Auf dem Weg nach Sizilien

 

Die (ob-)dachlose Kirche von San Galgano

10. Januar 2015

Heute werden wir von lärmenden Motorsägen geweckt. Im Nachbargrundstück wird gerodet.
Deshalb fällt unser Frühstück relativ kurz aus und wir fahren weiter nach San Galgano, um die berühmte Kirche ohne Dach zu besichtigen.

 

 

In San Galgano wurde im 12. Jahrhundert ein Kloster erbaut. Die Kirche stellt in Mittelitalien einen einzigartigen Fremdkörper dar. Mit diesem Bau wurden zum ersten Mal gotische Stilelemente in der Toskana eingeführt. Die reine französische Gotik konnte sich hier aber nie durchsetzen.
Die Mönche des Klosters waren im 12. und 13. Jahrhundert einflussreiche Grundbesitzer. Sie betrieben einige Mühlen und optimierten die Eisengewinnung.

 

 

Der wirtschaftliche Abstieg begann Mitte des 14. Jahrhunderts. Durch Hungersnöte und Pestepidemien starben viele Mönche und Laienbrüder zudem machten marodierende Söldnerheere aus Florenz die Gegend unsicher.
Der Abt Girolamo Vitelli verkaufte um 1550 die Bleidächer der Klosterkirche, wodurch die Kirche schweren Schaden erlitt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zisterzienser-Mönche blieben bis 1783 als Grossherzog Leopold I. das Kloster aufhob und der Papst es entweihte. Im selben Jahr stürzte der Glockenturm und die meisten Gewölbe der Kirche ein. Nach und nach trugen die Bauern der Umgebung Steine vom Mauerwerk ab, um damit ihre Häuser zu bauen.
Die mächtige Ruine und ihre Geschichte hat uns sehr beeindruckt. Sie ist heute ein Touristenmagnet, wie der riesige Parkplatz in der Nähe zeigt.

Nach der Besichtigung fahren wir nach Monticiano auf einen Stellplatz, der im Toscana-Wohnmobil-Guide erwähnt ist. Er entpuppt sich aber eher als Abstellplatz für alte Kommunalfahrzeuge. Doch es ist sehr ruhig hier und wir stellen unser Wohnmobil zwischen einen alten Schulbus und einen rostigen LKW mit montiertem Schneepflug.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Baden im Freien

11. Januar 2015

Heute fahren wir nach Saturnia. Eine Legende besagt, dass Saturn, der griechische Gott des Ackerbaus, hier seine erste Stadt auf der italienischen Halbinsel gegründet haben soll.
Der Ort gilt auch als die erste etruskische Stadt Italiens.

 

 

Wir haben gestern genug „Geschichte konsumiert“, deshalb lassen wir den historischen Ort links liegen und fahren direkt zu einem weiteren Höhepunkt, der Thermalquelle. Das schwefelhaltige Wasser tritt 37°C warm aus dem Boden und fliesst als Bach bis zu der „Cascate del Mulino“. Hier ist das Baden in den natürlich geschaffenen Sinterbecken kostenlos und das Wasser immer noch ca. 30 °C warm.

Annette kuriert im warmen Wasser ihre Erkältung aus.

 

In Montemerano finden wir einen ebenen Übernachtungsplatz direkt beim Friedhof.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Tuffsteinstadt Pitigliano

12. Januar 2015

Ein Spaziergang am Morgen durch das malerische Dorf Montemerano, das, wie hier üblich, auf einem Hügel steht, bietet schöne Ausblicke auf die umliegenden Olivenhaine.

 

 

 

Schattenspiel im Olivenhain

 

Wir fahren weiter nach Pitigliano, einem sehenswerten Tuffsteinstädtchen. Die Häuser stehen dichtgedrängt auf einem Tuffsteinfelsen. Die Keller und zum Teil auch die Garagen wurden in das weiche Gestein gehauen.

Auf den Stadtplänen, die an den touristischen Hotspots hängen, sind mehrere Stellen mit WiFi-Symbol versehen. Wir freuen uns, denn wir waren schon seit Tagen nicht mehr im Internet. Frohgemut suchen wir uns eine Bank an der Sonne, packen den Laptop aus und bekommen die Meldung „keine Netzwerke gefunden“. Unverzagt marschieren wir zum nächsten Platz, der gemäss Karte WLAN haben soll, wieder nichts. Die Stadtverwaltung, wo wir uns erkundigen wollen, ist geschlossen.
Aber so kamen wir zu einem ausgedehnten Bummel durch die Stadt.

