Peloponnes ade!

 

Von einer grossen und vielen kleinen Attraktionen

16. Februar 2018

Die Sonne ist zurückgekehrt und unser Thermometer steigt auf über 20°C.
Deshalb verlassen wir den Campingplatz und fahren weiter gegen Norden. Der Wind bläst immer noch stark und im Bad in Agia Kiriaki baden die Wellen für sich allein. Kein Mensch wagt sich heute in das aufgewühlte Wasser.

 

„Badi“ in Agia Kiriaki

 

Wir lassen uns durch blühende Bananenstauden ablenken und schauen nicht mehr aufs Navi. Plötzlich fahren wir am Eiffelturm vorbei!
Der steht doch in Paris und nicht in Filiatra auf dem Peloponnes … haben wir geglaubt.

 

Eiffelturm in Filiatra

 

Natürlich müssen wir googeln und finden heraus, dass dieser ca. 40 Meter hohe Turm von einem in die USA ausgewanderten Griechen der Gemeinde geschenkt wurde. Er wollte seinem unbedeutenden Heimatdorf wenigstens eine Attraktion geben.

Uns hätten die Blüten der hohen Bananenstauden als Attraktionen gereicht. Auf den Azoren besassen wir eigene Bananen. Schon damals haben uns die seltsamen Fruchtstände fasziniert.

 

Blüte einer Bananenpflanze in Filiatra

 

 

 

Nun geht es weiter an den Kaiafa-See. Das Thermalbad dort ist im Winter geschlossen. Das Wasser fliesst durch einen Bach in den See. Aber der lauwarme, schweflig riechende Bach ist verschlammt und lädt nicht zum Baden, aber dafür der wunderschöne Platz am See zum Übernachten.

 

Übernachtungsplatz am Kaiafa-See

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Man muss ja nicht alles verstehen!

17. Februar 2018

Nach einer sehr ruhigen Nacht frühstücken wir gemütlich an diesem lauschigen Platz und brechen dann auf. Natürlich erst nachdem wir den selbsternannten vierbeinigen Wächter gefüttert haben, der sich gestern Abend bei uns gemeldet und neben unserem Wohnmobil geschlafen hat.

Die Strasse, auf der wir fahren, scheint noch im Bau zu sein. Frisch asphaltierte Abschnitte wechseln sich mit buckligen Pisten ab. Weit und breit sind jedoch keine Arbeiter oder Baumaschinen zu sehen. Ist vielleicht das Geld ausgegangen?
Vor Miarakiti fahen wir über eine alte, schmale, baufällige Brücke, neben der eine beinahe fertige steht. Die neue ist sogar schon mit Leitplanken versehen, jedoch nicht an die Strasse angeschlossen.
Man muss ja nicht alles verstehen!

 

Neue Brücke vor Miarakiti

 

Vier kleine Ecken müssen noch betoniert werden, doch das Schalungsmaterial wurde bereits weggeführt. Die vorstehenden Armierungseisen sind in den Augen von Beat, dem ehemaligen Maurer, ein modernes Kunstwerk.

 

Armierungseisen-Kunstwerk

 

Auf einem Parkplatz bei Karitena legen wir eine Pause ein. Von hier steigen wir zur byzantinischen Alfios-Brücke hinunter. Diese ist jedoch baufällig, das Betreten ist verboten.
Viel schöner ist der Blick unter der neueren Brücke hindurch hinauf zur Festung, die 1254 errichtet wurde. Heute stehen nur mehr die Aussenmauern der Anlage.

 

Festungshügel von Karitena

 

Das Dorf Stemnisa gefällt uns. Es scheint sich gemütlich zwischen die Hügel zu kuscheln.

 

Stemnisa

 

Kurz vor Kalavrita führt die Strasse schneckenförmig um den Hügel herum zum Heldendenkmal hinauf.
Dieses erinnert an den Beginn des Griechischen Unabhängigkeitskrieges 1821. Es stellt den Soldaten, den Priester und das befreite Griechenland dar.

 

Irooi-Denkmal: der Krieger, der Priester und das befreite Griechenland

 

Die Rundumsicht ist fantastisch. Einige Wiesen stehen nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage unter Wasser.

 

Überschwemmte Wiesen bei Kerpini

 

Wir beschliessen diese Nacht am Strassenrand auf dem Hügel zu verbringen und parken so, dass wir möglichst lange die Abendsonne und morgen möglichst früh die ersten Sonnenstrahlen geniessen können.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Massaker von Kalavrita

18. Februar 2018

Die Morgensonne färbt die schneebedeckten Berge des Erymanthos-Massivs rosa.

