fahren auf der Wellblechpiste F225 weiter. Einen ersten Bach können wir problemlos furten. Die nächste Flussquerung ein paar Kilometer weiter bereitet uns aber einiges Kopfzerbrechen: viel Wasser, verschieden breite Stellen, Tiefe nicht einschätzbar, Ab- und Auffahrt am Ufer teilweise ziemlich steil …Welches ist wohl die beste Route?
Wir schauen ein paar Autos zu, wie sie die Strecke meistern und wagen uns dann selber in die Fluten.
Die Durchquerung auf der „idealen“ Route gelingt problemlos. Bravo NOBIS!

Der Erfolg macht uns mutig. Wir wagen den Abstecher zur Schlucht Valagjá.
Der Weg führt durch eine märchenhafte, pittoreske Landschaft. Das Lavagestein ist zum Teil mit dickem, hellem Moos überwachsen.

 

 

 

 

Und dann sehen wir ihn, den wenig bekannten Spaltenvulkan mit den schwarzen und roten Wänden. Man wähnt sich auf dem Mond.

 

Spaltenvulkan Valagjá

 

 

 

Annette am Valagjá

 

Nach einer kleinen Pause geht es zurück und weiter auf der F225.

 

Schotterstrasse in der Wüste Islands

 

Wir beschliessen nördlich des Þjorsá entlangzufahren. Der Weg dahin zieht sich ziemlich in die Länge, die Strasse (obwohl offiziell keine F-Strasse mehr) ist in sehr schlechtem Zustand.

Von oben entdecken wir einen lauschig gelegenen Parkplatz. Dort befindet sich ein Museumshof vor der Kulisse eines kleinen Wasserfalls, inmitten von grünen Hängen und kleinen Wäldchen. Das wohltuende Kontrastprogramm zu den kargen Landschaften des Fjallbak der letzten Tage.

 

Nachbau einer Kirche aus dem 11. Jahrhundert

 

 

Der Torfhof von Þjoðveldisbær ist ein Nachbau eines Gehöftes aus der Anfangszeit der Besiedlung Islands. Der Originalhof Stöng im Þjorsádalur wurde im Jahre 1104 beim Ausbruch des Vulkans Hekla unter Asche begraben und musste aufgegeben werden. Die Ruinen waren aber noch so aufschlussreich, dass sie als Vorlage für die Rekonstruktion dienten.

 

Hauswand aus Torfziegeln

 

Wir beschliessen hier zu bleiben.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Schafpferch von Skaftholt

25. August 2017

Wir sind müde von den Eindrücken, die uns die letzten Tage überrollt haben. Es passt uns deshalb bestens, dass ab Morgen für die nächsten Tage Regen vorhergesagt ist.
Wir fahren Richtung Langbrók, wo wir uns auf einem Campingplatz installieren wollen.

In Skaftholt lockt uns nochmals ein altes Bauwerk aus dem Auto.

 

Der Schafpferch von Skaftholt

 

Im Herbst werden die Schafe von den Bauern zu Pferd von den gemeinschaftlich genutzten Allmenden heruntergetrieben. Im Pferch werden sie an die einzelnen Besitzer verteilt. Bis zu 12’000 Tiere kann dieses Gehege fassen. Schon im 12. Jh. soll sich an dieser Stelle ein Schafpferch befunden haben.

 

 

Auf dem Campingplatz plaudert Annette lange mit der Frau, die den Platz aushilfsweise „hütet“. Sie empfiehlt ganz enthusiastisch den Besuch des Lava-Centres. Später ruft sie Annette nochmals zu sich und teilt ihr mit, dass morgen Stadtfest sei in Hvolsvöllur und darum werde der Eintritt ins Informationscenter reduziert, zudem werde gratis Fleischsuppe ausgegeben.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Lava-Center in Hvolsvöllur

26. August 2017

Es stürmt und regnet in Strömen. Das ideale Wetter für einen Besuch im Lava-Centre in Hvolsvöllur. Die Ausstellung wurde im Juni dieses Jahres neu eröffnet und ist wirklich sehr eindrucksvoll.
Unter anderem kann man an Bildschirmen ablesen, wo und wie stark in diesem Moment an ausgesuchten Messstellen auf Island die Erde bebt, und wie der Erdbebenverlauf der letzten Tage dort war.
Auf dem Parcours durch das Museum muss man sich in einem Korridor durch eine „Aschewolke“ tasten. In einem engen Durchgang wird man von einem heftigen Erdbeben überrascht. Das fährt nicht nur physisch in die Knochen!

Schon ein Besuch auf der Homepage lohnt sich! Link zum Lava-Centre

Wie das Leben spielen kann, erfahren wir von einem 85-jährigen Deutschen, der seit 20 Jahren hier auf Island lebt. Er hat uns in unserem Wohnmobil aufgesucht, um zu erzählen, dass er in der Schweiz viele Caritas Einsätze geleistet habe.
Seine Frau sei leider an Krebs gestorben. Danach habe er nochmals geheiratet, eine Frau aus Sri Lanka mit einer kleinen Tochter.
Als sein eigener Sohn mit dieser Frau durchgebrannt sei, habe er genug gehabt und sei hierher ausgewandert.
Nun lebt er in einem Altersheim, pflegt diverse Blumenrabatten und ist zufrieden mit seinem Leben.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Regen auf dem Campingplatz in Langbrók

27. – 28. August 2017

Wir verbringen die zwei Tage mit lesen, arbeiten am Blog und plaudern mit anderen Campern.
Ein Mann empfiehlt uns die Strecke zum Gletscher Gígjökull zu fahren, wenn wir mal so richtig furten wollten. Die Wasserstände der Bachläufe entlang des Flusses Markarfljót seien nicht sehr hoch und sollten für unseren Peugeot Boxer zu schaffen sein.

Ja, so beginnen Abenteuer!

 

 

2 Gedanken zu “Zauberhaftes Landmannalaugar

  1. Liebe Annette und lieber Beat
    Ich habe eben wieder meine sonntägliche Lektüre von euch genossen. Dannach bin ich in der Zeitschrift Geo auf eine Wanderung gestossen die euch vielleicht interessieren könnte.

    Laugavegur Trail, Island: Andere Welten
    Über 200 Vulkane, Nordlichter, einzigartige Natur – schön und gut, Island kann aber noch mehr. Auf dem Wanderweg vom nördlichen Landmannalaugar bis zum südlich gelegenen Thorsmörk passiert man Wasserfälle wie den 60 Meter hohen Skógafoss, erkaltete Lavafelder, bunte Rhyolith-Berge und smaragdgrüne Mooslandschaften. Qualmende Thermalquellen wechseln sich mit friedlich plätschernden Bächen, schwarzen Sandwüsten und tosenden Eiswasserflüssen ab.
    Weiter hin viel Freude wünscht euch von Herzen Ursi

    • Hallo Ursi

      Es freut uns sehr, dass wir deine Sonntage verschönern können.
      Das Landmannalaugar ist wirklich einzigartig. Vielen Dank für deinen Tipp. Leider können wir dort nicht mehr wandern … weil wir breits wieder in südlicheren Gefilden 😉 (Norddeutschland) sind.
      Unser Blog hinkt der Zeit immer etwas hinterher. Der Skógafoss ist ebenfalls sehr imposant. Bilder von ihm folgen im nächsten Beitrag.

      Liebe Grüsse
      Beat und Annette

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