 

Pitigliano thront hoch über dem Tal

 

Bereits die Etrusker hatte 700-600 v. Chr. die Vorteile des leicht zu bearbeitenden Tuffsteins genutzt und ihre Strassen in den Fels gehauen.

Der „Via Cava“ ist einer dieser Hohlwege, die man heute noch begehen kann. Bis zum Bau der heutigen Strassen in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren diese Wege die Hauptverbindungsstrassen zwischen den Dörfern. Die Menschen waren noch hauptsächlich zu Fuss unterwegs und der Transport von Waren wurde mit Hilfe von Eseln bewältigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In die Mitte des Weges wurde eine Rinne gehauen, um das Regenwasser abzuleiten. So konnten die Reisenden bereits vor über beinahe 3000 Jahren auch bei Regen die Strassen benutzen, ohne im Wasser waten zu müssen.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Auf der Suche nach WiFi

13. Januar 2015

Wir möchten gerne wieder einmal unsere Mailbox checken. Deshalb fahren wir heute nach Cerveteri. Hier finden wir zwar den gesuchten Stellplatz, aber das versprochene WiFi ist „zur Zeit“ leider nicht in Betrieb. Wir übernachten trotzdem hier.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Erwürgte Hähne!

14. Januar 2015

Heute geht es nach Strangolagalli, was auf Deutsch „strangulierte Hähne“ heisst. Einer Sage nach soll das Städtchen vor langer Zeit von Belagerern umstellt gewesen sein. Diese planten beim ersten Hahnenschrei einen Angriff. Die Bewohner wendeten diesen dadurch ab, dass sie in der Nacht allen ihren Hähnen den Hals umdrehten.
Es gibt noch andere Erklärungen für den seltsamen Ortsname, doch uns gefällt diese Version am besten.

PS: Auch hier gibt es das angekündigte WiFi nicht. „Es wird zur Zeit gerade etwas gebaut“, weiss uns der Gemeindepräsident zu berichten.
Am nächsten Morgen werden wir dafür mit strahlendem Sonnenschein und einer wunderschönen Aussicht über die Hügel von Latium belohnt.

 

Blick über die Hügel von Lazio

 

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Ein nervendes Geräusch!

15. Januar 2015

Seit einigen Tagen verunsichert uns ein seltsames Klicken in unserem Batterieladegerät, das tagsüber in regelmässigen Abständen auftritt.

In Frosinone gibt es eine offizielle Truma-Vertretung. Grund genug für uns, dorthin zu fahren.
Der Chef schaut sich das Ganze kurz an und bestellt uns auf morgen, 14:30 Uhr.

Wir übernachten auf einem riesigen Parkplatz etwas unterhalb des Stadtkerns.

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Schweizer Pünktlichkeit

16. Januar 2015

Pünktlich, wie wir Schweizer sind, stehen wir kurz vor 14:30 Uhr vor den verschlossenen Toren der Firma. Etwas nervös warten wir: Hat der Chef wohl gestern vergessen, dass heute Freitag ist und die Werkstatt am Freitagnachmittag geschlossen bleibt?
Doch unsere Sorge ist unbegründet. Um ca. 15:10 Uhr fährt er vor und öffnet die Tore. Das Mittagessen hat wohl etwas länger gedauert.

Ein Mitarbeiter, der sehr kompetent scheint, prüft unsere Solaranlage und unser Ladegerät auf Herz und Nieren. Er kann nichts finden, alles sei in bester Ordnung. Wieso das Ladegerät nun plötzlich Töne von sich gibt, die wir in all den Monaten vorher nicht vernommen haben, weiss auch er nicht zu erklären.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Weiter südwärts

17. Januar 2015

Am Morgen finden wir die Bibliothek von Frosinone mit funktionierendem WiFi, wo wir endlich wieder einmal auf unsere Mailbox zugreifen können.