 

Morgenstimmung vom NOBIS aus

 

Die Nacht war mit 5°C sehr kalt. Wir sind froh, dass wir nicht in der Ebene im feuchten Nebel übernachtet haben. Dieser löst sich schnell auf.

Wir fahren an den überschwemmten Wiesen vorbei und geniessen die Bilder, die daraus entstehen.

 

 

Die alten, knorrigen Bäume wirken gespiegelt wie filigrane Scherenschnitte.

 

 

In Kalavrita besuchen wir zuerst die Gedenkstätte auf dem Exekutionsplatz und anschliessend das Holocaust- Museum des Massakers vom 13. Dezember 1943.

 

Gedenkstätte des Massakers von Kalavrita

 

 

 

 

 

Griechische Freiheitskämpfer nahmen Mitte Oktober 1943 rund 80 deutsche Soldaten fest. Diese wollten sie gegen Kriegsgefangene austauschen.
Die Nazis versuchten jedoch ihre Kameraden mit Gewalt zu befreien, weshalb die Partisanen ihre Gefangenen am 7. Dezember 1943 töteten.
Darauf wurde die „schärfste Form der Sühnemassnahmen“ befohlen. Kalavrita und 25 weitere Dörfer sowie das Kloster Agía Lávra sollten zerstört werden.
Am 13. Dezember mussten sich alle Bewohner des Orts im Schulhaus versammeln. Die Frauen und Kinder wurden eingesperrt. Sämtliche männlichen Bewohner über 15 Jahren richteten die Nazis auf dem nahen Hügel mit Maschinengewehrensalven hin. Nur 13 der 653 Männer überlebten das Massaker, weil sie von den Deutschen für tot gehalten wurden.
Alle Häuser des Dorfes wurden niedergebrannt, das Vieh konfisziert.

 

Eine Frau schleppt ihren erschossenen Mann weg, um ihn zu beerdigen.

 

Die verzweifelten Frauen versuchten (oft mit blossen Händen) ihre Toten in der gefrorenen Erde zu begraben.

In dem ehemaligen Schulhaus wurde ein Holocaust-Museum eingerichtet. Unter anderem erzählen Überlebende auf Videos, wie sie diese Tage erlebt haben.
Das geht unter die Haut!

Hier drei der ausgestellten (Original-)Schriftstücke der deutschen Wehrmacht:

 

 

 

 

Lange sitzen wir sprachlos in einem nahen Café und versuchen diese geballte Ladung an Unmenschlichkeit zu verdauen.

Später raffen wir uns auf, um nach Ano Mesorrougi zu fahren. Von dort wollen wir morgen zum Fluss Styx wandern.
Die starken Unwetter vom November und der letzten Tage haben viele Schäden verursacht. Überall sind Spuren von Murgängen zu sehen. Ein riesiger Felsblock hat gar eine massive Stützmauer beschädigt.

 

 

Die Strasse hinauf nach Ano Mesorrougi wird immer schmaler, teilweise ist der Rand unterspült und weggebrochen. Angeschwemmte Erde liegt haufenweise auf und neben der Fahrbahn.
Da das Wetter sehr wechselhaft ist, brechen wir kurz hinter Valimi unser Unternehmen ab und kehren um. Wir wollen in dem unstabilen, wassergesättigten Gelände kein unnötiges Risiko eingehen.

 

Kurz vor Ampelokipoi

 

In Valimitika stellen wir uns auf einen gepflästerten Parkplatz ans Meer. Hier in der Ebene sind keine Murgänge zu erwarten.

Link zur heutigen Strecke:

 

 

Letzter Tag auf dem Peloponnes

19. Februar 2018

Morgen werden wir den Peloponnes verlassen. Zum Abschluss wollen wir die berühmte Hängebrücke von Patras bei Nacht bewundern. Da wird sie jeweils blau beleuchtet, steht im Reiseführer.

Wir suchen deshalb einen Übernachtungsplatz mit gutem Blick auf das kolossale Bauwerk. Ein Ozeanriese liegt an einem kleinen Dock festgebunden wenige Meter vor uns im Meer. Hat der keinen Tiefgang oder fällt hier der Strand so abrupt ab?

 

 

 

 

Heute scheint der nationale Drachenflugtag zu sein. An jeder Ecke stehen Eltern und lassen Drachen steigen. Die Kinder dürfen jeweils zu den Flugobjekten hochschauen und sich daran freuen.
Das Ganze erinnert ein wenig an den Vater, der seinem Sohn eine elektrische Eisenbahn zu Weihnachten schenkt. So eine hatte er sich als Kind sehnlichst gewünscht. Nun darf er endlich damit spielen … der Vater.

 

 

Ein Drachen hat sich selbständig gemacht und lacht nun von den Streben der Brücke herab den Besitzer aus, der ihn gängeln wollte (nach Duden: „einen anderen in seinem Handeln beeinflussen oder bestimmen“).

 

 

Ein kleiner Junge freut sich riesig, als sein Vater den Drachen vom Himmel holt. Fröhlich rennt er hin und her und versucht das Flugobjekt am Schweif zu fassen.

 

„Gleich hab ich dich!“

 

Ach ja, … eigentlich wollten wir ja über die Brücke schreiben und sie in ihrer nächtlichen Pracht zeigen.
Also: die Meeresenge zwischen Rio und Antirrio ist zwar nur 2,5 km breit, aber diese haben es in sich. Das Gebiet liegt auf zwei verschiedenen tektonischen Platten und driftet pro Jahr um mehrere Millimeter auseinander. Es treten immer wieder heftige Erdbeben auf. Und der Meeresgrund besteht aus instabilen Sand- und Tonschichten. Lange Zeit hielt man es für unmöglich bei solchen Gegebenheiten eine sichere Brücke zu bauen.
Die 2004 eingeweihte Harilaos-Trikoupi-Brücke (die zweitlängste Schrägseilbrücke der Welt) wird getragen von vier gigantischen Pylonen, die einen Durchmesser von rund 90 m im Bereich des Sockels aufweisen und mehr als 150 m über die Wasseroberfläche ragen. Diese Träger stehen auf bis zu 3 m dicken Gleitlagern, welche wiederum auf einer Platte mit mehr als 100 m Durchmesser befinden. Sie haben also keine feste Verbindung zum Untergrund. Die Fahrbahnen hängen „frei“ an Fächern von Stahlseilen.

Und sie wird um diese Jahreszeit nachts NICHT beleuchtet!

 

 

 

 

 

 

Natürlich fehlt auch das Detail nicht, denn womit brüsten sich selbstbewusste Boulevard-Journalisten? … Genau: „Wir gehen näher ran!“

 

 

Link zur heutigen Strecke:

 

 

4 Gedanken zu “Peloponnes ade!

  1. Hallo Ihr beiden, Euer Bericht ist wieder wunderbar. Mir gefallen Eure „kleinen“ Beobachtungen der Menschen, Natur und Technik. Hatte am Rosenmontag (eine Woche später als zu Hause) die gleichen Gedanken. Die Väter versuchten im lauen Wind Drachen steigen zu lassen. Alles natürlich nur den Kindern zu Liebe. Viel Freude auf der Ziegenfarm wünschen Susanne und Peter

    • Hallo Susanne und Peter

      Entschuldigt, dass wir erst jetzt antworten. Wir hatten auf der Ziegenfarm zwei Wochen lang keinen Internetempfang.
      Herzlichen Dank für das Feedback. Ihr erlebt auf eurer Reise ja selber, wie interessant die Welt ist, was es da alles zu sehen und zu bestaunen gibt.

      Herzliche Grüsse aus Montenegro
      Beat und Annette

  2. Wieder viele gelungene Fotos und interessante Kommentare. Ich bin noch weit im Verzug, habe ca. die letzten 6 Beiträge noch gar nicht gelesen! Aber gespeichert ist alles und gibt einmal Lesestoff für später….., wann? Kommt Zeit, kommt Rat.
    Was steht denn als nächstes Land auf eurem Plan?
    Liebe Grüsse aus dem winterkalten (-15° nachts) Ungarn.
    Die Hunde finden das blöd, verkriechen sich in den Stall, wir an den Kachelofen oder ins Thermalbad!

    • Wir wünschen dir jetzt schon viel Spass mit unseren Berichten.
      Zur Zeit sitzen wir in Sarandë (Albanien) in einem Hotel und warten das Ende der Kälteperiode ab (+ 4°C nachts 😉 ). Wir sind halt noch etwas verwöhnt von Kreta, wo wir tagsüber meistens über 20°C geniessen konnten.
      Morgen geht es weiter Richtung Monte Negro, wo wir für zwei Wochen auf einer Ziegenfarm arbeiten werden.

      Wir wünschen euch alles Gute und wieder „moderate“ Temperaturen.

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