Am Nachmittag fahren wir weiter Richtung Sizilien.
Am Abend vermuten wir, dass die „Grotte di Pastena“ uns einen hübschen Schlafplatz bieten könnten. Aber der Weg dorthin zieht sich in die Länge, und wir sehen nirgends Angaben, wie weit es noch ist. Irgendwann geben wir auf und übernachten auf einem Parkplatz beim Friedhof unterhalb der Kirche San Antonio kurz nach Pastena.

 

 

Direkt neben unserem Wohnmobil verbringen zwei in Stein gehauene Ochsen die Nacht. Die Inschrift „Il Maggio“ (der Mai) lässt uns zuerst ratlos.
Unsere Nachforschungen ergeben, dass hier in Pastena jeweils der Maibaum von zwei grossen, weissen Ochsen ins Dorf gezogen wird, was Anlass zu einem ersten Maifest bietet.

 

 

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Unruhige Nacht!

18. Janur 2014

Heute fahren wir bei Dauerregen über den Passo San Nicola, der im Naturpark Monti Aurunci liegt. Eine kurze Regenpause nutzen wir, um uns zu informieren und zu fotografieren. Die Gegend gefällt uns sehr und es gibt viele Wanderwege. Wir beschliessen später einmal hierher zurückzukehren.

 

Blick vom Passo San Nicola

 

Dann geht es weiter auf der Hauptstrasse um Neapel herum und dem tyrrhenischen Meer entlang. Wir sind müde, es wird langsam dunkel und wir finden keinen Platz, den wir zum Schlafen geeignet finden. Endlich … da rechts … ein Parkplatz, der uns passend scheint.
Hier, in Sarno, gegenüber dem Friedhof, bleiben wir.

Wir spassen noch und finden, der Ausblick auf die umliegenden Hügel mit ihren Ruinen, würden sich bei diesen dämmrigen Lichtverhältnissen gut als Kulisse für einen Horrorfilm eignen.

 

In der Nacht erwachen wir, da dauernd irgendwelche Autos auf den Platz und wieder weg fahren oder mit laufenden Motoren stehen bleiben.
Uns ist nicht mehr nach Spassen zumute. Was läuft hier ab, findet nun der Horrorstreifen in der Realität ab? Befinden wir uns mitten auf einem Drogenumschlagplatz?

An Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Erst am Morgen sehen wir was in der Nacht los war. Nicht der Horror hat hier stattgefunden, ganz im Gegenteil…. Die vielen herumliegenden Papiertaschentücher und Präservative zeigen, wir haben auf einem „Platz der Liebe“ übernachtet und nicht, wie wir befürchteten, in der Vorstufe zur Hölle.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Flucht aufs Land

19. Januar 2014

Die letzte Nacht hat uns genug „städtische Verhältnisse“ beschert. Wir haben Sehnsucht nach dem Landleben. Deshalb fahren wir nach Padula, wo ein Bauer Standplätze vermietet. Ein Telefonanruf bestätigt uns, dass dort auch wirklich ein Internetzugang vorhanden ist.

Unterwegs fallen uns zwei Möglichkeiten der Nutzung von Sonnenenergie auf: Direkt, durch Wärmegewinnung in Treibhäusern, oder durch Stromgewinnung via Fotovoltaikanlage.

 

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

4 Gedanken zu “Auf dem Weg nach Sizilien

  1. Wie immer ist es eine große Freude zu lesen, wo ihr gerade seid und was ihr gerade erlebt. Da erwacht schon auch Fernweh!

  2. Ah, schön euch zu lesen! Und die Bilder und Abenteuer, die ihr gesammelt habt: So toll.
    Schliesst ihr eigentlich den Caravan über Nacht ab (von innen)?

    In heissen Quellen haben wir vor ca. einem Monat in den Pyrenäen auch gebadet. Sooo herrlich riesig wie eure waren unsere aber nicht.
    Faszinierend 😀
    Gute Weiterreise!

    • Da wir meistens frei stehen, schliessen wir das WoMo jeweils ab. So haben wir mehr Zeit, falls sich jemand nachts an den Türen zu schaffen machen würde (was bisher zum Glück noch nie der Fall war).
      Ja, das Baden in den heissen Quellen tut gut. Outdoor macht es noch viel mehr Spass als in einem Thermalbad.

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